Blutträume

Autor: Franck Thilliez
Genre: Thriller
Verlag: Ullstein
ISBN: 9783548281452
Erscheinungsdatum (D) April 2010 Erschienen 2008
Seiten 522
Übersetzung Ingrid Kalbhen

Blutträume L'anneau de Moebius

Inhalt

Nachdem er durch einen tragischen Unfall den Tod eines kleinen Mädchens verschuldet hat, zieht sich Stéphane zusammen mit seiner Frau Sylvie in ein altes Landhaus zurück. Dort, im Keller, hat er seine „Werkstatt“, in der er „Wesen“ für die Filmindustrie, genauer gesagt für Horrorfilme, herstellt. Monster und Schreckensgestalten aller Art schmücken die düsteren Räume, die er selbst „Darkland“ nennt. Genau dort beginnen seine Albträume. Im ersten Traum sieht sich Stéphane durch das Erdgeschoss und die Kelleräume rennen, entstellt mit einem angeschwollenen Auge und mehreren Kratzspuren und – mit Blut an den Händen. Als er schreckerfüllt aufwacht, ist ihm sofort klar, dass das kein normaler Traum war, sondern eine Art Vision. Dies bleibt auch nicht der einzige Traum und zunehmend sieht sich Stéphane gezwungen, die Botschaften und Warnungen der Visionen ernst zu nehmen. Dabei wird ihm immer klarer, dass der Stéphane seiner Träume in der Zukunft lebt und ihm wichtige Nachrichten zukommen lassen will.
Bei seinen Bemühungen in dieser Richtung lernt er den Polizisten Victor kennen, der mit seiner schwangeren Frau Céline gerade nach Paris gezogen ist. Vic ermittelt in einem äußerst grausamen Mordfall an einer jungen Frau. Es dauert eine Weile, bis beiden klar wird, wie die Visionen mit den Gräueltaten zusammen hängen und als die neuen Freunde erkennen, was zu tun ist, müssen sie nicht nur gegen einen überaus gewieften Mörder, sondern auch gegen einen unsichtbaren Gegner - die „Möbiusschleife“ - ankämpfen…

Buchkritik von Angelika  Koch

Der französische Originaltitel heißt „L“anneau de Moebius“ – Das Möbiusband. Dieser Titel verrät, dass es in diesem Buch nicht nur um die Elemente eines Psychothrillers geht, sondern auch um etwas viel Komplexeres. Es geht um das Unendlichkeits- oder Wiederholungsprinzip, in diesem Fall eines Traumes. Nicht nur, dass Stéphane diese Träume haben muss und sie zuerst überhaupt nicht verstehen kann, nicht nur, dass er in den Strudel unwirklicher, sein Selbst zerfressender Ereignisse geworfen wird und verzweifelt versucht, das Schicksal zu ändern, nein, er muss sich auch damit auseinandersetzen, dass er sich mit seinen Träumen eventuell auf einer solchen Endlosschleife befindet. „Once upon a time there was a story that began once upon a time“ oder besser gesagt „Once upon a time there was a dream that began once upon a time“. Als er dies erkennt, ist er nur noch damit beschäftigt die Zeitabläufe zu beeinflussen, um die Zukunft zu ändern, um Morde zu verhindern. Doch, egal was er tut, gerade durch das, was er tut, wird alles wieder genauso wie es war.

„Blutträume“ hat zwei Aspekte. Zum einen ist es ein unglaublich spannender Thriller. Mal abgesehen von ein paar klitzekleinen Übersetzungs- und Logikfehlern, reißt das Buch den Leser von der ersten bis zur letzten Seite mit. Zum anderen hält der Autor den Leser mit der Möbiusschleife schwer auf Trapp. Vielleicht erinnert sich der ein oder andere an die Filme „Zurück in Zukunft“. Bei jeder weiteren Folge wurde es zunehmend schwieriger, gedanklich noch nachzuvollziehen, wer sich jetzt wo, warum und seit wann befindet und wer was wann wo geändert und damit welche Konsequenzen hervorgerufen hat. So ergeht es einem auch mit diesem Buch. Der Leser ist somit in zweierlei Hinsicht gefordert. Er muss starke Nerven haben (hier auch eine kleine Warnung: Die Darstellungen der Tötungsriten und andere Details menschlicher Perversionen sind nichts für Zartbesaitete) – und er muss seinen Grips anstrengen, um der Logik der Stéphanes von heute und der Zukunft noch folgen zu können.

Somit ist „Blutträume“ ein Psychothriller vom Allerfeinsten. Merci beaucoup Monsieur Thilliez!

Ebenfalls im Ullstein Verlag erschienen sind von diesem Autor:

Der Rote Engel
Die Kammer der toten Kinder
Sündentod
Im Zeichen des Blutes


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