Interview mit Odile Kennel

"Ich habe kein klares visuelles Bild von meinen Figuren, sondern eine Art inneres Bild,  ein Blick durch die Augen der Figur nach außen."

Odile Kennel erzählt im Interview über ihren aktuellen Roman "Mit Blick auf See", das Verhältnis der Deutschen zum Deutschen Herbst und die Rolle von Autorinnen auf dem deutschen Literaturmarkt.

Ihr Roman "Mit Blick auf See" beginnt zunächst wie ein Thriller, in dem ein junger, unbekannter Mann auftaucht und behauptet, die Protagonistin, die allein in einem einsamen Haus am See lebt, zu kennen. Haben Sie hier bewusst ein wenig die Genregrenzen gesprengt? Interessanterweise haben mir schon mehrere Leser gesagt, dass sie zunächst an einen Thriller gedacht haben, aber das hatte ich so überhaupt nicht beabsichtigt. Manchmal denke ich darüber nach, vielleicht mal einen Krimi unter anderem Namen zu schreiben. Aber ich glaube, diese ganzen Details, die zu einem Krimi gehören, könnte ich so gar nicht leisten, obwohl ich schon ab und zu auch mal einen Krimi lese. Thriller gehören allerdings gar nicht zu meinem Leserepertoire. In Frankreich arbeitet man viel mit diesen unterschiedlichen Genres, mit Western oder ähnlichem, also habe ich das jetzt eben auch mal gemacht, aber nicht bewusst. (lacht)

Je länger wir Béatrices Geschichte folgen, desto mehr verunsichert uns die Unverlässlichkeit der Erinnerungen dieser Figur. Was fasziniert Sie an dieser Thematik? Erinnerung war ja auch schon in meinem letzten Buch ein zentrales Thema. Man hat nur diesen Moment, in dem man lebt, und der ist dann auch schon wieder vorbei. Das Leben besteht sozusagen zum größten Teil aus Erinnerung, und die Zukunft kennt man nicht. Insofern ist es nicht erstaunlich, dass dieses Thema faszinierend ist. Der andere Aspekt ist, dass es die Vergangenheit in diesem Sinne nicht gibt, sie existiert nur durch das, was wir erinnern. Es gibt vielleicht noch einzelne Beweisstücke, aber als Narrativ existiert die Vergangenheit nicht. Wir erfinden sie quasi jedes Mal neu, und das müssen wir auch tun, weil wir uns ja gar nicht an alles erinnern können, denn dann würden wir ja komplett wahnsinnig werden. Wir arbeiten an unserer Erinnerung letztlich wie ein Romanschriftsteller, der sich ja auch nur Teile der Realität aussucht und die dann in einen Narrativ bringt. Genau das macht man letztlich auch mit seiner Erinnerung, und dabei ist es für einen selber wichtig, einen roten Faden zu haben, egal ob der nun existiert oder nicht. Insofern ist das ein verwandter Prozess und bietet sich deshalb auch an, weshalb es bestimmt kein Zufall ist, dass das für Autoren so oft ein Thema ist. Wenn man die Augen zumacht und sich erinnert, hat man ja oft das Gefühl, noch ganz in einem vergangenen Augenblick zu sein und das auch körperlich zu spüren, aber beweisen kann das keiner.

Manchmal meinen wir ja auch, uns an Dinge erinnern zu können, obwohl die so gar nie stattgefunden haben, was wiederum zeigt, wie unzuverlässig unsere Erinnerung sein kann. Vielleicht ist es ja auch die ganz besondere Freiheit des Menschen, sich die eigene Erinnerung zurechtzuformen? Ja, irgendwo müssen wir das sogar, weil wir die Widersprüchlichkeiten des Lebens nicht aushalten können. So bringen wir die Dinge in eine gewisse Ordnung, damit sie irgendwo Sinn ergeben, denn manchmal ergibt es einfach keinen Sinn.

Im Verlauf der Geschichte wird immer klarer, dass Béatrice, die für ein Buchprojekt gerade Zeitzeugen des Deutschen Herbstes befragt, selber mit den Ereignissen um die RAF und den Baader-Meinhof-Komplex verbunden ist. Wie gut können Sie selber sich noch an die damaligen Ereignisse erinnern? 1977 war ich zehn Jahre alt. Aber wir sind heute immer auf diesen "Herbst" fokussiert, der ja nicht mal ein Herbst war, sondern vielmehr im April begann. Zudem spricht man auch immer nur von drei Personen, Baader, Meinhof, Ensslin, als hätten nicht viel mehr Personen zur RAF gehört, als seien sie aus der Gesellschaft, in der sie agiert haben, herauslösbar. Schon an Raspe, der ja in der "Todesnacht von Stammheim" ebenfalls tot aufgefunden wurde, erinnert sich kaum einer, also der Name ist, würde ich sagen, im kollektiven Gedächtnis nicht hängen geblieben. An die einzelnen Ereignisse des Deutschen Herbstes habe ich keine Erinnerung, wir hatten zuhause keinen Fernseher. Das war ja damals das erste Ereignis, was sich quasi in den deutschen Wohnzimmern abgespielt hat. Ich erinnere mich aber an Artikel in der Zeitung, an Bilder und vor allem an diese Atmosphäre. Das hat ja mit dem Selbstmord im Oktober 1977 nicht aufgehört, und als ich mich Anfang der 80er zu politisieren begann, war das irrsinnige Misstrauen, teilweise sogar der Hass gegen alles, was anders war, noch immer da. Ich wiederum bin mit einem großen Misstrauen gegen den Staat aufgewachsen, diese Dynamiken haben 1977 nicht einfach aufgehört, und insofern fühle ich mich davon noch immer geprägt. Ich bin auf dem Dorf mit dieser ganzen Spießigkeit groß geworden, die ich damals gespürt habe, auch wenn ich das Wort vermutlich noch gar nicht kannte. Wer anders war, bedrohte den Status Quo, den schönen Wohlstand, der sozusagen auf dem Schweigen der NS-Gesellschaft fußte. Ich stand vor diesen Fahndungsplakaten, die mich fasziniert haben, weil mich Fotos von Menschen schon als Kind faszinierten. Diese Plakate waren damals überall präsent, die hingen ja sogar in den Schulen, und das muss man sich mal vorstellen: Minderjährige Kinder wurden zur Denunziation aufgefordert! Alleine das sagt schon viel aus über die Atmosphäre damals.

An diese Plakate kann ich mich auch noch ganz stark erinnern, aber während der Lektüre Ihres Romans fragte ich mich schon, an was ich mich sonst noch erinnern kann. Da wurde mir bewusst, dass ich viel mehr über das Dritte Reich weiß, als über die Ereignisse rund um die RAF. Im Schulunterricht wurde damals kaum über dieses Thema diskutiert. War es Ihnen beim Schreiben Ihres Romans auch ein Anliegen, diese Ereignisse um den Deutschen Herbst wieder mehr in unser Gedächtnis zu holen? Ich glaube nicht, dass ich mit einer solchen Mission schreiben würde. Aber ich würde nicht über ein Thema schreiben, über das ich schon alles weiß, ich suche mir vielmehr Themen, die mich interessieren, bei denen aber Leerstellen für mich existieren, und diesen Leerstellen versuche ich mich zu nähern. Ich kreise immer um Leerstellen, an die man nicht so richtig herankommt. Deshalb habe ich ja auch Leute befragt, die den "Deutschen Herbst" von außen betrachten, weil sie zu jung waren, in der DDR gelebt haben oder als Ausländer in der BRD. Und es geht mir darum, mich mit den Themen noch einmal intensiver auseinanderzusetzen. Letztlich ist das Schreiben eines Romans so ähnlich wie eine Übersetzung, wo man sich mit einem Thema ganz anders auseinandersetzt, als man es sonst tun würde. Dieses Thema ist so etwas Prägendes für die westdeutsche Geschichte, aber ich habe immer noch das Gefühl, dass das Entscheidende, nämlich was das mit dieser Post-NS-Gesellschaft zu tun hatte, im offiziellen Diskurs immer noch vermieden wird. Es ist ja kein Zufall, dass ausgerechnet in Deutschland, Italien und Japan, also den Achsenmächten, diese linke, militante Bewegung besonders stark war, und natürlich hat das für Deutschland in dieser speziellen Heftigkeit etwas mit dem NS zu tun. Aber es wird so abgehandelt als wäre es ein "Event" gewesen, das mit der restlichen Gesellschaft nichts zu tun hat. Auch nicht mit dem, wie sich der Staat verhalten hat. Der hat sich auch nie entschuldigt oder eigene Verstrickung anerkannt, angefangen mit dem Schah-Besuch 1967. Und auf der anderen Seite das beharrliche Schweigen, das ja auch Tradition hat in diesem Land.

Es gab also keine Aufarbeitung vonseiten der Hauptprotagonisten. Nein, und ich finde, das hat durchaus auch noch etwas mit der Gegenwart zu tun. Ab 1978 hat sich politisches Handeln dann in die unterschiedlichen Partikularinteressen aufgeteilt, was nachvollziehbar und völlig berechtigt war, aber mir kommt es auch vor, als sei man erleichtert gewesen, den Absolutheitsanspruch, die ganze Welt ändern zu wollen, aufzugeben und sich auf konkretere Ziele zu konzentrieren. Man müsste das heute wieder in einer linken Bewegung sammeln. Insofern hat diese Zeit immer noch Folgen für heute.

Vor allem die Sequenzen, in denen Béatrice Zeitzeugen des Deutschen Herbstes befragt, empfand ich als sehr spannend und intensiv, weil sie doch deutlich machen, wie unterschiedlich und individuell Erinnerungen sind. Wie haben Sie dazu recherchiert? Ich habe keine Interviews geführt, sondern mit Leuten gesprochen, die ich kenne. Ich habe auch nicht mitgeschrieben, sondern die Gespräche danach aus dem Gedächtnis rekonstruiert, habe also das Gedächtnis als Fiktionalisierungsmaschine verwendet. Diesen Aspekt finde ich sehr interessant, denn Dokumentation im Sinne von "objektiv" gibt es ja auch nicht wirklich, sie ist nur ein Ausschnitt und insofern bereits eine Fiktionalisierung. Ansonsten habe ich unglaublich viel zu dem Thema gelesen und war in der RAF-Ausstellung in Stuttgart, die ich allerdings sehr fragwürdig fand. 

Haben Sie die Erfahrung gemacht, dass die Leute gerne mit Ihnen über Ihre Erinnerungen gesprochen haben? Die ganz Jungen konnten so gar nichts damit anfangen, das kommt ja auch am Anfang meines Buches zum Ausdruck. Aber die meisten haben gerne darüber gesprochen. Ich bekomme jetzt häufig Reaktionen auf diese Interviews, und da sagen mir die Leser, dass sie nach der Lektüre meines Buches begonnen haben, sich selbst wieder zu erinnern. Ich glaube, die Form des Gesprächsprotokolls ist deshalb so interessant, weil sich in dem, was "normale" Leute erzählen, die eigene Geschichte spiegelt, anders gesagt, dass sich die Große Geschichte im Kleinen, Alltäglichen wiederfindet.

Béatrice lässt das Großstadtleben hinter sich und kehrt quasi zurück in die Provinz, weil sie zufällig auf eine alte Mühle stößt, in die sie sich sofort verliebt. Was gefällt Ihnen an dem Bild, an einem einsam gelegenen Ort, dem alten Leben, wie es bisher war, zu entfliehen und dabei zu den eigenen Wurzeln zurückzukehren? Ich würde es nie tun! (lacht) So ein Roman entsteht ja nicht aus einem einzigen Grund. Ganz am Anfang war das Bild einer Frau, die ein leeres, altes Haus betritt, Häuser, Interieurs faszinieren mich sehr, ich habe ja auch die Kapitel nach den einzelnen Räumen im Haus benannt. Dann war ich nach sehr langer Zeit wieder für einen längeren Zeitraum in meiner alten Heimat, und da kommt dann natürlich die Frage auf, ob man hier tatsächlich wieder leben könnte. Das hat einerseits etwas Faszinierendes, zugleich ist einem klar, dass man das gar nicht aushalten könnte, dass das nicht gehen würde. (lacht) Béatrice negiert das ja auch immer wieder, einerseits will sie dort sein und dann auch wieder nicht.

Bis zum Schluss wird nicht wirklich klar, was echte und was nur eingebildete Erinnerungsbilder sind. Haben Sie selbst ein Bild davon, wie es wirklich war? Schwer zu sagen. Das mit den Interviews war in meinen Gedanken sehr schnell da, ich wollte in einem Roman, einer Fiktion mit dem Dokumentarischen arbeiten. Ich weiß nicht mehr, wann die "mögliche Erinnerung", wie ich sie nenne, dann da mit reingekommen ist. Sie nimmt am Ende sehr viel Raum in der Geschichte ein. Am Anfang hatte ich gedacht, dass die Gegenwart irgendwann ganz verschwindet und von der Erinnerung verdrängt wird, aber das funktionierte strukturell nicht. Ich halte es für mich also auch offen. Diese Sache mit dem Kind auf dem See würde man nicht erfinden, aber ob die sich nun in dieser Mühle zugetragen hat, da bin ich mir nicht sicher. Worauf ich definitiv keine Antwort habe ist, ob es diesen Alexander nun gibt oder nicht, aber das war für mich die einzige Möglichkeit, dieses Buch zu beenden. (lacht) Es ist so eine Art Spirale, die sich nach oben dreht, man denkt, man kommt irgendwo an, aber dann geht die Spirale wieder von vorne los.

Wie gehen Sie bei der Zeichnung Ihrer Figuren vor, welche Aspekte sind Ihnen dabei wichtig? Ich beschreibe meine Figuren ja kaum. Das ist ganz merkwürdig, aber ich habe kein klares visuelles Bild von meinen Figuren, sondern eine Art inneres Bild, ein Blick durch die Augen der Figur nach außen. Würde ich die Figuren detailliert beschreiben, würde ich diesen Zugang zu ihnen verlieren.

Begleiten Ihre Figuren Sie im Alltag, wenn Sie an einem Roman schreiben? Darüber muss ich mal nachdenken. Also, es ist nicht so, dass die mit mir am Tisch sitzen, so weit würde ich nicht gehen, aber es ist schon so eine Präsenz in mir. Die Idee einer Figur ist bei mir einfach da, ich tue mich viel schwerer mit dem Plot, als mit der Vorstellung von meinen Personen. Ich komme ja aus der Lyrik und habe eher Probleme mit der Erzählung, wie ein Buch weitergeht, wie es sich entwickeln kann, wohingegen die Personen einfach da sind.

Tauchen die einfach irgendwann auf? Ja, in dem Fall war es eben diese Frau, die ein leeres Haus betritt, und dann nähere ich mich dieser Figur. Béatrice hat sehr viele Charakterzüge, die ich definitiv nicht habe, ist aber trotzdem noch am nächsten an mir dran. Damit spiele ich ja auch, mit diesem "Pseudo-Biographischen". In meinem letzten Buch war das Louise, während es für Ida ein tatsächliches Vorbild gab. Aber bei Paulette erinnere ich mich noch, dass ich im Zug saß und plötzlich war da diese Stimme, der Ton, in dem sie spricht, und dann wusste ich, dass das diese dritte Person ist, die noch fehlte. In "Mit Blick auf See" gibt es ja nur Béatrice als wirklich Akteurin, die anderen Figuren lernt man nur aus ihrer Sicht kennen.

Sie haben es ja gerade erwähnt, sie schreiben auch Lyrik. Würden Sie sich eher als Lyrikerin... Ja!!! (lacht)

Gut, das ist eindeutig! Was ist für Sie denn der Unterschied? Keine Ahnung, ob das für alle gilt. Aber auf einem Stipendium habe ich mal einen estnischen Prosaautor getroffen, der wahnsinnig gut erzählen konnte, und mir wurde klar, der schaut die Welt an, sieht irgendwas und - zack - sieht er eine Geschichte und kann die erzählen. Und ich sehe eher Momente, wie Fotoaufnahmen. Die Lyriker haben eher einen vertikalen Blick, sehen den Moment, und ich finde es immer schwierig, daraus einen Plot zu entwickeln, wohingegen die echten Erzähler einen horizontalen Blick haben, wie die Filmemacher auch. Das wäre für mich der Unterschied. Und bei all meinen Büchern gibt es dieses Anfangsbild, aus dem dann eine Geschichte entsteht, für die ich immer unglaublich lange brauche. (lacht)

Aber es lässt Sie dann auch nicht los, sie müssen es verarbeiten? Für mich sind Lyrik und Prosa wie zwei Sprachen - und ich bin ja zweisprachig aufgewachsen, warum soll ich dann nicht in zwei Sprachen schreiben? Aber Lyrik ist eher meine Muttersprache; würde man mich zwingen, würde ich eher die Prosa weglassen - aber nicht freiwillig, denn da ist schon eine Faszination da. (lacht)

2016 wurden Sie von der Autorinnenvereinigung zur Autorin des Jahres gewählt. Welche Bedeutung hat das für Sie? Die Autorinnenvereinigung hat mich insofern begleitet, dass ich für eine Kurzgeschichte, die quasi der Vorläufer der "Ida" war, einen Preis bekommen habe, weshalb ich auch Mitglied bin und die Vereinigung fördere. Da Autorinnen nach wie vor weniger besprochen werden, weniger Preise erhalten etc., finde ich diese Autorinnenvereinigung auch sehr wichtig. Es ist wie mit der Quote, da würde ich sagen: "Ich bin für die Quote, obwohl ich dagegen bin." Ich halte diese Vereinigung für sehr wichtig und unterstützenswert, will aber  nicht in eine Ecke gestellt werden, weil ich eine Frau bin. Denn es sollte keine Rolle spielen, ob man nun Autor oder Autorin ist, was in unserer Gesellschaft aber nicht so ist.

Würden Sie also sagen, dass das Geschlecht auf dem Literaturmarkt immer noch eine Rolle spielt? Ja, Geschlecht und Alter.

Das Alter auch? Ja, würde ich schon sagen. Es hat sich zwar im Vergleich zu den "Fräuleinwunderzeiten" schon wieder ein bisschen geändert, aber wenn man hübsch und jung ist, ist man einfach besser vermarktbar. Es geht ja heute nicht nur um einen Text, sondern um Bilder, die medial verwertbar sind. Und dann sind Frauen auch eher die Prosaleserinnen und Bücherkäuferinnen, was auf dem Markt auch eine Rolle spielt. Interessanterweise gibt es z.B. in den nordischen Ländern Autorinnen, die ich auf Französisch gelesen und richtig klasse gefunden habe. Dann habe ich geschaut, wo die in Deutschland verlegt werden und fand sie bei Verlagen wie Heyne mit diesen schreienden Titelbildern, die mit dem Inhalt des Buches rein gar nichts zu tun haben. Da werden in ihrem Heimatland anerkannte Autorinnen zu schlechter Frauenliteratur degradiert.

Aus Angst, sie ansonsten nicht unters Publikum zu bekommen. Genau, und insofern spielt das Geschlecht schon eine Rolle, was natürlich mit Strukturen zu tun hat und nicht so sehr mit einzelnen Personen. Wir haben Jahrhunderte hinter uns, in der Frauen in der Öffentlichkeit, also auch in der Literatur kaum eine Rolle gespielt haben, das kann man nicht innerhalb von fünfzig Jahren ändern, da muss man sich keine Illusionen machen. Und es reicht nicht, dass einzelne Personen anders handeln, die Strukturen müssen sich verändern, sonst kann sehr schnell alles wieder früher sein. Deshalb muss man dranbleiben und sehr wachsam sein. 

Frau Kennel, vielen Dank für diese wirklich spannende und anregende Gespräch! 
Das Interview wurde durch Stefanie Rufle geführt. Veröffentlicht und freigegeben vom Autor am 17.10.2017

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