Aktuelle Autoren
Aktuelle Buchkritiken
- März
- African Queen
- März
- Ashby House
- März
- Atem
- März
- Aufziehendes Gewitter
- März
- Die Bestimmung
- März
- Die Geheimnisse des Nic...
- März
- Die Nacht
- März
- Die Schuldlosen
- März
- Du und ich
- März
- Etwas endet, etwas beginnt
- März
- Garp und wie er die Welt sah
- März
- Nachricht von dir
- März
- Räuberleben
- März
- Schwarzer Schmetterling
- März
- Sie und er
- März
- Splitterwelten
- April
- Die 39 Zeichen - 9
- April
- Liebe und andere Ver...
- April
- Sarg niemals nie
- April
- Schweig still mein M...
- Mai
- Der Wald wirft schwarze Sch...
- Mai
- Meine Schwester lebt auf...
- Mai
- Oneiros
- Mai
- Schnitt
Kommende Buchkritiken
Interview mit...
...Nicci French
...zur Buchkritik von "Seit er tot ist"
"Wir werden immer von den Ängsten angezogen, die wir verstehen können."
Mit Booksection im Gespräch: Das Erfolgs-Duo Nicci French über "Seit er tot ist".
Booksection:
Was gab den Ausschlag für Ihre Entscheidung den Versuch
zu wagen, ein gemeinsames Buch zu schreiben und wie lange dauerte
es, bis aus einem eher vagen Plan dann ein unumstößlicher
Entschluss wurde?
Nicci French: Als wir uns kennen lernten, waren wir
beide Journalisten. Es war üblich, dass wir unsere Artikel gegenseitig
lasen, bevor wir sie einreichten. Wir lasen oft die gleichen Bücher
und diskutierten darüber. Irgendwie schien es dann eine ganz
natürliche Entwicklung zu sein, zusammen zu schreiben. Darüber
hatten wir des Öfteren gesprochen, doch dann, 1994, lasen wir
über die sehr kontrovers diskutierte Streitfrage über das
Thema „wieder gefundene Erinnerung“ – traumatische
Erinnerungen, die in Therapien sehr umstritten wieder hergestellt
wurden. Das erschien uns eine sehr kraftvolle Idee für einen
Thriller zu sein und da uns die Idee gemeinsam kam, schien es uns
nur angemessen, das Buch zusammen zu schreiben und eine einzige Stimme
zu entwerfen.
Booksection: Mrs. Gerrard, Sie haben ja mittlerweile
auch einen Roman ohne Ihren Ehemann geschrieben. Welche Methode, ein
Buch zu schreiben, fällt Ihnen denn leichter?
Nicci French: Wirklich zu schreiben ist schwierig,
egal, ob nun zusammen oder allein und ich kann nicht sagen, was schwerer
ist. Aber definitiv alles außer dem Schreiben selber –
die Planung, das Redigieren, die Öffentlichkeitsarbeit hinterher
– ist einfacher mit Sean. Wir können der erste Leser des
anderen sein, wir können einander beschützen.
Booksection: Mr. French, könnten Sie sich auch
vorstellen, im Alleingang einen Roman zu verfassen?
Nicci French: Tatsächlich habe ich schon bevor
ich mich mit Nicci zusammentat, einige Bücher selber geschrieben.
Ich habe einige Biografien geschrieben, ein paar Bücher über
das Kino und zwei Romane. Es unterschied sich völlig von der
Zusammenarbeit mit Nicci aber jedes Buch fühlt sich beim Schreiben
anders an.
Booksection: Was ist der Grund dafür, dass
Ihre Protagonistinnen immer weiblich sind? Fällt es Ihnen, Mr.
French leicht, sich in eine weibliche Hauptfigur hineinzuversetzen?
Nicci French: Unser erstes Buch musste wegen des
Themas eine Frau als Hauptfigur haben. Danach verspürten wir
beide ein sehr großes Interesse an der Art von Ängsten,
die Frauen empfinden.
Das Schreiben jeglicher Form von Fiktion erfordert es, dass man sich
in das Leben anderer Leute und deren Vorstellungen hineindenken kann.
Nicci und ich verbringen viel Zeit damit, uns über die Hauptfigur
zu unterhalten, wer sie ist, wohin ihre Reise führt. Ich bin
mir nicht sicher, ob es eine Essenz von Weiblichkeit gibt, die es
einem Mann unmöglich macht, sie zu verstehen. Auf der anderen
Seite wäre es sehr viel schwieriger, wenn nicht sogar unmöglich
für mich, wenn ich nicht mit Nicci zusammenarbeiten würde.
Booksection: Immer sind Ihre Heldinnen ja ganz normale
Frauen, denen plötzlich etwas Außergewöhnliches zustößt,
was dann ihre heile Welt wie ein Kartenhaus einstürzen lässt.
Woher kommen die Ideen zu solchen dramatischen Ereignissen?
Nicci French: Wir werden immer von den Ängsten
angezogen, die wir verstehen können, die Art von Ängsten,
die wir in unseren Beziehungen, unseren Familien erfahren. Wir nehmen
diese „alltäglichen“ Ängste und treiben sie
immer weiter. Es ist schwer zu sagen, was die Quelle unserer Ideen
ist. Eine Antwort wäre, dass wir einen großen Teil unseres
Lebens damit zubringen, über mögliche Ideen nachzudenken
und zu sprechen.
Booksection: Mrs. Gerrard, kommt Ihnen der frühere
Umgang mit verhaltensauffälligen Kindern zugute, wenn Sie in
Ihren Büchern die seelischen Verletzungen und Abgründe von
Menschen beschreiben?
Nicci French: Sicherlich – auf direkte und
indirekte Weise. Als ich die Universität verließ, arbeitete
ich in einem Heim mit Kindern, die emotionale Probleme und Lernschwächen
hatten. Diese Erfahrung verfolgt mich bis heute, weil sie so rührend,
so verwundbar und so schwierig waren und weil ich fühlte, dass
ich ihnen überhaupt nicht helfen konnte. Zudem waren sie vernachlässigte
Kinder – kaum jemand sorgte sich um sie oder ihr Leben. In vielen
Thrillern ist Leben nichts wert, der Tod scheint keine emotionale
Belastung zu sein, aber ich glaube, dass wir in unseren Romanen das
Leben als wertvoll und teuer behandeln wollen.
Booksection: Auch in Deutschland sind Ihre Bücher
längst Bestseller und die Fans warten sehnlich auf Nachschub
aus Ihrer Feder. Hätten Sie mit einem solchen Erfolg gerechnet?
Nicci French: Wir schreiben die Geschichten, die
wir schreiben müssen, wir erforschen unsere Besessenheiten und
unsere Fantasien. Wir fühlen uns sehr privilegiert, dass die
Leute unsere Geschichten lesen wollen.
Booksection: Wie gelingt es Ihnen, eine derartige
Sogwirkung auf Ihre Leser auszuüben, dass diese einfach nicht
anders können, als immer weiter zu lesen?
Nicci French: Die einzige Antwort ist, dass wir über
die Dinge schreiben, die unsere Leidenschaft sind, die uns erregen.
Wir hoffen, dass wir etwas von dieser Leidenschaft an unsere Leser
vermitteln können.
Booksection: Auch in Ihrem neuesten Roman „Seit
er tot ist“ wird eine Frau von ihren Freunden allmählich
für verrückt erklärt – ein Motiv, das in vielen
Ihrer Bücher so oder so ähnlich auftaucht. Was fasziniert
Sie so an diesem Thema?
Nicci French: Zwischen geistiger Gesundheit und Wahnsinn
ist oft nur ein schmaler Grat, und wir sind fasziniert von diesem
seltsamen Gebiet, in dem es unmöglich ist, diese zwei zu unterscheiden.
Und manchmal im Leben – wenn wir verliebt sind, wenn wir in
Gefahr sind, müssen wir uns selbst vielleicht erlauben, ein bisschen
verrückt zu werden. Seit wir „Seit er tot ist“ geschrieben
haben, erzählen uns Frauen, sie würden buchstäblich
verrückt vor Kummer werden, seit ihr Ehemann gestorben ist. Das
ist genau das, was wir zu übermitteln versucht haben.
Booksection: Gibt es etwas, worüber Sie unbedingt
noch irgendwann schreiben wollen, etwas, was Sie auf jeden Fall einmal
in einem Roman thematisieren wollen?
Nicci French: Jede Geschichte ist anders, aber das
trifft sicherlich auf einige unserer Bücher zu: der Liebeswahn
in “Höhenangst”, der Gedanke, die eigene heranwachsende
Tochter zu verlieren in „Acht Stunden Angst“, Opfersein
in „Der Sommermörder“. Jeder dieser Punkte war so
etwas wie ein Anfang für das Buch.
Booksection: Haben Sie schon eine Idee für
Ihren nächsten Roman, und würden Sie uns etwas darüber
verraten?
Nicci French: Unser neues Buch beginnt mit der Hauptfigur,
einer Frau, die neben einer Leiche steht. Die Geschichte beschreibt,
wie sie dorthin kam und was sie dann tut.
Booksection: Mrs. Gerrard, Mr. French, wir bedanken uns für das Beantworten unserer Fragen.
Das Interview wurde veröffentlicht am: 01.07.2009 Übersetzung: Stefanie Rufle, Angelika Koch