Interview mit Rita Falk

"Im Blödschauen bin ich übrigens Weltmeister."

Erfolgsautorin Rita Falk sprach mit uns unter anderem über Ihren Roman "Weißwurstconnection".

Dem Leser wird es nie langweilig mit Ihren Geschichten aus Niederkaltenkirchen. Auch bei „Weißwurstconnection“ ist die Freude am Lesen groß. Die Protagonisten scheinen immer lebendig und authentisch. Wie schaffen Sie es, diese für sich selbst am Leben zu erhalten? „Spuken“ die Herrschaften permanent in Ihrem Kopf herum? Ja, so ist es tatsächlich. Die „Niederkaltenkirchner“ sind schon längst zu meiner Zweitfamilie geworden und begleiten mich auf Schritt und Tritt. Freilich ist es seit den Verfilmungen noch einmal schlimmer geworden. Wenn mir jetzt eine Idee durch den Kopf schießt, dann seh ich sofort den Eberhofer vor mir und wie meinetwegen der Flötzinger oder der Bürgermeister darauf reagieren würde.

Ihre Bücher punkten vor allem immer wieder mit der scheinbaren Leichtigkeit, mit der sie geschrieben sind. Haben Sie diese Leichtigkeit auch oder gibt es doch immer mal Passagen, die Ihnen schwer fallen, an denen Sie länger arbeiten müssen und die Sie vielleicht sogar öfter verändern? Ich hab einfach einen wahnsinnigen Spaß am Schreiben und schreibe auch nur, wenn dieser Spaß da ist. An Tagen, wo es nicht geschmeidig läuft, da schalte ich die Kiste einfach aus und mach was anderes. Fenster putzen, mit den Hunden rausgehen oder in den Blumenbeeten graben. Das hilft mir und macht den Kopf frei. Am nächsten Tag läuft‘s wieder wie geschmiert. Jede Wette.

Fallen Ihnen Ihre herrlichen Ideen immer im Zuge des Schreibens ein oder kommen Ihnen diese auch mal zwischendurch und Sie machen sich dann Notizen, um diese Ideen später zu verarbeiten? Die Ideen kommen mir nicht nur ständig und überall, sondern sie überfallen mich regelrecht. Und deswegen liegen bei mir in jeder Ecke Notizhefte parat. Vieles kommt aber dann auch beim Schreiben noch dazu.

Steckt hinter diesen Ideen mehr Ihre eigene Phantasie oder eher Beobachtungen aus dem Alltag? Ich würde sagen, das hält sich exakt die Waage.

In Weißwurstconnection geht es natürlich mal wieder um einen Mord. In Niederkaltenkirchen ist aber auch immer was los. Ist dieser Ort völlig frei erfunden oder gibt es Parallelen zu einem tatsächlich existierenden Ort? Es gibt keine Parallelen zu einem einzelnen Ort. Aber die Dörfer in Niederbayern sind schon so in der Art. Allerdings denke ich, dass es Figuren wie in meinen Büchern überall gibt. Und das bestätigen mir meine Leser auch ständig.

Wenn wir gerade schon bei dem Thema sind: Gibt es Menschen in Ihrer Umgebung, die als „Vorlage“ für Ihre Protagonisten herhalten müssen oder dürfen? Die eine oder andere Charaktereigenschaft ist mir schon mal über den Weg gelaufen.
Durchaus. Die Mooshammer Liesl etwa, die hat mal exakt neben mir gewohnt.

Der Franz hat ja immer noch Probleme mit dem Thema Bindung. Auch in Weißwurstconnection scheut er sich noch vor endgültigen Entscheidungen. War dieser Charakterzug von Anfang an so geplant oder hat sich das mit der Zeit entwickelt? Natürlich hab ich bei meinem ersten Fall keinen Gedanken daran verschwendet, eine Fortsetzung zu schreiben. Das hat sich einfach so ergeben. Somit hat sich auch diese Bindungsgeschichte im Laufe der Texte so ergeben. Und ich finde, der Franz ist der Franz ist der Franz. Und ledig ist er mir in jedem Fall lieber.

Der Rudi spielt in Weißwurstconnection eine besonders witzige Rolle als Pseudo-Esoteriker. Wie sind Sie denn auf diese Idee gekommen? Der Rudi muss ja immer für skurrile Szenen herhalten, dieses Mal halt als Hobby-Esoteriker. Nicht ganz unschuldig daran ist übrigens auch der Simon Schwarz, der den Rudi auf der Leinwand mimt. Und das ausgesprochen schräg. Seitdem fühl ich mich ja regelrecht genötigt, den Rudi ein bisschen kurios zuzeichnen.

Was macht Ihnen persönlich besonders Spaß bei den Büchern um Niederkaltenkirchen? Alles und jeder. Ich liebe mein Personal und die Location drum herum mit jeder Faser.

Haben Sie sich schon mal überlegt, noch einen anderen wichtigen Protagonisten hinzuzufügen und weiterleben zu lassen oder bleiben Sie lieber bei der „Stamm-Crew“? Keine Ahnung. Das ergibt sich immer von Fall zu Fall. Gerade bei meinem neuen Buch, dem „Kaiserschmarrndrama“ (Notiz für die Redaktion: erscheint am 9. Februar 2018) hab ich ein alte Bekannte (Thin Lizzy) wieder aufleben lassen. Die hatte einfach zu viel Potential um ad acta gelegt zu werden.

Weißwurstconnection endet mit einem „Cliffhanger“ im wahrsten Sinne des Wortes. Muss der Leser sich Sorgen machen? Nicht die Geringste!

Haben Sie manchmal Angst, dass Ihnen Ihre Ideen für diese Reihe ausgehen könnten? Darüber mach ich mir gar keine Gedanken.

Wie entspannen Sie am besten, um Ihren Kopf freizubekommen? Alles, was ich mache, tu ich ziemlich leidenschaftlich. Also raus, die Pferde satteln und durch die Wälder reiten. Oder mit Freunden um die Häuser ziehen. Mit der Familie am Lagerfeuer sitzen. Irgendwo am Wasser stundenlang blöd in die Fluten schauen. Im Blödschauen bin ich übrigens Weltmeister.

Frau Falk, vielen Dank, dass Sie sich Zeit genommen haben, unsere Fragen zu beantworten!
Das Interview wurde durch Angelika Koch geführt. Veröffentlicht und freigegeben vom Autor am 30.11.2017

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