Siebenschön

Autor: Judith Winter
Genre: Thriller
Verlag: dtv
ISBN: 978-3-423-21489-6
Erscheinungsdatum (D) 01.02.14 Seiten 432

Siebenschön

Inhalt

Emilia Capelli hat sich ihren Status als Ermittlerin bei der Frankfurter Polizei hart erarbeitet. Tough und zielstrebig geht sie ihren Weg und lässt sich nicht von der Überzahl der männlichen Kollegen unterkriegen. Als ihr Partner in Elternzeit geht, hofft sie darauf, dass ein guter Freund dessen Nachfolger wird. Aber sie wird herbe enttäuscht. Eine Frau wird ihr zur Seite gestellt, die nicht nur Chinesin ist – Mai Zhou – sondern zumindest von der äußeren Erscheinung her zu urteilen genau diesem Klischee entspricht. Emilia – genannt Em – kann es nicht fassen. Was will diese eingebildete Pute, die auf den ersten Anschein hin genauso kühl und gefasst wirkt, wie man sich das von einer Asiatin denken könnte? In Mai wiederum brodelt es, denn eigentlich ist sie so ganz anders – impulsiv und laut – aber sie hat gelernt, dass die Diskrepanz zwischen ihrem Äußeren und ihrem wirklichen Verhalten die Menschen zu sehr irritiert. So spielt sie nun die Rolle der beherrschten Chinesin.
Und der Start ihrer Zusammenarbeit könnte schlechter nicht sein, nicht nur im Hinblick auf schier unüberwindbare Differenzen zwischen den beiden, sondern auch, weil sie einen Mordfall serviert bekommen, der über die Maßen grausam ist. Beide haben schon vieles gesehen, aber der Anblick dieser Frauenleiche bringt beide aus der Fassung. Der Mörder aber hat seine Tat zuvor angekündigt – mit Briefen an scheinbar völlig unbeteiligte Personen, die angeblich nur rechtzeitig genug an den von ihm genannten Schauplatz hätten kommen müssten, um das Opfer zu retten. Und dieser Mord bleibt nicht der einzige.
So stehen die beiden jungen Frauen einer doppelten Herausforderung gegenüber: zum einen, den Täter zu finden und zum anderen, ein Team zu werden. Beides gestaltet sich jedoch äußerst schwierig …

Buchkritik von Angelika  Koch

Mal was anderes. Ermittlerteams bestehend aus zwei Männern oder – öfter noch – aus einem Mann und einer Frau – hatten wir schon oft genug. Zwei Frauen wiederum bilden doch eher die Ausnahme. Aber genau das macht das Buch von Judith Winter so lebhaft und unkalkulierbar. Denn zwei Frauen, die zusammen arbeiten sollen, das hat wirklich Potential. Und dieses Potential spielt die Autorin voll aus. Sie kreiert eine knisternde Spannung zwischen den beiden, die so authentisch ist, dass man gerade als Leserin immer wieder schmunzeln muss.
Doch auch ein anderer Aspekt macht dieses Buch zu einem erfreulichen Leseerlebnis, nämlich der, dass der Plot gut konstruiert, konsequent verfolgt und spannend geschrieben präsentiert wird. Da die beiden Ermittlerinnen sicherlich noch einige künftige Fälle erleben werden, gibt sich die Autorin zwar besonders viel Mühe damit, die Anfänge dieser Zusammenarbeit und die persönlichen Differenzen zwischen den beiden darzustellen, dennoch versteht sie es, die Geschichte selbst nicht zu vernachlässigen, was zusammen eine äußerst erfreuliche Mischung ergibt. Als Leser hat man einfach das Gefühl, mal etwas Neues erzählt zu bekommen, etwas, das sich von der Einheitsmasse der Ermittlergeschichten abhebt.
Wenngleich der Schluss doch ein wenig das Spektakuläre vermissen lässt, kann summa summarum mit Fug und Recht gesagt werden, dass Frau Winter mit Sicherheit eine von den Autorinnen ist, von der wir noch viele gute Bücher erwarten dürfen und die es verstehen wird, das Team der beiden eigenwilligen Frauen noch lange authentisch weiterleben zu lassen. Darauf darf man sich freuen.

Emilia Capelli und Mai Zhou ermitteln gemeinsam in folgenden Fällen:
Siebenschön
Lotusblut
Sterbegeld
Finsterwald

BOOKSECTION • Im Grütt 1 • 79713 Bad Säckingen