Anna Karenina

Autor: Leo Tolstoi
Genre: Roman
Verlag: Diogenes
ISBN: 978-3-257-21371-3
Erscheinungsdatum (D) 01.08.90 Erschienen 1878
Seiten 1248
Übersetzung Arthur Luther

Anna Karenina

Inhalt

Der Roman ist in acht Teilen verfasst und beschreibt das Schicksal dreier Familien.

Der Fürst Stiwa Oblonskij führt, trotz Ehefrau und fünf Kindern ein recht flatterhaftes und ausschweifendes Leben. Als seine Frau Darja vom Ehebruch ihres Mannes erfährt, ist sie fest entschlossen, diesen zu verlassen. Doch Anna Karenina, der Schwester Oblonskijs gelingt es, ihre Schwägerin davon zu überzeugen, auf ihr Herz zu hören und ihrem Ehemann zu verzeihen.
Kitty, Darjas Schwester, ist dem ledigen Lewin von Herzen zugetan, bis sie den Junggesellen Wronskij kennen lernt, der der jungen, unerfahrenen Frau den Hof zu machen scheint. Als Lewin Kitty einen Heiratsantrag macht, lehnt sie ab, ist sie doch von Wronskijs weltmännischem Auftreten völlig geblendet und sicher, auf eine Ehe mit ihm hoffen zu dürfen. Daraufhin zieht sich Lewin enttäuscht und desillusioniert auf sein Landgut zurück, ist ihm die städtische Künstlichkeit doch schon lange zuwider.
Doch Wronskij hatte nie ernsthafte Absichten auf Kitty und als er auf dem Bahnhof zufällig Anna Karenina trifft, verlieben sich die beiden unsterblich ineinander. Eine Liebe, die aber nicht sein darf, ist Anna Karenina doch in einer unglücklichen Ehe mit dem hohen Beamten Alexej Alexandrowitsch Karenin gefangen. Die beiden haben einen gemeinsamen Sohn, den kleinen Serjoscha, den Anna über alle Maßen liebt. Sie weiß, dass ihr Mann ihr Serjoscha bei einer Scheidung niemals überlassen würde. Dennoch sind ihre Gefühle für Wronskij so stark, dass sie sich auf eine heimliche Affäre mit ihm einlässt.
Doch als Anna schließlich ein Kind von Wronskij erwartet, spitzt sich die Lage auf dramatische Weise zu. Alexej ist nicht bereit, in eine Scheidung einzuwilligen und Anna wird mehr und mehr zu einer Geächteten in den vornehmen Gesellschaftskreisen…

Buchkritik von Stefanie  Rufle

„Alle glücklichen Familien sind einander ähnlich, jede unglückliche Familie ist unglücklich auf ihre Weise.“

Dieser Eingangssatz, den Leo Tolstoi für seinen Roman „Anna Karenina“ ausgewählt hat, spiegelt präzise die Thematik wider, die dieses Monumentalwerk prägt. Es sind die Geschichten dreier Familien, die in „Anna Karenina“ auf meisterhafte Weise miteinander verwoben werden, wobei das Schicksal der Titelheldin Anna Karenina im Mittelpunkt steht und den Plot zusammenhält. Anhand der tragischen Liebesgeschichte Annas mit dem Grafen Wronskij zeigt Tolstoi die moralischen Werte und Anschauungen der russischen Gesellschaft des ausgehenden 19. Jahrhunderts sehr anschaulich auf. Thematisch ist „Anna Karenina“ durchaus vergleichbar mit anderen bedeutsamen realistischen Romanen wie Gustave Flauberts „Madame Bovary“ oder Fontanes „Effi Briest“, die sich ebenfalls mit dem Thema Ehebruch befassen. Doch haftet Tolstois Roman diese besondere russische Schwermütigkeit, verbunden mit einem wunderbaren und feinen Humor an, die „Anna Karenina“ über diese anderen „Verführungsromane“ hinausheben. Künstlerisch gesehen ist dieses Buch vollkommen und schafft es bis heute, seine Leser zu verzaubern. Das tragische Schicksal der von der Gesellschaft geächteten Anna Karenina, die an den Konventionen ihrer Zeit zerbricht, berührt zutiefst und macht deutlich, dass es immer die Frauen waren und bis heute sind, über die geurteilt wird.

Auf der anderen Seite vermittelt Tolstoi einen Einblick in das zaristische Russland gegen Ende des 19. Jahrhunderts. Da wird die Bauernbefreiung ebenso thematisiert wie die Politik der Staatskommissionen und das Leben in den Adelskreisen von Moskau und St. Petersburg. Anhand seines Charakters Lewin, der als Alter Ego Tolstois gilt, zeigt der Autor außerdem die Sinnsuche eines Mannes auf, der sich in philosophischen Grübeleien ergeht und schließlich die Suche nach dem Guten und dem Sinn des Lebens aufschlüsselt. Mit großem psychologischem Feinsinn schildert Tolstoi die inneren Konflikte seiner Protagonisten und lässt ihre Gedanken äußerst plastisch und nachvollziehbar erscheinen. Dabei gelingt es ihm, die psychologischen Tiefen und gesellschaftlichen Konsequenzen meisterhaft auszuloten, ohne auch nur einmal zu moralisieren.
„Anna Karenina“ ist ein wundervoller und melancholischer Roman voller Detailreichtum und meisterhaft miteinander verwobenen Handlungssträngen, die ihn zu einem perfekten und großartigen Ganzen werden lassen.

„Anna Karenina“ aus der Feder des russischen Dichters Leo Tolstoi entstand in den Jahren 1873 bis 1878 in der Epoche des russischen Realismus.
Neben „Krieg und Frieden“ und „Auferstehung“ zählt „Anna Karenina“ zu den wohl bekanntesten Werken Tolstois.
„Anna Karenina“ wurde rund zwanzigmal ins Deutsche übersetzt, mehrfach für die Theaterbühne bearbeitet und bisher elfmal verfilmt.

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