Interview mit...

...Thomas Finn


...zur Kritik "Der silberne Traum"

"Die Chroniken haben mich gute zwei Jahre meines Lebens beschäftigt und es war wirklich ein Fest für mich, wieder in diese Welt zurückzukehren."

Autor Thomas Finn sprach mit Booksection.de über Elfen, Klabauter und sein neues Buch „Der silberne Traum“, einem Prequel zu „Die Chroniken der Nebelkriege“..

Booksection.de: Sechs Jahre ist es her, dass mit „Die letzte Flamme“ der Abschluss Deiner erfolgreichen Trilogie „Die Chroniken der Nebelkriege“ erschien. Wollten die Figuren noch keine Ruhe geben oder die Fans?
Thomas Finn: Beide, wobei die Wünsche der Fans natürlich eher in Richtung Fortsetzung zielten. Aber so etwas ist für einen Verlag eine sehr schwierige Entscheidung, denn naturgemäß richtet sich eine Fortsetzung vorrangig an Leser, die die bisherigen Bände schon kennen. Hinzu kommt, dass die letzten Jahre dank „Twilight“ der High Fantasy eher einen Bärendienst erwiesen haben. Abgesehen von Romantasy ging da im Buchhandel lange Zeit gar nichts. Eine Rückkehr in die Welt der Chroniken kam daher erst jetzt in Frage, da die Verfilmung des „Hobbits“ der High Fantasy wieder eine Bresche geschlagen hat. Da war ein Prequel das Mittel der Wahl.

Booksection.de: Was sprach für nur ein Buch und keine neue Trilogie?
Thomas Finn: Vorrangig die oben angesprochene verlegerische Vorsicht. Hinzu kommt, dass ein Prequel wie „Der silberne Traum“, das vor den Hauptereignissen angesiedelt ist, den Fans zum einen eine Wiederbegegnung mit allen lieb gewonnen Protagonisten ermöglicht, zum anderen einen wundervollen Einstieg für neue Leser bietet. „Der Ring des Salomo“ aus der Bartimäus-Reihe ist da ein gutes Beispiel. Alle diese Gründe klingen vermutlich schrecklich technisch, aber so funktioniert die Branche nun einmal. Aus künstlerischer Sicht wollte ich aber schon immer in die Welt der Chroniken zurückkehren und hatte und habe da noch immer viele Ideen. Als dann die Entscheidung fürs Prequel fiel, wurde mir erst bewusst, wie viele Referenzen auf Ereignisse in der Vergangenheit ich zum Teil nur in Nebensätze gesetzt hatte, die nun alle eingeflochten werden wollten. Ich habe daher alle Bände der Trilogie selbst auf kleinste Nebenbemerkungen hin noch einmal überprüft, damit die jetzt entstandene Tetralogie wirklich wie aus einem Guss wirkt.

Booksection.de: Wie war es, nach so langer Zeit den Faden der Ereignisse wieder aufzunehmen?
Thomas Finn: Erstaunlicherweise nicht schwer. Im Gegenteil. Die Chroniken haben mich gute zwei Jahre meines Lebens beschäftigt und es war wirklich ein Fest für mich, wieder in diese Welt zurückzukehren. Wie schon oben angedeutet gab es da noch viele Ideen, die ich endlich verwirklichen wollte. Allerdings war die dramaturgische Herausforderung, einen Roman zu schreiben, der einerseits jene Leser überrascht, die die nachfolgende Handlung schon kennen, der andererseits aber auch als neuer Einstieg in die Reihe funktioniert, immens. Hinzu kam, dass der ursprüngliche Einstieg in die Trilogie, also „Das unendliche Licht“, zentral mit Ereignissen jongliert, die ein Jahr vor der Romanhandlung stattfanden. Damit war ein Teil der Marschroute für „Der silberne Traum“ vorgegeben. Die eigentliche Arbeit bestand nun darin, dieses Geschehen harmonisch mit einem gänzlich neuen Handlungsstrang zu verknüpfen, der auch die Altleser aufmerken lässt. Und zwar inklusive eines entscheidenden Storytwists, der erklärt, warum wir davon erst jetzt erfahren.

Booksection.de: Hat sich Dein Verhältnis zu den Figuren über die Jahre verändert oder war es eher wie ein schönes Wiedersehen?
Thomas Finn: Es war wie das Treffen von alten Freunden. Mehr noch, ich hatte in „Der silberne Traum“ endlich die Gelegenheit, mehr über einzelne Figuren zu erzählen. Allen voran natürlich die Elfe Fi, die in dieser Geschichte im Mittelpunkt steht, und der Klabauterkapitän Koggs Windjammer. Gerade Letzterer hat zahlreiche Fans und viele wollten schon immer mehr über ihn und die übrigen Klabauter erfahren. Diesem Leserwunsch bin ich im Prequel gern nachgekommen.

Booksection.de: Verspürt man beim Schreiben eines Prequels einen besonderen Druck es allen Recht zu machen?
Thomas Finn: Ja, den Druck gab es, allzumal die Ziele des Romans ja recht hochgesteckt waren. Aber darin bestand andererseits ja auch gerade die Herausforderung, die das Projekt für mich so interessant machte.

Booksection.de: „Der silberne Traum“ spielt viel auf oder im Wasser. Was fasziniert Dich an dieser Welt?
Thomas Finn: Nun, es mag vielleicht erst auf den zweiten Blick auffallen, aber in jedem der vier Chronikenbände war ich sehr darum bemüht, gänzlich neue Handlungsschauplätze aufzuspannen. Genau so sollte es auch in „Der silberne Traum“ sein. Außerdem wollte ich schon immer mal einen Fantasyroman schreiben, in dem ein verzaubertes Unterwasserreich mit Nixen und Meermännern eine besondere Rolle spielt. Es gibt es ja nur wenige fantastische Geschichten, die sich solch einer Bühne bedienen. Mal ganz davon abgesehen, dass das Meer und seine mystischen Bewohner etwas überaus Magisches an sich haben, was einfach perfekt zu den Chroniken passt. Hinzu kam, dass der Nachfolgeband „Das unendliche Licht“ mit all den maritimen Anknüpfungspunkten einen perfekten Bogen zu den Ereignissen des Prequels spannt.

Booksection.de: Besonders die Klabautermänner rund um Koggs Windjammer haben mir sehr gut gefallen. Koggs scheint diesmal den trockenen Humor für sich gepachtet zu haben und löst damit in dieser Rolle ein wenig Dystariel ab. Warum hält sich die Gargyle diesmal eher im Hintergrund?
Thomas Finn: Du hattest den Eindruck, Dystariel hielte sich eher im Hintergrund? Gerade ihr habe ich doch ein paar wirklich beinharte Szenen zugestanden. Allerdings ist das Verhältnis zwischen Gargyle und Elfe in diesem Band noch recht distanziert, was schon die Figurenzeichnung im Anschlussroman „Das unendliche Licht“ vorgab. Daran musste ich mich natürlich halten. Dass dafür Koggs und seine Leute in diesem Roman eine prominentere Rolle einnehmen, ergab sich schon aus dem Hintergrund der Geschichte.

Booksection.de: Wirst Du uns auch einmal von den Schattenkriegen berichten, die in den „Chroniken“ angesprochen wurden? Auch das hört sich nach einer spannenden Geschichte an.
Thomas Finn: Natürlich wäre das spannend. Ob es dazu einmal kommt, kann ich heute noch nicht sagen.

Booksection.de: Auf was dürfen wir uns als nächstes von Dir freuen?
Thomas Finn: Jetzt, da wir das Interview führen, ist beim Uhrwerkverlag die von Bernhard Hennen herausgegebene Fantasyanthologie „Netz der Intrige“ erschienen, ein Band dem ich – gemessen nach Manuskriptseiten – eine hundertseitige Novelle beigesteuert habe. Und derzeit stecke ich im Lektorat für den Anfang März 2014 bei Droemer-Knaur erscheinenden Urban Fantasy-Roman „Schwarze Tränen“, der komplett in Deutschland spielt und den berühmten Stoff um den Zauberer und Teufelspaktierer Doktor Faust mit viel Action und schwarzem Humor entstaubt. Darin gerät ein Nachfahre von Faust in eine höllische Intrige, die der berühmte Zauberer einst angezettelt hat. Mit von der Partie ist natürlich der zynische Familarteufel Mephistopheles. Er ist es auch, der der Story seine eigentliche Würze verleiht. Ich gestehe, diesmal gab es Passagen, da dachte ich mir ‚Weia, ich bin gespannt, ob mir die Redaktion gestattet, das drin zu lassen.“ Aber bislang zeigt sich der Verlag bemerkenswert cool. 

Booksection.de: Vielen Dank für Deine Zeit und das nette Interview.


Das Interview wurde am 15.05.2013 durch Melanie Frommholz geführt. Veröffentlicht und freigegeben vom Autor am 20.05.2013

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