Das Einzige, was jetzt noch zählt

Autor: Agnès Ledig
Genre: Roman
Verlag: dtv premium
ISBN: 978-3-423-26108-1
Erscheinungsdatum (D) 22.07.16 Erschienen 2014
Seiten 384
Übersetzung Lisa-Maria Rust

Das Einzige, was jetzt noch zählt Pars avec lui

Inhalt

Bei einem Einsatz, bei dem er versucht, das Leben eines Kindes zu retten, stürzt der junge Feuerwehrmann Roméo aus dem achten Stock eines brennenden Hauses. Als er auf der Intensivstation aufwacht, stürzt ihn die Erkenntnis, wie lange der Weg zurück ins Leben für ihn sein wird, in eine tiefe Krise. Hoffnungslosigkeit und Verzweiflung brechen über Roméo herein, und lediglich die Krankenschwester Juliette vermag es, dem jungen Mann immer wieder Mut zu machen, ihn auf dem Weg zur Genesung zu unterstützen. Sehnsüchtig wartet Roméo auf die Momente, in denen sich Juliette an sein Bett setzt und ihm die eine oder andere verstohlene Umarmung schenkt. Und auch für Juliette sind diese Augenblicke mit dem jungen Feuerwehrmann etwas ganz Besonderes, sieht es doch in ihrem eigenen Leben gerade auch nicht sonderlich rosig aus.

Als Roméo in die Reha verlegt wird, trennen sich die Wege der beiden zunächst, doch dann entspinnt sich ein zarter Briefwechsel zwischen ihnen, der allerdings von Juliettes eifersüchtigem Freund jäh beendet wird. Der verbietet Juliette jeden weiteren Kontakt mit Roméo, und aus Angst, ihre Beziehung zu gefährden, geht die Krankenschwester darauf ein. Jahre später erst kreuzen sich die Wege dieser beiden Menschen erneut auf schicksalhafte Weise und längst haben sie erkannt, dass eine scheinbar zufällige Begegnung ihrer beider Leben für immer verändert hat…

Buchkritik von Stefanie  Rufle

Es ist eine bezaubernde, fein gesponnene und zugleich schwer zu ertragende Geschichte, die uns die französische Autorin Agnès Ledig in ihrem Roman „Das Einzige, was jetzt noch zählt“ erzählt. Eine Geschichte, die vor allem durch das traurige Schicksal der scheinbar so glücklichen und starken Krankenschwester Juliette nachhaltig beeindruckt. In den Schilderungen ihres immer mehr ins Bodenlose kippenden privaten Glücks gleicht dieser Roman fast schon einem Thriller, der mit perfiden und brutalen Schilderungen nicht hinter dem Berg hält. Mit bestechend klarem Blick für Details und großem psychologischen Gespür liefert Ledig hier das Psychogramm einer zerrütteten Beziehung und der daraus resultierenden Übergriffe, die immer brutalere Formen annehmen. Auch wenn das stellenweise kaum auszuhalten ist, gelingt es Ledig doch, damit die dunkle, hässliche Seite dieser Geschichte zu beleuchten.

Auf der anderen Seite steht eine Liebesgeschichte, die von großem Respekt und tiefem Vertrauen geprägt ist und doch zunächst nicht sein darf, weil Zeit und Ort nicht stimmen. Auf berührende Weise wird man Zeuge der zögerlichen Annäherung von Roméo und Juliette und hofft gerade in den Momenten, die von Gewaltexzessen beherrscht werden, auf ein glückliches Ende. Mit „Das Einzige, was jetzt noch zählt“ begibt man sich als Leser auf eine Gratwanderung zwischen Hoffnungslosigkeit auf der einen Seite und dem bedingungslosen Streben nach Glück auf der anderen. Bis zum letzten Moment hofft man, Juliette möge sich für die richtige, die helle Seite entscheiden und den Weg zurück ins Leben finden – den sie Roméo einst am Krankenbett geebnet hat. „Das Einzige, was jetzt noch zählt“ ist ein wundervoller, lange nachhallender Roman, der tief verborgene Saiten anklingen lässt.

BOOKSECTION • Im Grütt 1 • 79713 Bad Säckingen