Die Narben der Hölle

Autor: H. Dieter Neumann
Genre: Thriller
Verlag: SWB Südwestbuch
ISBN: 978-3-942661-68-3
Erscheinungsdatum (D) 08.08.12 Seiten 290

Die Narben der Hölle

Inhalt

Johannes Clasen hat die Hölle hinter sich. Am Hindukusch in Afghanistan hat sich sein Schicksal gewendet. Bei einem Einsatz der Bundeswehr in Zusammenarbeit mit dem US-Militär hat er angeblich einen Mann und – viel schlimmer – zwei Kinder erschossen. Angeblich, denn er kann sich an diese Zeitspanne nicht erinnern. „Kongrade Amnesie“ lautet in Deutschland die Diagnose. So sehr er hofft, dass das nicht der Wahrheit entspricht, der Militärbericht, der nach ausführlichen Recherchen erstellt wird, bestätigt es, auch wenn es keiner so wirklich gesehen hat. Alle Indizien jedoch weisen darauf hin, dass Johannes in Notwehr geschossen hat. Da er selbst schwer verletzt und dem Tod näher als dem Leben war, muss er in Deutschland eine lange Zeit der Behandlungen und psychologischen Gespräche hinnehmen. Mittlerweile haben Panikattacken sein Leben im Griff, doch mit den entsprechenden Medikamenten können diese in Schach gehalten werden.
Nach der Entlassung aus dem Krankenhaus entscheidet er sich dann – in Absprache mit seiner Psychologin – zur Entspannung einen Segeltörn in der Ägäis zu unternehmen, in der Hoffnung, bei dieser von ihm so geliebten Freizeitaktivität sein Gedächtnis wiederzufinden. Doch was er nach Antritt der Seereise findet, ist alles andere als Entspannung, denn offensichtlich ist auch für andere Menschen dieses Vorkommnis am Hindukusch noch längst nicht abgeschlossen. Die Vergangenheit holt ihn ein und es beginnt erneut ein Kampf auf Leben und Tod …

Buchkritik von Angelika  Koch

Der Autor H. Dieter Neumann war selbst Offizier in der Luftwaffe der Bundeswehr und ist offensichtlich auch ein großer Freund des Segelns. So verwundert es nicht, dass seine Geschichte mit vielen Details und fachlich kompetenter Nomenklatur gespickt ist. Dieses Stilmittel sollte sicherlich der Authentizität des Plots zuträglich sein. Leider aber sorgt es eher für eine zunehmende Ermüdung beim Leser und eine ungewollte Abnahme der Spannung. Insgesamt natürlich ist dies ein hochbrisantes Thema und es ist erfreulich, dass Neumann keine Mühen scheut, die äußerst schwierige, gefährliche und manchmal durchaus absurde Arbeit des deutschen Militärs an den Leser und somit an eine relativ breite Masse zu bringen. Auch nutzt er sein Buch dafür klarzustellen, wie sinnlos der Einsatz von ausländischen Truppen ist, wenn die Bevölkerung des eigenen Landes, allen voran die so genannten Warlords, die nichts unversucht lassen, um ihren aus dem Drogenhandel resultierenden Reichtum zu schützen, diese Hilfe entweder gar nicht wollen oder lieber unter der bekannten Knechtschaft bleiben wollen, als von den „Ungläubigen“ bevormundet zu werden. Dies alles sind durchaus hehre Gedanken und Ziele und es ist legitim, ein Buch genau für dieses Ziel zu nutzen.
Wenn dann aber dieses Buch ein Thriller sein soll, der dadurch seinen Spannungsbogen verliert und der zudem nichts wirklich Unerwartetes liefert, dann wäre es sicherlich besser gewesen, der Autor hätte sich ein anderes Genre ausgesucht. Aktuelles Zeitgeschehen in einen mitreißenden Thriller zu packen, der zwar anspruchsvoll, kritisch und authentisch ist und dabei aber den Leser wirklich packen soll, ist ein schwieriges Unterfangen, an dem Neumann leider im Großen und Ganzen gescheitert ist.

"Die Narben der Hölle" ist das erste Buch des Autors.

BOOKSECTION • Im Grütt 1 • 79713 Bad Säckingen