Interview mit...

...Sergej Lukianenko


...zur Buchkritik von "Wächter der Nacht"

"Mit dem Anton des Films bin ich ganz und gar nicht einverstanden!"

Mit Booksection im Gespräch: Science-Fiction-Autor Sergej Lukianenko über sein Bestseller „Wächter der Nacht“, die Verfilmung und Jugendbücher.

Booksection: „Wächter der Nacht“ und „Wächter des Tages“  haben nun beide ihren Weg in die Kinos gefunden. Sind Sie denn mit den Verfilmungen zufrieden?
Sergej Lukianenko: Ich wollte eigentlich, dass die Filme weitaus mehr den Büchern entsprechen. Als wir angefangen haben zu drehen, haben wir jedoch festgestellt, dass sich die Geschichte und die Technik des Films mit den Büchern nicht vereinbaren lässt. Jetzt kann ich eigentlich sagen, dass es in den Filmen eine andere Geschichte ist, die erzählt wird. Mit den Büchern verbindet sie eigentlich nur der Anfang.

Booksection: Wie ist das mit den Schauspielern? Sind Sie mit der Besetzung  und der Umsetzung der Figuren einverstanden?
Sergej Lukianenko: Das ist ganz unterschiedlich. Seltsamerweise bin ich gerade mit dem Hauptdarsteller nicht ganz einverstanden. Der Anton des Films ist doch etwas abgewrackter, etwas heruntergekommener. Das war eine Idee des Regisseurs Timur Bekmambetov. Der Anton der Bücher steht doch mehr auf beiden Beinen, ist mehr im Leben verankert und kommt doch besser klar.
Mit den anderen Figuren bin ich sehr einverstanden. Svetlana & Olga sind zum Beispiel sehr gut gelungen.

Booksection: „Wächter des Zwielichts“ und „Wächter der Ewigkeit“ fehlen ja beide noch. Werden diese Bücher ebenfalls verfilmt?
Sergej Lukianenko: Das kann ich nicht genau beantworten, da die Situation etwas komplizierter ist. Zum großen Erfolg des ersten Films hat der russische Fernsehkanal „EINS“ beigetragen. Die Rechte des dritten Films liegen nun komplett bei 20th Century Fox, und das Studio zögert die Produktion noch heraus.

Booksection: Die dunkle Seite seiner Bücher, die Tagwache also, ist sehr charismatisch beschrieben. Fällt es Ihnen leichter, „böse“ Figuren zu erschaffen?
Sergej Lukianenko: Schauspieler sagen ja oft, es sei einfacher, böse Figuren zu spielen, weil sie etwas charismatischer sind oder schillernder in ihrer Erscheinung. Wenn man gute Menschen darstellt, gerät man leicht in Gefahr, sie etwas ätherisch, märchenhaft darzustellen. Deshalb hab ich auch versucht, ein paar Schattierungen rein zubringen und sie sozusagen etwas zu erden. Aber es ist leichter die dunkle Seite darzustellen, weil man da plastischer schreiben kann.

Booksection: Kommen nach diesen 4 Teilen weitere Teile der Nacht –und Tagwache?
Sergej Lukianenko: Es kommen entweder noch ein, oder zwei Teile dieser Reihe. Wahrscheinlich ist eher einer.

Booksection: Sie schreiben ja Fantasy und Science Fiction-Bücher.Ist es schwerer, ein Fantasy-Jugendbuch, wie jetzt aktuell, „Das Schlangenschwert“ zu schreiben, als eine komplexe Science-Fiction-Mehrfachreihe?
Sergej Lukianenko: 2/3 meiner Bücher sind Science-Fiction-Bücher, 1/3 Fantasy. Für mich ist eindeutig leichter, Science-Fiction zu schreiben. Ich mag die Technik, es geht mir einfach besser von der Hand. Bei den Jugendbüchern ist es so, das es von meiner Stimmung abhängt. Wenn ich wirklich mal etwas klarer, einfacher schreiben will, ohne die ganze Tragik und Überlegungen, setze ich mich hin und schreibe für Jugendliche.

Booksection: Kommen zu "Das Schlangenschwert" auch noch mehrere Teile?
Sergej Lukianenko: „Das Schlangenschwert“ ist der erste Teil einer Trilogie. Der zweite Teil ist aber für Erwachsene, heißt „Genom“, was auch zuerst geschrieben wurde. „Das Schlangenschwert“ kam anschließend. Das dritte Buch liegt noch nicht vor. Die Figuren aus „Genom“ treten in „Das Schlangenschwert“ nicht auf. Die Welt ist nur durch die gemeinsame Thematik verbunden, haben also im Prinzip nichts miteinander zu tun.



Das Interview wurde veröffentlicht am: 12.10.2007

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