Interview mit...

...Michael Peinkofer


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"Die Charaktere dürfen auch zuweilen „Scheiße“ sagen."

Mit Booksection im Gespräch: Fantasy-Autor Michael Peinkofer.

Booksection:
In Ihrer „Ork-Trilogie“ kommen die Zauberer nicht gerade gut weg und haben auch nur einen kleinen Part. Gehen Sie daher in der Zeit von Erdwelt zurück, um dieses Bild gerade zurücken?
Michael Peinkofer: Es ist schon so, dass man im Laufen von den drei „Ork“-Bänden relativ viel von den Zauberern erfahren hat, aber immer nur andeutungsweise. Während der Arbeit an den „Orks“ ist der Wunsch entstanden die Vorgeschichte zu erzählen. Deswegen habe ich mir als nächstes die Geschichte des großen Krieges vorgenommen und hier spielen die Zauberer eine tragende Rolle. Das hat sich aus der Handlung, dem Inhalt heraus entwickelt.

Booksection: Im April 2009 ist der erste Band „Die Zauberer“ erschienen. Den zweiten Teil haben Sie bereits für 2010 angekündigt. Wird es eventuell wieder eine Trilogie werden, oder sogar noch mehr Bände geben?
Michael Peinkofer: Wir Fantasy-Autoren denken ja meist in Trilogien (lacht). Davon darf man also auch hier bei den Zauberern ausgehen. Der zweite Band ist gerade noch in Arbeit, ich bin bei den letzten Korrekturen. Nächstes Jahr im Frühjahr ist es dann soweit.

Booksection: Die deutsche Fantasy ist nach wie vor im Aufwind. Neben Ihnen haben sich mit Bernhard Hennen (Die Elfen) und Markus Heitz (Die Zwerge) auch andere Autoren aus Tolkiens Völkergemisch „bedient“ und sind damit sehr erfolgreich. Gibt es da Konkurrenz oder doch einen gewissen Zusammenhalt?
Michael Peinkofer: Ich hatte früher die Theorie, dass der Anfangsbuchstabe des Nachnamens ein „H“ sein muss, damit man in Deutschland erfolgreich Fantasy schreiben kann. Das ist aber scheinbar nicht so. Es geht auch mit „P“ (lacht). Aber es ist schon so, dass Wolfgang Hohlbein als Autor für uns alle so etwas ist wie eine Vaterfigur. Er schwebt über allem und ist für uns alle ein leuchtendes Vorbild. Er war der erste deutsche Autor der mit Fantasy Geld verdienen und Leben konnte. Das hat uns alle in unserer Jugend geprägt und schwer beeindruckt. Ich weiß nicht wie es in anderen Genres ist, aber wir in der Fantasy haben einen sehr schönen Zusammenhalt unter den Autoren. Ich kenne die Kollegen Hennen, Hardebusch, Heitz und bin mit ihnen auch gelegentlich zusammen auf Lesereise. Das macht jedes Mal viel Spaß und ist immer lustig. Vergangene Woche war ich mit Markus Heitz Einen heben. Ich glaube wir haben da etwas ganz besonders, dass wir uns untereinander alle gut verstehen. Auch wenn sich unsere Völker wahrscheinlich dann wieder kloppen. Die Zwerge, die Orks und die Elfen mögen sich ja nicht so, aber für die Autoren gilt das nicht.

Booksection: Haben Sie sich das untereinander aufgeteilt, oder war es Zufall, dass sich jeder gerade nicht das Volk des anderen ausgesucht hat?
Michael Peinkofer: Das hat sich einfach so ergeben. Lustig ist ja, auch wenn der Roman nicht so heißt, die anderen Völker immer auch eine Rolle spielen. Dann ist es natürlich immer schön, wenn die Zwerge die Orks verkloppen und die Orks die Zwerge verkloppen. Oder die Elfen, oder wen auch immer. Wir erzählen uns das dann immer auch bei Lesungen gegenseitig, was wir mit dem jeweils anderen Volk angestellt haben.

Booksection: Von Stan Nichols, dem Autor von „Die Orks“ ist im August 2009 sein drittes Ork-Buch „Die Orks - Blutnacht“ erschienen. Kribbelt es da bei Ihnen auch wieder etwas Neues von den Orks zu schreiben? Oder sagen Sie drei Bände sind genug, ich habe jetzt andere Baustellen.
Michael Peinkofer: Momentan sind auf jeden Fall „Die Zauberer“ aktuell. Ich habe auch zwei, drei Ideen, was ich danach machen möchte. Vielleicht kehre ich auch noch einmal zu den Orks zurück. Es gäbe auch da eine sehr schöne Idee, wie man weiter machen könnte.

Booksection: … Band drei hat ja schon ein recht offenes Ende.
Michael Peinkofer: Genau. Balbok und Rammar sitzen da auf ihrer Insel und es ist ja auch eine Zeitverschiebung im Gange. Da könnte also noch so allerhand passieren. Man soll also nie „nie“ sagen. Vielleicht kommt da noch einmal etwas nach.

Booksection: Ihre zweite literarische „Großbaustelle“ ist die Figur Sarah Kincade und ihre Archäologie-Abenteuer. Eine bewusste Abkehr von Erdwelt?
Michael Peinkofer: Ich glaube es ist für einen Autor sehr erfrischend in verschiedenen Genres zu arbeiten, nach der Fantasy wieder etwas Historisches zu machen. Wobei die Sarah Kincade-Romane auch so einen kleinen fantastischen Einschlag haben. Der Wechsel tut mir und meiner Kreativität einfach gut und das möchte ich auch so beibehalten. „Sarah Kincade“ wird jedoch im nächsten Jahr abgeschlossen. Der letzte Roman ist fertig und wird im Frühjahr 2010 erscheinen. Damit ist die Tetralogie abgeschlossen. Ich bekomme immer ganz viele E-Mails, wann denn nun alle Fragen beantwortet werden. Nun ist es soweit.

Booksection: Warum haben Sie sich hier für eine weibliche Hauptfigur entschieden?
Michael Peinkofer: Das hat sich so aus der Geschichte heraus ergeben. Die selbe Geschichte mit einer männlichen Hauptfigur wäre glaube ich nicht so interessant gewesen.

Booksection: Empfinden Sie weibliche Figuren beim Schreiben schwieriger als männliche?
Michael Peinkofer: Bei Sarah ist es so, dass sie eine sehr intuitive Figur ist. So wie ich vom Typ her eigentlich auch. Daher passt das schon sehr gut. Ansonsten ist sie eher ein hemdsärmliger, pragmatischer Typ. Insofern musste ich mich da gar nicht so sehr verstellen.

Booksection: Diesen Monat erscheint „Team X-treme - Mission 1. Alles oder nichts“. Eher ein Jugendbuch. Wird das ihr neues Projekt? Bislang gab es auch der Reihe glaube ich nur Hörbücher.
Michael Peinkofer: Ich habe „Team X-treme“ eigentlich als Hörspielreihe konzipiert. Die Reihe erscheint jetzt seit 1 ½ Jahren bei Lübbe Audio. Es sind voll besetzte Hörspiele. Ich bin besonders stolz, dass Oliver Rohrbeck, einer der „Drei ???“, unser Regisseur ist und das Ganze auch produziert. Später kam dann die Idee, daraus auch eine Buchserie zu machen. Zur Buchmesse erscheinen jetzt die ersten beiden Bände von „Team X-treme“ als Buch. Es hat riesen Spaß gemacht, die Bücher zu machen und es entspricht in etwa dem, was ich im Alter von 11 – 12 gerne gelesen hätte, was es aber nicht zu kaufen gab. Ich habe das Glück für das Projekt mit einem tollen Illustrator zusammen arbeiten zu können: Daniel Ernle, der auch die Cover für die CDs gemacht hat. Ich freue mich schon auf die nächsten Bände.

Booksection: Kann man sich „Team X-treme“ ein wenig als Mischung aus „TKKG“ und „Drei ???“ vorstellen?
Michael Peinkofer: Wir haben uns natürlich bemüht in eine neue Richtung zu gehen. Die Abenteuer finden auf der ganzen Welt statt. Es ist sehr actionbetont. Es gibt eine Myterie-Handlung, die sich mehr im Hintergrund abspielt. Und die Charaktere dürfen auch zuweilen „Scheiße“ sagen.

Booksection: Haben Sie auch die Höhebücher „geschrieben“?
Michael Peinkofer: Richtig. Die ersten vier Dialogbücher habe ich selbst geschrieben und seit Band fünf mache ich die Storys und Kai Schwindt, ein sehr versierter Dialogbuchautor, macht die Ausarbeitung zum Hörbuch.

Booksection: Es ist doch schon ein Unterschied zum Schreiben eines Romans?
Michael Peinkofer: Ja, schon. Es macht aber beides Spaß. Man muss sich überlegen, was für eine Geschichte man erzählen will und was für Werkzeug man dazu hat. Bei einem Hörspiel habe ich nur das, was man akustisch umsetzen kann. Wir haben bei „Team X-treme“ keinen Erzähler sondern wir machen alles nur über Geräusche und den Dialog. Es macht Spaß dafür einmal umzudenken und mit ganz anderem Werkzeug zu arbeiten als bei einem Romans.

Booksection: Lässt sich das im Vorfeld fest konzipieren, ob es ein Jugendbuch wird oder eher etwas für die Erwachsenenecke. Oder ist es so, dass Sie die Geschichte haben und erst am Ende sehen was es geworden ist.
Michael Peinkofer: Oh, das ist schwierig zu sagen. Ich glaube es hat mit der Geschichte zu tun. Ich habe die Idee zu einer Geschichte, versuche diese dann zu konzipieren – manchmal hat man auch Ideen, die sich als Schnapsideen herausstellen – und dann, wenn man den Stoff entwickelt, stellt sich relativ früh heraus für welche Altersgruppe das Buch dann geeignet sein könnte.

Booksection: Über ihre Firma Dreamagix Studios sind Sie dem Medium Film nach wie vor verbunden. Dürfen wir uns auch einmal über einen Film mit ihrem Drehbuch freuen?
Michael Peinkofer: Wir werden sehen (lacht), das ist alles was ich bislang dazu sagen kann…

Booksection: …. Dann bleibt mir nur mich für das kurzweilige und sehr nette Interview zu bedanken.
Michael Peinkofer: Sehr gerne. Hat Spaß gemacht.



Das Interview wurde am 15.10.2009 durch Melanie Frommholz geführt. Veröffentlicht und freigegeben vom Autor am 27.10.2009

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