Interview mit...

...Michael Peinkofer


Immer wieder nett: Michael Peinkofer

"Ich sehe es immer ein wenig wie bei Hitchcock. Du weißt, es wird etwas passieren, aber du weißt nicht, wie es passieren wird."

Erneut mit Booksection im Gespräch: Fantasy-Autor Michael Peinkofer über "Die Zauberer - Das dunkle Feuer".

Booksection.de: Mit „Die Zauberer. Das dunkle Feuer“ schließt Du Deine Zauberer-Trilogie ab. Überwiegt nun Wehmut, dass es zu Ende ist oder doch eher Erleichterung?
Michael Peinkofer: Es ist immer eine Mischung aus beiden. Die Figuren wachsen einem natürlich ans Herz und man tut sich schon schwer loszulassen. Andererseits, solang man eine Trilogie schreibt, begleiten sie einen die ganze Zeit. Nach dem ersten Band, nach dem zweiten Band trägt man sie im Hinterkopf immer noch mit sich herum, weil man ja weiß, dass noch etwas kommt. Wenn es dann wirklich soweit ist, und man den letzten Band schreiben kann, ist trotz diesem Wehmut auch große Erleichterung dabei, weil man weiß, dass man die Figuren nun auch loslassen und etwas Neues beginnen kann. Es überwiegt von daher die Erleichterung.

Booksection.de: Manchmal entwickeln Figuren ja ein Eigenleben, das vom Autor nicht so geplant war. Hat sich im dritten Band noch einmal eine Figur anders entwickelt, als Du sie im ersten Band angelegt hast?
Michael Peinkofer: Im Großen und Ganzen war es vorgezeichnet. Auch durch die „Ork“-Trilogie, die ja später spielt und in der man einigen der Charaktere wieder begegnet. Es war festgelegt, wohin sie sich entwickeln. Nur die Art und Weise, wie es sich entwickelt, da hat sich manches im Laufe des zweiten Bandes entwickelt, was nicht ganz so vorgesehen war. Besonders bei Aldur gab es noch einige Entwicklungen, die am Anfang nicht ganz so vorgesehen waren. Aber es hat dann einfach besser in die Handlung und zu der Figur gepasst. Ich denke, so viel Spontaneität muss man bei aller Handlungsplanung haben.

Booksection.de: Farawyn ist eine spannende Figur in der Trilogie, die auch eine große Entwicklung durchlebt…
Michael Peinkofer: Er ist am Anfang eine Gandalf ähnliche Figur. Man hat das Gefühl, man hat es mit einem von diesen ganz, ganz guten Zauberern zu tun. Als Aldur dies dann die ersten Male anzweifelt, denkt man: Ja, das sagt er nur so, weil er neidisch ist. Oder etwas in dieser Richtung. Aber Farawyn entwickelt sich dann tatsächlich so etwas zwiespältig. Aus dem Rückblick der „Ork“-Trilogie weiß man ja, dass er eine ambivalente Figur ist. Das ist aber eine Entwicklung, die sich auch erst im Laufe der Trilogie herauskristallisiert hat.

Booksection.de: Wolltest Du hier zeigen, wie Macht jemanden verändert? Farawyn fängt an, als einer unter vielen, aber bekommt eine immer zentralere Bedeutung für den Orden der Zauberer.
Michael Peinkofer: Ich glaube schon. Es ist ja tatsächlich so, dass Macht in gewisser Weise auch korrumpiert. Vor einiger Zeit gab es einen sehr interessanten Bildervergleich von Frau Angela Merkel. Als sie anfing und heute. Natürlich war sie zu Beginn jünger, aber man sah auch, wie die Macht als Bundeskanzlerin sie äußerlich verändert hat. Nicht nur im Styling, sondern auch in der Ausstrahlung und im Blick. Farawyn ist schon eine Figur, die durch die Macht korrumpiert wird. Er meint es immer noch gut. Daher sagt er auch immer, dass man auf ihn aufpassen muss. Das Gute bei ihm ist, dass er diese Entwicklung sieht. Er würde sich wahrscheinlich zum Bösewicht entwickeln, wenn er es nicht selber merken würde.

Booksection.de: Er kontrolliert sich noch ein Stück weit selbst…
Michael Peinkofer: Er versucht es zu kontrollieren, soweit es geht. Das macht ihn natürlich zum guten Charakter, aber er hat die Anlagen schon in sich.

Booksection.de: Der böse Gegenspieler ist Margok, der Dunkelelf. Er bekommt mehr Raum im dritten Teil der Geschichte, doch nicht so viel wie vielleicht zu erwarten gewesen wäre. Er bleibt doch eher der Schatten im Hintergrund. Warum hast Du diese Figur nicht weiter ausgebaut?
Michael Peinkofer: Ich wollte Margok als allgemeine Bedrohung belassen. Er ist eine Metapher für als Böse überhaupt. Das Böse, das Erdwelt immer wieder bedroht. Er ist ja, im wahrsten Sinne des Wortes, nicht tot zu kriegen (lacht). Das natürlich auch dadurch, dass er als Person nicht so ausgestaltet ist. Er ist zunächst ein körperloses Bewusstsein, ein Schatten, der die Identität desjenigen annimmt, in dessen Körper er schlüpft. Es hat sich viel von Aldurs ehemaliger Meisterin mit Margok verbunden. Es wurde ein Zwitterwesen aus ihm. Ich fand es spannend, ihm die jeweiligen Eigenschaften seines Wirts mitzugeben, später bei den Orks passiert das ja erneut.

Booksection.de: Action ist Trumpf im dritten Band der Zauberer. Wie behält man im Schlachtengetümmel den Überblick? Machst Du auch schon mal eine Skizze vom Geschehen?
Michael Peinkofer: Man muss schon schauen, das man den Überblick behält (lacht). Es gibt eine Art Storyboard, das ich im Kopf habe bzw. Notizen, die ich mir mache. Lustig, das Du gerade diesen Punkt ansprichst. Ich habe zum dritten Teil von „Die Zauberer“ auch Zuschriften bekommen, wo es hieß, es ist der actionärmste von den dreien. Daran merkt man, dass es immer auch im Auge des Lesers liegt.

Booksection.de: Wobei die Auseinandersetzungen schon prägnant sind…
Michael Peinkofer: Ja, es gibt viele Konflikte, die ja kommen mussten. Die man natürlich erzählen muss. Ich finde auch, dass der Band relativ aktionsbetont ist. Aber wie man sieht, ist das Ansichtsache (grinst).

Booksection.de: „Das dunkle Feuer“ schlägt am Ende den Bogen zu Deiner Ork-Trilogie. War es eine Herausforderung diesem Bindeglied eine undurchdringlichere Entwicklung zu geben?
Michael Peinkofer: Ja, es war eine Herausforderung, aber auch eine Chance. Ich sehe es immer ein wenig wie bei Hitchcock. Du weißt, es wird etwas passieren, aber du weißt nicht, wie es passieren wird. Das finde ich bei Prequels immer sehr spannend. Man kennt die Ausgangssituation, aber wie hat es sich dahin entwickelt? Oft begegnen uns Figuren ja ganz anders, als wir sie kennen. Alannah taucht zu Beginn der „Zauberer“ zum Beispiel ganz anders auf, als wir sie dann aus den „Orks“ kennen. Der dritte Orks-Band war auch voller düsterer Andeutungen, was damals passiert sein könnte.

Booksection.de: Auf Deiner Homepage ist zu lesen, dass Du im Rahmen der niederländischen Fantasy Convention „Elf Fantasy Fair“ jetzt offiziell von der Königin von Elfia zum Mitglied der Brotherhood of Elfia ernannt wurdest, nebst Orden und Adelsbrief. Haben die niederländischen Fans Deiner Bücher andere Fragen an Dich oder kannst Du beobachten, dass die Figuren überall gleich aufgenommen werden?
Michael Peinkofer: Nein, eigentlich weniger. Die Niederländer sind im Allgemeinen sehr, sehr Fantasy begeistert. Es gibt dort tolle, enthusiastische Fans. Ich war auf beiden „Elf Fantasy Fairs“ im Frühjahr und jetzt im Herbst. Dort kommen sie zu Tausenden. Auch verkleidet.

Booksection.de: Ein bisschen wie bei der Buchmesse in Leipzig?
Michael Peinkofer. Ja, genau (lacht). Die Fans pilgern dort richtig hin. Es ist ein Open Air-Festival in einem Botanischen Garten. Mit einer wunderschönen Schlossanlage und einer Ritterburg in der Mitte. Das passt wunderbar. Wenn das Wetter mitspielt, ist es eine wirklich großartige Atmosphäre. Ich habe dort gelesen und auch eine ganze Reihe von Interviews gegeben. Interessant war, dass das, was wir schreiben – damit meine ich deutsche Autoren wie Markus Heitz, Bernhard Hennen, Christoph Hardebusch oder meine Wenigkeit – als typisch europäisch empfunden wird. Ich wurde unter anderem gefragt, ob der Rat der Zauberer eine Metapher für das Europäische Parlament ist. Es gibt hier offensichtlich eine Perspektive, die sich unter jungen Europäern entwickelt. Das finde ich sehr spannend.

Booksection.de: Fantasyliteratur also nicht nur als reine Unterhaltungsliteratur sondern auch als politische Metapher?
Michael Peinkofer: Als etwas, was unsere Gegenwartsverhältnisse widerspiegelt.

Booksection.de: Dazu passt die Aussage von Denis Scheck, dem Macher von „druckfrisch“, der sagte „Der Herr der Ringe“ von Tolkien sei das beste Werk über den zweiten Weltkrieg.
Michael Peinkofer: Wobei Tolkien das ja immer bestritten hat.

Booksection.de: Beeinflusst Dich die aktuelle Entwicklung, die dich umgibt, sehr beim Schreiben?
Michael Peinkofer: Ja, natürlich fließt das alles irgendwie mit hinein. Der Rat der Zauberer soll schon die Ohnmacht widerspiegeln, die ein Parlament gegenüber den politischen Entwicklungen empfindet. Ich dachte hier allerdings weniger als das Europäische Parlament sondern eher an die Weimarer Republik. Aber auch der römische Senat war am Schluss völlig machtlos im Bezug auf die Entwicklung des Diktatorentums. So etwas hat sich in der Geschichte immer wieder ereignet.

Booksection.de: In unserem letzten Gespräch hast Du erzählt, dass nun ein historischer Roman in Planung ist. Am Ende von die „Die Zauberer. Das dunkle Feuer“ kann man etwas von einer neuen Fantasywelt lesen. Magst Du schon etwas über diese neuen Projekte verraten?
Michael Peinkofer: Allzu viel kann ich noch nicht sagen. Es ist noch in der Planung. Es ist ein Projekt, mit dem ich schon sehr lange liebäugle. Sieben, acht Jahre ungefähr. Es wird eine eigenständige, völlig neue Welt sein. Mit ganz spannenden, gegensätzlichen Figuren. Mit mehreren Handlungssträngen, die miteinander verwoben sind. Gleich im Anschluss an unser Gespräch habe ich einen Termin mit einem Zeichner, weil ich es diesmal auch gerne illustriert haben würde. Mal sehen, wie sich das dann entwickelt. Nächstes Jahr fange ich ganz konkret mit der Arbeit an dem Roman an.

Booksection.de: Du bist also noch nicht fantasymüde?
Michael Peinkofer: Nein, im Gegenteil! Es wird vielleicht etwas weniger klassische, wie das jetzt bei den „Orks“ oder den „Zauberern“ der Fall war, aber es wird im besten Sinne des Wortes abenteuerliche Fantasy.

Booksection.de: Auch Deine Hörbuchprojekte sind ja sehr erfolgreich. Ein Sprecher von Team X-treme ist kürzlich auch ausgezeichnet worden. Wie geht es hier weiter?
Michael Peinkofer: Die aktuelle Storyline ist abgeschlossen. Letzten Monat ist die letzte CD erschienen. Die 16 Folgen sind nun komplett. Mit den Büchern geht es jetzt weiter und dann schauen wir, wie es mit den Handlungssträngen weitergeht.

Booksection.de: Und was machen Deine Ambitionen hinsichtlich historischer Romane?
Michael Peinkofer: Mein aktuelles Projekt ist ein historischer Roman, der ist gerade in Arbeit. Er wir voraussichtlich nächstes Jahr im Herbst erscheinen.

Booksection.de: Es heißt also ein Jahr warten auf den neuen Peinkofer?
Michael Peinkofer: (lacht) Ja, dieses Mal wird es etwas dauern.

Booksection.de: Michael, vielen Dank für das Gespräch!
Michael Peinkofer: War wie immer ein Vergnügen.



Das Interview wurde am 08.10.2010 durch Melanie Frommholz geführt. Veröffentlicht und freigegeben vom Autor am 19.10.2010

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