Interview mit...

...Michael Scott


© Perry Hagopian & Jill Paganelli

"Der Beginn der Dreharbeiten ist wohl für Ende dieses, Anfang nächsten Jahres geplant."

Im Booksection.de-Interview: "Die Geheimnisse des Nicholas Flamel"-Autor Michael Scott.

Booksection.de: Als erstes möchten wir uns an der Stelle der vielen, vielen deutschen Fans Ihrer Reihe um „Die Geheimnisse des Nicholas Flamel“ bedanken für fünf Jahre packende Fantasyunterhaltung aus Ihrer Feder. Wir werden Nicholas Flamel und seine Abenteuer vermissen…
Michael Scott: Vielen, vielen Dank! Toll, dass Sie so lange drangeblieben sind. Aber ich bin noch nicht fertig mit diesem Universum. Da sind so viele andere Geschichten um die Welt der Flamels, die ich noch erzählen will. Ich hoffe, sie eines Tages als Kurzgeschichten zu veröffentlichen.

Booksection.de: Wie fühlt es sich denn jetzt an, nachdem der letzte Band erschienen ist und die Abenteuer der Zwillinge und Nicholas Flamel zu Ende erzählt sind?
Michael Scott: Es ist ein sehr merkwürdiges Gefühl. Ich habe sechs Jahre an dieser Geschichte geschrieben, habe aber fast zehn Jahre zuvor begonnen dafür zu recherchieren. Das ist ein großer Teil meines Lebens.
Als ich das erste Mal diese Reihe kreierte, sah ich es als EINE große Geschichte an, mit sechs schönen Action-Pausen. Ich schrieb das Ende zuerst, sodass ich immer wusste, wohin alles führen würde. Es war dann ein ganz schön komisches Gefühl, als ich die letzten beiden Kapitel einfügte und merkte, dass ich fertig war.
Weil alle meine Figuren (bis auf die Zwillinge) auf echten, historischen Figuren basieren, bin ich in der Lage, so viele andere Geschichten rund um das Flamel-Universum zu schreiben. Ich habe schon zwei Geschichten abseits der Flames erzählt („Billy the Kid and the Vampyres of Vegas“ und „The Death of Joan of Arc“) und ich plane viele weitere. Also bin ich noch lange nicht am Ende.

Booksection.de: Perenelle Flamel gehört zu unseren absoluten Lieblingsfiguren. Sie ist eine wunderbare Figur, die mächtig und menschlich zugleich gezeichnet ist. Kreieren Sie Ihre Figuren und deren Eigenschaften eigentlich auch anhand lebender Personen, die Sie aus Ihrem privaten Umfeld kennen?
Michael Scott: Ich bin, was das angeht, sehr vorsichtig. Ich benutze niemals eine bekannte Person für eine einzige Figur. Sie sind immer aus verschiedenen Aspekten vieler Menschen zusammengesetzt. Perenelle basiert ja auf der historischen Figur. Wir wissen zwar nicht viel über sie, es ist aber bekannt, dass sie älter als Nicholas war, zusätzlich sehr mächtig, erfolgreich und offenbar auch sehr dominant. Es ist belegt, dass, als die historischen Flamels reich wurden, sie ihren Mann nachdrücklich ermutigte, Kirchen, Krankenhäuser und Schulen zu bauen, bzw. zu gründen. Es ist sogar eine Straße ihr zu Ehren in Paris benannt: die Rue Perenelle – sie liegt gleich neben der Rue Flamel.

Booksection.de: Sie sind ein magischer Geschichtenerzähler. Haben Sie in Ihrer Buchreihe um die Flamels irgendeine Figur, die Ihnen am Liebsten ist?
Michael Scott: Die Reihe ist voll mit Menschen, Göttern und Mythen, die mich schon immer fasziniert haben, also sind irgendwie alle Figuren meine Lieblingsfiguren. Wenn ich Menschen meine absolute Lieblingsfigur nenne, sind alle immer irgendwie überrascht. Ich glaube, sie denken, ich würde Nicholas Flamel oder vielleicht Scathach nennen, aber es ist tatsächlich John Dee.
Als ich mir ursprünglich die Idee für den Alchimisten ausdachte, war eigentlich Dr. John Dee mein Held. Diese Figur faszinierte mich schon immer. Im Elisabethanischen Zeitalter, einer Zeit die sehr ungewöhnlich war, war er außergewöhnlich. Er war einer der brillantesten Männer seines Alters und alle sachlichen Fakten über sein Leben sind wahr. Er war Alchimist, ein Mathematiker, ein Geograph, ein Astronom und ein Astrologe. Er wählte das Datum für Königin Elizabeths Krönungsfeier aus und als er Teil des Spionage-Netzwerks war, unterzeichnete er seine kodierten Nachrichten mit „007“. Die zwei Nullen standen für die Augen der Königin und das Symbol, das aussah wie eine Sieben, war Dees persönliches Markenzeichen. Als Shakespeare seine Figur des Prospero für „Der Sturm“ erschuf, gibt es Hinweise darauf, die annehmen lassen, dass er sie anhand von Dee kreierte.
Ich schrieb über Dee mehrmals: In meinen erwachsenen Horrorromanen, in Bildern und Reflexionen und in meiner Science-Fiction-Reihe, die ich mit dem „Star Trek“-Autor Armin Shimmerman schrieb („The Merchant Prince“). Eines Tages werde ich zurückkehren und ihn zu einem Helden seiner eigenen Reihe machen.

Booksection.de: Haben Sie diesen Erfolg denn erwartet?
Michael Scott: Nein, nicht im Mindesten! Ich schreibe nun schon eine lange Zeit. Mein erstes Buch wurde 1982 veröffentlicht, es dauerte also seine Zeit für den Ruhm über Nacht. In der Flamel-Reihe findet sich etwas, was die Menschen weltweit anspricht. Vielleicht weil ich in diesem Zusammenhang immer von „Mythologie“ gesprochen habe oder vielleicht weil es um Mythen und Legenden geht, die man überall kennt. Die Reihe wurde nun mittlerweile in 37 Ländern verkauft und in 25 Sprachen übersetzt.

Booksection.de: Wie schwer war es denn, dieses Universum zu erschaffen?
Michael Scott: Die Reihe ist so interessant, weil sie größtenteils in unserer Welt spielt. An all den Orten, die in der Geschichte erwähnt werden (San Francisco, Alcatraz, Ojai, Paris, London), war ich viele, viele Male und kenne sie deshalb auch sehr gut. Es bedeutete aber auch, dass ich sehr vorsichtig sein musste, was diese Orte betraf, weil meine Leser merken würden, wenn ich einen Fehler mache. Die Schattenreiche basieren auf verschiedenen Mythen und Danus Talis (was Atlantis ist) kreierte ich aus Platos Beschreibungen mit einem Touch keltischer Mythen darin.
Ich verbrachte viel Zeit damit, die ganze Welt zu erschaffen und meine Notizen für „Die Geheimnisse des Nicholas Flamel“ sind dicker als die Reihe an sich.

Booksection.de: „Die Geheimnisse des Nicholas Flamel“ wäre großartiger Stoff für einen Film. Gibt es hierzu etwas zu verraten?
Michael Scott: Das erste Buch befindet sich tatsächlich gerade in Vorproduktion.
Es gab ein paar Angebote in den letzten paar Jahren und viele Menschen zeigten sich interessiert, inklusive Lorenzo di Bonaventura („Transformers“). Kürzlich hat sich eine neue Firma die Rechte gesichert und gerade geht alles sehr schnell. Ich habe das Skript übersandt und der Beginn der Dreharbeiten ist wohl für Ende dieses, Anfang nächsten Jahres geplant.

Booksection.de: Während Sie Ihre Bücher schrieben: War es da schwer, abzuschalten? Wie sah Ihr Alltag aus?
Michael Scott: Ich plane alles immer zuerst. Ich habe also eine sehr detaillierte Vorlage für diese Reihe. Jeden Morgen setze ich meine Kopfhörer auf, wähle ein Musikstück aus, was zu der Stelle, die ich schreiben will, passt. Und dann beginne ich zu schreiben. Manchmal passiert es, dass ich vom Bildschirm aufschaue und überrascht bin, weil statt der erwarteten ein, zwei Stunden, viele Stunden oder sogar der ganze Tag vorbeigezogen ist. Die Welt, in der ich mich bewege muss nun mal sehr real und klar für mich sein, so dass ich es wirklich „sehen“ und darüber schreiben kann.

Booksection.de: Wir haben Sie in Deutschland vermisst. Werden Sie eines Tages zu uns kommen, um Ihre Bücher zu promoten?
Michael Scott: Ich würde sehr gerne nach Deutschland kommen! Ich habe so viele Emails aus Deutschland bekommen. Die deutschen Verkaufszahlen sind ja auch großartig und vor allem sind sie riesig. Der deutsche Verlag verwendete das gleiche Design der Bücher, änderte aber die Farben, was die Bücher exotischer aussehen lässt. Die englischen Verlage mochten diese Art der Änderung derart, dass sie das Design ihrer Bücher anpassten.

Booksection.de: Was haben wir als nächstes von Ihnen zu erwarten?
Michael Scott: Gerade arbeite ich an einer Geschichte, die „The Earthlords“ heißt. Es ist irgendwie eine Vorgeschichte zu den Flamels. Es wird drei Bücher umfassen und je ein geschlossenes Ende haben – also keine Cliffhanger am Ende jeden Buches, wie bei den Flamels.
Ich habe auch damit begonnen, für eine neue mythologische Fantasyreihe zu recherchieren, die mich rund um die Erde führen wird. Darauf freue ich mich ganz besonders.

Booksection.de: Vielen Dank für dieses Interview. Wir freuen uns auf viele weitere Bücher von Ihnen.
Michael Scott: War mir eine Ehre. Vielen Dank!



Das Interview wurde durch Thomas Ays geführt und auch von ihm übersetzt. Veröffentlicht und freigegeben vom Autor am 11.04.2013

BOOKSECTION • Im Grütt 1 • 79713 Bad Säckingen