Das Gedankenexperiment

Autor: Jonas Winner
Genre: Roman
Verlag: Droemer
ISBN: 978-3-426-28105-5
Erscheinungsdatum (D) 01.04.14 Seiten 400

Das Gedankenexperiment

Inhalt

Kurz vor seinem dreißigsten Geburtstag steht der Philosoph Karl Borchert vor einem wahren Scherbenhaufen: Das Projekt, in das der ehrgeizige junge Mann seine ganze Zeit investiert hat und das endgültig seinen Ruf in der Wissenschaft etablieren sollte, scheitert kläglich. Frustriert nimmt Karl daraufhin das Angebot des gebrechlichen Professors Leonard Habich an, auf Schloss Urquardt in der Nähe von Berlin, an dessen Forschungen mitzuarbeiten. Karl soll als Habichs Privatsekretär dessen Aufzeichnungen sortieren, stößt aber, was dessen rätselhaftes Forschungsvorhaben anbelangt, auf eine Mauer des Schweigens. Hinzu kommen seltsame Vorkommnisse in den alten Schlossmauern gleich nach Karls Ankunft. Er hört Geräusche, die er nicht zuordnen kann und stößt in der Bibliothek auf Gesprächsaufzeichnungen, die ihm regelrecht Angst einjagen.

Trotzdem ist Karl fasziniert vom eindrucksvollen Erscheinungsbild Professor Habichs, der den jungen Mann in einen seltsamen Bann zieht. Der Professor ist überzeugt davon, einem Geheimwissen auf der Spur zu sein, auf das er in den Schriften mehrerer namhafter Philosophen gestoßen zu sein glaubt. Er glaubt sich kurz vor dem entscheidenden Durchbruch, doch dann kommt es zu einer unheilvollen Verkettung der Ereignisse…

Buchkritik von Stefanie  Rufle

Der Berliner Autor Jonas Winner, der vor allem mit seinen beiden Thrillern „Davids letzter Film“ und „Der Architekt“ auf sich aufmerksam machte, legt mit „Das Gedankenexperiment“ nun einen Roman vor, der gänzlich andere Wege einschlägt. Auffallend ist von Anfang an die starke Konzentration auf philosophische Themen und vor allem auf die These, dass die abendländische Philosophie eng mit der Theorie vom Sprachwesen verbunden ist. Vor diesem Hintergrund lässt der Autor einen spannungsgeladenen Roman entstehen, der die Folgen fanatischen Wissenschaftsglaubens zum Thema hat. Auf der Annahme, dass das größte Grauen in uns selbst lauert, baut Winner eine Geschichte auf, die fesselnd, packend und zugleich äußerst tiefsinnig ist.

Dabei wird „Das Gedankenexperiment“ die Leserschaft sicherlich in zwei Lager teilen, sind die Grundgedanken der großen Philosophen doch ganz sicher nicht das, was man erwarten würde, wenn man einen Spannungsroman aufschlägt. Durch seine ständig wiederkehrenden Ausflüge in die Welt der Philosophie und deren Verknüpfung mit den Protagonisten und ihren Erlebnissen geht Jonas Winner das Risiko ein, dass ein Teil seiner Leserschaft auf der Reise durch diesen Roman verloren geht. Doch für all jene, die offen sind für philosophische Denkansätze und deren Bedeutung für unser gegenwärtiges Leben, dürfte „Das Gedankenexperiment“ ein erfrischend anderes und vor allem durch und durch inspirierendes Lesevergnügen werden.

BOOKSECTION • Im Grütt 1 • 79713 Bad Säckingen