Das Elfenbeinzimmer

Autor: Laila El Omari
Genre: Roman
Verlag: Piper
ISBN: 978-3-492-30584-6
Erscheinungsdatum (D) 13.04.15 Seiten 352

Das Elfenbeinzimmer

Inhalt

Nach dem Tod ihrer Mutter trägt Jana plötzlich die Verantwortung für ihre sechzehnjährige Schwester Marla. Eine Aufgabe, die der Achtundzwanzigjährigen eine Menge abverlangt, zumal sie beschlossen hat, mit ihrer Schwester nach Marokko zu ziehen. Dort lebt ihr Ehemann Joaquín, von dem sie seit einiger Zeit getrennt lebt, mit dem sie nun aber einen Neuanfang wagen möchte. Marla ist alles andere als begeistert von der Vorstellung, ihre Heimat zu verlassen, doch der gewaltigen Farbenpracht Marokkos kann selbst sie sich nicht entziehen.

Der alte Familiensitz, auf dem Jana und Marla von nun an gemeinsam mit Joaquín und dessen Vater Alejandro leben sollen, fasziniert Jana vom ersten Moment an. Gewaltige Säulen, verspiegelte Wände und endlos erscheinende Gänge lassen das ganze Haus wie ein einziges Labyrinth erscheinen. Immer öfter begibt Jana sich auf Erkundungstour und stößt schließlich auf ein prächtiges, elfenbeinfarbiges Zimmer, das sie in ihren Bann zieht. Doch dieses Zimmer hat eine grausame Vergangenheit und birgt eine finstere Geschichte, die ihre krallenartigen Arme bis in Joaquíns und Janas Leben ausstreckt…

Buchkritik von Stefanie  Rufle

Laila El Omari wartet in ihrem Roman „Das Elfenbeinzimmer“ mit gängigen Klischees auf, die Lesern dieses Genres sicher nicht fremd sein werden. Dennoch birgt ihre Geschichte einige durchaus viel versprechende Elemente, aus denen sich ein Pageturner hätte entwickeln können. Doch leider ereilt „Das Elfenbeinzimmer“ das denkbar schlimmste Schicksal – seine Charaktere kommen einfach nicht beim Leser an. Vor allem Jana und deren schweigsamer Mann Joaquín wirken derart farblos und distanziert, dass man keinen von beiden vermissen würde, würde er sich auf Seite fünfzig für immer verabschieden. Was diese beiden Figuren miteinander verbindet, bleibt bis zum Schluss ein Rätsel, bis auf gelegentliche Sexeskapaden scheinen sie so rein gar nichts miteinander zu tun zu haben. Auch wenn es El Omari gelungen ist, die pubertierende Marla und den eigenbrötlerischen Alejandro doch ganz glaubhaft und authentisch zu zeichnen, sind es doch insgesamt die farblosen und austauschbaren Charaktere, die verhindern, dass diese Geschichte so richtig ins Fließen kommt.

El Omaris Idee, die Auswirkungen fürchterlicher Bluttaten auf unterschiedliche Generationen einer Familie zu zeigen, ist durchaus reizvoll und stellenweise auch gut umgesetzt. Dabei gelingt es ihr, ein lange gehütetes Familiengeheimnis bis zum Schluss im Verborgenen und somit den Leser bei der Stange zu halten. Doch wirklich lebendig und facettenreich wird „Das Elfenbeinzimmer“ aus den oben genannten Gründen leider bis zum Schluss nicht.

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