Fakebook

Autor: Alexander Broicher
Genre: Roman
Verlag: Heyne Hardcore
ISBN: 978-3-453-67614-5
Erscheinungsdatum (D) 13.08.12 Seiten 240

Fakebook

Inhalt

Frieder Kurzmeier ist ein ganz klassischer Durchschnittsmensch. Er hat einen Job in dem er zwar ganz gut ist, der ihn jedoch nicht voll ausfüllt. Ansonsten hat sein Leben keine nennenswerten Inhalte. Seit ihm seine Freundin abhanden gekommen ist, wird ihm seine allgemeine Mittelmäßigkeit zunehmend mehr bewusst. Während seine Kollegen und Freunde Partys feiern und das Leben in Berlin genießen, siedelt er sich als Außenseiter an. Auch auf Frieders Facebook-Account gibt es daher auch keine sonderlichen Bewegungen. Die wichtigen Leute ignorieren sogar seine Freundschaftseinladung.
Eines Tages beschließt er, seinem traurigen Leben endlich ein Ende zu setzen. Zu diesem Zweck legt er einen Facebook-Account für einen imaginären Menschen Rocco an, der nicht nur gut aussieht, sondern zu jedem Club in der Berliner Szene problemlos Zugang erhält. Rocco macht in der Facebook-Community schon bald die Runde und mausert sich im Handumdrehen zu jemandem, mit dem jeder befreundet sein möchte. Dass Rocco im wahren Leben noch nie irgendwo aufgetaucht ist, scheint dabei niemanden zu stören. Wird es Frieder gelingen, durch seine Schöpfung ebenso Zugang zur hippen Szene zu bekommen?

Buchkritik von Kathrin  Lang

Facebook ist den vergangenen Jahren zum neuen Kommunikationsmedium für eine ganze Generation geworden. Der Berliner Autor Alexander Broicher hat sich mit seinem Roman „Fakebook“ nun offenbar das Ziel gesetzt, eine kritische Abhandlung und letztlich ein kleines Lehrstück über den Umgang mit diesem ganz speziellen neuen Medium niederzuschreiben. Dabei verliert er jedoch immer mehr das Gespür für die Realität und ufert mit seinem kritischen Blick aus. Zunehmend entwickelt sich „Fakebook“ zu einem doch recht unrealistischen und übertriebenen Blick auf die Facebook-Community. Der Otto-Normal-User dürfte sich in den Zeilen Broichers jedenfalls kaum wiedererkennen. Hinzu kommt eine übersteigerte Auseinandersetzung mit der Berliner Clubszene, in die dem „gewöhnlichen Mann“ schon gar kein Zutritt gewährt wird. Letztlich outet Broichers seinen Roman zwar als stark fiktionale Abhandlung, indem er eine virtuelle Figur im realen Leben auf den Plan treten lässt, doch wird der Geschichte damit derart der realistische Nährboden entzogen, dass man Sinn und Zweck des ganzen Buchs schon kaum mehr erkennen kann. Auch stilistisch kann sich „Fakebook“ nicht unbedingt zu einem besonders unterhaltenswerten Roman mausern. Die Geschichte ist zu einfach erzählt und verläuft durch den recht einfachen Aufbau des Plots von Anfang an in sehr vorhersehbaren Fahrwassern.

„Fakebook“ hätte durchaus das Potential zu einer nachhallenden Stellungnahme gehabt, schifft jedoch immer wieder so stark abseits von der Realität, dass man den Mehrwert des Romans nicht mehr erkennen kann.

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