Interview mit...

...Pierre Grimbert


"Die Magier - Kinder der Ewigkeit"

"Ich schreibe Geschichten, die mir gefallen, in einer Form, die mir beliebt."

Mit Booksection im Gespräch: Pierre Grimbert.

Booksection: Ihre Saga „Le Secret de Ji“, im deutschen unter dem Titel „Die Magier“ erschienen, war Ihr großer Durchbruch als Autor. Die vier Bücher leben von den unterschiedlichen Charakteren der Hauptfiguren. Haben Sie einen speziellen Liebling unter ihnen?
Pierre Grimbert: Nein, ich habe keinen Favoriten unter den Figuren. Anfangs dachte ich, dass Yan mir ans Herz wachsen würde, aber letztendlich fühle ich mich auch Rey und Grygán ähnlich nahe – ein wenig von mir fließt in diese drei Charaktere mit ein. Während sich in den letzten Jahren meine Familie vergrößerte, entdeckte ich einige Parallelen zwischen Bowbaq und mir. Ich hege auch sehr viel Zuneigung zu meinen weiblichen Charakteren. Dennoch fällt es mir schwerer mich mit ihnen zu identifizieren, da ich mich auch als Betrachter von außen dem Universum von Ji annähere. Deshalb nannte ich diese Charaktere nicht zuerst.

Booksection: Ist es Ihnen schwerer gefallen die weiblichen Charaktere zu entwickeln, oder besteht für Sie bei der Figurenentwicklung kein geschlechtlicher Unterschied?
Pierre Grimbert: Ich konnte keine Unterschiede bemerken (zumindest für den Entstehungsprozess der Charaktere). Vor allem erzähle ich eine Geschichte, hier spielt das Geschlecht der Charaktere weniger eine Rolle. Meine Sorge kreiste eher darum, jeder der Figuren eine klar umrissene Persönlichkeit zu geben, eigene Motive und Entwicklungsmöglichkeiten im Verlauf der Geschichte. Dies ist zudem eine meiner bevorzugten Aufgaben im Verlauf der Vorbereitung zu einem neuen Roman.

Booksection: Gab es reale Vorbilder für die wichtigsten Charaktere im Buch oder eventuell auch nur für bestimmte Wesenzüge, und identifizieren Sie sich mit einer Figur besonders?
Pierre Grimbert: Ich ließ mich hierbei weder von wirklichen, noch von fiktiven Personen inspirieren. Hingegen ist viel von meiner Persönlichkeit unweigerlich mit in die Figuren eingeflossen – ihre Denkart und Reaktionsweisen auf Ereignisse. Aber da sie sehr viel heroischer sind als ich, würde ich sagen, dass sie eine Fantasievorstellung widerspiegeln. Eine erhabene Version mancher Vorzüge, die ich gerne selbst hätte oder entwickeln würde.

Booksection: Der düstere Gott Sombre erinnert an die Figur des „Anderen“ aus Tad Williams „Otherland“-Geschichte. Sind andere Fantasy-Geschichten für Sie Inspirationsquelle?
Pierre Grimbert: Ich habe sehr viel Positives von Ted Williams gehört, jedoch keinen seiner Romane gelesen.
Seit ich begonnen habe professionell zu schreiben, beschränke ich in diesem Zusammenhang meine Lektüre von Fantasyromanen ziemlich. Dies tue ich aus verschiedenen Gründen: Zum einen um äußere Einflüsse zu mindern und um mir selbst die Gelegenheit zu geben, die Themen auf meine Weise zu bearbeiten. Des Weiteren vermeide ich damit eine Lektion in Bescheidenheit. Andere Fantasyromane wären durchaus eine Inspirationsquelle, doch versuche ich diese zu vermeiden.

Booksection: Die Fantasy-Literatur erlebt seit ein paar Jahren eine echte Hoch-Phase. Wie schwer ist es da, sich mit seinen Erzählungen von den anderen abzuheben?
Pierre Grimbert: Ich versuche nicht mich in besonderer Weise origineller darzustellen als meine Kollegen. Ich schreibe Geschichten, die mir gefallen, in einer Form, die mir beliebt. Es ist auch diese Offenheit beim Verfassen der Geschichten, die mir ermöglicht hat einige Leser mit „Die Magier“ zu berühren. Außerdem ist es für niemanden ein Geheimnis, dass die Fantasyliteratur immerwährend mit den gleichen Codes und Elementen spielt: Magie, Epen und der Kampf Gut vs. Böse usw. Warum die Leser sich daran nicht erschöpfen? Weil es die älteste Literatur der Welt ist. Sie führt uns zu unseren Stammesursprüngen zurück, als die Vorfahren sich über Jagdgeschichten am Lagerfeuer austauschten. Sie beinhaltet auch Träume aus unseren Kindertagen, als wir an vergrabene Piratenschätze auf dem Hof oder das Monster unter unserem Bett glaubten. Umso besser: es gibt so viele Schriftsteller, die uns woanders hin entführen - auf dass es jeder auf seine Weise tut.

Booksection: Die „Magier- Saga“ wird in Deutschland 2009 mit „Die Krieger“ (im original: Les Enfants de Ji) fortgeführt. Zudem erschien auf dem französischen Markt 2008 „Les gardiens du Ji - La volonté du démon“. Möchten Sie an dieser Stelle etwas über die weiteren Abenteuer von Rey, Lana, Yan und den anderen verraten?
Pierre Grimbert:«Les Gardiens de Ji - La volonté du démon », der dritte Teil von dem Zyklus „Die Krieger“, handelt eigentlich von unterschiedlichen Generationen. Rey, Lana und die anderen sind nicht im Herzstück der Geschichte verankert “), aber es fällt mir schwer präziser zu sein in diesem Punkt, ohne die Handlung zu verraten. Ich hoffe nur, dass das deutsche Publikum, das „Die Magier“ schätzte, auch Gefallen an der Fortsetzung haben wird, wie es der Fall in Frankreich war.

Booksection: Herr Grimbert, vielen Dank für dieses Interview.



Das Interview wurde veröffentlicht am: 20.01.2009 Übersetzung: David Recordon

BOOKSECTION • Im Grütt 1 • 79713 Bad Säckingen