Das Dorf der Mörder

Autor: Elisabeth Herrmann
Genre: Roman
Verlag: Goldmann
ISBN: 978-3-442-31325-9
Erscheinungsdatum (D) 25.02.13 Seiten 475

Das Dorf der Mörder

Inhalt

Für eine Kindergartengruppe endet ein Besuch im Tierpark in Berlin in einer Tragödie. Ausgerechnet die Kleinen beobachten, wie sich die Wildschweine gierig über menschliche Leichenteile hermachen und die Knochen abnagen. Ein wahrlich grausiger Fund, der innerhalb kürzester Zeit ausreichend Schaulustige anzieht und die junge Streifenpolizistin Sanela Beara, die zufällig in der Gegend war und zum Park gerufen wurde, sehr dabei behindert, die Situation unter Kontrolle zu behalten. Trotz des Chaos schafft sie es jedoch, zwei der Kinder zu befragen und erfährt dabei Details, die ihr später nicht mehr aus dem Kopf gehen sollen.
Doch bevor sie richtig ermitteln kann, wird sie selbst noch dort im Park Opfer eines Angriffs und landet erst mal im Krankenhaus. Noch während ihres Aufenthaltes dort wird eine vermeintlich Schuldige gefunden, die den Mord gesteht. Doch Sanela ist skeptisch. Irgendwas passt so gar nicht zusammen. Das, was die Kinder ihr erzählt haben wirft so einige Ungereimtheiten auf, doch keiner in der Polizeibehörde will ihr glauben. Warum auch? Eigentlich ist die Geschichte damit ja erledigt. Eigentlich. Wäre da nicht der ambitionierte Diplompsychologe, der ein Gutachten über die Mörderin erstellen soll und der ebenfalls seine Zweifel hat. Als dann die Täterin in seinen eigenen Praxisräumen Selbstmord begehen will, sieht er sich bestätigt. Auch Sanela wird immer ungeduldiger und versucht, ihren Chef dazu zu überreden, weiter zu ermitteln. Doch leider will dieser davon nichts wissen.
Unabhängig voneinander ermitteln Sanela und der Psychologe bald auf eigene Faust. Und unabhängig voneinander begeben beide sich dabei in Gefahr ...

Buchkritik von Angelika  Koch

Obwohl diese Geschichte mit einer wirklich ekelerregenden Szenerie beginnt, bleibt das zum Glück nicht so. Die Autorin lenkt danach vor allem auf die verwirrenden und mysteriösen Umstände und die nicht minder mysteriösen Protagonisten. Elisabeth Herrmann versteht es in ganz besonderem Maße, Menschen zwielichtig erscheinen zu lassen, undurchsichtig und geheimnisvoll. Und sie versteht es, den Leser über die ganze Geschichte hinweg im Unklaren zu lassen. Immer, wenn man meinen könnte, zu wissen, wer wie tickt, wird man alsbald eines Besseren belehrt. Sie bedient sich dabei einer solch perfiden psychologischen Raffinesse, die man selten in Büchern findet. Die Authentizität der beschriebenen Personen ist so greifbar, dass man sich als Leser gar nicht mehr entziehen kann. Der Plot selbst ist nicht minder fesselnd und führt direkt in die tiefen Abgründe menschlichen Seins, während er sich hinabwindet in düstere Geheimnisse und grausame Geschehnisse. Dieser Sog ist so stark, dass es für den Leser kein Entkommen gibt.
Wenngleich es dann doch mal irgendwann etwas zu viel des Grausamen wird, so schafft es die Autorin trotzdem, den Spannungsbogen bis zum Schluss zu halten, Zweifel zu streuen, wo noch Sicherheit bestand und Licht zu bringen, wo man undurchdringliches Dunkel vermutete. Ebendiese unerwarteten Wendungen und diese immer wieder gesäten Zweifel machen die Bücher von Herrmann aus. Die große Stärke der Autorin liegt genau hierin. Und darin, den Leser so einzubeziehen, dass er seine eigenen dunklen Seiten hervorbringt und seiner Fantasie keine Grenzen mehr setzt.
Ein kleines bisschen unglaubwürdig bleibt dann leider doch der Schluss, etwas übertrieben und etwas zu menschenverachtend. Aber das sei verziehen, denn wen kümmert das, wenn er schlussendlich doch so gut unterhalten wurde.

Sanela Beara und Lutz Gehring ermitteln trotz aller Differenzen gemeinsam in:
Das Dorf der Mörder
Der Schneegänger

BOOKSECTION • Im Grütt 1 • 79713 Bad Säckingen