Apfeldiebe

Autor: Michael Tietz
Genre: Roman
Verlag: Bookspot
ISBN: 978-3937357522
Erscheinungsdatum (D) 01.11.11 Seiten 450

Apfeldiebe

Inhalt

Der kleine Ort Wittlekofen, im südlichen Schwarzwald gelegen, birgt für Kinder während der Sommerferien nicht viel Aufregendes. Umso spannender findet es Alex, als er in der Roggenbacher Burgruine durch Zufall auf eine unterirdische Kammer stößt, in der sich allerlei Relikte aus der Ritterzeit befinden. Aufgeregt überredet er seinen besten Freund Max und dessen kleinen Bruder Timmi, am nächsten Tag gemeinsam die unterirdischen Gänge zu erkunden. Auch Kasimir, von allen nur als „das Mädchen“ gehänselt und Rufus, ein schwarzgekleideter Außenseiter, sind mit von der Partie. Doch das gemeinsame Abenteuer soll sich innerhalb nur weniger Minuten in einen wahren Albtraum verwandeln, denn ein unabsichtlich ausgelöster Erdrutsch verschüttet den einzigen Ausgang aus der Höhle.

Von nun an sind die Jungs ganz auf sich allein gestellt, der Kontakt zur Außenwelt ist auf brutale Art abgeschnitten worden und keiner der Erwachsenen ahnt, wo sich die Kinder befinden. Nur einer aus dem Dorf hat die Fünf auf ihrem Weg zur Burg beobachtet: Der als wunderlich geltende Gernot Seiler. Doch der alte Mann wurde schon mehr als einmal von den Kindern gepiesackt und auch seine Apfelbäume waren nicht vor ihnen sicher – seiner Meinung nach kann die Welt gut auf solche Apfeldiebe verzichten. Indes droht die sowieso schon angespannte Stimmung innerhalb der Gruppe von Jungen zusehends zu eskalieren, denn das Kräfteverhältnis ist mehr als unausgewogen, und es befindet sich einer unter ihnen, der seine Emotionen immer weniger unter Kontrolle hat. Dabei hat er doch ein dunkles Geheimnis zu hüten – ein Geheimnis, von dem keiner der anderen je etwas erfahren soll…

Buchkritik von Stefanie  Rufle

Nach seinem furiosen und packend geschriebenen Debüt „Rattentanz“ legt der im Südschwarzwald lebende Michael Tietz mit „Apfeldiebe“ seinen zweiten Roman vor, der ebenfalls wieder in der Heimat des Autors spielt. Auch wenn hier fünf Jungen im Alter von acht bis dreizehn Jahren im Mittelpunkt der Ereignisse stehen, ist „Apfeldiebe“ doch alles andere als ein Kinder- oder Jugendbuch, erinnert der Roman vielmehr in langen Strecken an einen Thriller. Tietz gelingt es auch hier wieder, die dunklen Abgründe der Menschen in den Mittelpunkt zu stellen, zu zeigen, wozu Menschen fähig sind, wenn erst einmal die Fesseln von Anstand und Konventionen abgeworfen sind. Anhand der sich immer mehr zuspitzenden Geschehnisse im Gefängnis der Höhle lässt Tietz die finsteren Dämonen in den Seelen der Kinder zutage treten – und verursacht beim Leser Gänsehaut.

Auch wenn der Anfang der Geschichte noch etwas schleppend verläuft, gerät man doch zusehends in den Sog der Ereignisse und lässt sich hineinziehen in einen Strudel aus Angst, immer deutlicher werdendem Wahnsinn und dem Überlebenskampf von ein paar Jungen, der von Anfang an aussichtslos erscheint. Schicht um Schicht deckt Tietz das Grauen auf, das jedes dieser Kinder auf ganz eigene Art mit sich herumträgt – ein Grauen, das teilweise auch mit den Erwachsenen zu tun hat, die draußen außer sich vor Sorge nach den Kindern suchen. Obwohl der Verlauf der Geschichte nicht immer gänzlich nachvollziehbar ist, gelingt es dem Autor dennoch, das Wesentliche glaubhaft und authentisch herauszuarbeiten und „Apfeldiebe“ zu einer gelungenen und schlüssigen Auflösung zu führen.

BOOKSECTION • Im Grütt 1 • 79713 Bad Säckingen