Interview mit...

...Tanja Heitmann


...zur Buchkritik von "Morgenrot"

"Irgendwann sollte Adam seine Geschichte erzählen."

Mit Booksection im Gespräch: Tanja Heitmann über ihren Vampirroman "Morgenrot"

Booksection: Sie sind „Buffy“-Fan?
Tanja Heitmann: Ja, total! Deshalb musste Buffy in dem Buch auch unbedingt genannt werden, da ging gar nichts dran vorbei. Ich war gespannt, ob der Verlag damit einverstanden ist, weil es vielleicht fragwürdig ist, wenn eine erwachsene Frau „Buffy“ schaut, aber es ging durch.

Booksection: Welche Art von Büchern lesen Sie privat?
Tanja Heitmann: Privat lese ich eigentlich fast nur Fantastisches, wie ich zugeben muss. Kreuz und quer. Ich mag auch klassische Fantasy sehr gerne, Horrorgeschichten...

Booksection: Haben Sie ein Beispiel?
Tanja Heitmann: Was ich zurzeit ganz toll finde, ist Charlie Huston und seine „Stadt aus Blut“-Reihe. Sie spielt in Manhattan, wo die Vampire sich innerhalb der Stadt in verschiedene Zirkel aufteilen.  Ganz toll gemacht, wirklich.

Booksection: Warum haben Sie sich ebenfalls dazu entschieden einen Vampirroman zu schreiben?
Tanja Heitmann: Weil ich ein sehr großer Fan des Genres bin. Es ist aber nicht so gewesen, das ich gesagt habe: „So, ich setz’ mich jetzt hin und denke mir einen Plot aus und schreib dann einen Roman.“ Es war eher so, dass mir meine Figur Adam eingefallen ist. Er hat auch gleich seinen Dämon mitgebracht, also das, was ihn auszeichnet, sprich: Adam hat keine Reißzähne und hält das Sonnenlicht aus. Seine Vampir-Existenz wird eher psychologisch erklärt, er wird ja auch ein wenig schizophren dargestellt.

Booksection: In unserer Kritik klagen wir die fehlenden Sprachkenntnisse der Hauptfigur Lea an, die, gebildet und intelligent beschrieben, ins Ausland geht, um dort zu studieren, die dortige Sprache aber nicht spricht…
Tanja Heitmann: Dazu muss ich jetzt kurz etwas erzählen: Dieses osteuropäische Land zu Beginn von "Morgenrot" ist eine Collage. Ich habe Politik studiert, mein Schwerpunkt war Osteuropa und bin auch selbst nach Prag, Warschau und Krakau gereist. Außerdem hat eine Freundin in Litauen studiert und hat sich wirklich vorbereitet, einen Intensivkurs gemacht. Dann kam sie dorthin und hat nichts verstanden. Sie hat gesagt, das sich die gesprochene Sprache sehr stark von dem unterschieden hat, was sie gelernt hat. Sie hat ein halbes Jahr dort gelebt und erst gegen Ende hat sie langsam verstanden, was die Leute ihr erzählt haben. Diese Geschichte habe ich dann für Lea übernommen. Es gibt wirklich osteuropäische Länder, da können Sie die Bücher und die Zeitungen lesen, aber Sie verstehen erst einmal keinen Menschen.

Booksection: Sie umgehen aber auch die Orts –und Landesbezeichnungen, d.h. der Leser weiß im Grunde nicht, wo er sich befindet…
Tanja Heitmann: Es wird offen gelassen, weil es mein eigenes Land ist. Wir hatten anfangs eine Zeile im Buch „Irgendwo in Osteuropa…“. Das hat der Verlag dann aber rausgenommen.

Booksection: Schade, denn genau das hat unserer Meinung nach gefehlt. Vielleicht wäre die Geschichte dann „authentischer“ geworden…
Tanja Heitmann: Ich wollte das gerne offen halten. Wenn ich einen Ort beschreibe, möchte ich nicht, dass die Leser automatisch denken: „Ah, das ist New York - kenne ich!“. Ich wollte, dass der Leser sich von Schauplätzen sein eigenes Bild macht.

Booksection: Werden Sie weitere Geschichten über die Adam & Lea schreiben? Es geht ja offen aus…
Tanja Heitmann: Offen, ja, aber die Geschichte ist erst einmal abgeschlossen. Ich habe jedoch Adams komplette Geschichte im Kopf. Man erfährt in „Morgenrot“ ja auch nichts über seine Vergangenheit. Er möchte nicht drüber sprechen, wie er verwandelt wurde, wie alt er ist. Ich weiß das ja natürlich. Ich glaube, mich würde das ziemlich reizen, die Vorgeschichte zu schreiben. In „Morgenrot“ hat man jetzt Lea als Erzählerin der Geschichte gehabt, irgendwann sollte Adam seine Geschichte erzählen.

Booksection: Welchen Inhalt hat das nächste Buch?
Tanja Heitmann: Es sind drei Bücher bei Heyne geplant, die unter dem Banner „Dämonenreihe“ stehen. Die Idee mit dem Dämon möchte ich weiter aufgreifen. Das nächste Buch wird wieder in sich abgeschlossen sein. Neue Figuren, neuer Schauplatz. Auch der Dämon wird ein anderer sein. In „Morgenrot“ war es der Vampir, im nächsten eine andere Nachtgestalt. Es wird ein richtiger Großstadtthriller, Erscheinung ist im Herbst 2009.

Booksection: Vielen Dank für das Interview und das nette Gespräch.



Das Interview wurde veröffentlicht am: 16.10.2008

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