Interview mit...

...Michael Peinkofer


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"Wir neigen in Deutschland dazu Schubladen aufzumachen und die Leute da rein zu packen."

Mit Booksection im Gespräch: Fantasy-Autor Michael Peinkofer.

Booksection:  In der Vorbereitung zu diesem Gespräch habe ich gelesen, dass Sie lange Zeit Ihre Bücher unter verschiedenen Pseudonymen veröffentlicht haben. Ist es einfacher unter einem Pseudonym zu veröffentlichen als unter dem eigenen Namen?
Michael Peinkofer: Nein, eigentlich nicht. Das Pseudonym erleichtert es zwar in den Markt rein zu kommen, in so fern ist es einfacher, aber man identifiziert sich mit der Zeit ja auch damit. Insofern, wenn da harsche Kritik kommt – sprich, der kann nicht schreiben - dann trifft einen das genauso hart, wie wenn man etwas unter dem eigenen Namen veröffentlicht hat. Insofern ist die Verantwortung, die man dem Namen gegenüber hat dieselbe. Egal ob es der eigene ist oder ob es sich um ein Pseudonym handelt.

Booksection:  Ist es so aber nicht einfacher so verschiedene Genres für sich auszuprobieren? Wenn man weiß, Herr Peinkofer hat jetzt „Die Orks“ geschrieben, das ist jetzt die Fantasyschiene und alles was danach kommt wird dann damit vergleichen.
Michael Peinkofer: Ja, das ist eigentlich der Grund warum es Pseudonyme gibt, glaube ich. Wir neigen in Deutschland schon dazu Schubladen aufzumachen und die Leute da rein zu packen. Da würde ich mir natürlich einen Genrenamen zulegen für Krimis. Einen Genrenamen für Science-Fiction und einen für Fantasy. Damit tue ich mich, nicht bei allen Lesern, aber bei manchen schon leichter. Die Leser haben diese Schubladen ganz genauso im Kopf wie du.

Booksection:  Und Sie veröffentlichen dann auch bewusst nicht wer Sie sonst noch sind, einfach um einen Autor kreieren zu können oder ist es Ihnen egal wenn ein Pseudonym von Ihnen „enttarnt“ wird?
Michael Peinkofer: Ich halte das jetzt nicht so streng. Aber es macht schon Sinn, wenn man die Pseudonyme im Zusammenhang mit den jeweiligen Büchern sieht.

Booksection:  Seit 2005 und „Die Bruderschaft der Runen“ veröffentlichen Sie unter Ihrem eigenen Namen. War das noch einmal ein besonderes Bauchkribbeln, wie der Markt das Buch annimmt?
Michael Peinkofer: Das hat mir schon Spaß gemacht, aber nicht nur weil es der eigene Namen war, sondern weil es auch so eine schöne große epische Geschichte war. Das hat unglaublich Spaß gemacht auch einmal etwas Historisches zu machen. Es war ein schönes Gefühl.

Booksection:  Sie präsentieren auf der Buchmesse Ihr neustes Ork-Abenteuer „Das Gesetz der Orks“. Was begeistert Sie denn für Tolkiens Antihelden?
Michael Peinkofer:  (lacht) Na ja, um die armen Orks musste sich auch mal einer kümmern. Ich erzähle es immer wieder gerne.

Booksection:  Das wurden Sie bestimmt schon häufiger gefragt.
Michael Peinkofer: Schon… Als ich „Der Herr der Ringe“ gelesen habe ist mir aufgefallen, dass Tolkien sie zweigeteilt beschreibt. Im ersten Teil einzelne Orks als individuelle Charaktere und später verkommen sie so zur Heeresmasse, ganz anonym. Ich habe arg gezweifelt, dass mit den Orks, die Tolkien da schildert ein so großes Heer überhaupt formen könnte. Die sind eigentlich zu eigensinnig und blöde. Nicht wirklich führbar. Vielleicht war das ja auch Saurons Fehler, ich weiß es nicht. Das war eigentlich so die Grundidee, die ich hatte. Da habe ich dann weitergemacht. Deswegen gibt es bei mir zwei, sagen wir einmal, humoristisch gebrochenen Figuren.

Booksection:  War es dann schwer sich von Tolkiens Ork-Vorlage zu lösen und die Figuren zu Ihren zu machen?
Michael Peinkofer: Nein, die Orks gab es ja schon vor Tolkien. Er hat sie auch aus verschiedenen Sagen zu Beispiel der Beowulf-Sage entlehnt. Aber mittlerweile sind sie ein Fantasystandart geworden. Wer Ork hört denkt auf jeden Fall einmal an ziemlich groß, ziemlich schlecht gelaunt, ziemlich grün im Gesicht. Dies sind Stereotype, mit denen man dann arbeiten kann und die unheimlich Spaß machen. Ich habe die Figuren eigentlich vom ersten Augenblick so fix und fertig in meinem Kopf.

Booksection:  Wird es noch weitere Ork-Abenteuer geben? Dies ist nun ja der dritte Band.
Michael Peinkofer: Die Trilogie ist nun erst einmal abgeschlossen. Es wird aber mit dem Universum von Erdwelt weitergehen, aber als nächstes werde ich zu den Wurzeln zurückgehen und einmal die Ursprünge erforschen.

Booksection:  In der Fantasylitertur gibt es ja schon den Trend zur Trilogie. Finden Sie es schwer eine gute Geschichte in nur einem Buch zu erzählen oder konzipieren Sie das vorab.
Michael Peinkofer: Da entscheidet man schon mit der Geschichte. Wenn man sich eine Geschichte ausdenkt hat diese immer einen Spannungsbogen, der dann einfach etwas kürzer geschlagen wird oder weiter. Bei den Orks gab es einfach sehr viel zu erzählen und viele Charaktere zu beleuchten, daher war es schön weitere Bücher zu machen.

Booksection:  Waren die Orks hier Herzensprojekt, oder haben Sie noch weitere in der Schublade, die Sie uns demnächst erzählen?
Michael Peinkofer: Man hat immer noch etwas in der Schublade was man gerne realisieren möchte und das ist auch gut so. Aber die Orks waren mir schon wichtig. Es hat gut getan ihnen so ein kleines literarisches Denkmal zu setzen.

Booksection:  Wie entwickeln Sie die Geschichten für sich? Entstehen bei Ihnen zuerst die Figuren und diese entwickeln dann ihr Eigenleben? Oder sind Sie jemand der einfach „losschreibt“?
Michael Peinkofer: Das ist immer unterschiedlich. Bei historischen Romanen ist es sicherlich so, das man mit der Recherche anfängt und dann dort auf weitere interessante Themen stößt. In der Fantasy ist es in sofern anders, als das bei den Orks die beiden Figuren Balbok und Rammar eigentlich fix und fertig da waren. So ähnlich wie Robert D. Howard zu Conan, der Barbar erzählt hat, dass er plötzlich da war. Das kam mir immer irgendwie seltsam vor, ist mir dann aber auch so passiert. Balbok und Rammar waren plötzlich da und haben mich mit vorgehaltener Streitaxt gezwungen ihre Geschichte zu erzählen.

Booksection:  ie arbeiten auch als Filmjournalist. Würden Sie gerne einmal eines seiner Bücher verfilmt sehen?
Michael Peinkofer: Jeder Autor, wenn er ganz ehrlich ist, möchte eines seiner Bücher verfilmt sehen. Aber es müsste dann schon eine schöne Verfilmung sein.

Booksection:  So eine Peter Jackson-Verfilmung („Der Herr der Ringe“)
Michael Peinkofer: (lacht) Ja, ja natürlich. Gerade in der Fantasy hat man es ja mit aufwendigen Stoffen zu tun, daher wir ja auch so wenig verfilmt. Aber das legt natürlich auch die Bilder fest. Das war bei „Der Herr der Ringe“ ja auch so. Die Leser waren ja zu Beginn auch sehr skeptisch, aber nachher ist etwas sehr schönes dabei herausgekommen. Mit so einer Verfilmung war ja dann auch fast jeder zufrieden. So etwas würden sich die meisten Autoren natürlich wünschen.

Booksection:  Was wird ihr nächstes Projekt sein?
Michael Peinkofer: Momentan schreibe ich gerade an der vorhin schon erwähnten anderen Erdwelt-Vorgeschichte, die im April 2009 erscheinen wird und den Titel „Die Zauberer“ trägt.
Wer schon mal einen kleinen Happen lesen will, findet eine Leseprobe am Ende von „Das Gesetz der Orks“.

Booksection:  Henn Peinkofer, vielen Dank für das nette Gespräch.



Das Interview wurde veröffentlicht am: 17.10.2008

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