Am Ende war die Tat

Autor: Elizabeth George
Genre: Roman
Verlag: Blanvalet
ISBN: 978-3-7645-0166-2
Erscheinungsdatum (D) September 2007 Erschienen 2006
Seiten 671
Übersetzung Ingrid Krane-Müschen und Michael J. Müschen

Am Ende war die Tat What Came Before He Shot Her

Inhalt

Der kleine Joel hat bisher ein alles andere als leichtes Leben gehabt. Zuerst wurde der alkoholkranke Vater in seinem Beisein auf offener Straße erschossen. Sein kleiner Bruder Toby, der die Tat ebenfalls mit ansehen musste, ist seither völlig in seine eigene kleine Welt versunken. Joels ältere Schwester Ness hat schon so ziemlich alles gesehen, wovor eine Fünfzehnjährige eigentlich geschützt sein sollte. Nachdem die Mutter der drei in eine psychiatrische Klinik eingeliefert werden musste, leben sie bei ihrer Großmutter Gloria, die aber keineswegs die geeignete Person für die Erziehung von drei Kindern ist. Als die beschließt, mit ihrem Freund nach Jamaica abzuhauen, lädt sie ihre Enkelkinder kurzerhand bei ihrer Tochter Kendra ab. Kendra Osborne ist alles andere als begeistert davon, plötzlich die Verantwortung für gleich drei Kinder zu übernehmen. Doch sie ist fest entschlossen, die Kinder ihres Bruders davor zu bewahren, irgendwann im Heim zu landen. So findet sich Joel mit seinen Geschwistern in einem fremden Stadtteil wieder, einem Stadtteil, der seine eigenen Gesetze hat. Ness hat ihren eigenen Weg gefunden, in diesem Milieu klarzukommen - immer tiefer versinkt sie im Drogensumpf und treibt sich mit Leuten herum, die ihr Verderben bedeuten könnten. Joel und sein kleiner Bruder Toby, der stark entwicklungsverzögert ist, geraten hingegen ins Visier einer Straßenbande, die beider Leben bedroht. Schnell wird Joel klar, dass er hier nicht auf die Hilfe von Erwachsenen hoffen kann - mit dieser Situation muss er ganz alleine klarkommen. Und er trifft die denkbar schlechteste Entscheidung - ausgerechnet den am meisten gefürchteten Dealer bittet er um Hilfe. Erst allmählich wird dem Zwölfjährigen klar, mit wem er sich hier eingelassen hat.

Buchkritik von Stefanie  Rufle

Gleich zu Beginn eine Warnung an alle Elizabeth George-Fans: Dieses Buch ist anders als alles, was bisher von der Krimiautorin da war! Gleichzeitig ist es aber das ultimative Buch für alle, die "Wo kein Zeuge ist" gelesen haben. Denn dies ist die Geschichte des Mörders von Chief Inspector Lynleys Frau Helen. Wer ist Joel Campbell? Was hat einen gerade Zwölfjährigen zu einer solch grausamen Tat getrieben? George schildert die auswegslose Situation eines verzweifelten Kindes, das sich nicht mehr zu helfen weiß, das sich von allen Erwachsenen im Stich gelassen fühlt. Sie zeigt, wie sich zwangsläufig alles auf den Mord an Helen Lynley hinentwickeln musste. "Am Ende war die Tat" ist weniger ein Krimi als vielmehr eine erschreckend realistische Milieustudie, die durch und durch akribisch recherchiert ist. Dieses Buch überzeugt restlos und zeigt, dass George noch viel mehr ist, als eine gute Krimiautorin. Sie hat einen aufwühlenden und beeindruckenden Roman über die tiefe Verzweiflung der minderprivilegierten Menschen geschaffen, die oft keine Chance haben, ihrem Schicksal eine neue Richtung zu geben.

Die Enttäuschung darüber, nichts neues von Chief Inspector Lynley und Seargent Havers zu hören, legt sich relativ schnell. Vielmehr ist man gefesselt von dem, was Joel erdulden muss, ist man entsetzt über dessen Lebensumstände und die tiefe Hoffnungslosigkeit, die ihn mehr und mehr beschleicht. Das Wissen darüber, dass es tausende von Menschen gibt, denen es ähnlich ergeht wie dem zwölfjährigen Jugen, macht betroffen und stimmt sehr nachdenklich. Elizabeth George hat gekonnt eine neue Richtung eingeschlagen und der Verdacht liegt nahe, dass dieses Buch womöglich ein Abschied von Lynley und Havers sein könnte. Doch gleichgültig, wohin die Autorin in Zukunft tendieren wird - auch ihr nächster Roman darf wieder mit Spannung erwartet werden!

Die Inspektor Lynley–Reihe umfasst folgende Bände:

Gott schütze dieses Haus
Keiner werfe den ersten Stein
Auf Ehre und Gewissen
Mein ist die Rache
Denn bitter ist der Tod
Denn keiner ist ohne Schuld
Asche zu Asche
Im Angesicht des Feindes
Denn sie betrügt man nicht
Undank ist der Väter Lohn
Nie sollst du vergessen
Wer die Wahrheit sucht
Wo kein Zeuge ist
Am Ende war die Tat
Doch die Sünde ist scharlachrot
Wer dem Tode geweiht
Glaube der Lüge
Nur eine böse Tat
Bedenke, was du tust
Wer Strafe verdient

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