Die rechte Hand des Teufels

Autor: Kim Zupan
Genre: Thriller
Verlag: Knaur
ISBN: 978-3-426-51515-0
Erscheinungsdatum (D) 03.11.14 Erschienen 2014
Seiten 327
Übersetzung Marie-Luise Bezzenberger

Die rechte Hand des Teufels The Ploughmen

Inhalt

Val Millimaki ist Deputy – eigentlich mit Leib und Seele. Doch in letzter Zeit machen ihm ein paar Umstände das Leben schwer. Zum einen hat er seit geraumer Zeit bei seinen diversen Bergungsaktionen Vermisster keinen mehr lebend gefunden, zum anderen ist ihm ein Gefängnisnachtdienst aufgebrummt worden, der ihm den gesamten Schlafrhythmus durcheinander bringt, und zu allem Überfluss ist seine Frau mit der Einsamkeit, die seine Nachtdienste verursachen, hoffnungslos überfordert und läutet eine Beziehungspause ein.
Trotzdem versucht Val den Anforderungen eines Gefängniswärters in Nachtschicht gerecht zu werden und vor allem versucht er, Gerechtigkeit und Fairness den Gefangenen gegenüber walten zu lassen. Keine leicht Aufgabe, denn viele seiner Kollegen sehen das gar nicht so, und so manövriert er sich langsam aber sicher ins Aus.
Ironischerweise ist der einzige Mensch, der sich überhaupt noch für ihn interessiert, der alte John Gload, der sein Leben lang nichts anderes gemacht hat, als Menschen zu töten. Niemals wurde er gefasst, doch jetzt – in seinem hohen Alter – hat er sich selbst gestellt, um sein Leben – wie er es selbst nennt – zu Ende zu leben. Val möchte zwar einerseits nicht unbedingt persönlichen Kontakt mit einem Schwerverbrecher, kann sich aber andererseits der offensichtlich gut gemeinten Beachtung nicht entziehen. Das wiederum führt zu einer erstaunlichen Entwicklung …

Buchkritik von Angelika  Koch

Es gibt ausreichend Dinge, die in diesem Buch überzeugen können. Vor allem sind dies zwei: der unglaublich gute, fast schon poetische Schreibstil des Autors und die glaubhafte Darstellung menschlicher Zerrissenheit. Dabei bewertet Kim Zupan nicht, sondern lässt den Leser selbst entscheiden, ob er nun die Protagonisten mag oder nicht, ob er sie versteht oder nicht. Einen Schwerverbrecher derart normal und menschlich darzustellen, ohne allzu viel Sympathien dabei zu wecken ist eine Gratwanderung, die dem Autor jedoch ausgezeichnet gelungen ist. Wieder einmal stellen sich dem Leser altbekannte Fragen: Was ist gut und was ist böse? Wo sind die Grenzen? Wer hat das Recht zu (ver)urteilen?
Ohne irgendwelche Klischees zu bedienen, schreitet Zupan mühelos durch diesen Plot und bringt den Leser zum Grübeln, zum Hinterfragen. Das an und für sich ist immer eine wünschenswerte Leistung eines Buches. Eine weitere – heiklere – Frage wirft diese Geschichte noch auf: Hat irgendein Mensch das Recht, das Leben eines anderen zu beenden? Sein eigenes inbegriffen? In „Die rechte Hand des Teufels“ kommt einem das erschreckend selbstverständlich vor, als wäre es ein Kavaliersdelikt. Das wiederum wirft vielleicht auch kein gutes Licht auf den eigenen Charakter, zeigt aber, wie schnell man sich einlullen lassen kann. Es besteht der Verdacht, dass genau das die Absicht des Autors war. Vielleicht nimmt man ihm das am Ende des Buches sogar ein bisschen übel, fühlt man sich doch etwas überrumpelt.
Wenngleich der Geschichte zum guten Schluss doch noch das letzte Quäntchen Spannung oder Überraschung fehlt, hat dieses Buch seinen Sinn nicht verfehlt: Es hat unterhalten und hat den Leser mit Sicherheit über die eigentlichen Lesestunden hinaus beschäftigt.

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