Interview mit...

...Peter v. Brett


...zu "Das Lied der Dunkelheit"

"Es ist gerade eine wunderbare Zeit, um ein Fantasy-Fan zu sein."

Mit Booksection im Gespräch: Fantasyautor Peter v. Brett.

Booksection: Ihr Romandebüt „Das Lied der Dunkelheit“ erobert gerade die Herzen der Fantasyleser weltweit. Ein lang gehegter Traum von Ihnen?
Peter v. Brett: Ein veröffentlichter Autor zu sein, war mein Traum, seit ich ein kleiner Junge war. Aber es wäre mir nie in den Sinn gekommen, dass meine Arbeit eines Tages in andere Sprachen übersetzt und auf der ganzen Welt gelesen wird. Mein erstes Übersetzungsangebot kam von HEYNE aus Deutschland. Die Realität hatte meine Träume übertroffen. Seither bewege ich mich auf unbekanntem Gebiet.

Booksection: Das Buch ist eine facettenreiche Geschichte, die auch altbekannte Genreelemente mit einbindet. Woher nehmen Sie Ihre Inspiration?
Peter v. Brett: Ich erinnere mich, dass “Der Hobbit” von J.R.R. Tolkien das erste Buch war, das ich gelesen habe. Mehr als alle anderen sorgte es für den Beginn meiner lebenslangen Liebe zur Fantasy. Seither habe ich buchstäblich hunderte von Fantasy-Büchern von dutzenden von Autoren gelesen. Einige mochte ich, andere nicht, aber ich denke jedes einzelne hat mich in meiner Art zu Schreiben beeinflusst. Im Speziellen wurde ich von der Arbeit von Terry Brooks, CS Friedman, Robert Jordan, George RR Martin, RA Salvatore und David Eddings inspiriert. Daneben könnte ich aber auch noch viele andere Autoren nennen. Mit „Das Lied der Dunkelheit“ wollte ich eine Geschichte schreiben, die einige mir lieb gewordene Fantasy-Bestandteile beinhaltet, diese aber in eine einzigartige Richtung bewegen und somit abgenutzten Genre-Elementen den Kampf ansagen.

Booksection: Wie schwierig empfinden Sie es, sich von anderen Fantasyautoren abzugrenzen und ein gänzlich „eigenes“ Ding zu machen“.
Peter v. Brett: Ich mache mir wenig Gedanken darüber, was andere Autoren gerade tun. Außerdem bin ich niemand der ausgetretenen Wegen folgt. Daher war es für mich kein Problem meine “eigene Stimme” zu finden. Ich bin damit in jedem Sinne nicht alleine. Es ist gerade eine wunderbare Zeit, um ein Fantasy-Fan zu sein, da das Genre derzeit mehr und mehr einmalige und tolle Stimmen hervorbringt. Es scheint, dass jeden Tag fantastische neue Autoren auftauchen.

Booksection: Mit Arlen, Leesha und Rojer liefert „Das Lied der Dunkelheit“ drei in sich stimmige Hauptfiguren. Haben Sie unter ihnen einen Liebling, eine Figur, der Sie sich näher fühlen?
Peter v. Brett: Das ist wie wenn man einen Vater fragt, welches seiner Kinder er am meiste liebt. Ich neige dazu mich immer in den Charakter am meisten zu vertiefen, an dem ich gerade schreibe. Diesen liebe ich am meisten, bis ich beginne über einen anderen Charakter zu schreiben. Jeder hat seine eigene einmalige Perspektive.

Booksection: War es schwer, sich in einen weiblichen Charakter einzufühlen?
Peter v. Brett: Ich war schon immer davon fasziniert, wie unterschiedlich Männer und Frauen kommunizieren. Daher habe ich es in vielerlei Hinsicht genossen aus der weiblichen Perspektive zu schreiben. Ich denke, Frauen teilen sich sehr viel wirksamer mit. Ich hatte vorher schon starke weibliche Charaktere geschrieben, aber niemanden wie Leesha. Sie war keine erfahrene Kämpferin, Prinzessin oder Königin. Sie hatte auch keine verborgene magische Kraft, keinen mystischen Talisman und keine Prophezeiung sagte ihr, dass sie eines Tages Großes vollbringen würde. Sie war lediglich ein 13jähriges Mädchen, das sich damit abmühte, die Kontrolle über ihr eigenes Leben zu erlangen. Zunächst war ich ängstlich, dass dies zum Schreiben zu schwierig werden würde, aber das Gegenteil war der Fall. Leesha erwachte sehr schnell mit ihrer eigenen Stimme zum Leben und „stahl“ sich jede Szene, in der sie auftauchte. Ihre Geschichte war eigentlich kürzer gedacht, aber sie wollte sich einfach nicht zurückhalten.

Booksection: Entstehen Ihre Geschichten „kontrolliert“ oder kann es passieren, dass Sie der Sog der Ereignisse beim Schreiben mitreißt?
Peter v. Brett: Ich war es gewohnt einen sehr reglementierten Stundenplan für das Schreiben zu haben, mit klar definierten Stunden und einem täglichen Wortpensum, aber all das änderte sich letztes Jahr, als meine Frau und ich unsere Tochter Cassandra bekamen. Es ist unmöglich, einen durchorganisierten Stundenplan beizubehalten, wenn du zu Hause arbeitest und ein Neugeborenes im Haus hast. Nun klaue ich mir die Zeit zum Schreiben wann immer ich sie bekommen kann, üblicherweise arbeite ich spät nachts, nachdem meine Ladies schlafen.
In Bezug auf die Geschichte versuche ich es mit der gleichen ausgeglichenen Herangehensweise. Ich vertraue auf das detaillierte Vorskizzieren von allem, was in einem Buch passieren soll, bevor ich mit dem Schreiben beginne, bin aber auch darauf vorbereitet, den Plan zu verändern, wenn mir währenddessen bessere Ideen kommen.

Booksection: Fantasy-Geschichten gibt es oft als Trilogie. Wie schwer empfinden Sie es eine gute Geschichte in nur einem Band zu erzählen?
Peter v. Brett: Ich bin der Meinung, dass egal wie viele Bücher es in einer Reihe gibt, jedes für sich einen eigenen Erzählbogen mit Beginn, Mitte und Ende haben sollte, so dass neue Leser jedes beliebige nehmen können und sich mühelos mit den Figuren zurechtfinden und dem großen Erzählverlauf folgen können. Natürlich wird dies mit jedem erfolgreichen Buch in einer Reihe schwieriger, welches die Charaktere mit mehr und mehr Geschichte belastet. Ein weiterer Grund dafür, warum ich denke, dass es wichtig ist, jedes Buch vorab zu skizzieren und warum ich Hauptfiguren von Zeit zu Zeit gerne wechsle.

Booksection: Möchten Sie mit Ihrer Geschichte in erster Linie „nur“ unterhalten, oder geht es Ihnen auch darum eine bestimmte Botschaft zu transportieren.
Peter v. Brett: In diesem Fall eventuell: Erlöst Euch selbst und wartet nicht auf eine mögliche Rettung von außen.
Beides. Vor allem anderen sollte eine Geschichte unterhalten, aber sie kann dennoch andere Themen transportieren, wenn diese sich unmerklich mit einbeziehen lassen. Ich denke, Ihr Beispiel ist ein sehr gutes. In „Das Lied der Dunkelheit“ ist die Menschheit in ihrer Seele verletzt und von ihren Ängsten bestimmt. Es geht nur darum, für sich selbst einzustehen und den Ängsten entgegenzublicken, dass die Charaktere ihren eigenen Weg finden und beginnen ihre Probleme zu lösen.

Booksection: Können Sie schon etwas darüber verraten, wie die Geschichte des tätowierten Mannes und seiner Weggefährten weiter geht?
Peter v. Brett: Das zweite Buch “Das Flüstern der Nacht” wird sich überwiegend um die Perspektiven von zwei neuen Hauptcharakteren drehen: Ahmann Jardir aus Krasia und Renna Tanner aus Tibbest Bach. Diese beiden eher unbedeutenderen Figuren aus dem ersten Buch haben ihre eigenen Geschichten zu erzählen. Geschichten die, wie ich glaube, genauso fesselnd und kriegsentscheident sind wie jene von Arlen, Rojer und Leesha. Jardir sucht einen Weg, die gesamte Menschheit im Kampf gegen die Dämonen zu einen, bevor es zu spät ist und sie ausstirbt. Rennas Probleme sind einfacher, aber nicht weniger schrecklich, als sie versucht ihrer isolierten Existenz und dem sie missbrauchenden Vater zu entfliehen.
Natürlich wird es auch Kapitel geben, die sich mit den Hauptfiguren aus dem ersten Buch beschäftigen. Arlen, der immer noch damit kämpft seine eigene Kräfte zu verstehen, reist durch die Freien Städte und verbreitet die Wörter der neuen Magie, die es der Menschheit erlaubt, gegen die Dämonen zurückzuschlagen. Zu selben Zeit wappnen Leesha und Rojer das Tal des Erlösers gegen eine scheinbar drohende Invasion der Kresianer. Gerade als all diese Charaktere dabei sind, mit ihren eigenen Problemen zu kämpfen, erhebt sich eine neue Art von Dämonen aus dem Kern. Mächtiger und intelligenter als alles was sie bis dahin zu Gesicht bekommen haben.

Booksection: Mr. Brett vielen Dank für Ihre Zeit.



Das Interview wurde veröffentlicht am: 01.04.2009 Übersetzung: Melanie Frommholz, Stefanie Rufle

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