Das Washington-Dekret

Autor: Jussi Adler-Olsen
Genre: Thriller
Verlag: dtv
ISBN: 978-3-423-28005-1
Erscheinungsdatum (D) 01.02.13 Erschienen 2006
Seiten 649
Übersetzung Hannes Thiess, Marieke Heimburger

Das Washington-Dekret Washington dekretet

Inhalt

Senator Bruce Jansen befindet sich auf dem Siegeszug, als das Schicksal mit unerbittlicher Hand zuschlägt: Gerade eben wurde er als neuer Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika gewählt, als seine Frau und sein ungeborenes Kind bei einem Anschlag kaltblütig ermordet werden. President Jansens Schmerz ist grenzenlos, zumal er bereits seine erste Frau durch eine Messerattacke verlor. Jansen gerät mehr und mehr aus dem Gleichgewicht und trifft politische Entscheidungen, die seinen gesamten Mitarbeiterstab fassungslos machen. Der Präsident entwickelt ein Law-and-order-Programm, das die USA vorgeblich zu einem sichereren Land machen soll, in Wahrheit aber die Bürgerrechte empfindlich einschränkt und letztendlich sogar die Verfassung außer Kraft setzt. Doch Jansen und einige seiner treuesten Mitarbeiter sind fest entschlossen, das „Washington-Dekret“ durchzusetzen – koste es, was es wolle.

Schon bald befinden sich die USA in einem gefährlichen Ausnahmezustand. Es kommt zu Massenunruhen, verfeindete Milizen beherrschen zunehmend das Land und diplomatische Verbindungen ins Ausland sind empfindlich gestört. Währenddessen sitzt der vermeintliche Attentäter Bud Curtis im Hochsicherheitstrakt und wartet auf seine Hinrichtung, denn von nun an werden zum Tode Verurteilte in beschleunigtem Eilverfahren hingerichtet. Seine Unschuldsbeteuerungen verhallen ungehört und auch seine Tochter Doggie Rogers, Mitarbeiterin im Stab des Präsidenten, weiß nicht, ob sie ihrem Vater glauben kann. Doch sie kann nicht anders, als sich auf die Suche nach der Wahrheit zu machen und von einer Minute zur anderen wird Doggie zur meistgesuchten Frau der USA. Für sie und ihren Vater beginnt ein Wettlauf gegen die Zeit, bei dem sie alle wichtigen Männer des Landes gegen sich zu haben scheint…

Buchkritik von Stefanie  Rufle

Mit „Das Washington-Dekret“ präsentiert der dänische Autor Jussi Adler-Olsen einen politischen Thriller, der den kompletten Zerfall der amerikanischen Gesellschaft zum Thema hat. Eine Vision, die gar nicht so abwegig ist, wie dieser Roman beweist, ist doch die Stellung des amerikanischen Präsidenten so gut wie unantastbar im Land der unbegrenzten Möglichkeiten. Wie fragil allerdings das politische Machtgefüge in den USA ist, wie einfach, die amerikanische Verfassung außer Kraft zu setzen, führt uns Adler-Olsen hier auf eindringliche Art und Weise vor Augen. Sicherlich lässt sich nicht bestreiten, dass manches an diesem Thriller konstruiert und auch überspitzt wirkt, doch wenn man Jussi Adler-Olsens Vorwort liest und vor allem den Rechercheteil am Ende des Buches, in dem man einiges zu Adler-Olsens Gedanken über Möglichkeiten des Machtmissbrauchs erfährt, verflüchtigt sich dieser Eindruck sehr schnell. Es gelingt dem Autor, sein nur vordergründig gewagt erscheinendes Gedankenkonstrukt schlüssig und vor allem sehr eindringlich zu präsentieren. Übersteigerter Patriotismus, verschobene Machtverhältnisse und eine grenzenlose Gier nach Herrschaft – eine gefährliche Mischung, wie uns „Das Washington-Dekret“ in erschreckender Deutlichkeit zeigt.

Die Schilderungen von Anarchie, marodierenden Gangs und einer aus dem Ruder laufenden Armee sind derart authentisch und düster, dass man nicht anders kann, als das politische System der USA in Frage zu stellen. Es gelingt Adler-Olsen, die Gefahren dieses Machtgefüges herauszuarbeiten und damit zu spielen. Auch mit der Zeichnung seiner Charaktere weiß der Autor wieder restlos zu überzeugen und zu fesseln, zumal er die losen Fäden seiner Geschichte am Ende schlüssig zusammenführt.
„Das Washington-Dekret“ ist ein außergewöhnlicher, atemberaubender und äußerst perfider Thriller, der in seiner Eindringlichkeit noch lange nachhallt.

In der hier rezensierten ersten Auflage von "Das Washington-Dekret" fehlen Jussi Adler-Olsens Vorwort und auch ein sehr ausführlicher Schlussteil, in dem der Autor von seinen jahrelangen, intensiven Recherchen in den USA berichtet. Diese wichtigen Aspekte von "Das Washington-Dekret" können beim dtv-Verlag unter diesem Link nachgelesen werden:
http://www.adler-olsen.de/buecher/28005-das_washington-dekret

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