Ein besonderer Junge

Autor: Philippe Grimbert
Genre: Roman
Verlag: dtv premium
ISBN: 978-3-423-24921-8
Erscheinungsdatum (D) 01.07.12 Erschienen 2011
Seiten 180
Übersetzung Holger Fock, Sabine Müller

Ein besonderer Junge Un garçon singulier

Inhalt

Paris, Anfang der siebziger Jahre. Der Student Louis ist ein Außenseiter – das war er schon immer, nirgends gehört er wirklich dazu. An seiner Universität entdeckt Louis eines Tages eine Anzeige, die sein Interesse weckt: Für die Betreuung eines besonderen Jungen wird ein Student gesucht. Obwohl der ungesellige Träumer Louis sich bisher noch nie von einem Stellenangebot angesprochen fühlte, zieht ihn diese Anzeige wie magisch an. Und so kommt es, dass er sich unversehens mit seinem alten 2CV auf dem Weg nach Horville in der Normandie befindet.

In Horville angekommen, macht der scheue Louis die Bekanntschaft von Helena, einer exzentrischen Schriftstellerin und deren halbwüchsigen Sohn Iannis – dem besonderen Jungen. Iannis ist völlig verschlossen, spricht nicht und bringt seine Mutter mit seinen ungewöhnlichen Verhaltensweisen an die Grenzen ihrer Belastbarkeit. Louis wird eingestellt, um sich um Iannis zu kümmern und ihn von seiner Mutter fernzuhalten, damit die sich dem Schreiben von erotischen Geschichten und dem Calvados widmen kann. Bald zeigt sich, dass Louis wohl der erste der zahllosen Betreuer ist, der einen Zugang zu Iannis findet – denn die beiden verbindet mehr, als Louis sich eingestehen will…

Buchkritik von Stefanie  Rufle

Philippe Grimbert, der Psychoanalytiker mit einem Schwerpunkt in der Jugendpsychiatrie ist, erzählt in „Ein besonderer Junge“ die Geschichte zweier junger Menschen, die wie durch ein unsichtbares Band miteinander verbunden sind. Vor allem bei der Schilderung des bildschönen, aber völlig in sich selbst verschlossenen Iannis wird deutlich, dass Grimbert offensichtlich aus einem großen Schatz an Erfahrungen aus seiner Arbeit als Psychoanalytiker schöpft. Es gelingt ihm, diesen besonderen Jungen derart glaubhaft und einfühlsam zu beschreiben, dass man als Leser beinahe sofort einen Zugang zu dieser komplizierten Figur bekommt. Zugleich erkennt man aber auch zunehmend Parallelen zum um einiges älteren Louis und wird Zeuge davon, wie diese beiden nach außen hin so unterschiedlichen Personen allmählich ihre Seelenverwandtschaft entdecken.

Grimberts Roman zeichnet sich durch eine messerscharfe Zeichnung seiner Figuren aus, hier ist das Kunststück gelungen, Verständnis für die Beweggründe jeder einzelner von ihnen zu wecken. Sei es nun die unglückliche Helena, die ihren Sohn abgöttisch liebt und sich zugleich von ihm abgestoßen fühlt oder deren Ehemann, der sich in seine Arbeit stürzt, um seiner wirklichen Aufgabe zu entfliehen – man kann einfach nicht anders, als verständnisvoll in ihre Richtung zu blicken.
„Ein besonderer Junge“ ist eine melancholisch stimmende und zugleich immer wieder humorvolle Geschichte über drei besondere Menschen, deren Leben für kurze Zeit eine sanfte gemeinsame Berührung erfährt – um dann wieder in unterschiedlichen Richtungen zu verlaufen.

BOOKSECTION • Im Grütt 1 • 79713 Bad Säckingen