Interview mit...

...Wolfgang Hohlbein


"Die Templerin - Das Wasser des Lebens"

"Ein großes Thema, das ich nicht aufgearbeitet habe, gibt es nicht."

Mit Booksection im Gespräch: Fantasyautor Wolfgang Hohlbein.

Booksection: In der Vorbereitung zu diesem Interview habe ich in Ihr neuestes Buch „Die Templerin – Das Wasser des Lebens“ reingelesen, welches Sie zusammen mit Ihrer Tochter Rebecca geschrieben haben. Muss man zwangsläufig die vorangegangenen drei Bände gelesen haben, um einen guten Einstieg in das neue Buch zu finden?
Wolfgang Hohlbein: Eigentlich nicht. Wenn es einen interessiert sollte man es schon in der richtigen Reihenfolge lesen, aber man kann auch bei diesem Band einsteigen.

Booksection: Wie war die Zusammenarbeit mit Ihrer Tochter? Anders als mit anderen Co-Autoren?
Wolfgang Hohlbein: Die Zusammenarbeit ist natürlich bei jedem anders. Zum Teil war die Arbeit chaotischer zum Teil aber auch angenehmer. Wir werden das sicherlich auch wiederholen.

Booksection: Sie arbeiten sowohl mit Co-Autoren als auch alleine. Ist Ihnen eine der beiden Arbeitsweisen lieber, oder macht das für Sie keinen Unterschied?
Wolfgang Hohlbein: Es ist ein großer Unterschied, aber es hat beides seinen Reiz. Allein zu arbeiten ist insofern besser, als dass einem niemand reinredet und ich tun und lassen kann was ich will. Zusammen zu arbeiten macht eben auch Spaß, weil andere Anregungen kommen und man so auf Ideen kommt, auf die man alleine gar nicht käme. Man kann wirklich nicht sagen diese oder jene Arbeitsweise ist besser. Es hat beides seine Vor- und Nachteile.

Booksection: Wie ist die Herangehensweise, wenn man ein Buch mit jemandem zusammen schreibt? Teilt man sich die Charaktere unter einander auf, oder die Kapitel?
Wolfgang Hohlbein: Das hängt auch wieder stark davon ab, mit wem man das Buch zusammen schreibt. Ich schreibe auch viel mit meiner Frau Heike. Da ist es so, dass wir vorher immer über die Geschichte sprechen und ich das reine Schreiben dann alleine mache, aber wir uns währenddessen die Kapitel austauschen und darüber reden wie es weiter gehen könnte. Alternativen diskutieren. Mit meiner Tochter war es ein bisschen anders. Die ersten drei Bände hatte ich alleine geschrieben, den Anfang vom vierten, also die ersten 30-40 Seiten, habe ich auch alleine geschrieben. Dann habe ich mit Rebecca geredet, wie es weitergehen könnte und im Laufe der Geschichte haben wir dann sozusagen die Plätze getauscht. Das letzte Drittel hat sie dann ganz alleine geschrieben und ich habe es im Grunde nur noch mit dem Rotstift in der Hand gelesen.

Booksection: Ich habe früher viele der Bücher gelesen, die Sie mit Ihrer Frau zusammen unter dem Titel „Eine phantastische Geschichte“ im Ueberreuter-Verlag veröffentlicht haben. Im Vorwort zu „Dreizehn“ haben Sie geschrieben, dass Sie nun endlich nachgegeben und einen weiblichen Hauptcharakter „zugelassen“ haben. Fällt es Ihnen grundsätzlich schwerer, sich in eine weibliche Hauptfigur hineinzudenken?
Wolfgang Hohlbein: Zumindest bei den Jugendbüchern, bei diesen phantastischen Abenteuergeschichten, ist das eigentlich kein Unterschied. Es sind keine geschlechtsspezifischen Geschichten um Emanzipation oder so etwas in der Art. Es sind einfach Abenteuergeschichten, in denen sowohl ein weiblicher als auch ein männlicher Charakter der Held sein kann. Bei „Die Templerin - Das Wasser des Lebens“ war die weibliche Sicht schon wichtig, hier geht es ja auch um die Schwangerschaft der Hauptfigur Robin. Eine Frau kann das dann doch besser nachempfinden und dann auch erzählen.

Booksection: „Märchenmond“ war 1982 Ihr Durchbruch. Seitdem sind mehr als 150 Bücher erschienen, an denen Sie beteiligt waren. Haben Sie noch echte „Herzensprojekte“, die noch nicht verwirklicht sind?
Wolfgang Hohlbein: Das hatte ich eigentlich nie. Also ich mache das ganz, ganz spontan. Wenn ich mich für eine Idee begeistere, dann ist das für mich immer die beste die ich je hatte und diese liegt mir dann natürlich auch immer am Herzen. Aber ein „großes Thema“, das ich nicht aufgearbeitet habe, das gibt es nicht. Ich finde, wenn man Ideen hat, sollte man sich diese nicht aufheben. Wenn man eine gute Idee hat, wird diese sofort verarbeitet und wenn ich sie vergesse, war sie es wahrscheinlich nicht wert erzählt zu werden.

Booksection: Wie behalten Sie den Überblick über all die Charaktere und Geschichtsverläufe, die Sie schon verwendet haben? Haben Sie all Ihre Geschichten im Kopf?
Wolfgang Hohlbein: Zum größten Teil ja. Das ist auch gar nicht so schwierig. Die Geschichten sind ja auch ganz unterschiedlich. Ich mache zum einen mit meiner Frau mehr Geschichten für jugendliche Leser, die Templerin ist dann eher, nun ich will nicht sage mehr für ältere Leser, aber einen 10 Jährigen wird dies nicht so interessieren.

Booksection: Die Geschichten richten sich einfach an eine andere Zielgruppe.
Wolfgang Hohlbein: Genau. Hier geht es vermutlich erst so mit 17 oder 18 Jahren los. Und dann gibt es ja auch noch die etwas unheimlichen Geschichten, aber es sind doch sehr, sehr unterschiedliche Storys. Da besteht eigentlich nicht die Gefahr, dass man durcheinander kommt. Und von den 150 Büchern, die ich geschrieben habe, sind natürlich auch etliche Titel dabei, die aus einer Serie sind, also Fortsetzungen. Insofern ist ca. die Hälfte der Bücher schon immer mit denselben Charakteren. Allein vom „Hexer von Salem“ gibt es 25 Bände. Da ist es dann nicht ganz so schwierig, sich an den Helden zu erinnern.

Booksection: Der Trend in der Fantasy- Literatur geht immer noch zur Trilogie. Wie schwer ist es, eine gute Geschichte in nur einem Buch zu erzählen?
Wolfgang Hohlbein: Das fällt mir zunehmend schwerer und das ist auch etwas, an dem ich zünftig langsam arbeiten muss. Ich bin auch nicht der erste, der in diese Falle tappt, dass die Geschichten eigentlich immer länger und ausufernder werden. Wobei ich da gar nichts dagegen habe. Ich als Leser finde auch eine Geschichte auf 2.000 Seiten toll. Die Gefahr ist, dass man anfängt zu schwafeln, man zwar mehr Worte macht, aber nicht mehr erzählt. Ich merke dies auch bei mir so ein bisschen und werde gezielt versuchen, auch wieder kompakter zu schreiben. Es kann natürlich schon sein, dass der nächste Roman länger wird, aber es muss dann wieder mehr Handlung drin sein. Das letzte Buch, das meine Frau und ich bei Ueberreuter geschrieben haben zum Beispiel, das hat fast 1.000 Seiten. Aber da war kompakter schreiben fast nicht möglich, weil es eine sehr lange und komplexe Geschichte ist. Es passiert einfach unheimlich viel. Ich habe dem Verlag gesagt: „Ihr könnt kürzen was immer ihr wollt.“ Aber sie haben nicht viel gefunden. Sicher ist auch mal eine Wiederholung drin, aber dann sind es eben nicht mehr 981 Seiten, sondern 978. Aber ich werde beim nächsten Buch schon wieder versuchen, es etwas kürzer zu machen. Bei der Templerin ist es uns ja gelungen. Hätte ich es da „einfach laufen gelassen“, wäre es wahrscheinlich doppelt so lang geworden.

Booksection: Jerusalem und die Templer sind ja aber auch ein spannendes Feld.
Wolfgang Hohlbein: Das Thema hat mich immer schon interessiert. Es ist die Zeit der Kreuzzüge und das hat mich schon als kleinen Jungen fasziniert. Ich bin mit diesem Bild aufgewachsen, dass ein Ritter ein solch weißes Gewand anhat mit einem roten Kreuz. Das ist eigentlich bis heute so geblieben. Ich war zwar noch nicht direkt in Jerusalem, aber in der Gegend, und ich finde das ganze Thema nach wie vor sehr spannend.

Booksection: Deutsche Fantasy-Autoren sind auf dem Vormarsch und werden von den Verlagen auch immer lieber vermarktet. Denken Sie, das ist jetzt ein Dammbruch und dass diese positive Entwicklung anhält?
Wolfgang Hohlbein: Es gibt einen deutschen Autor von Fantasy- und Elfengeschichten, der im Moment sehr viel erfolgreicher ist als ich, und das ist Bernhard Hennen. Fantasy, wobei ich das Wort Fantasy eigentlich nicht so sehr mag, sondern eher den Begriff „phantastische Stoffe“ im weitesten Sinne wo ich auch Stephen King mitzähle, ist eigentlich schon immer beliebt gewesen. Ich glaube auch gar nicht, dass es so viel mehr gelesen wird, aber es wird mehr wahrgenommen. Es hat sich seinen Platz erobert und ist salonfähig geworden. Da sind zuletzt auch die Filme schuld. Also schuld im positiven Sinne. Ob man selbst Harry Potter Fan ist oder nicht: Es ist einfach toll, dass ein Buch eben in dieser Menge auch Kinder und Jugendliche erreicht.
Von den verkauften 3 Millionen Stück sind zwar vielleicht nur 100.000 Stück tatsächlich gelesen worden, aber das ist immer noch sehr viel. Und gerade durch die in letzter Zeit auch sehr guten Verfilmungen, die es gibt, ist es salonfähig geworden. Ich kann mich noch erinnern, als ich zur Schule gegangen bin, so im Alter von 12 Jahren, da gab es die Masse von phantastischen Geschichten noch nicht. Ich bin mit Perry Rhoden-Heften und dergleichen groß geworden. Aber das durfte ich in der Pause nicht lesen, es war so ein bisschen in der Schmuddelecke. Das hat es in der Schule nicht gegeben und wurde vom Lehrer auch verboten. Diese Zeit ist jedoch vorbei. Heute gibt es auch den Germanistikprofessor, der in der Pause seinen Stephen King liest oder vielleicht eben etwas von Hohlbein. Aber das ist eben eine Frage der Wahrnehmung und ich finde diese Entwicklung gut.

Booksection: Man kann schon sagen, dass die Verfilmungen geholfen haben, die Fantasy ein bisschen aus dieser belächelten Ecke der Literatur herauszuholen.
Wolfgang Hohlbein: Ich war immer schon ein großer Filmfan, bin aber eher mit den Sandalenfilmen groß geworden. Alle billig gedreht in der gleichen Kiesgrube. Es gab eben nichts anderes. Und wenn Sie das jetzt mit dem „Der Herr der Ringe“ vergleichen, was natürlich klar ein bisschen unfair ist, dann liegen da schon Welten dazwischen.

Booksection: Die „Der Herr der Ringe“-Verfilmung hat sicherlich Maßstäbe gesetzt, wobei man natürlich sagen muss, dass ein Film nie hundertprozentig das Buch trifft.
Wolfgang Hohlbein: Da muss ich sagen, ich finde die Verfilmung zum Teil sogar besser. Ich habe das Buch so mit ca. 20 gelesen und dann später noch einmal. Als der erste Film heraus kam, gab es dann auch eine neue Übersetzung. Ich habe dann noch einmal versucht das Buch zu lesen und bin aber irgendwann stecken geblieben. Wir sprachen ja vorhin schon davon. Ich glaube Tolkien ist da auch ein wenig in dieselbe Falle getappt wie ich und andere Fantasy-Autoren. Die Geschichte wird etwas zu ausufernd, zu viel. Im Film ist einfach ein gewisses Tempo drin, auch wenn er über drei Stunden dauert, ist das etwas anderes wie 1.500 Seiten Buch. Die Langfassung vom dritten Teil habe ich mir dann nicht mehr angesehen. Die war mir doch zu lang.

Booksection: Sehen Sie den Boom in der Fantasy-Literatur als Spiegel der gesellschaftlichen Entwicklung? Alles wird technisierter und schnelllebiger.
Wolfgang Hohlbein: Das war eigentlich immer schon so. Ich glaube, was man heute neudeutsch Fantasy nennt, ist die Fortführung der Märchen mit anderen Mitteln. In der Zeit, als die großen Märchen entstanden sind, also noch vor den Brüdern Grimm, die sie nur gesammelt haben, da war es ja auch so, das Bücher sehr teuer waren und nicht für jeden erhältlich. Und wer konnte schon lesen. Die Zeiten, dass Bücher so etwas ganz selbstverständliches sind, das war selbst in meiner Jugend noch nicht so. Und ich bin jetzt noch keine 200 Jahre alt. Es war einfach eine Preisfrage. Ich komme aus keiner armen Familie, sondern aus einer ganz normalen Arbeiterfamilie. Aber da konnte man auch nicht eben mal so ein Buch kaufen. Das war dann etwas als Weihnachtsgeschenk. Und diese Taschenbuch- und Heftromankultur ist ja auch noch nicht so alt. Gerade wegen der Preisfrage hat sich diese ja erst entwickelt. Wenn wir 200 Jahre zurückgehen, hätte es dann auch schon die Stände voller Fantasyromane gegeben, aber die typischen Märchen wurden eben erzählt und überliefert und das ist ja auch schön. Die Fantastik ist einfach salonfähig geworden, das bringt es glaube ich auf den Punkt. Sie hat sich auch so ein bisschen durch die Hintertür eingeschlichen. Wenn Sie heute einen Kriminalroman lesen oder einen Krimi sehen, wo der Held oder die Heldin bisschen wahrsagerische Fähigkeiten hat, oder im Traum die Lösung sieht, dann denkt sich da keiner mehr etwas dabei. Vor 30 Jahren hätten die Leute gesagt: „Was ist das denn für ein Scheiß.“ Wenn man genau hinschaut, gibt es nur noch ganz wenige Sachen, wo nicht wenigsten ein ganz kleines bisschen Fantastik drin steckt. Das ging so mit dem James Bond-Filmen los, finde ich. Im Grunde ist jeder James Bond-Film getarnte Science-Fiction. Die Leute merken das heute nur nicht mehr. Nehmen Sie zum Beispiel die alten James Bond-Filme, wie „Feuerball“ oder „Moonraker“. Die ganze Technik die dort beschrieben wird, die war damals Science-Fiction.

Booksection: Und heute ist es selbstverständlich….
Wolfgang Hohlbein: Die Grenzen verschwimmen da und das finde ich auch ok.

Booksection: Herr Hohlbein vielen Dank für das interessante Gespräch.



Das Interview wurde veröffentlicht am: 17.10.2008

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