Der Vampir, den ich liebte

Autor: Beth Fantaskey
Genre: Fantasy
Verlag: Arena
ISBN: 978-3401061504
Erscheinungsdatum (D) 01.01.11 Erschienen 2009
Seiten 434
Übersetzung Michaela Link

Der Vampir, den ich liebte Jessica's Guide to Dating on the Dark Side

Inhalt

Jessica kann es nicht fassen: Eigentlich sollte ihr Abschlussjahr an der High School eine schöne Sache werden. Sie hatte sich fest vorgenommen, sich nicht von den üblichen Verdächtigen ärgern zu lassen und die Zeit zu genießen, bevor es raus in die große Welt geht. Doch dann wirbelt der rumänische Austauschschüler Lucius Vladescu ihre Pläne gehörig durcheinander. Nicht nur, dass er wie aus dem Nichts auftaucht und sich in der Schule an Jessicas Fersen heftet, er steht auch plötzlich bei ihr zu Hause auf der Matte und behauptet, ein Vampir zu sein und sie eine Vampirprinzessin, die ihm bei der Geburt als Frau versprochen wurde. Total durchgeknallt, der Typ! Als ihre Adoptiveltern den Irren jedoch zum Essen bitten, beginnt Jessica zu ahnen, dass in Lucius irrer Geschichte doch mehr Wahrheit stecken könnte, als ihr lieb ist.

Buchkritik von Melanie  Frommholz

Im Sog des Vampir-Hypes, den Stephenie Meyer mit ihren vier Bis(s)-Büchern auslöste, überschwemmen nach wie vor Bücher mit einem ähnlichen Mix aus Teenie-Romantik und Blutsaugerstory unseren Büchermarkt. Nicht wenige Autoren versuchen dabei das Kunststück, aus dem Bis(s)- Gundplot „High School Mädchen verliebt sich in unerkannt unter den Menschen lebenden Vampir“ eine neue Geschichte zu stricken und sich damit doch noch irgendwie von der Masse der Neuerscheinungen abzuheben.

Eine, die dennoch mit diesem Konzept antritt, die deutschen Leserherzen zu erobern, ist Beth Fantaskey. Sie wirft dabei sowohl einen hemmungslos kitschig-romantischen Ansatz á la Stephenie Meyer in die Waagschale, als mit Lucius Vladescu auch einen in seinen Anlagen witzigen und sarkastischen Vampir. Bedauerlicherweise hat sich die amerikanische Autorin bei ihrem Debütroman weder für die romantische noch die ironische Seite ihrer Geschichte konsequent entschieden, noch es dauerhaft geschafft, zwischen diesen beiden Elementen eine stimmige Balance zu erzeugen. Atmosphäre entwickelt das Buch daher erst im letzten Drittel, wenn die romantisch-düstere Seite die Oberhand gewinnt. Besonders zu Beginn kommt einem die Handlung von „Der Vampir, den ich liebte“ doch stark an die „Bis(s)-Bücher angelehnt vor. Fantaskey schafft es jedoch, sich von der Stephenie Meyer-Idee zu lösen und ihre eigene Geschichte aus dem Grundszenario zu entwickeln. Diese wartet dann mit guten Einfällen auf, die auf ein spannendes und auch witziges Voranschreiten der Handlung hoffen lassen. Insbesondere die Kapitel, in denen Lucius an seine Familie in Rumänien schreibt und sich über die vielen kulturellen Unterschiede zu amerikanischen Teenagern auslässt, sind amüsant. Je weiter die Ereignisse voranschreiten, desto deutlicher wird jedoch die zweite große Schwäche des Buches: Beth Fantaskeys Hauptfiguren sind zu kraftlos gezeichnet. Insbesondere Jessica, die die Geschichte aus der Ich-Perskeptive tragen sollte, bleibt zunehmend blass und ohne Tiefe. Fantaskey schildert Jessicas turbulentes Gefühlchaos und ihre emotionale Wandlung hin zur großen Liebe sehr sprunghaft und wenig glaubwürdig. Warum sie letztlich für „ihren“ Vampir entbrennt, bleibt bis zum Ende unklar. Auch ihr „anderer“ Name Antanasia entwickelt sich zum echten Lese-Stolperstein, hat man erst einmal bewusst wahrgenommen, dass er nicht Anastasia lautet. Abseits der Brief-Kapitel vermag auch Jessicas Gegenpart Lucius nicht durchgängig zu überzeugen, auch wenn er mit seiner Widersprüchlichkeit letztlich noch der interessantere der beiden Hauptfiguren ist.

Beth Fantaskey vermag es, 434 Seiten mit einer Geschichte zu füllen, die sich dank eines gefälligen Erzählstils flott lesen lassen. Gute Einfälle, der ein oder andere intensive oder auch witzige Moment, sowie ein nettes, romantisches Ende können jedoch nicht darüber hinwegtäuschen, dass die Autorin es letztlich nicht geschafft hat, aus den Einzelteilen eine kraftvolle Geschichte zu schmieden.

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