Grausame Schuld

Autor: C. S. Forester
Genre: Krimi
Verlag: dtv premium
ISBN: 978-3-423-26045-9
Erscheinungsdatum (D) 01.03.15 Erschienen 1926
Seiten 240
Übersetzung Britta Mümmler

Grausame Schuld Payment Deferred

Inhalt

Der leitende Bankangestellte William Marbles beschäftigt sich in seinen wachen Augenblicken mit nichts anderem, als der Frage, wie es ihm gelingen könnte, zu mehr Geld zu kommen. Seine Frau Annie gibt in ihrer Naivität viel zu viel aus, lässt ständig anschreiben und ahnt nicht einmal annähernd, wie prekär die finanzielle Situation der Familie tatsächlich ist. Während Annie ausschließlich damit beschäftigt ist, das Haus in Ordnung zu halten, sich um die beiden Kinder John und Winnie zu kümmern und vor allem ihren missmutigen Ehemann nach Strich und Faden zu bedienen, hält der die familiäre Situation und vor allem die Furcht vor einer finanziellen Misere kaum noch aus.

Doch dann taucht völlig unerwartet Williams reicher Neffe James Medland im schäbigen Einfamilienhaus der Marbles auf und macht eine unbedachte Äußerung, die William zu einer völlig spontanen und unüberlegten Handlung verleitet. Einer Handlung, die nicht nur James’ Leben, sondern auch das der Familie Marbles nachhaltig beeinflussen soll…

Buchkritik von Stefanie  Rufle

Zentrale Themen der Kriminalromane C. S. Foresters, die erst jetzt, fast neunzig Jahre nach ihrem erstmaligen Erscheinen, ins Deutsche übersetzt werden, sind Habgier, Eifersucht und Affekthandlungen, die das Leben der Protagonisten nachhaltig verändern. So auch in „Grausame Schuld“, in dem viele Motive dem im Original 1930 erschienen „Gnadenlose Gier“ gleichen, was hin und wieder etwas ermüdend ist. Auch hier begeht ein seiner Familie und seines monotonen Lebens überdrüssiger Familienvater eine Tat, die ihn immer weiter hineinzieht in einen Morast aus Lügen, Täuschung und Angst. C. S. Forester war ein Meister darin, die dunklen Abgründe seiner Figuren an die Oberfläche zu bringen, mit ihren niederträchtigsten Gedanken zu spielen und beim Leser so höchst ambivalente Gefühle zu erzeugen. Einerseits verabscheut man diesen William Marbles zutiefst, andererseits ertappt man sich doch immer wieder bei der leisen Hoffnung, er möge vielleicht doch noch davonkommen.

Wie auch in „Gnadenlose Gier“ beleuchtet Forester hier die Rolle der Frau im England der 1920er Jahre – eine Tatsache, die dem heutigen Leser die Geschichte in einem ganz eigenen Kontext erscheinen lässt. Es ist vor allem die messerscharfe und psychologisch ausgefeilte Figurenzeichnung, die diesen Crime Noir auch heute zu etwas ganz Eigenem macht. Auf äußerst perfide Weise macht C. S. Forester in „Grausame Schuld“ deutlich, wie die Schuld selbst am Ende zu einem unerbittlichen Richter werden kann.

BOOKSECTION • Im Grütt 1 • 79713 Bad Säckingen