Rafik Schami

Biographie

Geboren 23.06.1946 Autor Stefanie Rufle

"Ich bin an erster Stelle ein Geschichtenerzähler und erst an zweiter ein 'Verbesserer'."(Rafik Schami)

Die „Neue Züricher Zeitung“ nannte Rafik Schami einst einen „Brückenbauer zwischen den Welten“. Mit seinen Büchern gibt er faszinierende Einblicke in das Leben und Denken der orientalischen Welt und bietet gleichzeitig den Blick des Fremden auf Deutschland, das ihm zur zweiten Heimat geworden ist. So verknüpft der Autor orientalische Erzähltradition mit der deutschen und verzaubert so seine Leser. Er selber sagt dazu:
"Das ist nur bedingt ein schönes Bild, denn manchmal kann eine Brücke auch sehr müde werden. Natürlich ist es auch schön, denn eine Brücke verbindet ja zwei Seiten, gehört also auch zu beiden Seiten. Aber manchmal bin ich schon sehr müde über dieser Aufgabe, sogar auch verzweifelt."

Geboren wurde er am 23. Juni 1946 mit dem bürgerlichen Namen Suheil Fadél als Sohn eines Bäckers in Damaskus. Er stammt aus der christlich-aramäischen Minderheit von Damaskus und besuchte ein Kloster-Internat im Libanon. Anschließend studierte Schami Chemie, Mathematik und Physik in Damaskus. Das Schreiben war von jeher seine Leidenschaft und Bestimmung und 1965 gründete er die Wandzeitung „Al-Muntalek“, die aber 1970 verboten wurde. Die syrische Zensur verbot dem Schriftsteller, seiner Berufung in Freiheit nachgehen zu können. Er sagt selber dazu: „Ich las sehr viel und hatte Sehnsucht, meine Geschichten in Freiheit zu erzählen. Verbot und Verfolgung standen damals in meinem Land an der Tagesordnung. Ich war als junger Autor aus einer unbekannten Familie praktisch entrechtet.“ Aus diesem Grund begab er sich 1971 ins Exil nach Deutschland.

Um überhaupt eine Ausreisegenehmigung zu erhalten, setzte er sein Chemiestudium in Heidelberg fort. Nebenher hatte er verschiedene Aushilfsjobs und veröffentlichte auch schon zahlreiche Texte in Zeitschriften und Anthologien. Zunächst verfasste er diese Schriften in arabischer Sprache, seit 1977 aber auch in deutsch. 1979 schloss Schami sein Studium mit der Promotion ab.

Seit 1982 arbeitet er als freier Schriftsteller – sein Pseudonym heißt soviel wie „Freund aus Damaskus“. Er engagiert sich seit vielen Jahren für die Aussöhnung zwischen Palästinensern und Israelis. Schami zählt zu den bekanntesten und meistgelesenen zeitgenössischen, deutschsprachigen Autoren, der seine Werke zudem in einer Sprache veröffentlicht, die nicht seine Muttersprache ist. Er ist aber auch ein politischer Mensch, der seine Augen nicht vor den Problemen unserer Zeit verschließt. Mit seinem, ihm eigenen Sarkasmus thematisiert er in seinen Geschichten die Fremdheit und das Gefühl des Ausgestoßenseins. Er sagt über sich: „ Meine ganze Zielstrebigkeit war immer darauf gerichtet zu erzählen, was ich zu erzählen habe. Andere ehrgeizige Ziele habe ich nicht. Ich bin Erzähler. Der Erzähler ist ein Zauberer. Ich bin ein Zauberer, das weiß ich.“ Neben seiner schriftstellerischen Tätigkeit ist Schami aber auch ein begnadeter mündlicher Erzähler, der sein Talent bei öffentlichen Auftritten immer wieder unter Beweis stellt und sein Publikum wahrhaftig verzaubert.

Rafik Schami war Mitgründer der 1980 ins Leben gerufenen Literaturgruppe „Südwind“ und des PoLiKunst-Vereins. Von 1980-1985 war er zudem Mitherausgeber und Autor der Reihen „Südwind-Gastarbeiterdeutsch“ und „Südwind-Literatur“. Seit 2002 ist der Autor Mitglied der Bayerischen Akademie der Schönen Künste.

Heute lebt und arbeitet Schami in Marnheim bei Kirchheim-Bolanden in der Pfalz und ist mit der deutschen Künstlerin Root Leeb verheiratet, mit der er einen Sohn, Emil, hat. Sein Werk wurde bisher in 24 Sprachen übersetzt, allerdings noch nicht ins Arabische. Das soll sich aber bald ändern – selbst übersetzen will Rafik Schami seine Bücher allerdings nicht, er sagt: „Ich schreibe nicht auf Arabisch, das würde mich schizophren machen.“ Er denkt noch jeden Tag an seine Heimatstadt Damaskus, seit seiner Ausreise ist ihm seine Heimat aber verschlossen geblieben, ihm wurde die Einreise nach Syrien sogar zur Beerdigung seiner Eltern verwehrt. Er sagt:
"Es war für mich nicht schwer, Syrien zu verlassen, es war aber für mich sehr schmerzhaft, Damaskus zu verlassen. Syrien liegt mir nicht so sehr am Herzen, viele Teile kannte ich nicht, sah ich noch nie. Aber Damaskus, das war sehr schwierig für mich, denn ich liebe es. Ich wohnte 25 Jahre in der Stadt. Nun bewohnt sie mich."

Für sein Werk erhielt der Autor viele Ehrungen und Auszeichnungen, u. a. den Adalbert-von-Chamisso-Förderpreis für sein Gesamtwerk, den Zürcher-Kinder- und Jugendbuchpreis, den Prix de Lecture (Frankreich) und den Mildred L. Batchelder Award (USA). (s1009)


Bibliographie von Rafik Schami

BOOKSECTION • Im Grütt 1 • 79713 Bad Säckingen