Beautiful Disaster

Autor: Jamie McGuire
Genre: Roman
Verlag: Piper
ISBN: 978-3-492-30334-7
Erscheinungsdatum (D) 16.04.13 Erschienen 2011
Seiten 480
Übersetzung Henriette Zeltner

Beautiful Disaster

Inhalt

Abby hat sich ein College ausgesucht, das möglichst weit weg von zu Hause und damit von ihrer Vergangenheit liegt, denn genau die möchte sie nun endgültig hinter sich lassen, um noch einmal ganz von vorne zu beginnen. Voller Hoffnung beginnt sie nun also ihr erstes Collegejahr und läuft prompt Travis in die Arme – genau der Typ Mann, um den sie eigentlich einen großen Bogen machen wollte. Travis ist der Womanizer schlechthin, er raucht, trinkt, prügelt sich und nutzt es schamlos aus, dass ihm die Mädchen reihenweise zu Füßen liegen. Es gibt auf dem gesamten College wohl keine Frau, die nicht schon mit Travis ins Bett gegangen wäre. Aber obwohl Abby genau weiß, dass sie und Travis nicht gut füreinander sind, fühlt sie sich dennoch unwiderstehlich zu ihm hingezogen. Sie lässt sich auf eine verhängnisvolle Wette mit ihm ein, was zur Folge hat, dass sie den scheinbar so abgebrühten Typen bald schon mit ganz anderen Augen sieht.
Abby und Travis werden tatsächlich Freunde, verbringen jede freie Minute miteinander und können sich bald schon ein Leben ohne den anderen nicht mehr vorstellen. Doch noch immer wehrt sich Abby vehement gegen ihre Gefühle, denn ihr Verstand sagt ihr, dass aus ihnen keinesfalls ein Liebespaar werden darf…

Buchkritik von Stefanie  Rufle

Es ist doch einfach nicht zu fassen, dass dieses Buch, als Roman getarnt, tatsächlich seinen Weg zum Piper-Verlag gefunden hat! Was sich hier zunehmend als Highschool-Schmonzette entpuppt, hätte ganz klar als Jugendbuch deklariert werden müssen, dann wäre es bei der richtigen Zielgruppe gelandet. So muss man nun schwülstige Liebesschwüre, Schilderungen alkoholgetränkter Collegpartys und spätpubertäre Konversationen zweier Freundinnen über Liebe, Sex und die hoffentlich bald erfolgenden Heiratsanträge über sich ergehen lassen, die gelinde gesagt lächerlich sind. Liest man den Klappentext von „Beautiful Disaster“, entsteht der Eindruck, es hier zumindest mit einer dunklen Liebesgeschichte zu tun zu bekommen, die einige finstere Geheimnisse birgt. Doch auch diesbezüglich wird man als Leser eher enttäuscht. Alles dreht sich um Dating, ersten Sex, Datingpartys, aufgesparte Jungfräulichkeit, die Frage, wie kurz das Kleid noch sein darf, ohne nuttig zu wirken und um die einzig wichtige Angelegenheit im Leben: den Ring, den der Mann am Finger der Frau sehen möchte, die er liebt und die schließlich seinen Namen tragen soll – mit neunzehn, wohlgemerkt!

Amerikanischer könnte ein Buch wohl kaum sein, als „Beautiful Disaster“, darüber muss man sich im Klaren sein, ehe man sich zum Lesen entschließt. Wenn ein Junge seine Freundin nur „Täubchen“ nennt und Sätze sagt wie: „Ich kann nicht mit dir telefonieren, mein Täubchen ist bei mir.“, dann weiß man als Leser nicht, ob das tatsächlich ernst gemeint sein kann. Ist das tatsächlich alles, was amerikanische Jugendliche umtreibt? Läuft wirklich alles auf den Diamantring am Finger des Mädchens heraus, auf den perfekten Heiratsantrag, der das gemeinsame Glück und damit das zuckersüße Happyend besiegelt? Denn genau das ist „Beautiful Disaster“: zuckersüß und voller schwülstiger Liebesschwüre, die irgendwann einfach nicht mehr zu ertragen sind. Kaum zu glauben in diesem Zusammenhang, dass die Autorin eine erwachsene Frau mit drei Kindern ist. Wie gesagt, als Jugendbuch hätte „Beautiful Disaster“ möglicherweise funktioniert, wobei sich schon die Frage stellt, ob etwas derart amerikanisches bei uns tatsächlich das perfekte Zielpublikum finden wird. In jedem Fall sollten wir uns aber fragen, ob das die Werte sind, die wir unseren Jugendlichen vermitteln sollten, nämlich dass eine Frau sehnsüchtig auf einen Heiratsantrag hoffen soll, weil der das Zeichen dafür ist, dass sie alles richtig gemacht hat, dass sie in der Gesellschaft überhaupt eine Berechtigung als Frau hat. Mit Verlaub, das hört sich nach einem Wertesystem an, das in Deutschland irgendwo in den Fünfzigerjahren angesiedelt werden könnte. Es lässt in der Tat tief blicken, dass dieser Roman den Weg bis in die Top 10 der New York Times-Bestsellerliste gefunden hat.

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