"Besondere Autoren verdienen besondere Aufmerksamkeit!"

Unter diesem Motto blickt Booksection.de, gemeinsam mit seinen Schwesterseiten Moviesection.de & Musicsection.de, auf besondere Künstler: Die "Portrait-Specials".

Unsere sogenannten „Portrait-Specials“ sollen nicht nur plumpe PR eines Schriftstellers sein, sondern die Leserschaft dieses Autors umfassend und interessant informieren.

Im April und Mai 2010 im Blickpunkt: Kinder- und Jugendbuchautorin Nina Blazon, die mit bereits zahlreichen Büchern zahllose Fans glücklich machte. Ihr neuer Roman, "Schattenauge" ist kürzlich erschienen und wieder ein echter Hingucker geworden.


Interview:

„Die beste Idee taugt nichts, wenn sie nicht spannend aufgebaut und umgesetzt ist.“

Booksection.de traf Nina Blazon in Leipzig auf der Buchmesse zum Interview.

Booksection: Sie haben unter anderem Germanistik studiert und arbeiten nach wie vor auch als Journalistin. Kann man „lernen“ ein guter Autor zu sein?
Nina Blazon: Das Handwerk auf jeden Fall! Ich finde, ein Großteil des Schreibens ist Handwerk. Natürlich muss man Inspiration haben und Ideen, aber die beste Idee taugt nichts, wenn sie nicht spannend aufgebaut und umgesetzt ist. Und das ist tatsächlich etwas, was man lernen kann.

Booksection: Hatten oder haben Vorbilder?
Nina Blazon: Während meines Studiums habe ich mit viel Begeisterung und Ehrfurcht die Romane von Fjodor M. Dostojewski verschlungen. Natürlich kann man ihn nicht erreichen (lacht), aber die Art, wie er Personen zeichnet oder wie er es beherrscht, jeder Person eine eigene Stimme zu geben, ist wirklich unübertroffen. Wer etwas darüber lernen möchte, sollte unbedingt seine Romane lesen.

Booksection: 2003 wurden Sie mit dem 'Wolfgang-Hohlbein-Preis' und 2004 mit dem 'Deutschen Phantastik-Preis' ausgezeichnet. Haben Sie die Auszeichnungen eher als Erleichterung oder als Bürde für Ihre weitere Arbeit empfunden?
Nina Blazon: Die Preise waren eine sehr schöne Bestätigung. Eine Bürde ist es nicht.

Booksection: Der Erwartungsdruck wurde also nicht erhöht, etwas Vergleichbares hinterher zu schicken?
Nina Blazon: Den Erwartungsdruck hatte ich beim zweiten Buch. Aber ich glaube, das ist nicht ungewöhnlich, zumindest habe ich mir auch von anderen Autoren sagen lassen, dass es völlig normal sei, die Angst zu haben, man könnte mit dem ersten Buch schon alles gesagt, sich schon verbraucht haben. Sobald das zweite Buch „über die Bühne ist“, fühlt man sich schon erleichtert.

Booksection: Geben Sie uns einen kleinen Einblick in Ihre Art zu Schreiben. Sind Sie ein disziplinierter Schreiber der täglich am Pult sitzt?
Nina Blazon: Ich bin eigentlich ein sehr bürokratischer Schreiber. Ich komme morgens ins Büro, setze mich hin, schreibe, mache Mittagspause, schreibe wieder und gehe dann nach Hause. Wenn der Abgabetermin näher rückt und ich am Ende des Buches alle Fäden zusammenführen muss, löst sich dieses Bürokratische etwas auf. Dann heißt es „dran bleiben“, um alle Fäden in der Hand zu behalten. In dieser Phase schreibe ich dann schon einmal die Nacht und das Wochenende durch, um das Ganze rund zu bekommen.

Booksection: Sie sagen, Sie gehen ins Büro. Brauchen Sie die bewusste Trennung vom privaten Bereich?
Nina Blazon: Ich brauche diese Trennung sehr dringend, sonst hätte ich kein Privatleben mehr. Würde ich zu Hause arbeiten, wäre am Ende des Tages nicht viel auf dem Papier. Schließlich habe ich in der Wohnung einen Kühlschrank, einen Fernseher und ein Sofa. Das würde sich sehr schnell auf Pausen beschränken (lacht). Nein, ich brauche meinen sachlichen Schreibtisch.

Booksection: Gerade historische Bücher leben auch von einer gründlichen Recherche. Fahren Sie auch immer an die Orte über die Sie schreiben? Oder lesen Sie sich auch vieles an?
Nina Blazon: Ich versuche immer an die Orte zu fahren, aber natürlich klappt das nicht immer. Bei dem neuen Taschenbuch, das im Ravensburger Verlag erscheint: „Das Amulett des Dschingis Khan“, hätte ich in die Mongolei reisen müssen, das war aber aus verschiedenen Gründen leider nicht möglich. In diesem Fall habe ich aber zwei Reisende aufgestöbert, die monatelang zu Pferde dort unterwegs waren. Diese habe ich interviewt, dazu eine Unmenge an historischen und aktuellen Reiseberichten und Reportagen gelesen und natürlich Filme angeschaut. Es war sozusagen eine intensive Fernrecherche. Ansonsten versuche ich aber immer direkt vor Ort zu recherchieren. Für „Der Maskenmörder“ war ich in London. Für einige Szenen bin ich mit der Stoppuhr durch die Straßen gerannt, denn es gibt in dem Buch mehrere Verfolgungsjagden und ich wollte sehen, ob diese Szenen von der Zeiteinteilung her überhaupt realistisch wären. Für „Der Spiegel der Königin“ war ich in Schweden und habe mich im modernen Stockholm auf die Spuren der alten Stadt begeben. Vieles steht ja heute nicht mehr wie zu Christinas Zeiten, selbst das Schloss ist nach einem Brand ganz neu erbaut worden. Um das Stockholm des 17. Jahrhunderts im Buch wieder lebendig zu machen, habe ich mir die Modelle der Stadt im Museum angesehen, und auch in der Bibliothek hatte ich nette Kontaktleute, die mir Zugang zu den alten Stadtplänen verschafft haben. Ich versuche immer sehr dicht dran zu sein. Die Details müssen einfach stimmen.

Booksection: Die Detailliebe fällt auch bei Ihrem Roman „Totenbraut“ auf. Man merkt der Geschichte an, dass Sie sich intensiv mit dem Mythos „Vampir“ genau beschäftigt haben. Das stelle ich mir sehr zeitaufwändig vor.
Nina Blazon: Das ist es! Aber ich recherchiere auch während ich noch an einem Roman schreibe bereits für kommende Projekte. Bei der Ravensburger Buchreihe über die historischen Frauengestalten wusste ich bereits sehr weit im Vorfeld, dass die Romane realisiert werden.

Booksection: Gab es einen Moment mit der bewussten Entscheidung: So, jetzt fange ich an Jugendbücher zu schreiben?
Nina Blazon: Die bewusste Entscheidung kam mit der Teilnahme am „Wolfgang-Hohlbein-Preis“. Ich wollte unbedingt bei diesem Wettbewerb teilnehmen und sehen, ob ich es schaffe, einmal unter ein langes Manuskript das Wort „Ende“ zu schreiben (lacht). Es wurden explizit Romane aus dem Genre Jugend-Fantasy gefordert. Deshalb habe ich mir damals erst einmal einen Stapel Jugendbücher geholt, um herauszufinden, was ein Jugendbuch von einem Erwachsenenbuch unterscheidet, welche Kriterien es da gibt. Erst danach habe ich mit dem Schreiben angefangen und hatte beim Wettbewerb das Glück, dass der Roman tatsächlich gedruckt wurde. Danach kamen andere Anfragen. Auf diesem Weg bin ich da sozusagen in den Jugendbuchsektor reingerutscht.

Booksection: Damit haben Sie meine nächste Frage fast schon beantwortet. Legen Sie ihre Geschichten von Beginn an als „Jugendbuch“ an?
Nina Blazon: Ja, ich richte mich schon nach den Jugendbuchkriterien: Die Protagonisten sind Jugendliche, die in dem spannenden Zeitabschnitt zwischen 13 und 20 Jahren die Weichen für ihr Leben stellen und sich mit existenziellen Dingen beschäftigen müssen. Im Jugendbuch achtet man auch immer darauf, dass es nicht allzu gewalttätig wird. Ich denke da an die Serienkiller-Motive aus dem Erwachsenenbereich, so viel Gewalt beschreibe ich natürlich nicht – und schon gar nicht so detailliert. Klar, es darf schon mal hart zugehen, aber eine gewisse Grenze soll nicht überschritten werden. Auch die Verbindung von Sexualität und Gewalt hat in einem Jugendbuch nichts verloren. Sexualität an sich ist in einer romantischen Form in der Zwischenzeit allerdings in Ordnung. Worauf ich auch achte: Selbst wenn den Figuren etwas Schlimmes zustößt, versuche ich immer eine Botschaft mitschwingen zu lassen, die man mit „Du hast eine Handlungsmöglichkeit, du bist nicht völlig hilflos“ beschreiben könnte. Ein ganz und gar hoffnungsloses Ende geht nicht. Selbst wenn es kein Happy End gibt und der Hauptperson schreckliche Dinge zustoßen, versuche ich immer zu zeigen, dass die Figur immer noch eine Stärke besitzt, die aus ihr selbst kommt.

Booksection: Was ist bei Ihnen zuerst da? Die Geschichte oder die Figuren?
Nina Blazon: Immer die Figuren! Bei historischen Romanen natürlich auch immer die Epoche. Ich gehe aber auch im historischen Setting von der Figur aus und baue die Geschichte auf ihrem Lebensweg auf, auf den Herausforderungen, die sie bestehen muss. Daraus ergibt sich der Konflikt, denn natürlich stößt jeder Figur genau das zu, wovor sie sich am meisten fürchtet. Durch diesen Schrecken muss sie gehen, um daran zu wachsen.

Booksection: Sie haben innerhalb kurzer Zeit viele Bücher veröffentlicht. Sprudeln bei Ihnen die Ideen unentwegt, oder hatten Sie viele Grundideen bereits in der Schublade?
Nina Blazon: Als ich zum Schreiben von Büchern kam, arbeitete ich bereits freiberuflich als Journalistin und Werbetexterin. Und genau so habe ich auch auf Anfragen von Verlagen reagiert: Ich hatte einen Auftrag und ich habe ihn angenommen, auch wenn ich nicht so viele Projekte hätte annehmen müssen. Aber darüber habe ich mir damals keine Gedanken gemacht. Einige Ideen hatte ich bereits in der Schublade, weil ich mich während des Studiums mit der Geschichte der slawischen Länder befasst hatte. So war zum Beispiel russische Geschichte als Thema für historische Romane nicht fern. Und zu Kristina von Schweden war es auch nicht weit, da ich schon immer ein Faible für Schweden hatte. Ich habe immer noch ein dickes Notizbuch, in dem weitere Ideen schlummern. Manchmal schlage ich dieses Buch auf und stelle fest, dass die eine oder andere Idee, die schon ein paar Jahre alt ist, jetzt gut in einen Roman passen würde.

Booksection: In der Vorbereitung auf das Interview habe ich gelesen, dass Sie schon während des Studiums mit dem Schreiben begonnen haben.
Nina Blazon: Ja, aber das war mehr aus der Not heraus geboren. Ich war Mitglied in einer studentischen Theatergruppe, die „Unigeziefer“ hieß. „Unigeziefer“ deshalb, weil wir als allererstes Stück „Die Fliegen“ von Sartre aufführten. Dieser Name blieb uns dann (lacht). Aber wir hatten schon bald das Problem aller studentischen Theatergruppen: zu viele Frauen, zu wenige Männer, zu wenig passende Stücke für unsere Besetzung. Anfangs haben wir noch mit vertauschten Rollen gespielt, aber irgendwann waren wir 23 Leute und jeder hatte seine Wunschrolle. So kam die Idee auf, ein eigenes Stück zu schreiben. Diese Rolle fiel dann mir zu – und ich begann für die Gruppe zu schreiben. Auf diese Weise haben wir mehrere Theaterstücke auf die Bühne gebracht. Bei einigen habe ich dann auch Regie geführt.

Booksection: Hat sich ihr Schreibstil seither verändert?
Nina Blazon: Eine schwierige Frage. Da müsste man eher die Leser fragen. In den allerersten Fantasyromanen habe ich ungefähr 5.000 Adjektive benutzt – ein klassisches Anfängerphänomen. Wenn ich in diese ersten Bücher hineinlese, stelle ich fest, dass ich aus heutiger Sicht wohl etwas straffen und kürzen würde.

Booksection: Stellen Sie, außer jetzt von Dostojewski, noch Einflüsse anderer Autoren fest?
Nina Blazon: Schwer zu sagen. Unbewusst vielleicht. Was ich immer sehr gerne habe sind Krimielemente á la Sherlock Holmes. Diese Romane liebe ich sehr.

Booksection: Sie hatten also auch nicht den Eindruck, sich nun bewusst von einem Einfluss frei machen zu müssen?
Nina Blazon: Nein, das nicht. Manchmal zitiere ich einen Autor, wenn mir etwas von ihm sehr gut gefallen hat, aber dann sagt das meine Figur auch. Und manchmal mache ich vor einem Autor auch eine kleine Verbeugung. Eine solche Hommage ist zum Beispiel die eine Figur aus der „Totenbraut“: Bela, die weiße, besonders schöne Hände hat. „Bela“ heißt übersetzt: „Die Weiße“. Auf Italienisch würde sie „Bianca“ heißen. Wer die Storys von Theodore Sturgeon kennt, wird in der Szene vielleicht eine kleine Hommage an seine Hauptfigur aus der Kurzgeschichte „Biancas Hände“ erkennen.

Booksection: Sie haben mittlerweile als Autorin einen festen Platz im Jugendbuchsektor. Sind Sie immer noch gleich nervös wie ein Buch aufgenommen wird, oder gibt einem der Erfolg auch eine gewisse Sicherheit?
Nina Blazon: Ich bin immer noch nervös. Nicht mehr so wie nach dem ersten oder zweiten Buch, aber eigentlich bin ich immer nervös. Man weiß ja nie, wie ein Buch von den Lesern aufgenommen wird.

Booksection: Auf welches Ihrer Bücher sind Sie besonders stolz?
Nina Blazon: (überlegt) Gute Frage. Stolz? Ich denke gerne an „Totenbraut“ zurück, weil so viel Recherche darin steckt. Und auch so viele Fäden gesponnen werden mussten, die, glaube ich, am Ende auch wieder alle gut verknüpft wurden. An „Das Amulett des Dschingis Kahn“ denke ich auch gerne zurück, weil die Hauptfigur Krystian so spröde ist und mir so viele Schwierigkeiten gemacht hat.

Booksection: Wie wichtig ist für Sie der Kontakt zu Ihren Lesern?
Nina Blazon: Der Kontakt ist sehr schön. Ich bekomme viele E-Mails, hauptsächlich von Mädchen – sie sind wohl etwas schreibfreudiger. Diese Korrespondenz mit den Lesern macht mir immer sehr viel Spaß. Als Schreiber sitzt man ja die meiste Zeit über alleine im Büro und da sind solche Kontakte sehr nett. Auch Lesungen vor Schulklassen mache ich gerne, es ist interessant, welche Fragen dort zu den Büchern gestellt werden.

Booksection: Sind das immer die gleichen Fragen? Gibt es da eine TOP 5?
Nina Blazon: Aber ja! Häufige Frage bei Schullesungen: „Gibt es davon auch einen Film?“ Dann natürlich die Frage nach dem Verdienst: „Sind Sie Millionärin?“. Diese Frage stellen vor allem Fünftklässler gerne. Da antworte ich natürlich immer erst einmal: „Ja!“ (lacht). Dann: „Wie kommt man auf die Ideen?“. Häufig wollen die Schüler auch wissen, ob in den Romanen Leute vorkommen, die ich kenne, zum Beispiel Familie und Freunde. Und schließlich: „Malen Sie die Cover selbst?“ Das sind so die Klassiker.

Booksection: Das Genre Fantasy boomt momentan mit einer ganze Reihe von Neuerscheinungen. Machen Sie sich da Gedanken, wie man sich von der Konkurrenz abheben kann?
Nina Blazon: Solche Gedanken macht sich, glaube ich, jeder Autor zu einem gewissen Grad. Man möchte ja nicht genau das Gleiche schreiben wie ein Kollege. Ich versuche dem jeweiligen Thema einfach noch einen gewissen Mehrwert zu geben, Zusatzinformationen einzubringen, einen weiteren „Dreh“. Zum Beispiel: Wenn ich schon über Katzenmenschen schreibe, dann mit einer veränderten Perspektive. Ich mache keine klassischen Gestaltwandler daraus, sondern drehe das Ganze um und lasse die Figuren zu „Wesenwandlern“ werden, also zu „Menschenkatzen“, die sich nicht äußerlich in Katzen verwandeln, sondern nur im Wesen katzenartig sind. Dazu gehört noch eine Rahmengeschichte mit viel Katzenmythologie aus den verschiedensten Kulturen. Aber es geht sicher nicht so weit, dass ich bei jedem Buch grübelnd am Schreibtisch sitze und ganz geplant und gezielt etwas völlig Gegenteiliges entwerfe.

Booksection: Fantasy-Geschichten erscheinen häufig als Trilogie. Sie haben bislang zwei Trilogien veröffentlicht, aber auch viele Einzelbücher. Präferieren Sie eine von beiden Erscheinungsformen?
Nina Blazon: Als Leserin? Da kommt es auf die Geschichte und den Autor an. Als Autorin mag ich persönlich Trilogien nicht so gerne. Zwar habe ich auch welche geschrieben, aber auch bei diesen sind die einzelnen Teile im Grunde ich sich geschlossen. Bei vielen Büchern wüsste ich auch nicht, was ich noch einmal „aufkochen“ sollte, schließlich hat die Hauptfigur eine bestimmte Entwicklung durchgemacht und ist somit am Ende ihrer Geschichte angelangt. Sie noch einmal auf eine Reise zu schicken, würde mir nicht logisch erscheinen. Da bin ich dann doch eher der Einzelband-Fan.

Booksection: Ihr neustes Buch „Schattenauge“, erschienen im März beim Ravensburger-Verlag, ist eine Mischung aus Krimi und Fantastik. Auch ein historischer Touch ist dabei. Mischen Sie die Genres gerne?
Nina Blazon: Ja, sehr gerne. Besonders die Krimielemente finden sich oft auch in meinen historischen Romanen.

Booksection: Was war Ihre Inspiration zu dieser Katzengeschichte?
Nina Blazon: Die Idee stammt aus einem Gespräch mit meiner Lektorin Iris Prael. Sie ist auch Fan von klassischen Horrorfilmen in schwarz-weiß. Und wir mögen beide den Film „Katzenmenschen“ aus dem Jahr 1942. Besonders faszinierend ist darin der Spannungsaufbau – es wird fast nur mit Schatten und Geräuschen gearbeitet. Die Hauptfigur, eine Frau, glaubt unter einem Fluch zu leiden. Sie ist davon überzeugt, sich in einen Panther zu verwandeln, wenn sie wütend wird oder wenn ein Mann sie küsst. Auch der Zuschauer weiß lange nicht, ob sie sich das nur einbildet. Es könnte auch die Geschichte eines Wahns sein. Der Film hat eine ganz besondere Stimmung und wir haben uns überlegt, dass es toll wäre, diese Stimmung in eine moderne Großstadt zu transportieren. Und dass diese Katzenmenschen bzw. „Menschenkatzen“ einfach ein toller Stoff für einen Krimi wären.

Booksection: Ort der Handlung ist ja eine anonyme Stadt. Haben Sie das bewusst so offen gehalten?
Nina Blazon: Ja. Die Geschichte sollte in einer Metropole spielen, in einer Großstadt. Viele Leser erkennen darin übrigens „ihre“ Stadt wieder – Berlin, Frankfurt am Main oder eine amerikanische Großstadt. So erschafft sich jeder „seinen“ Handlungsort im Kopf und ist dadurch noch näher an der Geschichte dran, und genau diesen Effekt wollte ich damit erreichen.

Booksection: „Schattenauge“ hat ein Ende, das durchaus auch eine Fortsetzung beinhalten könnte. Besteht die Hoffnung wieder von den Panthera zu hören?
Nina Blazon: Die Geschichte ist abgeschlossen. Ich neige ein bisschen zu offenen Enden. So kann sich der Leser vorstellen, was aus „seinen“ Figuren wird.

Booksection: Der Buchmarkt unterliegt immer wieder bestimmten Trends. Momentan sind „Vampire“ und „Werwölfe“ in. „Schattenauge“ hebt sich da wohltuend ab. Beeinflussen Sie solche Strömungen bei der Auswahl Ihrer künftigen Projekte?
Nina Blazon: Ich beobachte die Trends natürlich schon. Mit „Totenbraut“ hatte ich ja auch einen Vampirtitel. Allerdings bemühe ich mich schon, noch einen anderen „Dreh“ zu finden. Wenn ich jetzt zum Beispiel seit Längerem einen Werwolf-Plot in der Schublade hätte – nach dem Muster „Schülerin trifft neuen Mitschüler, der sich als Werwolf entpuppt“ – würde ich diese Idee momentan tatsächlich nicht genau in dieser Form verwenden. Aber eventuell würde ich dann eine andere Konstellation einbringen, das Ganze vielleicht in ein anderes Land verlagern und mit den dortigen Mythen verbinden, vielleicht in Afrika oder in Sibirien. Es gibt ja auch Wer-Wesen in anderen Ländern.

Booksection: Haben Sie pro Buch immer eine Lieblingsfigur, einen Charakter, der Ihnen besonders am Herzen liegt? Oder verteilen sich Ihre Sympathien auf alle Figuren?
Nina Blazon: Nein, ich habe schon immer eine Lieblingsfigur und muss dann auch aufpassen, dass ich sie nicht in Watte packe (schmunzelt). In „Schattenauge“ war diese Lieblingsfigur Gil. Er stand mir schon sehr nahe. Deshalb spricht er auch als Ich-Erzähler.

Booksection: Zum Abschluss ein kleiner Ausblick in die Zukunft: Auf was dürfen wir uns von Ihnen als nächstes freuen?
Nina Blazon: Im Genre Fantasy kommt Ende des Jahres der nächste große Titel in die Buchläden. Im Moment trägt er noch den Arbeitstitel „Asche“. Es ist kein direkter Nachfolger von Faunblut, allerdings spielt die Geschichte in derselben Welt. Und auf vielfachen Leserwunsch kommen zwei Figuren aus „Faunblut“ darin wieder vor: Die Jägerin Moira und die geheimnisvolle Lady Mar mit der eisernen Maske. Erscheinen wird der Titel im Dezember 2010 bei cbt Hardcover.

Booksection: Vielen Dank für das Gespräch Frau Blazon.


Biographie:

1969 in Slowenien geboren, wuchs die Autorin und Journalistin Nina Blazon in Bayern auf. Sie studierte Slavistik und Germanistik und war zunächst als Lehrbeauftragte an verschiedenen Universitäten tätig und arbeitete als Texterin in der Werbebranche.

2003 wurde mit „Im Bann des Fluchträgers“ ihr erstes Buch veröffentlicht. Der erste Band der Woran-Saga wurde von den Kritikern begeistert aufgenommen und erhielt den Wolfgang Hohlbein Preis und 2004 den Deutschen Phantastik-Preis. Seither veröffentlicht Nina Blazon im Jugendbuchbereich Bücher der Genres Krimi, Historischer Roman und Fantasy. Masse und Klasse scheint sich bei Nina Blazon keineswegs auszuschließen. Obwohl die Autorin ihre Bücher in kurzen Abständen veröffentlicht, sind sowohl Kritiker als auch Leser gleichbleibend begeistert. Ihre Geschichten leben von guten Ideen, guter Recherche und Figuren, denen man gerne folgt... zur kompletten Biographie-Seite



Bibliographie:

Die Meerland-Chroniken - Die Sturmrufer

Juli 2007, Ueberreuter

Von klein auf träumte Amber, das Mädchen aus den Bergen vom Meer. Nun ist sie in Dantar, der großen Hafenstadt und ihre Träume von einem besseren Leben scheinen sich nicht zu erfüllten. Fremde, die Arbeit suchen, werden hier eher misstrauisch beäugt. Die Küstenstadt wird zudem immer wieder von schweren Stürmen heimgesucht, die den Bewohnern zu schaffen machen. Schnell haben die Stadtbewohner in den magisch begabten Navigatoren die Schuldigen für die Stürme ausgemacht. Regelmäßig bekommen die Galgen vor der Stadt daher Nachschub. Amber lernt durch Zufall den Seiler Inu kennen, der ihr eine erste Arbeit verschafft. Als Ruderin kann sie sich auf einer Rettungsexpedition für verschollene Ladung beweisen. Zusammen mit Inu, der Taucherin Sabin und den Navigator Tanijen macht sie sich auf in die offene See vor Dantar. Doch die zusammengewürfelte Schicksalsgemeinschaft steht unter keinem guten Stern. Inu und Tanijen sind seit dem Winter zerstritten. Sabin verachtet Bergbewohner wie Amber und zu alle dem überrascht sie ein weiterer schwerer Sturm mitten auf dem Meer. Die vier stranden auf einer scheinbar unbewohnten Insel und stoßen hier auf das Geheimnis der geheimnisumwitterten Sturmrufer, unheimliche Kreaturen und die Geister der Vergangenheit. Nur wenn alte Gräben überwunden werden und alle sich auch den Schatten ihrer eigenen Vergangenheit stellen, gibt es die Chance auf ein Entkommen. ... zur Buchkritik


Das Amulett des Dschingis Khan

Januar 2008, Sauerländer

Krystian ist nach dem Überfall der Mongolen auf seine Heimatstadt Krakau knapp mit dem Leben davon gekommen. Sein eigenartiges Mal, das aussieht wie eine Schlange rettete ihm auf geheimnisvolle Weise das Leben. Nun ist er bei Mönchen unter gekommen und hat als einzige Erinnerung an den schrecklichen Tag ein mysteriöses metallenes Abzeichen, das einen Menschen zeigt, der halb Schlange ist. Als Krystian erfährt, dass der Orden plant, einen Abgesandten in die Mongolei zu schicken, setzt er alles daran, auf die Reise mitgenommen zu werden. Dort in den fernen Steppen der Reiterhorden hofft er, endlich hinter das Geheimnis seiner Herkunft zu kommen....zur Buchkritik


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