Interview mit...

...Michael Wirbitzky und Sascha Zeus


„Alkohol hilft!“
Booksection im Gespräch mit den beiden Comedystars Michael Wirbitzky und Sascha Zeus.

Booksection: Mit „Die Tagung – Chaos ist Chefsache“ habt ihr eure drittes Buch veröffentlicht. Wie kamt ihr, als langjährige Radiomoderatoren, dazu ein Buch zu schreiben?
Michael Wirbitzky: Wir sind gefragt worden. Es ist ganz simpel. Wir wären vielleicht selber gar nicht auf die Idee gekommen. Aber wir haben viele Fans, unter anderem auch im Rheinland wo der Lübbe-Verlag sitzt. Der Verlag hat uns vermutlich im Radio gehört und sich dann gedacht, dass sie die zwei Pappnasen einfach mal anrufen und fragen ob die ein Buch für uns schreiben wollen. So ist inzwischen eine innige Beziehung zu dem Verlag entstanden. Wir haben Spaß daran und der Verlag hat offensichtlich Spaß daran was wir schreiben – ebenso die Leser.
Sascha Zeus: Wir schreiben ohnehin schon lange Scatche für das Fernsehen und früher auch für Harald Schmidt. Wir haben auch schon an einem Filmdrehbuch geschrieben. Das war unsere ganz große Erfolgsgeschichte: Das Buch wurde nie verfilmt. (lacht) Aber dann lag das auch nahe, dass wenn uns mal jemand die Chance gibt ein Buch zu schreiben, dass wir die dann auch wahrnehmen.

Booksection: Stichwort Fernsehen. Was genau kommt aus euren Federn?
Michael Wirbitzky: Wir schreiben unter anderem sehr viele Geschichten für Käpt’n Blaubär, für den WDR. Wir sind also nicht ganz unbedacht gewesen was das Schreiben angeht, aber einen richtigen Roman zu schreiben, das war für uns zunächst auch Neuland.

Booksection: In eurem neusten Roman entwerft ihr eine überaus chaotische fiktive Firma. Habt ihr solche Zustände tatsächlich schon einmal irgendwo erlebt?
Michael Wirbitzky: Bevor ich auf diese Frage antworte, müssten wir das erst einmal mit dem Justiziar abklären. (lacht)
Sascha Zeus: Nein, jetzt mal ohne Namen zu nennen. Wir machen ja auch eine Comedy-Bühnenshow und da gibt es Firmen die uns engagieren. Da sieht man dann tatsächlich so Einiges! Wir waren auch schon auf Veranstaltungen mit vielen Außendienstmitarbeitern …
Michael Wirbitzky: ... und diese Außendienstmitarbeiter sind schon ähnlich gestrickt wie im Buch beschrieben. Da sind einige harte Trinker dabei. (lacht)
Also um es kurz zu machen: Natürlich hat das was wir geschrieben haben was mit uns zu tun und damit was wir erlebt haben. Auf diesen, wie wir sie so nennen, Korruptionsveranstaltungen treten wir ganz gerne mal auf mit unseren Comedyblocks. Über die Jahre erlebt man eben so Einiges und da war dann natürlich auch mal eine Pharma-Firma, wie sie im Buch beschriebe ist, mit dabei.

Booksection: Sehr bedenklich…!
Michael Wirbitzky: Ja, allerdings. Die Firma gibt es mittlerweile auch nicht mehr. Wir konnten deshalb auch wirklich munter drauf los schreiben, weil es wirklich jeder wieder erkennt aber am Schluss auch wieder keiner. Das ist das Geheimnis bei so einem Buch.
Sascha Zeus: Wir haben auch das Buch „Ich habe zwei Tickets“ geschrieben. Da ist es noch viel klarer. Da geht es um die Fußballweltmeisterschaft und um prominente Figuren die jeder kennt. Da hat sich auch keiner gemeldet und sich bei uns beschwert. Da wird drüber gelacht und dann ist gut.
Michael Wirbitzky: Wir passen da aber sehr auf. Es macht zwar Spaß sehr nahe an der Realität dran zu schreiben, aber es geht uns auch nicht darum die Leute durch den Dreck zu ziehen.

Booksection: Sehr lustig auch, dass in eurem Buch ein Russe das Saarland kaufen will, weil es ihm so gut gefällt…
Sascha Zeus: Ja genau! Das hat aber auch einen realistischen Hintergrund. Als Abramovic Chelsea gekauft hat, ist er mit seinem Hubschrauber über London geflogen …
Michael Wirbitzky: … die haben ein Trainingsgelände gesucht und Abramovic sagte im Hubschrauber, dass das da unten gut sei. Der Typ der mit ihm geflogen ist meinte darauf, dass das der Hyde Park ist …
Sascha Zeus: … und Abramovic sagte: „Ja und???“ Also selbst wenn es nicht wahr ist, dann ist es zumindest gut erfunden. (lacht)

Booksection: Normalerweise seid ihr als Journalisten unterwegs. Wie ist es, jetzt auf der anderen Seite zu sitzen und interviewt zu werden?
Michael Wirbitzky: Ich finde es einfacher die Fragen zu stellen, als darauf zu antworten. Ich gebe in diesem Moment etwas von mir preis, das muss man als Journalist natürlich nicht machen.
Sascha Zeus: Aber wir fühlen uns damit nicht unwohl und haben auch eine gewisse Routine entwickelt. Bei den meisten Gesprächen haben wir viel Spaß.
Michael Wirbitzky: Wir müssen uns ja auch für nichts rechtfertigen. Außer vielleicht für ein paar schlechte Gags. Wir sind also auf jeden Fall unschuldig im Sinne der Anklage. (lacht)

Booksection: Als Moderatoren der SWR3-Morningshow: Könnt ihr überhaupt noch ausschlafen?
Michael Wirbitzky: Also ehrlich gesagt fällt mir das manchmal ein bisschen schwer. Man versaut seinen Schlaf-Wach-Rhythmus schon ziemlich. Wir moderieren vierzehn Tage am Stück und an den ersten zwei Tagen danach bin ich regelmäßig um vier oder fünf Uhr wach.
Sascha Zeus: Alkohol hilft! (lacht)
Michael Wirbitzky: Jaja, grundsätzlich auch vor der Sendung. (lacht)

Booksection: Am 12.09.2001 hast du, Michael, die Morningshow allein moderiert. Eine sehr beeindruckende Sendung! An diesem Tag hat man den sonst so lustigen Moderator mal von einer ganz anderen Seite kennen gelernt.
Michael Wirbitzky: Das was ich an diesem Tag gemacht habe, hab ich früher fast immer gemacht. Beim SWR3 habe ich auch bei der Sendung Pop-Shop angefangen, die sehr viel ambitionierter war. Da gab es eine sehr viel journalistischere Auswahl der Themen. Insofern war das für mich viel mehr eine Richtung aus der ich eigentlich herkomme. Das was Sascha und ich jetzt machen, das ist sehr viel unterhaltender und hat sich so im Laufe der Jahre entwickelt.
Sascha Zeus: Die journalistischen Sendungen finden in der Frühe auch eher nur häppchenweise statt.

Booksection: Man läuft dabei aber auch der Gefahr, dass einen die Zuschauer irgendwann nicht mehr richtig ernst nehmen.
Michael Wirbitzky: Das ist wahr. Was das angeht, ist unsere Doppelmoderation und die Rollenverteilung aber auch ziemlich hilfreich. Wenn irgendwelche Interviews mit wichtigen Personen stattfinden, dann moderiere ich die alleine. Nicht weil der Sascha das nicht kann, sondern weil die Aufteilung so ist. Ich bin derjenige der die Informationen verkauf und er ist dann der klassische Sitekick, der das Ganze wieder auf eine möglicherweise witzige Eben zieht.
Sascha Zeus: Den ernsten Part nimmt mir jetzt auch niemand mehr ab. Das ist eine klare Rollenverteilung, die genau so gut aufgeht. Eine Doppelmoderation funktioniert auch nur so. Wenn ich zwei gleichberechtigte Moderatoren nebeneinander habe, dann wird es langweilig. Egal welche Unterschiede das sind. Ob Mann/Frau, dick/doof…
Michael Wirbitzky: Es ist auch so, das wissen wir von der Reaktion unserer Hörer, dass es niemanden gibt, der wirklich glaubt, dass der Sascha Zeus blöd ist – obwohl er jeden Tag diese Rolle spielt. Die Leute sind gar nicht so doof, die erkennen dieses Rollenspiel schon als solches. Die Leute wissen, dass es ein Rollenspiel ist und mögen es trotzdem.

Booksection: Ihr macht die Morningshow nun erfolgreich seit zwölf Jahren. Das ist eine Kunst…
Sascha Zeus: Das ist in erster Linie ein Beruf. Es hat etwas mit Disziplin und der Herangehensweise zu tun. Wir sind beide einer Meinung: Wir können uns nicht unvorbereitet vor das Mikro setzten und drauf losplappern, weil dann nichts dabei rauskommt. Das ist mal genial, aber man muss in der Regel darauf vorbereitet sein. Wir bereiten auch sehr viel vor und wenn uns dann spontan etwas Besseres einfällt, dann nehmen wir das auch.
Michael Wirbitzky: Im Prinzip gibt es keine Szene, die absolut spontan ist. Auch nach all den Jahren noch, denn alles andere ist wirklich nicht professionell. Da muss immer eine Idee dahinter stecken, wir müssen wissen wo wir hin wollen. Und ich glaube, dass das die Hörer auch würdigen.

Booksection: Seid ihr auch befreundet, wenn das Mikro aus ist?
Sascha Zeus: Ja klar.
Michael Wirbitzky: Es gab ja auch ein paar Komikerpaare, die sich bis aufs Blut gehasst haben, aber das geht über einen solch langen Zeitraum, wie den, den wir jetzt miteinander verbracht haben, nicht gut. Wir beide sind auch vollkommen unterschiedlich. Vielleicht geht es gerade deshalb so lange gut. Wir haben beide unser eigenes Leben und jeder hat sein Rückzugsgebiet. Sonst würden wir uns vermutlich irgendwann auch töten. (lacht)



Das Interview wurde veröffentlicht am: 17.10.2008

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