Böse Lügen

Autor: Sharon Bolton
Genre: Thriller
Verlag: Manhattan
ISBN: 978-3-442-54765-4
Erscheinungsdatum (D) 19.10.15 Erschienen 2015
Seiten 461
Übersetzung Marie-Luise Bezzenberger

Böse Lügen Little Black Lies

Inhalt

In dem kleinen Ort Stanley auf den Falklandinseln leben die Menschen in einer verschworenen Gemeinschaft zusammen, in der es unvorstellbar scheint, dass kleine Kinder verschwinden. Doch genau das passiert mit dem kleinen Archie, der bei einem fröhlichen Ausflug mit seiner Familie verloren geht und nicht wieder auftaucht. Auch wenn die Menschen in Stanley es nicht wahrhaben wollen, kann es sich hier nicht um einen Zufall handeln, denn Archie ist nicht das erste Kind, das verschwindet, sondern bereits das dritte. Der Verdacht, dass sich unter ihnen womöglich ein Mörder befindet, treibt Stanleys Bewohner allmählich in einen panikartigen Zustand, der von Misstrauen und Hysterie beherrscht ist.

Catrin Quinn, die seit dem Unfalltod ihrer beiden Söhne völlig zurückgezogen lebt, ist mit ihren ganz eigenen Dämonen beschäftigt – und die könnten dunkler und grausamer nicht sein. Als sie sich zu einer Tat gezwungen sieht, für die sie von den meisten Mitbürgern verurteilt wird, entsteht eine regelrechte Hexenjagd, in deren Zentrum sie selber steht. Nur ihr ehemaliger Liebhaber Callum, der seit dem Falklandkrieg schwer traumatisiert ist, hält zu Catrin und versucht verzweifelt, in ihr wieder die Frau zu finden, die er einst so sehr geliebt hat. Mit Rachel, Catrins einstmals bester Freundin, verbindet die beiden ein dunkles Band, das sie zu den finstersten Orten ihrer Seele führt…

Buchkritik von Stefanie  Rufle

Sharon Bolton ist eine wahre Meisterin darin, die dunkelsten und verabscheuungswürdigsten Abgründe der menschlichen Psyche ans Tageslicht zu befördern und dabei Hochspannung hervorzurufen. Wie keine andere versteht sie es, ihre Charaktere mit allem zu versehen, was eine gequälte und gepeinigte Seele ausmacht. Catrin Quinn ist eine Protagonistin, die einem das Blut in den Adern gefrieren lässt, die bis zum Ende undurchschaubar und unberechenbar bleibt und die in ihrer Charakterzeichnung restlos fasziniert. An ihrem Beispiel zeigt Bolton, ebenso wie an dem von Callum und Rachel, wie die Vergangenheit uns nicht loslassen will, uns bis in unsere Träume und geheimsten Gedanken verfolgt, bis wir endlich bereit sind, uns ihr stellen. Dabei lässt die Autorin uns nur allmählich in die dunklen Abgründe dieser Figuren blicken, hält die entscheidenden Aspekte geschickt zurück und offenbart die Wahrheit in kleinen Portionen, bis man es vor Anspannung kaum noch aushalten kann.

Immer geht es bei Sharon Bolton um das, was hinter den Handlungen ihrer Charaktere liegt, um das, was die Menschen antreibt, sie motiviert oder hindert, Dinge zu tun. In „Böse Lügen“ erfährt diese Motivation, wenn überhaupt möglich, noch eine Steigerung und macht dieses Buch zu einem Thriller, der förmlich unter die Haut geht. Sharon Boltons Art zu erzählen erweckt beim Leser den Eindruck, sich ständig auf dünnem Eis zu bewegen, immer mit der Angst im Nacken, jeden Moment einzubrechen. Mit diesem brillant aufgebauten Thriller legt Bolton einen neuen Beweis ihrer meisterhaften Erzählkunst vor.

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