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Booksection.de unterstützt PETA
Interview mit...
...Petra Schier
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Kritik "Der gläserne Schrein"
"Ich möchte auf keinen Fall irgendeinen „Einheitsbrei“ verfassen."
Mit Booksection im Gespräch: Romanautorin Petra Schier.
Booksection.de: Im April 2010 ist Ihr neuester historischer
Roman „Der gläserne Schrein“ erschienen – als zweiter
Teil einer Trilogie. Die Geschichte um Marysa ist in Aachen angesiedelt. Verbinden
Sie etwas Besonderes mit dieser Stadt oder stellt sie einfach einen guten Schauplatz
dar?
Petra Schier: Sie stellt einen hervorragenden Schauplatz dar.
Aachen ist voll von interessanter Historie – und außerdem ist die
Quellenlage ausgezeichnet. Für meine Recherchen ist das ja ausgesprochen
wichtig. Dass Aachen der Schauplatz dieser Trilogie geworden ist, war allerdings
ein Zufall. Ich habe ursprünglich einfach ein wenig im Internet nach Anregungen
allgemein gesucht und bin zufällig auf die Seite des Aachener Domes gestoßen,
auf der damals gerade über die Heiligtumsfahrt von 2007 berichtet wurde.
Das machte mich neugierig, und da ich ja vorhatte, etwas über Reliquien
zu schreiben, passte alles wunderbar zusammen.
Booksection.de: Die Recherche für einen historischen
Roman ist sicher langwierig und umfangreich, und bevor mit dem Schreiben begonnen
werden kann, muss viel Vorarbeit geleistet werden. Wie viel Zeit nahm dieser
Teil in Bezug auf „Der gläserne Schrein“ in Anspruch?
Petra Schier: Das lässt sich so pauschal gar nicht beantworten,
denn da dies der zweite Teil der Trilogie ist, hatte ich für Teil eins
ja bereits sehr viel Grundlagenrecherche betrieben. Für den zweiten Teil
musste ich daher fast nur spezielle Details recherchieren, die mit dem Dom bzw.
der Dombaustelle und meinem Plot zu tun hatten. Nimmt man die Grundlagenrecherche
hinzu, kommt man vermutlich auf etwa ein halbes bis dreiviertel Jahr an Recherchezeit.
Booksection.de: Es scheint so, als würden Sie es bevorzugen,
Buchreihen zu schreiben. Nicht nur die Geschichte um Marysa wird in mehreren
Bänden erzählt, sondern auch die der Apothekerstochter Adelina. Haben
Sie Ihre Figuren gern etwas länger um sich als über die Länge
eines Buches?
Petra Schier: Ja, das ist wohl so. Natürlich mag ich
meine Figuren und bleibe, wenn es sich einrichten lässt, etwas länger
in ihrem Leben. Dass ich angefangen habe, Buchreihen zu schreiben, hat aber
eigentlich einen anderen Grund. Der erste Adelina-Roman, „Tod im Beginenhaus“
war ursprünglich als Einzeltitel von mir geplant. Nachdem er sich aber
sehr erfolgreich verkaufte (und das noch immer tut), fragte der Verlag mich,
ob ich nicht eine Fortsetzung schreiben wolle. Das tat ich und beschloss dann,
eine Trilogie daraus zu machen. Nach „Verrat im Zunfthaus“ war dann
erst einmal Schluss – dachte ich. Nun waren es aber meine Leserinnen und
Leser, die mich bestürmten, ich möge doch bitte unbedingt die Reihe
fortsetzen. Da der Verlag einverstanden war, wird nun in diesem Jahr der vierte
Adelina Roman erscheinen (und nicht der letzte bleiben). Zwischen dem dritten
und vierten Teil habe ich dann aber den Schauplatz kurzfristig gewechselt, weil
ich einfach mal „andere Luft schnuppern“ wollte. Wenn man sich zu
lange mit den gleichen Figuren und Schauplätzen beschäftigt, hat man
doch auch irgendwann einmal genug davon und die Luft ist raus.
Die Aachen-Trilogie war von Beginn an als solche geplant und wird auch ganz
sicher keinen vierten Band erhalten. Ich habe die Geschichte über drei
Bücher verteilt, weil die Entwicklung der Personen und ihre Beziehungen
zueinander sich nicht innerhalb eines einzelnen Buches erzählen lassen
– es sei denn, dieses Buch hätte dann rund 1000 Seiten.
Booksection.de: Nicht nur in „Der gläserne Schrein“,
sondern auch im ersten Teil der Trilogie löst Marysa einen Kriminalfall
und ist umgeben von dubiosen Machenschaften. Sind Sie selbst Krimiliebhaberin?
Petra Schier: Nein, ganz ehrlich, das bin ich nicht. Ich lese
so gut wie gar keine Krimis, wenn ich nicht dazu gezwungen werde. Halt, doch,
die historischen Krimis von Andrea Schacht und Helga Glaesener liebe ich. Und
hin und wieder finde ich auch anderswo noch den einen oder anderen historischen
Krimi, der mir gefällt. Aber ansonsten ist bei mir privat eher eine krimifreie
Zone. Ich wollte auch nie Krimis schreiben, bin da eher so hineingerutscht.
Ganz sicher werde ich auch nur bei den historischen Krimis bleiben, an zeitgenössische
möchte ich mich lieber nicht wagen, denn dazu fehlen mir einfach ein paar
Grundvoraussetzungen und Kenntnisse.
Booksection.de: Neben besagten Krimielementen dürfen
in „Der gläserne Schrein“ auch die Historie und eine Liebesgeschichte
nicht fehlen. Ist es für Sie von Bedeutung, dem Leser in Bezug auf das
Genre viel Abwechslung zu bieten?
Petra Schier: Natürlich ist es das. Ich möchte auf
keinen Fall irgendeinen „Einheitsbrei“ verfassen. Jedes meiner Bücher
soll zwar erkennbar von mir sein, aber dennoch meine Leserinnen und Leser überraschen
– auf die eine oder andere Weise.
So finden die unterschiedlichsten Menschen Gefallen an meinen Büchern:
Die einen lesen sie wegen der interessanten Historie, die anderen wegen der
Verwicklungen um die Figuren (und deren Liebesgeschichten) und wieder andere
greifen in der Buchhandlung nach meinen Büchern, weil sie auf dem Tisch
mit den historischen Krimis liegen. Für die meisten dürften es alle
drei Faktoren zusammen sein.
Ein guter Bekannter hat mir einmal im Scherz gesagt, ich würde immer so
viele verschiedene Geschichten in ein Buch packen, dass andere Autoren daraus
vermutlich vier oder fünf Bücher gemacht hätten. Damit hat er
vielleicht recht, aber im wahren Leben geschehen die Dinge ja auch nicht säuberlich
hintereinander, sondern überschneiden oder verwickeln sich. Und so geschieht
es eben auch meinen Figuren. Sie finden nicht bloß eine Leiche (vereinfacht
gesprochen) und haben fortan nichts anderes mehr zu tun, als den Mörder
zu finden. Nein, sie haben auch noch einen Beruf, eine Familie, ein Privatleben,
eine Vergangenheit, Träume, Wünsche, Querelen mit den Nachbarn oder
einem Konkurrenten usw. Ich finde es spannend und wichtig, meine Figuren zu
zeichnen, wie sie sind: aus Fleisch und Blut. Und ich denke und hoffe, meine
Leserinnen und Leser wissen das zu schätzen.
Booksection.de: Sie sagten einmal in einem Interview, dass
Sie schon alle möglichen Gattungen ausprobiert haben – von Märchen
und Kurzgeschichten bis hin zur Satire. Was gefällt Ihnen am Genre des
historischen Romans, auf das Sie sich jetzt konzentrieren?
Petra Schier: Zunächst einmal ist es die Möglichkeit,
in eine fremde, längst vergangene Zeit und Welt einzutauchen und wieder
zu erwecken; zu vermitteln, wie die Menschen damals gelebt und gefühlt
haben. Aber auch, Parallelen zu unserer Welt heute zu finden und zu verdeutlichen,
dass sich vielleicht die Voraussetzungen und (gesellschaftlichen) Umstände
geändert haben, die Menschen in all ihren Facetten jedoch nicht.
Booksection.de: Wie wichtig sind Ihnen ihre Leser und deren
Feedbacks zu Ihren Büchern?
Petra Schier: Meine Leserinnen und Leser sind für mich
dich wichtigsten Menschen überhaupt (mal abgesehen von meiner Familie und
meinen Freunden). Für sie schreibe ich ja schließlich meine Bücher.
Feedback nehme ich immer sehr gerne entgegen, sei es auf Lesungen, in Rezensionen,
in Leserunden, Foren oder auch ganz einfach per Email an mich. Ich bemühe
mich auch, konstruktives Feedback umzusetzen, so habe ich inzwischen auf Anregungen
vieler Leser mehr Hintergrundinformationen in meine Bücher gepackt, wie
Stadtkarten, Glossare historischer Begriffe, Personenlisten und vieles mehr.
Und darüber hinaus liebe ich es einfach, mit meinen Lesern zu kommunizieren,
ihre Leseeindrücke aber auch Wünsche zu erfahren und – soweit
möglich – in meinen Büchern umzusetzen.
Booksection.de: „Das silberne Zeichen“ - der letzte
Teil um die Reliquienhändlerin Marysa - soll im April 2011 erscheinen.
Worauf dürfen wir da gespannt sein?
Petra Schier: Nun, auf Marysa und Christophorus natürlich,
die – wie soll es auch anders sein – in ganz fürchterliche
Ereignisse verwickelt werden. Auch ein paar Leichen wird es geben und außerdem
Hass, Verzweiflung aber auch Mut und – Liebe.
Booksection.de: Vielen herzlichen Dank, dass Sie sich die Zeit
für dieses Interview genommen haben!
Das Interview durch Karolin Kullmann geführt. Veröffentlicht und freigegeben vom Autor am 29.04.2010