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"Besondere Autoren verdienen besondere Aufmerksamkeit!"
Unter diesem Motto blickt Booksection.de, gemeinsam mit seinen Schwesterseiten Moviesection.de & Musicsection.de, auf besondere Künstler: Die "Portrait-Specials".
Unsere sogenannten „Portrait-Specials“ sollen nicht nur plumpe PR eines Schriftstellers sein, sondern die Leserschaft dieses Autors umfassend und interessant informieren.
Im August und September 2010 im Blickpunkt: Thriller-Autor Sebastian Fitzek, der uns mit all seinen bisher erschienenen Büchern Gänsehaut über den Körper jagte und zu den deutschen Hoffnungsträgern dieses Genres gehört.
Interview:

„Ich werde immer aus Alltagssituationen heraus inspiriert.“
Booksection.de traf Sebastian Fitzek in Stuttgart zum Interview.
Booksection: Sie haben einmal gesagt, dass Ihre Geschichten
immer mit der „Was wäre wenn?“-Frage anfangen. Das leuchtet
ein. Trotzdem ist es für uns als Leser schwer, sich vorzustellen, wie man
auf die Ideen, die Ihren Büchern zugrunde liegen, kommen kann. Nehmen wir
mal „Die Therapie“, Ihr erstes Buch, wie kamen Sie auf eine solch
ungewöhnliche Idee?
Sebastian Fitzek: Da müsste ich zwei Geschichten erzählen.
Die erste bezieht sich auf „Die Therapie“. Ich kam auf die Idee
dieses Buches, als ich tatsächlich im Wartezimmer eines Arztes, einem Orthopäden
saß, die in Berlin immer hoffnungslos überfüllt sind. Meine
damalige Freundin ging also in das Behandlungszimmer. Nach einer dreiviertel
Stunde dachte ich, dass sie doch irgendwann mal wieder herauskommen müsse.
Dann habe ich die Leute beobachtet, die da saßen und warteten und sich
zum Beispiel mit Lesen beschäftigten. Und ich überlegte: „Was
wäre wenn“ die Leute jetzt sagen würden: „Wie, Sie warten
auf jemanden? Wir haben niemanden gesehen, der neben Ihnen saß.“
Und „was wäre wenn“ die Sprechstundenhilfe sagen würde,
dass meine Freundin doch gar keinen Termin habe und wenn dann die Tür des
Behandlungszimmers aufginge und jemand ganz anderes herauskäme? Das war
meine allererste Idee und so kam es dazu, dass ich mir die Geschichte zu „Die
Therapie“ ausgedacht habe – es verschwindet ein kleines Mädchen
spurlos aus dem Behandlungszimmer eines Arztes…
Die zweite Geschichte in diesem Zusammenhang bezieht sich auf „Der Augensammler“.
Ich habe eine Physiotherapeutin, die sich auf Shiatsu spezialisiert hat und
nach den Behandlungen sagt sie mir immer, was sie angeblich aus meinen Körper
gelesen hat. Und ich dachte: „Moment mal, wenn ich ein Serienmörder
wäre, würde sie dann auch merken, dass ich gerade jemanden im Keller
zerstückelt habe?“ Was wäre also, wenn eine Physiotherapeutin
genau das behaupten würde, dass sie nämlich einen Serienmörder,
den Augensammler, behandelt habe. Und wenn diese dazu noch blind wäre,
könnte sie kein Phantombild zeichnen. So entstand die Figur der Alina Gregoriev
in „Der Augensammler“.
Booksection: Dann entstehen also wirklich all Ihre Geschichten
aus der „Was wäre wenn“-Frage?
Sebastian Fitzek: Ja, genau. Ich werde immer aus Alltagssituationen
heraus inspiriert. Im Herbst wird der Kurzgeschichtenband „P.S. Ich töte
Dich“ erscheinen, zu dem ich eine Geschichte beisteuern durfte. Die Idee
zu dieser Geschichte wiederum ist mir auf einer Lesereise eingefallen. Ich habe
so eine Macke, ich muss immer etwas lesen, bevor ich einschlafe. Es ist egal
was, es kann auch eine Fernsehzeitschrift sein, am besten aber ein Buch. Es
gab aber in dem Hotel, in dem ich während der Lesereise war, keines und
ich hatte nur mein eigenes dabei - was ich nicht spannend fand, das kannte ich
ja schließlich schon. Also habe ich im Nachttisch eine Bibel gefunden
und habe diese durchgeblättert. Und da dachte ich mir: „Moment mal,
„was wäre wenn“ jetzt aus dieser Bibel ein Zettel herausfallen
würde auf dem stünde: „Nicht einschlafen oder sie bringen Dich
um!““ Da war ich natürlich wieder hellwach und so ist diese
Kurzgeschichte „Nicht einschlafen“ entstanden.
Booksection: Ist das ein aktiver Prozess, dass sie sich bewusst
überlegen, wie könnte ich meinen nächsten Thriller anfangen oder
kommt das wirklich so im Alltag auf einmal auf Sie zu?
Sebastian Fitzek: Das kommt tatsächlich im täglichen
Leben und oftmals unverhofft auf mich zu. Eine Geschichte, die ich oft erzähle,
ist die einer Taxifahrt in Berlin. Als ich schon dachte, wir wären kurz
vor dem Ziel, bog der Taxifahrer in eine Fußgängerzone ein, drehte
sich zu mir um und sagte: „Ich habe ein Problem“, stieg aus und
die Zentralverriegelung schnappte zu. Ich sitze also da in dem Taxi gefangen.
Jeder andere wäre panisch geworden, ich mag aber solche skurrilen Situationen
und habe überlegt: „Ok, „was wäre wenn“ das jetzt
einen bestimmten Grund hat, dass ich in einem Taxi gefangen gehalten werde?
Vielleicht springt jetzt gleich das Navigationsgerät an und sagt mir, dass
ich eine Aufgabe zu erfüllen habe mit den Dingen, die ich im Handschuhfach
finde?“ Sie sehen also, ich kann mich ganz gut alleine beschäftigen
(lacht). Und aus solchen „Was wäre wenn“-Fragen ergeben sich
dann weitere. Der Taxifahrer musste übrigens in Wirklichkeit nur mal dringend
austreten…
Booksection: Aber das sind in jedem Fall Thriller-Vorbereitungen…
Sebastian Fitzek: Es ist immer ein Thriller, aber es könnte
genauso gut auch eine Komödie werden. Irgendwie liegt mir aber das Thriller-Genre
deswegen so, weil ich selbst viele Thriller gelesen habe in meiner Kindheit
und Jugend. Thriller sind eine Leidenschaft von mir. Das hat mit den „Fünf
Freunde“ angefangen, ging über Stephen King bis hin zu sämtlichen
Gerichtsthrillern.
Booksection: Um noch mal auf die „Was wäre wenn“-Frage
zurückzukommen. Es entsteht also aus der einen Frage die nächste und
wieder die nächste und immer so weiter?
Sebastian Fitzek: Ja, so ist es bei der Handlung, aber auch
bei den Figuren. Beim „Augensammler“ zum Beispiel die blinde Physiotherapeutin.
Dabei habe ich aber schnell gemerkt, dass man nicht einfach die Augen zumachen
kann, um sich vorzustellen, wie jemand lebt, der blind ist. Da war mir klar,
dass ich dafür Hilfe brauche und so ist erstmal nicht die Handlung, sondern
die Figur vorangetrieben worden. Macht eine Blinde beispielsweise das Licht
an, hat sie Spiegel in der Wohnung, wie sortiert sie die Wäsche? Ich hatte
bei der Recherche viel Hilfe von Blinden und Sehbehinderten.
Booksection: Entwerfen Sie dann um diese Fragen herum eine
Art Konzept, an dem Sie sich „entlang hangeln“ können?
Sebastian Fitzek: Jein. Auf der einen Seite entwerfe ich ein
Konzept, ein Exposé, was sehr hilfreich ist. Andererseits entwickeln
die Figuren schon ein Eigenleben und diktieren die Geschichte. Und oftmals wird
diese dann auch verändert. Ich glaube aber immer zu wissen, wie es weiter
geht und es ist noch nie so gewesen, dass sich eine Geschichte eigenständig
entwickelt.
Booksection: Haben Sie aufgrund der Tatsche, dass Ihre Geschichten
sehr komplex sind, manchmal Angst den roten Faden zu verlieren?
Sebastian Fitzek: Diese Angst ist natürlich schon da.
Deswegen möchte ich auch die Handlung nicht zu starr festlegen. Ich möchte
beim Schreiben selbst überrascht werden.
Booksection: Aber es ist Ihnen noch nicht passiert, dass
Sie alles über den Haufen werfen mussten?
Sebastian Fitzek: Nein, aber was mir schon passiert, ist, dass
ich Kapitel, auch wenn sie mir ans Herz gewachsen sind, wieder streiche. Wenn
ich merke, es passt nicht, dann quetsche ich es nicht hinein, nur um bei meiner
ursprünglichen Idee zu bleiben. Ich schreibe auch nicht chronologisch.
Wenn ich merke, dass es stockt, schreibe ich ein so genanntes „Motivationskapitel“,
das ich schon im Kopf fast fertig habe, und springe dann wieder zu der Stelle
zurück, an der es nicht weiterging. Aber auch dieses „Motivationskapitel“
kann durchaus wieder weggeschmissen werden. So 50 bis 60 Seiten fallen sicher
bei jedem Buch wieder weg.
Booksection: Aber das ist schon ein schwerer Schritt oder?
Sebastian Fitzek: Das ist so. Aber ich habe ja immer die Möglichkeit,
das als Bonusmaterial in meiner Homepage zu veröffentlichen.
Booksection: Dann verhält es sich doch sicherlich bei
den Protagonisten auch so, dass Sie welche haben, die unbedingt da sein müssen,
dass sich aber durchaus auch neue „ergeben“.
Sebastian Fitzek: Ja, auf jeden Fall. Es war zum Beispiel
so, dass ich beim Schreiben von „Der Augensammler“ gemerkt habe,
dass ich mit einem Psychiater „sprechen“ muss. Und so tauchte ungeplant
Dr. Roth, den wir schon aus „Die Therapie“ kennen, wieder auf.
Booksection: Die kleinen Hinweise auf frühere Bücher
haben die eingefleischten Fitzek-Fans gefreut und haben aber nicht gestört,
wenn man Ihre früheren Bücher nicht gelesen hat. Um gleich bei den
Lesern zu bleiben, gibt es Reaktionen, die Sie gestört, vielleicht sogar
geärgert haben oder über die Sie sich besonders gefreut haben?
Sebastian Fitzek: Geärgert habe ich mich über Reaktionen
der Leser noch nie. Was mich stört, ist, wenn in Rezensionen dem Leser
schon das Ende verraten und somit der Spaß verdorben wird.
Im Allgemeinen ist der Mensch ja so, dass er eher negative Kritik äußert.
Man beschwert sich eher bei einer Bank, wenn eine Überweisung schief läuft,
als dass man sie für ihren guten Service lobt. Deswegen bin ich besonders
überrascht über die vielen positiven Reaktionen. Es gibt eine exemplarische
Reaktion, über die ich mich besonders gefreut habe. Das war die einer Lehrerin
für Leute mit Lesebehinderungen, die festgestellt hat, dass ein spannender
Thriller ihre Schüler viel eher zum Lesen bewegt, als andere Literatur.
Nachdem sie krankheitsbedingt ausgefallen war und zwei Wochen später wieder
an die Schule zurückkam, hatte einer ihrer Schüler der ganzen Lerntherapie
schon vorgegriffen, weil er das Buch („Die Therapie“) bereits gekauft
und komplett gelesen hatte, weil er so neugierig war!
Ich habe auch meine Mailadresse bekannt gegeben, weil ich wirklich gerne direkte
Reaktionen auf mein Buch hören will. Kritik ist schließlich für
einen Autoren auch wichtig, um sich zu verbessern. Allen kann man es aber natürlich
auch nicht recht machen, weil jedes Buch aus einer anderen Motivation heraus
geschrieben worden ist. Wichtig ist, dass man ein Buch schreibt, das man selbst
gerne lesen würde und hinter dem man steht. Das Schlimmste ist, wenn ein
Buch fertig gelesen ist, zugeklappt wird und gleich das nächste aus dem
Regal gezogen wird. Mir ist es lieber, wenn sich der Leser noch Gedanken macht,
sich fragt, wie ich das oder jenes gemeint haben könnte oder sich darüber
unterhält, dass das Ende nicht so ganz klar war. Ich glaube, dass mir das
mit all meinen Büchern bisher ganz gut gelungen ist.
Booksection: Sie haben einmal gesagt, dass unser Gehirn eine
unergründete Tiefsee ist, was Sie besonders faszinierend finden. War das
der Grund dafür, dass Sie selbst anfingen Thriller zu schreiben?
Sebastian Fitzek: Ja, es ist so, dass ich ein großes
Interesse an Menschen habe und ich beobachte sie auch gerne. In Radiosendern,
in denen ich jahrelang gearbeitet habe, gibt es die Menschen mit den größten
Macken (lacht).
Wenn ich die Wahl habe zwischen expliziter Gewaltdarstellung und undurchsichtigen,
unheimlichen Situationen, würde ich mich immer für letzteres entscheiden.
Der klassische Ermittlerkrimi wiederum interessiert mich gar nicht. Ich würde
die „Was wäre wenn“-Frage immer der „Wer war es“-Frage
vorziehen.
Booksection: In Ihren Büchern ist es einmal so, dass
sich herausstellt, dass eine vermeintliche parapsychologische Fähigkeit
gar keine ist und dann gibt es auch die umgekehrte Variante. Was glauben Sie
persönlich?
Sebastian Fitzek: Ich gehe mit meinen Büchern tatsächlich
in den Bereich Horror, aber auch in den Bereich Mystery hinein. Alles, was uns
aber derzeit noch als mysteriös erscheint, kann schon in nächster
Zukunft erklärbar sein. Was früher als vollkommen unerklärbar
erschien – ich möchte nicht wissen, wie der erste Mensch, der Magnetismus
erlebt hat, reagiert hat und was er gedacht hat – ist heute klar. Auf
diesem schmalen Grad wandele ich. Aber ich will allen die Tür offen halten,
dem Esoteriker und dem Realisten. Jeder muss das selbst entscheiden: Schicksal
oder Zufall? Vieles hat einen realen Ursprung, aber vieles ist eben auch immer
noch nicht erklärbar. Nahtoderfahrungen beispielsweise. Da gibt es eine
Menge Scharlatanerie. Bei der Schleyer-Entführung gab die Polizei beispielsweise
zu, einem Hinweis deshalb nicht nachgegangen zu sein, weil der von einem Medium
stammte – aber dieser Tipp hätte die Polizei eigentlich direkt vor
die Haustür gebracht.
Booksection: War diese Beschäftigung mit den noch unerforschten
Möglichkeiten des Gehirns auch die Grundlage für Ihr Buch „Splitter“?
Sebastian Fitzek: Ich hatte mich mit dem Thema „Vergessen“
beschäftigt. Es könnte ja eine Pille erfunden werden, die zum Beispiel
Liebeskummer vergessen machen würde. Das wäre wirklich ein Riesenmarkt
(lacht). Normalerweise möchte man sich entweder immer mehr merken können
oder unbedingt sein Gedächtnis wiederfinden - zum Beispiel bei einer Amnesie.
Mich interessiert aber, wie es wäre, wenn man unbedingt eine Erinnerung
löschen, also ‚vergessen‘ will. Eine Amnesie ist eigentlich
ein unerwünschtes „Nebenprodukt“ eines Unfalls. Aber eine Erinnerung
bewusst verlieren zu wollen, ist etwas anderes. Im Fall von Marc Luca ist es
der Umstand, dass er den Tod seiner schwangeren Frau verschuldet hat. Aber es
läuft etwas schief und wie schlecht es ihm geht, kann man gleich am Anfang
des Buches sehen.
Booksection: Haben Sie den Film „Vergissmeinnicht“
gesehen?
Sebastian Fitzek: Ja, den habe ich gesehen! Es ist zwar eine
Liebeskomödie, aber der Grundgedanke hat Potential für einen Thriller.
Einer meiner Lieblingsfilme. Heutzutage ist es durchaus schon möglich,
das ganze Gedächtnis aktiv zu „löschen“. Einzelne Erinnerungen
aber nicht.
Booksection: Wenn Sie mit einem Buch fast fertig sind, haben
Sie dann schon wieder neue „Was wäre wenn“-Fragen für
das nächste Buch im Kopf?
Sebastian Fitzek: Ja, ich höre, sehe und lese vielerlei
Dinge, von denen ich dann denke, dass sie sich als Idee für ein Buch eignen
würden. Ich schreibe mir das aber nicht auf. Eine Idee, die geschrieben
werden will, wird so lange wiederkehren, bis sie tatsächlich geschrieben
ist. Alle anderen vergesse ich wieder und die waren es dann auch nicht wert.
Ich lasse die Ideen „von allein rüberkommen.“
Booksection: Dann dürften Ihnen die Ideen für neue
Bücher nicht ausgehen…
Sebastian Fitzek: (lacht) Ich hoffe es. Ideen nicht, aber ob
es das Buch dann wert ist, geschrieben zu werden, ist die andere Frage. Eine
Idee macht noch kein Buch aus. Aber bis dato sieht es wirklich noch ganz gut
aus.
Booksection: Dann gibt es für Sie keine Pause zwischen
den Büchern, weil Sie permanent diese Ideen haben und in Gedanken sammeln?
Sebastian Fitzek: Ja, wenn man in so einem kreativen Bereich
arbeitet, bleibt das nicht aus. Da kann man die Arbeit und den privaten Bereich
oft nicht mehr voneinander trennen. Man beschäftigt sich permanent damit.
Wenn Sie lesen, denken Sie ja auch an andere Dinge ….
Booksection: Noch eine Frage, die ein bisschen aus dem Zusammenhang
gelöst ist, aber uns doch interessiert. Sie schreiben, dass Sie ein Mailoholic
sind. Ist das wirklich so extrem?
Sebastian Fitzek: (lacht) Ja, doch, das ist so. Seitdem ich
ein I-Phone habe und meine Mails mobil abrufen kann, ist es noch schlimmer.
Ich frage mich jetzt schon, wie viele Mails in der Zeit, in der wir hier das
Interview machen - das dauert nämlich schon 41 Minuten und 27 Sekunden
- eingegangen sind. Das sind jetzt genau (Checked sein I-Phone) … sieben
Mails. Im Urlaub zumindest habe ich mir allerdings auferlegt, nur eine Stunde
pro Tag meine Mails zu überprüfen. Ich kenne eine Firma, in der ein
mailfreier Freitag verordnet wurde - an dem dann mal gearbeitet wird (lacht).
Aber ich frage mich, welchen Sinn das hat, wenn man dann am Montag die doppelte
Anzahl von Mails lesen muss.
Booksection: Noch eine allerletzte Frage: Wie organisieren
Sie sich beim Schreiben, haben Sie eine bestimmte Stundenzahl festgelegt, bestimmte
Tage oder schreiben Sie so wie es gerade fließt?
Sebastian Fitzek: Nein, ich habe bestimmte Zeitabschnitte
und da schreibe ich praktisch nur und alles andere, wie Sozialkontakte, wird
„zurückgefahren“. Keine Lesungen etc. - alles, was mich irgendwie
rausreißen könnte. Ich könnte dann eigentlich acht Stunden täglich
schreiben. Ich versuche wirklich, so früh wie möglich morgens anzufangen
und das durchzuziehen. Natürlich gibt es – wie beim Sport auch –
Tage, an denen es besser oder schlechter läuft. Am Ende des „Geschriebenhabens“
ist es wie nach dem Sport, wenn man unter die Dusche geht. Ich gehe aber an
den Kühlschrank. Ich nehme mir also Blöcke - Blöcke zum Nachdenken
beim Exposé, da bin ich jetzt gerade wieder dabei, dann kommt die Phase
der Recherche, die Phase für den Erstentwurf. Das dauert auf jeden Fall
drei Monate. Daran schließen sich noch mal mindestens drei Monate an,
in denen dieser Entwurf überarbeitet wird. Ich brauche also circa ein Jahr
für ein Buch.
Booksection: Habe ich richtig verstanden, dass Sie schon an
Ihrem nächsten Buch arbeiten? Welche „Was wäre wenn“-Frage
liegt diesem zugrunde? Darf man das schon erfahren?
Sebastian Fitzek: Auf jeden Fall wird Alina Gregoriev wieder
eine Rolle spielen. Inspiriert wurde ich von der Geschichte aus Brandenburg,
wo ein Sexualverbrecher wieder auf freien Fuß gesetzt wurde, weil man
vergessen hatte, die nachträgliche Sicherheitsverwahrung anzuordnen. Jeder
weiß eigentlich, dass er wieder loslegen wird, sogar sein eigener Anwalt,
und dass er nur wegen eines Verfahrensfehlers freigelassen wird. Eventuell wird
Alina gebeten, ihn zu untersuchen, um vielleicht etwas festzustellen, was ausreicht,
dass er doch drin bleiben muss. Das ist die Ausgangssituation, über die
ich gerade nachdenke.
Booksection: Vielen Dank für das Gespräch.
Biographie:
„Die größten Mysterien liegen tief im Innersten unserer menschlichen
Psyche verborgen. Unser Gehirn ist wie die Tiefsee. Vielleicht das letzte unerforschte
Terrain auf Erden, voll von Geheimnissen, die darauf warten, entdeckt zu werden.“
Diese Zeilen stammen von Sebastian Fitzek, Autor von mittlerweile insgesamt
sechs Thrillern der Superlative. Fitzek, geboren am 13.10.1971 in Berlin, studierte
eigentlich Jura und arbeitete dann später als Chefredakteur und Programmdirektor
für verschiedene Radiostationen Deutschlands. Seine erste Schreibarbeit
war die des Co-Autors für „Professor Udolphs Buch der Namen“,
das die Grundlage für das Fernsehformat „Deutschland - deine Namen“
mit Johannes B. Kerner lieferte.
2006 dann fing Sebastian Fitzek damit an, seine eigenen Bücher zu schreiben. Sein erster Thriller „Die Therapie“ schlug ein wie eine Bombe und Fitzek selbst ist von diesem Erfolg, der unter anderem darin besteht, dass er zu den wenigen deutschen Thrillerautoren gehört, die auch in England und den USA verlegt werden, mehr als überrascht... zur kompletten Biographie-Seite
Bibliographie:

Die Therapie
Juni 2006, Knaur
Dr. Viktor Larenz, seines Zeichens Psychiater, bringt seine Tochter Josy, die seit geraumer Zeit an merkwürdigen Symptomen leidet, und deretwegen er seine eigene Praxis derzeit ruhen lässt, zum Arzt. Von dort verschwindet Josy spurlos. Die Suche nach ihr verläuft ergebnislos. Während seine Frau nach gewisser Zeit wieder ein halbwegs normales Leben führen kann, kommt er selbst mit seinem Leben nicht mehr klar.
Jahre vergehen und Dr. Larenz wird von der Zeitschrift “Bunte” um ein Interview gebeten. Viktor zieht sich auf die Insel Parkum zurück, in der Hoffnung, durch das Niederschreiben der qualvollen Erlebnisse wieder zu sich zu finden und sein Leben wieder in den Griff zu bekommen. Doch auf Parkum begegnet ihm eine unbekannte, geheimnisvolle Frau, die behauptet, Visionen seiner Tochter zu haben. Nach langem Zögern ist er bereit, diese Frau zu therapieren. Was dabei ans Tageslicht kommt, wird für Dr. Larenz immer verwirrender und hebt sein Leben endgültig aus den Angeln.... zur Buchkritik

Amokspiel
April 2007, Knaur
Die Kriminalpsychologin Ira Samin will ihr Leben beenden. Der Selbstmord ihrer Tochter lastet schwer auf ihrem Gewissen, da sie glaubt, nicht genug für sie getan zu haben. Zudem hat sie seit dem Vorfall den Kontakt zu ihrer anderen Tochter verloren. Ira nimmt an, dass diese ihr genauso schwere Vorwürfe macht wie sie sich selbst. Ihre Flucht in den Alkohol macht alles noch schlimmer und unerträglicher. Doch genau an dem Tag, an dem sie ihrem Leben ein Ende setzen will, wird sie zu einem Einsatz in einem Berliner Radiosender gerufen. Dort spielt ein Mann ein makabres Spiel: Über den Äther lässt er verlauten, dass er in Berlin wahllos Menschen anrufen wird, die den Hörer mit einer bestimmten Parole abheben müssen, ansonsten wird eine der Geiseln, mit denen er sich im Studio verschanzt hat, erschossen. Dies will er so lange tun, bis man ihm seine Verlobte ins Studio bringt. Pikanterweise lebt diese jedoch bereits seit Monaten nicht mehr. Innerhalb kürzester Zeit ist die erste Geisel tot und ausgerechnet Iras Tochter, die bei eben diesem Sender arbeitet, versteckt sich in einem Nebenzimmer und wird Zeugin der grausigen Geschehnisse. Ira Samin wird Hals über Kopf in dieses Amokspiel verstrickt und hat keine Zeit mehr, über ihre eigenen Probleme nachzudenken, aber schlussendlich stellt sich für sie heraus, dass der Psychopath gar nicht so weit von ihrem eigenen Leben entfernt ist …...zur Buchkritik

Das Kind
März 2009, Knaur
Der Anwalt Robert Stern wird von einer guten Bekannten dringend um ein Treffen gebeten, das auf außergewöhnlichem Terrain, nämlich einem verlassenen Fabrikgelände, statt findet und einen ebenso ungewöhnlichen Mandanten hervorbringt: Einen zehnjährigen Jungen, der behauptet, in seinem früheren Leben einen Mord begangen zu haben, für den er nun einen Verteidiger brauche. Verständlicherweise findet Stern das erst einmal ziemlich lächerlich, vor allem nachdem ihm Carina erzählt, dass sie dem Jungen, der ihr Patient ist und der nicht mehr lange zu leben hat, zum Geburtstag eine Rückführung geschenkt habe. Eigentlich wollte sie ihm damit die Angst vor dem Tod nehmen, hatte damit aber leider nur erreicht, dass Simon sich nun daran erinnert, einen Mann brutal mit einer Axt erschlagen zu haben. Wider besseres Wissen lässt sich Stern darauf ein, die Leiche nach den Angaben Simons zu suchen. Und er findet sie. Das alleine gibt ihm aber noch nicht den nötigen Anstoß, tatsächlich Simons Anwalt zu werden. Noch am selben Abend aber erhält er eine DVD eines Unbekannten. Dort bekommt er Aufnahmen der Säuglingsstation zu sehen, auf der vor über zehn Jahren sein eigener Sohn Felix – so dachte er bisher zumindest - gestorben war. Er bekommt gleichzeitig einen Anruf und einen Auftrag, der unmittelbar mit Simons Erzählungen in Verbindung steht. Als Gegenleistung für die Durchführung dieses Auftrages soll er Informationen darüber erhalten, ob Felix nicht doch noch lebt und wenn ja, wo er sich befindet. Obwohl sein Verstand ihm rät, die Finger von der Sache zu lassen, findet Robert Stern sich innerhalb kürzester Zeit in einem nicht endenden Albtraum wieder, dessen Verlauf immer rätselhafter und schrecklicher wird. …...zur Buchkritik

Der Seelenbrecher
Oktober 2008, Knaur
Mehrere Studenten haben sich zu einem psychologischen Experiment, wie der leitende
Professor es nennt, in der zwischenzeitlich herunter gekommenen Luxusklinik
Teufelsberg eingefunden. Es wird ihnen eine Patientenakte zu lesen gegeben,
die sich - wie einem Studenten sofort auffällt - liest wie ein Psychothriller.
Eine Frau wird gefangen, gefoltert, wacht auf und hält alles erleichtert
für einen Traum, fällt aber, ohne dass sie sich zwischenzeitlich bemerkbar
machen kann, wieder in den selben Alptraum zurück.
Die Stundenten wissen, dass vor vielen Jahren drei Frauen dem so genannten Seelenbrecher
zum Opfer fielen, Frauen, die in einer Art Wachkoma lagen und nie mehr daraus
aufwachten. Auch wissen die Studenten, dass es in eben dieser Klinik damals
kurz vor Weihnachten zu einem grausigen Showdown des Seelenbrechers gekommen
war.
Der Professor möchte, dass die Studenten die Patientenakte ganz durchlesen.
Mehr nicht. Doch das ist den meisten unheimlich genug, und es bleiben schlussendlich
nur zwei Studenten übrig, die an diesem Experiment teilnehmen. Was diese
dann da zu lesen bekommen und was sie am Ende selbst an Schrecken mitnehmen,
darauf allerdings waren sie nicht vorbereitet......zur
Buchkritik

Splitter
Juni 2009, Knaur
Marc Luca hat durch einen selbst verschuldeten Unfall seine Frau und sein ungeborenes
Kind verloren. Ein unendliches Trauma. Gleichzeitig steckt ein Splitter in seinem
Nacken, gefährlich nahe an der Wirbelsäule. „Inoperabel“
lautet die Diagnose und Luca wird deswegen mit starken Tabletten, die das Weiterwandern
des Splitters verhindern sollen, behandelt. Verzweifelt versucht er, sein Leben
weiter zu führen und sich auf seine Arbeit als Streetworker zu konzentrieren.
Doch in einer düsteren Stunde meldet er sich auf eine Mailadresse: „Lerne
zu vergessen“.
An seine Anfrage denkt er schon gar nicht mehr, als kurze Zeit später ein
Auto neben ihm auftaucht mit einem etwas seltsamen älteren Herrn, der sich
als Professor Bleibtreu vorstellt, ihn in sein Auto bittet und ihm erzählt,
dass er ihm mit seiner Therapie helfen könnte, die schrecklichen Erinnerungen
für alle Zeiten aus seinem Gedächtnis zu löschen. Marc Luca ist
sehr skeptisch, geht aber trotzdem mit in das Institut des Professors und lässt
sich den Ablauf der Therapie genauer erklären. Da diese funktioniert wie
ein kompletter reset bei einem Computer, ist ihm die ganze Sache jedoch zu unheimlich.
Er erklärt sich noch damit einverstanden, ein paar Untersuchungen über
sich ergehen zu lassen, um dann die Klinik mit der Bemerkung „er würde
es sich noch mal überlegen“ schnellstmöglich wieder zu verlassen.
Froh über diese Entscheidung kehrt er nach Hause in seine neue Wohnung
zurück. Dass sein Briefkastenschlüssel nicht mehr passen will, stört
ihn noch nicht, aber als er die Haustür aufmachen will, der Schlüssel
auch dort nicht passt, als der Mädchenname seiner verstorbenen Frau an
der Tür steht und als nach vehementem Klingeln diese ihm auch noch hochschwanger
öffnet, ist es um seine Haltung geschehen. Er bricht fast zusammen, als
er merkt, dass seine Frau ihn noch nicht einmal kennt. Von dort an beginnt für
ihn eine unglaubliche, erschreckende und vollkommen unverständliche Reise,
die in einem Desaster enden wird...zur
Buchkritik

Der Augensammler
Juni 2010, Knaur
Alexander Zorbach schreibt seine Geschichte. Eine Geschichte vom Tod und vom ewigen Sterben. Eine Geschichte, die ihren grausamen Anfang an einem Tag auf einer Brücke nimmt, an dem er selbst den Tod eines Menschen verursacht hat. Nun weiß er, dass er dies büßen muss, er weiß, der Tag wird kommen. Und er kommt. Er kommt mit voller Wucht und unerwartet.
Der Tag auf der Brücke hat sein Leben nachhaltig verändert. Nicht nur, dass er nicht mehr als Polizist, sondern als Reporter arbeitet, spezialisiert auf alle Gräueltaten und Grausamkeiten, nein, auch seine Frau hat ihn zwischenzeitlich mit ihrem Sohn Julian verlassen. Sie ist der Überzeugung, dass Alexander Zorbach durch die ständige Beschäftigung mit dem Negativen, dem Bösen, auch nichts anderes mehr anziehen kann. Leider wird sich dies bestätigen. Aktuell beschäftigt die Polizei und die Bürger Berlins ein äußerst perfider und grausamer Serienmörder. Er tötet die Mütter, entführt und versteckt das Kind und gibt dem Vater ein Ultimatum, dieses zu finden, bevor es stirbt. Schon drei Mütter und ihre Kinder sind seine Opfer geworden und das entsetzlichste Detail ist, dass er den Kindern jeweils das linke Auge entfernt. Im Polizeifunk erfährt Zorbach von dem Mord an der vierten Mutter und begibt sich in seiner Mission als Reporter an den Tatort. Doch von nun an nimmt die Tragödie ihren Lauf, Zorbach gerät in einen Strudel unwirklicher Ereignisse und ist unversehens der Haupttatverdächtige. Die einzige Hilfe, die er bekommt, ist die einer blinden Physiotherapeutin und die seines jungen Kollegen Frank Lahmann. Noch lange glaubt Alexander Zorbach, er habe Einfluss auf das Geschehen, doch viel zu spät merkt er, dass er einen gravierenden Denkfehler begangen und dass sein persönliches Leid gerade erst begonnen hat......zur Buchkritik
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