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Stefanie Rufle

Name: Stefanie Rufle
Nickname: 'Steffi'
Jahrgang: 1971
Position: Chefredakteurin
Bereich: Buchkritiken, Biographien
Bevorzugte Genres: Biographie, Erlebnisbericht, Roman, Krimi, Thriller, Ratgeber, Historischer Roman, Horror
Kontakt-Email: 'stefanie.rufle (at) booksection.de'


Booksection.de-Interview mit 'Steffi'

Wie schaffst Du es so viele Bücher zu lesen? Nimmst Du Dir die Zeit dafür oder liest du quer?
Oh nein, Querlesen ist so gar nichts für mich. Da hätte ich ja ständig das Gefühl, das Wichtigste verpasst zu haben...Nein, es ist schon so, dass ich mir die Zeit nehme oder besser gesagt, diese Zeit war bei mir schon immer für das Lesen reserviert, solange ich denken kann. Seitdem ich lesen kann, lese ich, wann immer ich kann und ehrlich gesagt könnte ich es mir anders gar nicht vorstellen.

Wie oft wusstest Du schon nach der Hälfte des Buches wer der Mörder ist?
Zum Glück noch nicht so oft. Denn dann macht das Lesen wirklich keinen Spaß mehr. Nein, in der Regel machen die Autoren ihre Sache wirklich gut und die Auflösung ist zumindest fast bis zum Schluß eine Überraschung. Natürlich hat man manchmal so ein Gefühl und ab und zu stimmt das dann auch. Aber das sind dann ja eher Vermutungen. Das eine oder andere Mal hab ich es aber wirklich schon erlebt, dass ein Autor so dilettantisch geschrieben hat, dass man förmlich mit der Nase auf die Lösung gestoßen wurde - aber da kenn ich dann auch wirklich kein Erbarmen!

Harry Potter ist außerordentlich erfolgreich. Reizt Dich das Thema überhaupt nicht?
Ganz ehrlich? Es reizt mich wirklich nicht. Keine Ahnung, warum. Vielleicht, weil die ersten Bände eben doch Jugendbücher sind und darauf hab ich einfach keine Lust. Schon möglich, dass ich doch irgendwann mal den ersten Band in die Hand nehme, schließlich steht er ja bei mir im Bücherregal. Und wahrscheinlich würde mich dann auch das Harry Potter-Fieber packen. Aber im Moment ist mir ganz einfach nicht danach.

Wenn du selbst einen Krimi schreiben würdest, wer wäre der Mörder?
Ich habe schon so viele verschiedene Krimis mit den unterschiedlichsten Mördern gelesen, dass ich darauf ehrlich keine Antwort weiß. Ich kann mir nicht vorstellen, einen Krimi mit dem Gedanken an den Mörder, sondern vielmehr mit dem an das mögliche Opfer und dessen Art zu sterben zu beginnen. Ich glaube, daraus würde dann die Figur des Mörders resultieren. Aber ob das dann der Gärtner, die enttäuschte Geliebte oder ein kranker Psychopath wäre – keine Ahnung…

Auf der Frankfurter Buchmesse hattest du die Möglichkeit mehrere Autoren kennen zu lernen. Welchen Eindruck hast du von der Literatur-/Autorenszene?
Einen durchweg positiven, muss ich sagen. Ich habe wirklich nette Autoren (allen voran die sympathische Petra Hammesfahr) kennen gelernt und hatte nie das Gefühl, in irgendeiner Weise auf „Starallüren“ zu treffen. Natürlich ist auch die Literaturszene in allererster Linie ein hartes Geschäft, doch bekommt man schon den Eindruck, dass es hier noch sehr viel gemäßigter und normaler als in der Musik- oder Filmbranche zugeht.

Gibt es ein Genre, das dir so ganz und gar nicht liegt?
Ja, bei Science Fiction tue ich mich ehrlich gesagt ziemlich schwer, einfach weil das ein Thema ist, das mich nicht wirklich interessiert. Genauso ist das auch mit Spionageromanen, die lasse ich meist ohne zu zögern im Regal stehen. Grundsätzlich lasse ich mich aber meist von der Optik eines Buches und der Art und Weise, wie es insgesamt auf mich wirkt leiten – und da mache ich auch in Sachen Genrewahl manchmal eine Ausnahme. Das Tolle dabei ist, dass ich dann ganz oft positiv überrascht werde und Bücher entdecke, die mich so beeindrucken und faszinieren, dass ich mir vom betreffenden Autor gleich noch mehr Lesestoff besorgen muss. Es ist eben auch manchmal ganz gut, über den eigenen Tellerrand hinauszuschauen.

Du hast schon viele Stephen King Bücher gelesen – auch einige seiner neuen. Kann der „Meister“ seinem Ruf nach all den Jahren noch gerecht werden?
Ja, ich finde schon. Stephen King hat in der Tat ein Talent, das seinesgleichen sucht. Diese düsteren Welten, die irren Phantasien und die grausamen Horrorszenarien, die seiner Feder entspringen, sagen sehr viel über seinen Charakter und seine Gedankenwelt aus. Natürlich merkt man seinen Büchern an, dass er älter, reifer geworden ist. Deshalb kann man „Love“ oder „Wahn“ auch ganz bestimmt nicht mit den früheren Büchern wie „Shining“, „Es“ oder „Carrie“ vergleichen. Er hat sich eben weiterentwickelt und mit ihm seine Bücher und Geschichten. Trotzdem ist er in meinen Augen nach wie vor der unangefochtene „King of Horror“.

Wo liegt für dich der größte Unterschied zwischen Thriller und Horror?
Ein Thriller hat für mich immer psychologische Aspekte mit dabei, es geht um menschliche Abgründe, dunkle Geheimnisse und um die Motivation eines Täters. Beim Horror hingegen steht das Böse im Vordergrund, hier gibt es kein tief schürfendes Psychogramm. Der Leser soll sich bei einem Horror-Buch einfach nur schön gruseln können, wohingegen es bei einem Thriller ganz stark um die involvierten Personen geht. Gerade der Blick auf die menschlichen Abgründe ist es, der für mich den entscheidenden Unterschied zwischen Thriller und Horror ausmacht. Wobei es hier natürlich auch immer Grenzfälle gibt – Stephen King etwa bewegt sich oft auf einer Grenzlinie zwischen Horror und Thriller und auch sein Sohn, Joe Black, lässt die Grenzen zwischen den beiden Genres deutlich bröckeln.

Wenn Du dürftest, wer würdest Du sein? Arwen aus „Der Herr der Ringe“ oder Elisabeta aus „Bram Stockers Dracula“. Warum?
Oh, das ist eine schwierige Frage, denn eigentlich faszinieren mich beide Figuren gleichermaßen. An Arwen mag ich das mystische, geheimnisvolle, die Macht, die sie umgibt. Elisabeta überzeugt mich mit ihrer bedingungslosen Liebe, mit dem Mut der Verzweiflung, der sie über alle Grenzen hinweg gehen lässt. Sie ist eine Frau, die einerseits lichtdurchflutet ist, auf der anderen Seite hat sie auch einen ganz dunklen Anteil in sich. Beiden gemeinsam ist, dass sie gezwungen sind, für ihre Liebe etwas ganz Entscheidendes aufzugeben. Eigentlich glaube ich, dass ich eher Elisabeta wäre. Doch wenn ich mir dann den männlichen Part dazu anschaue, wäre mir Aragorn doch entschieden lieber…

Bei einem Interview mit welchem Autoren würdest Du weiche Knie bekommen und warum?
Da gibt es einige, einfach weil ich es unvorstellbar finde, dass mir der Mensch, dessen Bücher ich förmlich verschlinge, plötzlich leibhaftig gegenüber sitzt und ich die Gelegenheit habe, mit ihm darüber zu reden und Fragen zu stellen, die mich schon lange beschäftigen. Bei Ingrid Noll ging mir das beispielsweise so. Ich habe mich immer gefragt, wie jemand solch morbiden Geschichten erfinden kann, die einen gleichzeitig so zum Lachen bringen können. Als ich ihr dann gegenüber saß, war mir alles klar. Die Ausstrahlung dieser Autorin ist einerseits faszinierend, andererseits ist sie eben auch die ganz normale ältere Dame von nebenan.
Ich glaube, John Irving würde mich komplett umhauen. Dieser Mann MUSS ganz einfach ein Genie sein, denn nur so kann man sich erklären, dass er derart vielschichtige Bücher schreiben kann, die seine Leser in völlig obskure Welten entführen.

Welches Buch könntest du immer wieder lesen?
Es gibt nur wenige Bücher, die ich auch noch ein zweites Mal lesen würde. „Der Herr der Ringe“ ist so ein Fall, dieses Buch habe ich schon zweimal gelesen und ich könnte mir durchaus vorstellen, auch noch ein drittes Mal auf die Reise nach Mittelerde zu gehen. Auch einige Bücher von John Irving würde ich gerne noch mal lesen, denn ich finde, dass man Bücher seiner augenblicklichen Lebenssituation entsprechend beurteilt. Ich weiß noch, wie sehr mich „Die Nebel von Avalon“ vor Jahren fasziniert hat – es wäre schon interessant zu wissen, ob das heute immer noch so wäre. Andererseits besteht ja auch die Gefahr, dass der Zauber eines Buches verloren geht, wenn man es ein zweites Mal liest. Viele Dinge wirken eben beim ersten Mal – und dann nie wieder in diesem Ausmaß. Deshalb bin ich eher vorsichtig mit dem zweimal Lesen.

Merkst Du an Dir, dass Du Bücher anders beurteilst, wenn Du den Autor persönlich getroffen hast?
Ja, schon irgendwie. Es ist zumindest ein ganz anderes Gefühl, wenn man mit dem Autor gesprochen hat. Man erinnert sich an Details, die er erzählt hat, an witzige Anekdoten zu einzelnen Kapiteln. Das Buch gewinnt dadurch mehr an Tiefe, denn wenn ein Autor von seinem Buch spricht, spürt man sofort, wie wichtig es ihm tatsächlich ist. Manche Autoren erklären auch, warum ein Buch überhaupt entstanden ist, was ihre Motivation war, über bestimmte Dinge zu schreiben. So erfährt man mehr über ein Buch, als man das beim Lesen jemals könnte. Am liebsten sind mir die Autoren, die es wirklich interessiert, was man über ihr Buch denkt, die bereit sind, darüber zu diskutieren. Wenn ein Autor sympathisch ist (und das ist meiner Erfahrung nach sehr oft der Fall), dann haben seine Bücher eher einen Aufforderungscharakter als bei jemandem, den man nicht leiden kann.

Gibt es ein Buch, das Dich entgegen Deiner Erwartung positiv überrascht hat?
Kein konkretes. Es passiert schon hin und wieder, dass ich ein Buch sehe und denke, na ja, das kann ja wohl nichts sein und es dann trotzdem lese. Aber in der Regel entscheide ich mich ja für ein Buch, weil ich überzeugt davon bin, dass es mir gefallen wird. In diesem Fall erlebe ich natürlich oft Enttäuschungen, denn nur sehr selten hält ein Buch auch tatsächlich, was Einband und Covertext versprechen.

Was macht für Dich den Unterschied zwischen einem Dutzendkrimi und einen Pageturner aus?
Mittlerweile ist es natürlich schon etwas schwer, noch einen Krimi zu finden, der mich restlos fesseln kann. Nach so vielen Krimis gibt es nur noch wenig Neues, Überraschendes, Noch-Nie-Dagewesenes. Aber wenn die Figuren gut gezeichnet sind, der Plot gut aufgebaut ist und dann auch noch ein Kriminalfall erzählt wird, der originelle Elemente enthält, dann ist das schon ein Highlight. Dutzendware gibt es natürlich zur Genüge, da weiß man dann schon nach fünf Seiten, wohin sich das Ganze entwickeln wird und meist ist auch das sprachliche Niveau nicht besonders hoch. Doch ich finde, es gibt trotz des wirklich großen Marktes immer wieder richtig gute und niveauvolle Krimis. Gerade die deutschen Autoren sind da meiner Meinung nach wieder auf dem Vormarsch, man denke nur an Oliver Bottini oder auch an „alte Hasen“ wie Ingrid Noll oder Petra Hammesfahr. Doch auch Thrillerautorinnen wie Karin Slaughter oder Tess Gerritsen schaffen es immer wieder, mich zu fesseln. Gerade Karin Slaughters Entwicklung ist momentan sehr interessant – da entsteht meiner Meinung nach noch mal etwas völlig Neues. Mal sehen, wohin das führt.

Der Autor Paolo Coelho scheint bei Dir einen besonderen Stellenwert einzunehmen. Was macht ihn für Dich so besonders?
Zum einen sind das seine Bücher, aus denen eine unglaublich große Lebenserfahrung und Weisheit sprechen. Man spürt nur schon beim Lesen seiner Geschichten, dass dieser Mann schon vieles erlebt hat und auch schon die eine oder andere leidvolle Erfahrung hinter sich hat. Als ich mich dann mit seiner Biographie beschäftig habe, wurde das bestätigt. Es ist unglaublich, wie dieser Autor es schafft, aus dem Schweren, das er durchmachen musste, solch wunderschöne und weise Bücher zu schreiben. Viele andere Menschen hätten sich wahrscheinlich nach diesen Erlebnissen vom Leben abgewandt oder wären seelisch krank geworden. Bei ihm ist das Gegenteil der Fall – er erreicht mit seinen Büchern ein Millionenpublikum und gibt seinen Lesern etwas mit von dem, was er an Positivem aus seinen Erlebnissen gezogen hat. Mit seinen Büchern vermittelt er Botschaften, die berühren, die Mut machen und die einen zum Strahlen bringen. Das muss ein wirklich beeindruckender Mensch sein!

Du liest gern Krimis und Thriller. Spiegelt sich diese Vorliebe auch in Deiner Filmauswahl wieder?
Auf jeden Fall, ja. Das ist einfach ein Genre, das mich sowohl im Film wie auch bei Büchern unheimlich fesselt. Schon als Kind habe ich mir die Agatha Christie-Bücher meiner Mutter gekrallt und dann natürlich auch deren Verfilmungen im Fernsehen angeschaut. Die Faszination für Krimis und Thriller hat sich dann immer weiter entwickelt – ob nun Stephen King, Edgar Wallace, Elizabeth George oder Ingrid Noll. Ich konnte einfach nicht mehr aufhören, diese spannenden Bücher zu lesen – und natürlich hat das auch ganz entscheidend meinen Filmgeschmack geprägt. Ob nun die alten Hitchcock-Filme, Stephen King-Verfilmungen wie „Shining“ oder „Friedhof der Kuscheltiere“ – es gibt kaum etwas, das mir zu gruselig oder morbide ist.

Trotz vieler Gegenmeinungen hast Du „Artemis Fowl“ schlecht bewertet. Was hat Dich daran gestört?
Als allererstes wohl, dass mir die Hauptfigur schlicht und ergreifend unsympathisch war. Selten ist mir in einem Buch ein so arroganter, eingebildeter und überheblicher Fatzke begegnet. Aber auch die Geschichte an sich konnte mich nicht vom Sockel reißen – einfach nicht mein Ding, würde ich da mal sagen…




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