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Interview mit...
...Philipp Schepman
...zu "Die Chroniken von Narnia"
"Nach der Bibel gibt es da nichts mehr!"
Mit Booksection im Gespräch: Schauspieler und Hörbuchsprecher Philipp Schepman.
Booksection: Bei der Vorbereitung zu diesem Interview habe ich gelesen, dass zwei Ihrer großen Hörbuchprojekte die Geschichten aus den Chroniken von Narnia sind und das andere Bibelgeschichten.
Philipp Schepman: (lächelt) Nicht nur Bibelgeschichten, sondern sogar die ganze Bibel.
Booksection: Sind beide Projekte Herzensprojekte? Oder kamen Sie eher zufällig dazu?
Philipp Schepman: Es sind beides wirklich Herzensprojekte. Ich bin selber sehr gläubig und wir hatten früher einen Bibelkreis, oder auch Hauskreis daheim. Auf einer Heimfahrt von Düsseldorf habe ich „Harry Potter“ gehört und bin dann direkt in den Hauskreis reingeschneit und meinte, so etwas Tolles müsste es auch im christlichen Bereich geben. Ein Lehrerehepaar, das auch da war, meinte dann sofort, dass es das doch gibt und zwar „Die Chroniken von Narnia“ und ich solle mir das mal ansehen. Bis dahin kannte ich die Narnia-Geschichten noch gar nicht. Ich habe dann alle Teile gelesen und als wir das nächste Mal darüber sprachen, meinten sie, ich könne das doch als Hörbuch aufnehmen. Ich meinte dann, dass das ja wohl nicht so einfach läuft. Man braucht ja einen Verlag für die Vermarktung. Nur im stillen Kämmerlein bringt das ja nichts. „Ruf doch da einfach mal an“, meinten sie dann.
Booksection: Das hört sich ja wirklich alles ganz einfach an.
Philipp Schepman: Genau (ironisch). Ich rufe einfach mal bei verschiedenen Verlagen an und sage, ich möchte das und das Buch aufnehmen. So läuft das ja wirklich nicht, normalerweise. Aber so habe ich es dann echt versucht. Ich weiß gar nicht, wo ich zuerst angerufen habe. Ich hatte zur gleichen Zeit auch schon überlegt, etwas mit der Bibel zu machen - also habe ich bei der Deutschen Bibelgesellschaft und beim Brendow-Verlag angerufen. Bei beiden habe ich offene Türen eingerannt.
Booksection: So muss das doch laufen.
Philipp Schepman: Ja genau. Beim Brendow-Verlag hatte ich zwar nicht gleich den richtigen Ansprechpartner, sondern die Druckerei, aber die haben gleich geschaltet und mich ans Lektorat verwiesen, an Frau Janßen, zu der ich gleich einen guten Draht hatte. Bei der Bibelgesellschaft lief es ähnlich.
Booksection: War das Ihre erste Hörbucharbeit?
Philipp Schepman: Nein, nein. Ich habe vorher schon einige Hörbucher aufgenommen.
Booksection: Haben Sie eine Lieblingsgeschichte auf den Chroniken von Narnia, oder ist es für Sie eher ein Gesamtwerk, wo man keine bestimmte Episode herausgreifen kann?
Philipp Schepman: Es ist schon ein Gesamtwerk, aber ganz lustig fand ich das mit dem sprechenden Pferd Bree, das ist glaube ich der dritte Teil „Der Ritt nach Narnia“. Das Ende finde ich auch klasse. Für Kinder die Apokalypse sehr hoffnungsvoll dargestellt. Das finde ich wirklich genial, obwohl viele sagen: "Das ist doch so düster". Mich berührt dieses Hoffnungsfrohe, was da durchschimmert. In der Bibel ist die Offenbarung sehr dicht, ja undurchdringlich, hier gibt es eine spannende, sehr klare kindliche Variante.
Booksection: C.S. Lewis war ja ein Weggefährte von J. R. R: Tolkien, wobei dessen Werke wie „Der Herr der Ringe“ oder auch „Der kleine Hobbit“ nicht so christlich geprägt sind. Lesen Sie Tolkiens Bücher auch gerne oder ist Ihnen Narnia lieber?
Philipp Schepman: Ich habe früher als Kind Tolkien angeboten bekommen, von meinen Eltern. Ich habe das nie gelesen, auch „Der kleine Hobbit“ nicht. Das hat mich damals nicht so interessiert. Ich weiß nicht, ob heute vielleicht. Man müsste es wirklich noch einmal lesen.
Booksection: Wie gefallen Ihnen die Narnia-Verfilmungen?
Philipp Schepman: Sehr gut.
Booksection: Denken Sie die Bücher sind gut getroffen?
Philipp Schepman: Ja. Klar muss man immer ein bisschen was verändern, umstellen und kürzen für einen Film. Dennoch finde ich beide Verfilmungen ganz toll. Einige Rezensenten fanden gerade den zweiten Teil wohl nicht so gut, mir hat er jedoch sehr gut gefallen.
Booksection: Auf der Buchmesse ist das E-Book auch ein großes Thema.
Philipp Schepman: Was ist ein E-Book?
Booksection: Es soll jetzt das Buch ablösen, haben wir uns sagen lassen. Wobei wir glauben, dass das doch eher nicht passieren wird.
Philipp Schepman: Das wollen wir auch hoffen. Das funktioniert dann also, wie bei einem Organiser?
Booksection: Genau, so kann man mehrere Bücher auf einmal mitnehmen. Auch Hörbücher haben einen immer größeren Markt. Denken Sie, diese elektronischen Speichermedien werden irgendwann einmal das Buch ersetzen?
Philipp Schepman: Hörbücher sind im Verhältnis zu einem Taschenbuch immer noch sehr teuer. Allein die ganze Aufnahmearbeit, die dort drinsteckt, und dann die kleinere Auflage. Ich kann mir nicht vorstellen, dass die Bücher abgelöst werden. Momentan gibt es bei den Hörbüchern ja auch eher wieder einen Rückgang.
Booksection: Hören Sie lieber Bücher oder lesen Sie sie lieber?
Philipp Schepman: Beides ist irgendwie ein anderes Erlebnis. Ich höre gerne, aber ich lese auch sehr gerne. Im Moment komme ich nur nicht so viel zum Bücherlesen wie ich gern würde.
Booksection: Sie sprechen ihre Hörbücher immer alleine ein?
Philipp Schepman: Nein, nicht immer.
Booksection: Aber bei Narnia sprechen doch ausschließlich Sie?
Philipp Schepman: Ja genau. Es gibt ja die Unterscheidung zwischen Hörspiel und Hörbuch. Ein Hörspiel wird mit mehreren Sprechern aufgenommen. Hier habe ich auch schon bei vielen Projekten mitgewirkt. Da hat man dann eben seine Rolle oder ist der Erzähler.
Booksection: Ist es angenehmer alles alleine einzusprechen? Oder kann man das mit der Arbeit in einem Ensemble gar nicht so vergleichen?
Philipp Schepman: Es hat beides seine Vorzüge. Bei den Hörspielen ist es leider manchmal so wie im Film. Da wird die Fantasie schon so festgelegt durch die ganzen verschiedenen Rollen, dass man da gar nicht so eintauchen kann. Zumindest geht es mir so. Aber wenn mir jemand etwas erzählt, dann entwickelt sich trotzdem eine eigene Fantasie. Auch wenn, wie im Beispiel von „Harry Potter“, Rufus Beck die Stimme so stark verstellt, dass es schon Comic ist. Das passt in diesem Fall aber auch zu dem Metier. Trotzdem ist da der Erzählfluss und dann läuft meine Fantasie auch ganz anders ab.
Booksection: Es ist dann eher wie wenn jemand einem die Geschichte vorliest?
Philipp Schepman: Ja, genau. Mich hat einmal jemand nach den Kriterien für ein gutes Hörbuch gefragt. Das finde ich schwierig zu beantworten, weil das individuell unterschiedlich sein kann. Ich finde jedoch ein guter Sprecher gehört immer dazu.
Booksection: Muss man die Arbeit als Hörbuchsprecher extra einüben oder ist das auch Teil der Schauspielerausbildung und als Schauspieler ist man automatisch auch ein guter Sprecher?
Philipp Schepman: Nein, das glaube ich nicht. Ich denke, dass ist schon ein bisschen getrennt. Es gibt viele gute Schauspieler, die nicht so gute Sprecher sind.
Booksection: Die Stimme kommt eben auch noch dazu. Nicht jeder Schauspieler hat eine gute Stimme.
Philipp Schepman: Ja, aber was heißt gute Stimme? Gehe ich zum HNO-Arzt, sagt der mir "Oh! Das sieht aber gar nicht gut aus!". Als ich meine Aufnahmeprüfung an der Schauspielschule gemacht hab, hat mir mein HNO-Arzt gesagt, dass ich mir das noch mal überlegen soll. Er wusste nicht, ob meine Stimme das mitmacht. Viel zu verhaucht und viel zu was weiß ich…..ja und im Moment stehen da Leute drauf. Christian Brückner finde ich auch immer ganz toll.
Booksection: Das ist die Stimme von Robert De Niro.
Philipp Schepman: Genau, und der hat ja auch eine Stimme, wo manche schon gesagt haben, die ist kaputt. Aber ich finde, sie spricht irgendetwas in einem an.
Booksection: In jedem Fall ist es eine sehr markante Stimme mit hohem Wiedererkennungswert.
Philipp Schepman: Allerdings!
Booksection: Haben Sie noch Projekte, die sie unbedingt noch verwirklichen wollen?
Philipp Schepman: (lacht) Sie meinen bevor ich sterbe?
Booksection: Nein! Doch eher kurz bis mittelfristig? So etwas aus der Schublade, wo Sie wieder einmal einfach einen Verlag anrufen möchten?
Philipp Schepman: Nein, nach der Bibel gibt es da nichts mehr. (lacht)
Das Interview wurde veröffentlicht am: 15.10.2008