Interview mit...

...Petra Schier


...zu "Die Stadt der Heiligen"

"Manchmal hatte ich das Gefühl, selbst eine Doktorarbeit zu schreiben."

Mit Booksection im Gespräch: Petra Schier.

Booksection: Sie haben Geschichte und Literatur studiert. Da liegt es nahe, sich bei den historischen Romanen anzusiedeln. Doch auch im Bereich der Kinderliteratur und Weihnachtsgeschichten sind Sie schriftstellerisch tätig. Wie kommt es zu dieser Mischung? Ist es nicht schwierig zwischen den verschiedenen Genres zu wechseln?
Petra Schier: Auf die Idee mit den Weihnachtsromanen hat mein Agent mich gebracht, der zusammen mit dem Verlag Rütten & Loening jemanden suchte, der gerne Weihnachtsgeschichten mit Hunden schreiben wollte. Da ich sowohl Weihnachten als auch Hunde liebe, war ich sofort von dieser Idee angetan und schreibe dieses Jahr nun schon den dritten Weihnachts-Hunderoman. Zu den Kinderbüchern bin ich über meine Lektoratstätigkeit für den Verlag Eifelkrone Musik & Buch gekommen. Dort arbeitet man schon lange sehr erfolgreich mit großen Verlagen in der Manuskripterstellung zusammen. Ich habe es ausprobiert und festgestellt, dass mir das Schreiben dieser Kinder-(Bilder-)Bücher Spaß macht.
Gleichzeitig kann ich allerdings nicht in den verschiedenen Genres schreiben. Es ist nämlich anstrengend, zwischen den unterschiedlichen Anforderungen, die jedes Genre stellt, hin und her zu schalten. Doch angenehm empfinde ich es, die verschiedenartigen Projekte nacheinander anzugehen – immer im Wechsel. So bleiben Ermüdungserscheinungen in einem einzelnen Genre aus.

Booksection: Das Schreiben von Büchern ist nicht ihr einziger Beruf, Sie arbeiten gleichzeitig als Lektorin. Ist das eher von Vor - oder von Nachteil für die Arbeit als Schriftstellerin?
Petra Schier: In meinem Fall eher von Vorteil, da ich beide Seiten der Verlagswelt kenne. Ich weiß sowohl um die Schwierigkeiten und Probleme der Autoren als auch um jene des Lektorats, kann mich also in meine Lektoren sehr gut hineinversetzen und kenne auch die Abläufe in einem Verlag sehr gut, da ich ja mehr hinter die Kulissen schauen kann als manch andere Autoren.

Booksection: Mit “Die Stadt der Heiligen” ist gerade Ihr neuster historischer Roman erschienen, der seinen Schauplatz in Aachen hat. Wie sah die Recherche zum Werk aus? War die ausschließlich literarischer Natur oder waren Sie auch vor Ort?
Petra Schier: Selbstverständlich war ich auch vor Ort. Aachen lässt sich ja glücklicherweise recht einfach erreichen und ist – auch ohne einen Roman darüber schreiben zu wollen – allemal einen Besuch wert. Ich besuche die Orte, an denen meine Handlung spielt, wenn irgend möglich immer persönlich. So bekomme ich ein besseres Gefühl für die Atmosphäre, die Bauwerke, Entfernungen uvm.
Ich gebe aber zu, dass die Recherche in Bibliotheken, Archiven etc. den wesentlich größeren Anteil ausmachte. Für „Die Stadt der Heiligen“ habe ich unzählige Originalquellen, Doktorarbeiten und anderweitige Sekundärliteratur gewälzt. Manchmal hatte ich das Gefühl, selbst eine Doktorarbeit zu schreiben. Die Quellenlage gerade zu den Themen, mit denen ich mich in meinem Roman beschäftige, insbesondere zum Dom und der Heiligtumsfahrt, ist jedoch so gut, dass es auch eine Freude war, die vielen Details zusammenzutragen und wie ein Mosaik zusammenzusetzen.

Booksection: Woher nahmen Sie die Inspiration zu den Figuren Ihres neuen Romans? Gibt es echte Vorbilder für die eigensinnige Marysa, ihren störrischen Gatten Reinhold oder Bruder Christophorus, dessen Geheimnis bis zur letzten Seite gewahrt bleibt?
Petra Schier: Vorbilder gibt es nicht wirklich. Ich wollte schon immer mal über einen Ablasshändler schreiben – und die Idee, aus meiner Protagonistin eine Reliquienhändlerin zu machen, kam mir bei der Lektüre diverser anderer historischer Romane. Es ist auch nicht so, dass ich bewusst lebende Menschen aus meinem Bekanntenkreis als Vorbilder nehme. Viel eher setze ich meine Figuren aus der Vielzahl möglicher Chrarakterfacetten zusammen und schaue dann zu, wie sie sich entwickeln.

Booksection: Derzeit gibt es eine unüberschaubare Anzahl historischer Romane auf dem Buchmarkt. Wie schwer ist es als Autorin, sich neben der Konkurrenz zu behaupten und noch Themen zu finden, die Ihre Leser fesseln?
Petra Schier: Sicherlich gibt es eine riesige und stetig wachsende Menge historischer Romane. Diese sehe ich aber nicht wirklich als Konkurrenz. Dazu kenne und schätze ich mittlerweile viele meiner Kollegen zu sehr. Themen zu finden, ist gar nicht so schwer, denn allein auf deutschem Boden gibt es so viel Geschichte und Geschichten, gerade auch, wenn man sich die Zeit nimmt, ein bisschen abseits der ausgetretenen Pfade zu wandeln, dass uns Autoren schwerlich die Ideen ausgehen sollten. Ob diese die Leser dann auch fesseln, liegt aber nur bis zu einem gewissen Grad in unserer Hand. Ich kann mich bemühen, eine Geschichte, die mir vorschwebt, auf die beste und spannendste Weise zu erzählen – gerade so, wie ich sie selbst gerne lesen würde. Ob sich die Leser dann auch so davon gefangen nehmen lassen und so begeistert sind, wie ich mir das vorgestellt habe, bleibt immer auch ein Glückspiel.

Booksection: Hat man, wenn man schon beruflich so viel mit Büchern arbeitet, noch Zeit und Lust, privat einen Roman zur Hand zu nehmen? Und wenn ja, welches Genre bzw. welchen Autor bevorzugen Sie?
Petra Schier: Ich lese privat immer noch sehr gerne, aber wesentlich weniger und auch ausgewählter als zu Zeiten, da ich noch nicht selbst als Autorin gearbeitet habe. Immer noch lese ich selbst gerne historische Romane, besonders gerne die von Helga Glaesener und Andrea Schacht. Aber auch viele viele andere, die zu nennen hier den Rahmen sprengen würde. Daneben liebe ich die Romane von Nora Roberts, jedenfalls die etwas umfangreicheren und auch tiefgründigeren, von denen es mittlerweile weit über dreißig gibt.
Außerdem bin ich bekennender Jane Austen Fan, natürlich im englischen Original.

Booksection: “Die Stadt der Heiligen” ist der Auftakt zu einer neuen Trilogie. Verraten Sie ihren Fans schon etwas über den Nachfolgeband?
Petra Schier: Viel darf ich noch nicht sagen. Der Titel lautet voraussichtlich „Der gläserne Schrein“, der Roman wird im Jahr 1414 spielen, in jenem Jahr, in dem die Chorhalle des Aachener Doms nach rund 60jähriger Bauzeit eingeweiht wurde. Und natürlich werden die Leser in Aachen neben Marysa und ihrer Familie auch anderen alten Bekannten wiederbegegnen …
Der Roman wird wahrscheinlich im Frühjahr 2010 erscheinen, aber wem das zu lange dauert – im Oktober 2009 erscheint ja zunächst einmal noch ein ganz anderer historischer Roman von mir: „Die Eifelgräfin“

Booksection: Wir bedanken uns herzlich für dieses Interview!



Das Interview wurde veröffentlicht am: 01.04.2009