Das Seelenhaus

Autor: Hannah Kent
Genre: Roman
Verlag: Droemer
ISBN: 978-3-426-19978-7
Erscheinungsdatum (D) 21.08.14 Erschienen 2013
Seiten 382
Übersetzung Leonie von Reppert-Bismarck, Thomas Rütten

Das Seelenhaus Burial Rites

Inhalt

Im Jahr 1828 wird in Island die Magd Agnes Magnúsdóttir zum Tode verurteilt. Sie soll gemeinsam mit der jungen Sigga und deren Geliebten Fridrik zwei Männer ermordet und verbrannt haben. Während Sigga begnadigt wird, will der zuständige Landrat vor allem an Agnes ein Exempel statuieren. Die Tage bis zur Hinrichtung soll die einstige Magd auf dem Hof eines Beamten zubringen. Froh, dem Kerker entronnen zu sein, nimmt Agnes die Ablehnung der Familie, bei der sie unterkommt, äußerlich gelassen hin. Sie arbeitet hart und versucht das, was ihr von ihrem Leben noch geblieben ist, so gut es eben geht zu genießen.

Dem jungen Pfarrvikar Thorvardur Jónsson fällt die Aufgabe zu, die zum Tode Verurteilte auf den Weg der Reue und Buße zu führen. Ihm vertraut Agnes sich an, erzählt von ihrer großen Liebe, den Hoffnungen, die sie ans Leben hatte und den Träumen, die sich zu erlauben sie schließlich alles gekostet hat. Während dieser langen Gespräche, die die gesamte Familie mithört, beginnt vor allem die Hausherrin Margrét zu ahnen, dass womöglich eine ganz andere Wahrheit hinter den grausamen Morden stehen könnte…

Buchkritik von Stefanie  Rufle

Hannah Kent erzählt in ihrem Debütroman „Das Seelenhaus“ auf berührende und zugleich nüchterne Weise die Geschichte der Agnes Magnúsdóttir, der letzten Person, die in Island hingerichtet wurde. Wie die Autorin in ihrem Nachwort erzählt, beruht ihre Interpretation der damaligen Ereignisse auf langjähriger, intensiver Recherche, und diese Tatsache macht „Das Seelenhaus“ zu einem eindringlichen und bewegenden Zeugnis eines mehr als zweifelhaften Todesurteils. Obwohl Kent mit „Das Seelenhaus“ einen fiktionalen Text vorlegt, hat man stets den Eindruck, sich inmitten der Geschehnisse zu befinden und direkt in die verletzte Seele dieser wortkargen Protagonistin zu blicken, unter deren spröder Oberfläche ein wahrer Vulkan zu brodeln scheint.

Hannah Kent versteht es, den kargen Charme Islands in ihrer Geschichte einzufangen und gemeinsam mit dessen verschrobenen Bewohnern das Bild einer Gesellschaft erstehen zu lassen, in der Frauen niederen Ranges so gut wie keine Rechte hatten. Agnes Magnúsdóttir hatte von Anfang an keine Chance, ihre Geschichte wollte keiner hören, war sie doch in den Augen fast aller eine unmenschliche Hexe und die Initiatorin der grausamen Morde. Voller Empathie und mit viel psychologischem Feingefühl fängt Kent den Menschen Agnes Magnúsdóttir in ihrem großartigen Roman ein und lässt ihre Interpretation der damaligen Ereignisse zu einem überzeugenden Gesamtbild werden.

BOOKSECTION • Im Grütt 1 • 79713 Bad Säckingen