"Besondere Autoren verdienen besondere Aufmerksamkeit!"

Unter diesem Motto blickt Booksection.de, gemeinsam mit seinen Schwesterseiten Moviesection.de & Musicsection.de, auf besondere Künstler: Die "Portrait-Specials".

Unsere sogenannten „Portrait-Specials“ sollen nicht nur plumpe PR eines Schriftstellers sein, sondern die Leserschaft dieses Autors umfassend und interessant informieren.

Im August und September 2010 im Blickpunkt: Thriller-Autor Sebastian Fitzek, der uns mit all seinen bisher erschienenen Büchern Gänsehaut über den Körper jagte und zu den deutschen Hoffnungsträgern dieses Genres gehört.


Interview:

„Ich werde immer aus Alltagssituationen heraus inspiriert.“

Booksection.de traf Sebastian Fitzek in Stuttgart zum Interview.

Booksection: Sie haben einmal gesagt, dass Ihre Geschichten immer mit der „Was wäre wenn?“-Frage anfangen. Das leuchtet ein. Trotzdem ist es für uns als Leser schwer, sich vorzustellen, wie man auf die Ideen, die Ihren Büchern zugrunde liegen, kommen kann. Nehmen wir mal „Die Therapie“, Ihr erstes Buch, wie kamen Sie auf eine solch ungewöhnliche Idee?
Sebastian Fitzek: Da müsste ich zwei Geschichten erzählen. Die erste bezieht sich auf „Die Therapie“. Ich kam auf die Idee dieses Buches, als ich tatsächlich im Wartezimmer eines Arztes, einem Orthopäden saß, die in Berlin immer hoffnungslos überfüllt sind. Meine damalige Freundin ging also in das Behandlungszimmer. Nach einer dreiviertel Stunde dachte ich, dass sie doch irgendwann mal wieder herauskommen müsse. Dann habe ich die Leute beobachtet, die da saßen und warteten und sich zum Beispiel mit Lesen beschäftigten. Und ich überlegte: „Was wäre wenn“ die Leute jetzt sagen würden: „Wie, Sie warten auf jemanden? Wir haben niemanden gesehen, der neben Ihnen saß.“ Und „was wäre wenn“ die Sprechstundenhilfe sagen würde, dass meine Freundin doch gar keinen Termin habe und wenn dann die Tür des Behandlungszimmers aufginge und jemand ganz anderes herauskäme? Das war meine allererste Idee und so kam es dazu, dass ich mir die Geschichte zu „Die Therapie“ ausgedacht habe – es verschwindet ein kleines Mädchen spurlos aus dem Behandlungszimmer eines Arztes…
Die zweite Geschichte in diesem Zusammenhang bezieht sich auf „Der Augensammler“. Ich habe eine Physiotherapeutin, die sich auf Shiatsu spezialisiert hat und nach den Behandlungen sagt sie mir immer, was sie angeblich aus meinen Körper gelesen hat. Und ich dachte: „Moment mal, wenn ich ein Serienmörder wäre, würde sie dann auch merken, dass ich gerade jemanden im Keller zerstückelt habe?“ Was wäre also, wenn eine Physiotherapeutin genau das behaupten würde, dass sie nämlich einen Serienmörder, den Augensammler, behandelt habe. Und wenn diese dazu noch blind wäre, könnte sie kein Phantombild zeichnen. So entstand die Figur der Alina Gregoriev in „Der Augensammler“.

Booksection: Dann entstehen also wirklich all Ihre Geschichten aus der „Was wäre wenn“-Frage?
Sebastian Fitzek: Ja, genau. Ich werde immer aus Alltagssituationen heraus inspiriert. Im Herbst wird der Kurzgeschichtenband „P.S. Ich töte Dich“ erscheinen, zu dem ich eine Geschichte beisteuern durfte. Die Idee zu dieser Geschichte wiederum ist mir auf einer Lesereise eingefallen. Ich habe so eine Macke, ich muss immer etwas lesen, bevor ich einschlafe. Es ist egal was, es kann auch eine Fernsehzeitschrift sein, am besten aber ein Buch. Es gab aber in dem Hotel, in dem ich während der Lesereise war, keines und ich hatte nur mein eigenes dabei - was ich nicht spannend fand, das kannte ich ja schließlich schon. Also habe ich im Nachttisch eine Bibel gefunden und habe diese durchgeblättert. Und da dachte ich mir: „Moment mal, „was wäre wenn“ jetzt aus dieser Bibel ein Zettel herausfallen würde auf dem stünde: „Nicht einschlafen oder sie bringen Dich um!““ Da war ich natürlich wieder hellwach und so ist diese Kurzgeschichte „Nicht einschlafen“ entstanden.

Booksection: Ist das ein aktiver Prozess, dass sie sich bewusst überlegen, wie könnte ich meinen nächsten Thriller anfangen oder kommt das wirklich so im Alltag auf einmal auf Sie zu?
Sebastian Fitzek: Das kommt tatsächlich im täglichen Leben und oftmals unverhofft auf mich zu. Eine Geschichte, die ich oft erzähle, ist die einer Taxifahrt in Berlin. Als ich schon dachte, wir wären kurz vor dem Ziel, bog der Taxifahrer in eine Fußgängerzone ein, drehte sich zu mir um und sagte: „Ich habe ein Problem“, stieg aus und die Zentralverriegelung schnappte zu. Ich sitze also da in dem Taxi gefangen. Jeder andere wäre panisch geworden, ich mag aber solche skurrilen Situationen und habe überlegt: „Ok, „was wäre wenn“ das jetzt einen bestimmten Grund hat, dass ich in einem Taxi gefangen gehalten werde? Vielleicht springt jetzt gleich das Navigationsgerät an und sagt mir, dass ich eine Aufgabe zu erfüllen habe mit den Dingen, die ich im Handschuhfach finde?“ Sie sehen also, ich kann mich ganz gut alleine beschäftigen (lacht). Und aus solchen „Was wäre wenn“-Fragen ergeben sich dann weitere. Der Taxifahrer musste übrigens in Wirklichkeit nur mal dringend austreten…

Booksection: Aber das sind in jedem Fall Thriller-Vorbereitungen…
Sebastian Fitzek: Es ist immer ein Thriller, aber es könnte genauso gut auch eine Komödie werden. Irgendwie liegt mir aber das Thriller-Genre deswegen so, weil ich selbst viele Thriller gelesen habe in meiner Kindheit und Jugend. Thriller sind eine Leidenschaft von mir. Das hat mit den „Fünf Freunde“ angefangen, ging über Stephen King bis hin zu sämtlichen Gerichtsthrillern.

Booksection: Um noch mal auf die „Was wäre wenn“-Frage zurückzukommen. Es entsteht also aus der einen Frage die nächste und wieder die nächste und immer so weiter?
Sebastian Fitzek: Ja, so ist es bei der Handlung, aber auch bei den Figuren. Beim „Augensammler“ zum Beispiel die blinde Physiotherapeutin. Dabei habe ich aber schnell gemerkt, dass man nicht einfach die Augen zumachen kann, um sich vorzustellen, wie jemand lebt, der blind ist. Da war mir klar, dass ich dafür Hilfe brauche und so ist erstmal nicht die Handlung, sondern die Figur vorangetrieben worden. Macht eine Blinde beispielsweise das Licht an, hat sie Spiegel in der Wohnung, wie sortiert sie die Wäsche? Ich hatte bei der Recherche viel Hilfe von Blinden und Sehbehinderten.

Booksection: Entwerfen Sie dann um diese Fragen herum eine Art Konzept, an dem Sie sich „entlang hangeln“ können?
Sebastian Fitzek: Jein. Auf der einen Seite entwerfe ich ein Konzept, ein Exposé, was sehr hilfreich ist. Andererseits entwickeln die Figuren schon ein Eigenleben und diktieren die Geschichte. Und oftmals wird diese dann auch verändert. Ich glaube aber immer zu wissen, wie es weiter geht und es ist noch nie so gewesen, dass sich eine Geschichte eigenständig entwickelt.

Booksection: Haben Sie aufgrund der Tatsche, dass Ihre Geschichten sehr komplex sind, manchmal Angst den roten Faden zu verlieren?
Sebastian Fitzek: Diese Angst ist natürlich schon da. Deswegen möchte ich auch die Handlung nicht zu starr festlegen. Ich möchte beim Schreiben selbst überrascht werden.

Booksection: Aber es ist Ihnen noch nicht passiert, dass Sie alles über den Haufen werfen mussten?
Sebastian Fitzek: Nein, aber was mir schon passiert, ist, dass ich Kapitel, auch wenn sie mir ans Herz gewachsen sind, wieder streiche. Wenn ich merke, es passt nicht, dann quetsche ich es nicht hinein, nur um bei meiner ursprünglichen Idee zu bleiben. Ich schreibe auch nicht chronologisch. Wenn ich merke, dass es stockt, schreibe ich ein so genanntes „Motivationskapitel“, das ich schon im Kopf fast fertig habe, und springe dann wieder zu der Stelle zurück, an der es nicht weiterging. Aber auch dieses „Motivationskapitel“ kann durchaus wieder weggeschmissen werden. So 50 bis 60 Seiten fallen sicher bei jedem Buch wieder weg.

Booksection: Aber das ist schon ein schwerer Schritt oder?
Sebastian Fitzek: Das ist so. Aber ich habe ja immer die Möglichkeit, das als Bonusmaterial in meiner Homepage zu veröffentlichen.

Booksection: Dann verhält es sich doch sicherlich bei den Protagonisten auch so, dass Sie welche haben, die unbedingt da sein müssen, dass sich aber durchaus auch neue „ergeben“.
Sebastian Fitzek: Ja, auf jeden Fall. Es war zum Beispiel so, dass ich beim Schreiben von „Der Augensammler“ gemerkt habe, dass ich mit einem Psychiater „sprechen“ muss. Und so tauchte ungeplant Dr. Roth, den wir schon aus „Die Therapie“ kennen, wieder auf.

Booksection: Die kleinen Hinweise auf frühere Bücher haben die eingefleischten Fitzek-Fans gefreut und haben aber nicht gestört, wenn man Ihre früheren Bücher nicht gelesen hat. Um gleich bei den Lesern zu bleiben, gibt es Reaktionen, die Sie gestört, vielleicht sogar geärgert haben oder über die Sie sich besonders gefreut haben?
Sebastian Fitzek: Geärgert habe ich mich über Reaktionen der Leser noch nie. Was mich stört, ist, wenn in Rezensionen dem Leser schon das Ende verraten und somit der Spaß verdorben wird.
Im Allgemeinen ist der Mensch ja so, dass er eher negative Kritik äußert. Man beschwert sich eher bei einer Bank, wenn eine Überweisung schief läuft, als dass man sie für ihren guten Service lobt. Deswegen bin ich besonders überrascht über die vielen positiven Reaktionen. Es gibt eine exemplarische Reaktion, über die ich mich besonders gefreut habe. Das war die einer Lehrerin für Leute mit Lesebehinderungen, die festgestellt hat, dass ein spannender Thriller ihre Schüler viel eher zum Lesen bewegt, als andere Literatur. Nachdem sie krankheitsbedingt ausgefallen war und zwei Wochen später wieder an die Schule zurückkam, hatte einer ihrer Schüler der ganzen Lerntherapie schon vorgegriffen, weil er das Buch („Die Therapie“) bereits gekauft und komplett gelesen hatte, weil er so neugierig war!
Ich habe auch meine Mailadresse bekannt gegeben, weil ich wirklich gerne direkte Reaktionen auf mein Buch hören will. Kritik ist schließlich für einen Autoren auch wichtig, um sich zu verbessern. Allen kann man es aber natürlich auch nicht recht machen, weil jedes Buch aus einer anderen Motivation heraus geschrieben worden ist. Wichtig ist, dass man ein Buch schreibt, das man selbst gerne lesen würde und hinter dem man steht. Das Schlimmste ist, wenn ein Buch fertig gelesen ist, zugeklappt wird und gleich das nächste aus dem Regal gezogen wird. Mir ist es lieber, wenn sich der Leser noch Gedanken macht, sich fragt, wie ich das oder jenes gemeint haben könnte oder sich darüber unterhält, dass das Ende nicht so ganz klar war. Ich glaube, dass mir das mit all meinen Büchern bisher ganz gut gelungen ist.

Booksection: Sie haben einmal gesagt, dass unser Gehirn eine unergründete Tiefsee ist, was Sie besonders faszinierend finden. War das der Grund dafür, dass Sie selbst anfingen Thriller zu schreiben?
Sebastian Fitzek: Ja, es ist so, dass ich ein großes Interesse an Menschen habe und ich beobachte sie auch gerne. In Radiosendern, in denen ich jahrelang gearbeitet habe, gibt es die Menschen mit den größten Macken (lacht).
Wenn ich die Wahl habe zwischen expliziter Gewaltdarstellung und undurchsichtigen, unheimlichen Situationen, würde ich mich immer für letzteres entscheiden. Der klassische Ermittlerkrimi wiederum interessiert mich gar nicht. Ich würde die „Was wäre wenn“-Frage immer der „Wer war es“-Frage vorziehen.

Booksection: In Ihren Büchern ist es einmal so, dass sich herausstellt, dass eine vermeintliche parapsychologische Fähigkeit gar keine ist und dann gibt es auch die umgekehrte Variante. Was glauben Sie persönlich?
Sebastian Fitzek: Ich gehe mit meinen Büchern tatsächlich in den Bereich Horror, aber auch in den Bereich Mystery hinein. Alles, was uns aber derzeit noch als mysteriös erscheint, kann schon in nächster Zukunft erklärbar sein. Was früher als vollkommen unerklärbar erschien – ich möchte nicht wissen, wie der erste Mensch, der Magnetismus erlebt hat, reagiert hat und was er gedacht hat – ist heute klar. Auf diesem schmalen Grad wandele ich. Aber ich will allen die Tür offen halten, dem Esoteriker und dem Realisten. Jeder muss das selbst entscheiden: Schicksal oder Zufall? Vieles hat einen realen Ursprung, aber vieles ist eben auch immer noch nicht erklärbar. Nahtoderfahrungen beispielsweise. Da gibt es eine Menge Scharlatanerie. Bei der Schleyer-Entführung gab die Polizei beispielsweise zu, einem Hinweis deshalb nicht nachgegangen zu sein, weil der von einem Medium stammte – aber dieser Tipp hätte die Polizei eigentlich direkt vor die Haustür gebracht.

Booksection: War diese Beschäftigung mit den noch unerforschten Möglichkeiten des Gehirns auch die Grundlage für Ihr Buch „Splitter“?
Sebastian Fitzek: Ich hatte mich mit dem Thema „Vergessen“ beschäftigt. Es könnte ja eine Pille erfunden werden, die zum Beispiel Liebeskummer vergessen machen würde. Das wäre wirklich ein Riesenmarkt (lacht). Normalerweise möchte man sich entweder immer mehr merken können oder unbedingt sein Gedächtnis wiederfinden - zum Beispiel bei einer Amnesie. Mich interessiert aber, wie es wäre, wenn man unbedingt eine Erinnerung löschen, also ‚vergessen‘ will. Eine Amnesie ist eigentlich ein unerwünschtes „Nebenprodukt“ eines Unfalls. Aber eine Erinnerung bewusst verlieren zu wollen, ist etwas anderes. Im Fall von Marc Luca ist es der Umstand, dass er den Tod seiner schwangeren Frau verschuldet hat. Aber es läuft etwas schief und wie schlecht es ihm geht, kann man gleich am Anfang des Buches sehen.

Booksection: Haben Sie den Film „Vergissmeinnicht“ gesehen?
Sebastian Fitzek: Ja, den habe ich gesehen! Es ist zwar eine Liebeskomödie, aber der Grundgedanke hat Potential für einen Thriller. Einer meiner Lieblingsfilme. Heutzutage ist es durchaus schon möglich, das ganze Gedächtnis aktiv zu „löschen“. Einzelne Erinnerungen aber nicht.

Booksection: Wenn Sie mit einem Buch fast fertig sind, haben Sie dann schon wieder neue „Was wäre wenn“-Fragen für das nächste Buch im Kopf?
Sebastian Fitzek: Ja, ich höre, sehe und lese vielerlei Dinge, von denen ich dann denke, dass sie sich als Idee für ein Buch eignen würden. Ich schreibe mir das aber nicht auf. Eine Idee, die geschrieben werden will, wird so lange wiederkehren, bis sie tatsächlich geschrieben ist. Alle anderen vergesse ich wieder und die waren es dann auch nicht wert. Ich lasse die Ideen „von allein rüberkommen.“

Booksection: Dann dürften Ihnen die Ideen für neue Bücher nicht ausgehen…
Sebastian Fitzek: (lacht) Ich hoffe es. Ideen nicht, aber ob es das Buch dann wert ist, geschrieben zu werden, ist die andere Frage. Eine Idee macht noch kein Buch aus. Aber bis dato sieht es wirklich noch ganz gut aus.

Booksection: Dann gibt es für Sie keine Pause zwischen den Büchern, weil Sie permanent diese Ideen haben und in Gedanken sammeln?
Sebastian Fitzek: Ja, wenn man in so einem kreativen Bereich arbeitet, bleibt das nicht aus. Da kann man die Arbeit und den privaten Bereich oft nicht mehr voneinander trennen. Man beschäftigt sich permanent damit. Wenn Sie lesen, denken Sie ja auch an andere Dinge ….

Booksection: Noch eine Frage, die ein bisschen aus dem Zusammenhang gelöst ist, aber uns doch interessiert. Sie schreiben, dass Sie ein Mailoholic sind. Ist das wirklich so extrem?
Sebastian Fitzek: (lacht) Ja, doch, das ist so. Seitdem ich ein I-Phone habe und meine Mails mobil abrufen kann, ist es noch schlimmer. Ich frage mich jetzt schon, wie viele Mails in der Zeit, in der wir hier das Interview machen - das dauert nämlich schon 41 Minuten und 27 Sekunden - eingegangen sind. Das sind jetzt genau (Checked sein I-Phone) … sieben Mails. Im Urlaub zumindest habe ich mir allerdings auferlegt, nur eine Stunde pro Tag meine Mails zu überprüfen. Ich kenne eine Firma, in der ein mailfreier Freitag verordnet wurde - an dem dann mal gearbeitet wird (lacht). Aber ich frage mich, welchen Sinn das hat, wenn man dann am Montag die doppelte Anzahl von Mails lesen muss.

Booksection: Noch eine allerletzte Frage: Wie organisieren Sie sich beim Schreiben, haben Sie eine bestimmte Stundenzahl festgelegt, bestimmte Tage oder schreiben Sie so wie es gerade fließt?
Sebastian Fitzek: Nein, ich habe bestimmte Zeitabschnitte und da schreibe ich praktisch nur und alles andere, wie Sozialkontakte, wird „zurückgefahren“. Keine Lesungen etc. - alles, was mich irgendwie rausreißen könnte. Ich könnte dann eigentlich acht Stunden täglich schreiben. Ich versuche wirklich, so früh wie möglich morgens anzufangen und das durchzuziehen. Natürlich gibt es – wie beim Sport auch – Tage, an denen es besser oder schlechter läuft. Am Ende des „Geschriebenhabens“ ist es wie nach dem Sport, wenn man unter die Dusche geht. Ich gehe aber an den Kühlschrank. Ich nehme mir also Blöcke - Blöcke zum Nachdenken beim Exposé, da bin ich jetzt gerade wieder dabei, dann kommt die Phase der Recherche, die Phase für den Erstentwurf. Das dauert auf jeden Fall drei Monate. Daran schließen sich noch mal mindestens drei Monate an, in denen dieser Entwurf überarbeitet wird. Ich brauche also circa ein Jahr für ein Buch.

Booksection: Habe ich richtig verstanden, dass Sie schon an Ihrem nächsten Buch arbeiten? Welche „Was wäre wenn“-Frage liegt diesem zugrunde? Darf man das schon erfahren?
Sebastian Fitzek: Auf jeden Fall wird Alina Gregoriev wieder eine Rolle spielen. Inspiriert wurde ich von der Geschichte aus Brandenburg, wo ein Sexualverbrecher wieder auf freien Fuß gesetzt wurde, weil man vergessen hatte, die nachträgliche Sicherheitsverwahrung anzuordnen. Jeder weiß eigentlich, dass er wieder loslegen wird, sogar sein eigener Anwalt, und dass er nur wegen eines Verfahrensfehlers freigelassen wird. Eventuell wird Alina gebeten, ihn zu untersuchen, um vielleicht etwas festzustellen, was ausreicht, dass er doch drin bleiben muss. Das ist die Ausgangssituation, über die ich gerade nachdenke.

Booksection: Vielen Dank für das Gespräch.


Biographie:

„Die größten Mysterien liegen tief im Innersten unserer menschlichen Psyche verborgen. Unser Gehirn ist wie die Tiefsee. Vielleicht das letzte unerforschte Terrain auf Erden, voll von Geheimnissen, die darauf warten, entdeckt zu werden.“
Diese Zeilen stammen von Sebastian Fitzek, Autor von mittlerweile insgesamt sechs Thrillern der Superlative. Fitzek, geboren am 13.10.1971 in Berlin, studierte eigentlich Jura und arbeitete dann später als Chefredakteur und Programmdirektor für verschiedene Radiostationen Deutschlands. Seine erste Schreibarbeit war die des Co-Autors für „Professor Udolphs Buch der Namen“, das die Grundlage für das Fernsehformat „Deutschland - deine Namen“ mit Johannes B. Kerner lieferte.

2006 dann fing Sebastian Fitzek damit an, seine eigenen Bücher zu schreiben. Sein erster Thriller „Die Therapie“ schlug ein wie eine Bombe und Fitzek selbst ist von diesem Erfolg, der unter anderem darin besteht, dass er zu den wenigen deutschen Thrillerautoren gehört, die auch in England und den USA verlegt werden, mehr als überrascht... zur kompletten Biographie-Seite



Bibliographie:

Die Therapie

Juni 2006, Knaur

Dr. Viktor Larenz, seines Zeichens Psychiater, bringt seine Tochter Josy, die seit geraumer Zeit an merkwürdigen Symptomen leidet, und deretwegen er seine eigene Praxis derzeit ruhen lässt, zum Arzt. Von dort verschwindet Josy spurlos. Die Suche nach ihr verläuft ergebnislos. Während seine Frau nach gewisser Zeit wieder ein halbwegs normales Leben führen kann, kommt er selbst mit seinem Leben nicht mehr klar.

Jahre vergehen und Dr. Larenz wird von der Zeitschrift “Bunte” um ein Interview gebeten. Viktor zieht sich auf die Insel Parkum zurück, in der Hoffnung, durch das Niederschreiben der qualvollen Erlebnisse wieder zu sich zu finden und sein Leben wieder in den Griff zu bekommen. Doch auf Parkum begegnet ihm eine unbekannte, geheimnisvolle Frau, die behauptet, Visionen seiner Tochter zu haben. Nach langem Zögern ist er bereit, diese Frau zu therapieren. Was dabei ans Tageslicht kommt, wird für Dr. Larenz immer verwirrender und hebt sein Leben endgültig aus den Angeln.... zur Buchkritik


Amokspiel

April 2007, Knaur

Die Kriminalpsychologin Ira Samin will ihr Leben beenden. Der Selbstmord ihrer Tochter lastet schwer auf ihrem Gewissen, da sie glaubt, nicht genug für sie getan zu haben. Zudem hat sie seit dem Vorfall den Kontakt zu ihrer anderen Tochter verloren. Ira nimmt an, dass diese ihr genauso schwere Vorwürfe macht wie sie sich selbst. Ihre Flucht in den Alkohol macht alles noch schlimmer und unerträglicher. Doch genau an dem Tag, an dem sie ihrem Leben ein Ende setzen will, wird sie zu einem Einsatz in einem Berliner Radiosender gerufen. Dort spielt ein Mann ein makabres Spiel: Über den Äther lässt er verlauten, dass er in Berlin wahllos Menschen anrufen wird, die den Hörer mit einer bestimmten Parole abheben müssen, ansonsten wird eine der Geiseln, mit denen er sich im Studio verschanzt hat, erschossen. Dies will er so lange tun, bis man ihm seine Verlobte ins Studio bringt. Pikanterweise lebt diese jedoch bereits seit Monaten nicht mehr. Innerhalb kürzester Zeit ist die erste Geisel tot und ausgerechnet Iras Tochter, die bei eben diesem Sender arbeitet, versteckt sich in einem Nebenzimmer und wird Zeugin der grausigen Geschehnisse. Ira Samin wird Hals über Kopf in dieses Amokspiel verstrickt und hat keine Zeit mehr, über ihre eigenen Probleme nachzudenken, aber schlussendlich stellt sich für sie heraus, dass der Psychopath gar nicht so weit von ihrem eigenen Leben entfernt ist …...zur Buchkritik


Das Kind

März 2009, Knaur

Der Anwalt Robert Stern wird von einer guten Bekannten dringend um ein Treffen gebeten, das auf außergewöhnlichem Terrain, nämlich einem verlassenen Fabrikgelände, statt findet und einen ebenso ungewöhnlichen Mandanten hervorbringt: Einen zehnjährigen Jungen, der behauptet, in seinem früheren Leben einen Mord begangen zu haben, für den er nun einen Verteidiger brauche. Verständlicherweise findet Stern das erst einmal ziemlich lächerlich, vor allem nachdem ihm Carina erzählt, dass sie dem Jungen, der ihr Patient ist und der nicht mehr lange zu leben hat, zum Geburtstag eine Rückführung geschenkt habe. Eigentlich wollte sie ihm damit die Angst vor dem Tod nehmen, hatte damit aber leider nur erreicht, dass Simon sich nun daran erinnert, einen Mann brutal mit einer Axt erschlagen zu haben. Wider besseres Wissen lässt sich Stern darauf ein, die Leiche nach den Angaben Simons zu suchen. Und er findet sie. Das alleine gibt ihm aber noch nicht den nötigen Anstoß, tatsächlich Simons Anwalt zu werden. Noch am selben Abend aber erhält er eine DVD eines Unbekannten. Dort bekommt er Aufnahmen der Säuglingsstation zu sehen, auf der vor über zehn Jahren sein eigener Sohn Felix – so dachte er bisher zumindest - gestorben war. Er bekommt gleichzeitig einen Anruf und einen Auftrag, der unmittelbar mit Simons Erzählungen in Verbindung steht. Als Gegenleistung für die Durchführung dieses Auftrages soll er Informationen darüber erhalten, ob Felix nicht doch noch lebt und wenn ja, wo er sich befindet. Obwohl sein Verstand ihm rät, die Finger von der Sache zu lassen, findet Robert Stern sich innerhalb kürzester Zeit in einem nicht endenden Albtraum wieder, dessen Verlauf immer rätselhafter und schrecklicher wird. …...zur Buchkritik


Der Seelenbrecher

Oktober 2008, Knaur

Mehrere Studenten haben sich zu einem psychologischen Experiment, wie der leitende Professor es nennt, in der zwischenzeitlich herunter gekommenen Luxusklinik Teufelsberg eingefunden. Es wird ihnen eine Patientenakte zu lesen gegeben, die sich - wie einem Studenten sofort auffällt - liest wie ein Psychothriller. Eine Frau wird gefangen, gefoltert, wacht auf und hält alles erleichtert für einen Traum, fällt aber, ohne dass sie sich zwischenzeitlich bemerkbar machen kann, wieder in den selben Alptraum zurück.
Die Stundenten wissen, dass vor vielen Jahren drei Frauen dem so genannten Seelenbrecher zum Opfer fielen, Frauen, die in einer Art Wachkoma lagen und nie mehr daraus aufwachten. Auch wissen die Studenten, dass es in eben dieser Klinik damals kurz vor Weihnachten zu einem grausigen Showdown des Seelenbrechers gekommen war.
Der Professor möchte, dass die Studenten die Patientenakte ganz durchlesen. Mehr nicht. Doch das ist den meisten unheimlich genug, und es bleiben schlussendlich nur zwei Studenten übrig, die an diesem Experiment teilnehmen. Was diese dann da zu lesen bekommen und was sie am Ende selbst an Schrecken mitnehmen, darauf allerdings waren sie nicht vorbereitet......zur Buchkritik


Splitter

Juni 2009, Knaur

Marc Luca hat durch einen selbst verschuldeten Unfall seine Frau und sein ungeborenes Kind verloren. Ein unendliches Trauma. Gleichzeitig steckt ein Splitter in seinem Nacken, gefährlich nahe an der Wirbelsäule. „Inoperabel“ lautet die Diagnose und Luca wird deswegen mit starken Tabletten, die das Weiterwandern des Splitters verhindern sollen, behandelt. Verzweifelt versucht er, sein Leben weiter zu führen und sich auf seine Arbeit als Streetworker zu konzentrieren. Doch in einer düsteren Stunde meldet er sich auf eine Mailadresse: „Lerne zu vergessen“.
An seine Anfrage denkt er schon gar nicht mehr, als kurze Zeit später ein Auto neben ihm auftaucht mit einem etwas seltsamen älteren Herrn, der sich als Professor Bleibtreu vorstellt, ihn in sein Auto bittet und ihm erzählt, dass er ihm mit seiner Therapie helfen könnte, die schrecklichen Erinnerungen für alle Zeiten aus seinem Gedächtnis zu löschen. Marc Luca ist sehr skeptisch, geht aber trotzdem mit in das Institut des Professors und lässt sich den Ablauf der Therapie genauer erklären. Da diese funktioniert wie ein kompletter reset bei einem Computer, ist ihm die ganze Sache jedoch zu unheimlich. Er erklärt sich noch damit einverstanden, ein paar Untersuchungen über sich ergehen zu lassen, um dann die Klinik mit der Bemerkung „er würde es sich noch mal überlegen“ schnellstmöglich wieder zu verlassen.
Froh über diese Entscheidung kehrt er nach Hause in seine neue Wohnung zurück. Dass sein Briefkastenschlüssel nicht mehr passen will, stört ihn noch nicht, aber als er die Haustür aufmachen will, der Schlüssel auch dort nicht passt, als der Mädchenname seiner verstorbenen Frau an der Tür steht und als nach vehementem Klingeln diese ihm auch noch hochschwanger öffnet, ist es um seine Haltung geschehen. Er bricht fast zusammen, als er merkt, dass seine Frau ihn noch nicht einmal kennt. Von dort an beginnt für ihn eine unglaubliche, erschreckende und vollkommen unverständliche Reise, die in einem Desaster enden wird...zur Buchkritik


Der Augensammler

Juni 2010, Knaur

Alexander Zorbach schreibt seine Geschichte. Eine Geschichte vom Tod und vom ewigen Sterben. Eine Geschichte, die ihren grausamen Anfang an einem Tag auf einer Brücke nimmt, an dem er selbst den Tod eines Menschen verursacht hat. Nun weiß er, dass er dies büßen muss, er weiß, der Tag wird kommen. Und er kommt. Er kommt mit voller Wucht und unerwartet.

Der Tag auf der Brücke hat sein Leben nachhaltig verändert. Nicht nur, dass er nicht mehr als Polizist, sondern als Reporter arbeitet, spezialisiert auf alle Gräueltaten und Grausamkeiten, nein, auch seine Frau hat ihn zwischenzeitlich mit ihrem Sohn Julian verlassen. Sie ist der Überzeugung, dass Alexander Zorbach durch die ständige Beschäftigung mit dem Negativen, dem Bösen, auch nichts anderes mehr anziehen kann. Leider wird sich dies bestätigen. Aktuell beschäftigt die Polizei und die Bürger Berlins ein äußerst perfider und grausamer Serienmörder. Er tötet die Mütter, entführt und versteckt das Kind und gibt dem Vater ein Ultimatum, dieses zu finden, bevor es stirbt. Schon drei Mütter und ihre Kinder sind seine Opfer geworden und das entsetzlichste Detail ist, dass er den Kindern jeweils das linke Auge entfernt. Im Polizeifunk erfährt Zorbach von dem Mord an der vierten Mutter und begibt sich in seiner Mission als Reporter an den Tatort. Doch von nun an nimmt die Tragödie ihren Lauf, Zorbach gerät in einen Strudel unwirklicher Ereignisse und ist unversehens der Haupttatverdächtige. Die einzige Hilfe, die er bekommt, ist die einer blinden Physiotherapeutin und die seines jungen Kollegen Frank Lahmann. Noch lange glaubt Alexander Zorbach, er habe Einfluss auf das Geschehen, doch viel zu spät merkt er, dass er einen gravierenden Denkfehler begangen und dass sein persönliches Leid gerade erst begonnen hat......zur Buchkritik


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