Kindertotenlied

Autor: Bernard Minier
Genre: Thriller
Verlag: Droemer
ISBN: 978-3-426-19980-0
Erscheinungsdatum (D) 03.02.14 Erschienen 2012
Seiten 656
Übersetzung Thorsten Schmidt

Kindertotenlied Le Cercle

Inhalt

Commandant Martin Servaz glaubt seinen Ohren nicht zu trauen, als er in einer Nacht im Juli einen Anruf von seiner Jugendliebe Marianne bekommt. Seit ihren gemeinsamen Studienzeiten haben sich die beiden nicht mehr gesehen, doch vergessen konnte Martin Marianne nie wirklich. Nun bittet ihn seine einstige Geliebte verzweifelt um Hilfe, denn ihr Sohn Hugo, Student in Marsac, dem „Cambridge Südwestfrankreichs“, wird des Mordes verdächtigt. Hugo soll seine Professorin in deren Haus ermordet haben, doch der Junge kann sich nur noch daran erinnern, dass er in völlig benebeltem Zustand bei ihr zuhause aufgewacht ist und kurz darauf ihre Leiche in der Badewanne fand.

Als Servaz am Tatort ankommt, wirkt der auf seltsame Weise inszeniert, und auch der Zustand der Leiche ist mehr als verstörend. Was allerdings Servaz’ Blut in den Adern gefrieren lässt ist die Tatsache, dass am Tatort die Musik von Gustav Mahler erklang. Diese Musik bringt er unmittelbar in Verbindung mit dem Serienmörder Julian Hirtmann, der seit Monaten auf der Flucht ist und wie Servaz auch, die Musik Mahlers bewundert. Immer wieder stellt Servaz sich die bange Frage, ob Hirtmann, der während seiner letzten Ermittlungen auf beunruhigende Weise Kontakt zu ihm aufnahm, ihm eine Botschaft übermitteln will. Zugleich wird der Commandant durch diesen Fall mit seiner Vergangenheit konfrontiert, die widersprüchliche Gefühle in ihm wachruft. Offensichtlich existiert in Marsac, wo Servaz einst selbst studierte, ein geheimer Studentenzirkel, der undurchsichtige Ziele verfolgt. Zudem ist auch Servaz’ Tochter Margot Studentin in Marsac, ein Umstand, der dem Commandant zunehmend Sorge bereitet. Alle Fäden laufen an einem einsam gelegenen Stausee in den Pyrenäen zusammen und bringen nicht nur Servaz’ Leben in große Gefahr…

Buchkritik von Stefanie  Rufle

Bereits in seinem Debütroman „Schwarzer Schmetterling“ hat Bernard Minier eindrücklich bewiesen, dass er die Gabe besitzt, atmosphärische Schauplätze zu erschaffen, die seine Leser unwillkürlich in ihren Sog ziehen. Auch in „Kindertotenlied“, dem zweiten Fall von Commandant Martin Servaz, sticht diese nicht alltägliche Begabung wieder auf angenehme Weise hervor. Geschickt verwebt Minier die losen Fäden aus „Schwarzer Schmetterling“ mit den Geschehnissen dieses neuen Thrillers und lässt seine Leser dadurch nahtlos in die Geschichte eintauchen. Vor allem die Tatsache, dass der Serienmörder Julian Hirtmann ständig wie ein Schreckgespenst unsichtbar am Rande der Ereignisse herumgeistert und doch nie wirklich greifbar ist, erweist sich als äußerst geschickter Schachzug Miniers. Dieser Psychopath, der sich auf eigenartige und unheimliche Weise mit Servaz verbunden zu fühlen scheint, verleiht „Kindertotenlied“ eine äußerst dunkle und erschreckende Nuance.

Doch auch der Ermittler Martin Servaz gewinnt in diesem zweiten Fall deutlich mehr Tiefe und lässt Facetten von sich erkennen, die ihn zu einer äußerst reizvollen Hauptfigur machen. Er und seine Kolleginnen Irene Ziegler und Samira Cheung bilden ein absolut gelungenes und fast schon skurriles Gespann, das in seiner Authentizität restlos überzeugt. Minier gewährt hier Einblicke aus Servaz’ Vergangenheit, die an und für sich schon Stoff für einen packenden Thriller bieten würden. Hinzu kommen noch die Einblendungen einer hilflosen Frau, die offenbar irgendwo von einem Perversen gefangen gehalten und systematisch gequält und missbraucht wird. Nach und nach entsteht hier ein erschreckendes Gesamtbild, das „Kindertotenlied“ zu einem Gänsehaut erzeugenden und restlos fesselnden Thriller macht, der einen so schnell nicht mehr loslassen wird.


Commandant Martin Servaz ermittelt in folgenden Fällen:
Schwarzer Schmetterling
Kindertotenlied
Wolfsbeute
Nacht
Schwestern im Tod

BOOKSECTION • Im Grütt 1 • 79713 Bad Säckingen