Interview mit...

...Markus Heitz


...zur Buchkritik von "Drachenkaiser"

"Ich bin ein Einzelkämpfer."

Mit Booksection im Gespräch: Fantasyautor Markus Heitz.

Booksection: Wir haben uns sehr über „Die Mächte des Feuers“ gefreut und darüber, dass Du uns nun mit „Drachenkaiser“ die Fortsetzung dazu in die Buchläden bringst. Du beherrschst auch hier wieder die verschiedenen Handlungsstränge und führst auch alle Figuren wieder glaubhaft zusammen. Wie gehst Du hier vor?
Markus Heitz: Als eigentlich alle mit dem nächsten „Zwerge“-Band gerechnet haben, erschien 2006 der erste Band „Die Mächte des Feuers“. Mit Absicht. Es sollte eben was anderes sein. Genauso lief es dieses Jahr. „Drachenkaiser“ kam, als alle den nächsten Band der „Albae“ erwarteten. Das ist mir extrem wichtig, weil es ein Universum ist, in dem zwar Drachen vorkommen, es aber definitiv etwas anderes ist.
Verschiedene Erzählstränge sind mir genauso wichtig. Klar könnte ich auch nur eine Geschichte erzählen, wäre mir persönlich aber ein bisschen zu fade. Ich liebe es, den Leser auf verschiedene Fährten zu führen oder rumgrübeln zu lassen, welche Rolle welche Figur spielt. Dabei gehe ich ganz unterschiedlich vor. Manchmal schreibe ich die Erzählstränge einzeln, chronologisch, manchmal aber auch ganz direkt. In „Drachenkaiser“ habe ich sie der Reihenfolge nach aufgestellt.

Booksection: In „Drachenkaiser“ kommen nun viel weniger Drachen vor, als noch in „Die Mächte des Feuers“. Sowohl Ddraig, als auch Vouivre sind erneut großartig gezeichnet und führen wunderbare Dialoge miteinander. Das scheint Dir besonders Spaß gemacht zu haben.
Markus Heitz: Das macht immer unheimlich viel Spaß! Das ist genauso, wie in die Innenwelt von Nie-Lung zu schalten, als man ihn als Leser mehr oder weniger das erste Mal sieht. Als er eben noch im Käfig liegt und gedanklich alles kommentiert, was um ihn herum passiert, um zu zeigen, wie viel besser er als die Menschen ist. Das macht unglaublich viel Laune.

Booksection: Entwickelst Du Deine Geschichten vollkommen alleine, oder durch die Gespräche mit anderen?
Markus Heitz: Alleine. Ich bin ein Einzelkämpfer. Das passiert dann meist nicht an einem Abend, sondern an mehreren. Eine Idee wird verworfen, dann kommt wieder etwas anderes hinzu.

Booksection: Auf welcher Seite in „Drachenkaiser“ stündest Du denn? Wärst Du ein Drachenfreund oder ein Drachentöter?
Markus Heitz: Mit dem Hintergrundwissen müsste ich eigentlich ein Drachentöter sein. Wenn man aber so sieht, dass die asiatischen Drachen ja doch ein bisschen anders sind und eigentlich auch nett sein können, wenn sie wollen... Eigentlich werden sie mehr als Naturereignisse betrachtet und sind nicht unbedingt die intriganten Bösen – das denkt man ja zumindest. Ja, dann könnte ich auch durchaus ein Drachenfreund sein.

Booksection: Wobei in Deinem Universum die Drachenfreund ja eher die Terroristen sind…
Markus Heitz: Ja, weil sie ja für die gerechte Sache kämpfen. Die anderen sehen das nur falsch.

Booksection: Grigorij hat im Gegensatz zum ersten Band ja sehr wenig Platz. Durch seine etwas britische Art bringt er ja auch einen gewissen Charme in die Geschichte. Warum hast Du ihn so bewusst aus der Geschichte gelassen?
Markus Heitz: Beim Plotten der Geschichte hab ich gemerkt, dass beide Persönlichkeiten – Grigorij und Silena, die nicht getrennt voneinander auftauchen, so wie das im ersten Band war – extrem starke Charaktere sind. Da war es für mich schwer abzuschätzen: Funktioniert das?! Oder säuft einer von beiden ab? Silena ist normalerweise mehr die Disziplinierte, Grigorij mehr Lebemann. Da dachte ich: schwierig. Also musste ich einen aus dem Verkehr ziehen. Das hab ich meiner Ansicht nach elegant gelöst (lacht), so dass die Bühne für Silena frei war. Sie hat einen Sidekick durch die Figur Leída bekommen – also zwei starke Frauen sozusagen. Das war mir dann auch lieber so.

Booksection: Silena hat sich sowieso stark verändert. Im ersten Band ist ja noch die starke, selbstbewusste Kämpferin, die zielgerichtet Drachen tötet und in ihrem Bund aufsteigen will. Jetzt ist sie mehr Frau. Insofern hat Leída ja eigentlich ihren Platz als starke Kämpferin eingenommen…
Markus Heitz: Silena war im ersten Band im Orden und eine Soldatin, die funktioniert hat. Losgelöst vom Orden war natürlich dann mehr Platz für Privates. Zu Anfang war Silena tatsächlich auch noch straighter angelegt, also etwas „männlicher“, wobei wieder beim Plotten des 2. Bandes herauskam, dass es ja dann zwei „männliche“ Frauen geben würde. Von der Entwicklung machte es daher viel mehr Sinn, Silena als Frau darzustellen und sie emotionaler sein lassen zu dürfen.

Booksection: … was das Ganze ja auch glaubhafter macht. Figuren entwickeln sich weiter, zeigen neue Facetten und machen die Fortsetzung dadurch noch interessanter. Du schreibst Bücher noch und nöcher. Wer ist Dein Ghostwriter?
Markus Heitz: (lacht) Niemand. Ich bekomme das ganz locker selber hin.

Booksection: … und wir brauchen Jahre, um hinter Dir herzulesen…
Markus Heitz: (grinst) Das tut mir leid.

Booksection: … glaub’ ich Dir…
Markus Heitz: Ich schreibe Bücher seit dem Jahr 2000. Veröffentlicht werden meine Geschichten aber erst seit 2002. Das heißt, ich habe schon mal zwei Jahre Vorlauf, in denen viele Ulldart-Bücher entstanden sind. Ich brauche pro Buch ein halbes Jahr mit allem drum und dran. Durch die Zeitplanung funktioniert das auch wunderbar. Ich schreibe ihm Jahr mal zwei, mal drei Bücher. Das hängt davon ab, wie gut oder wie schnell etwas läuft.

Booksection: Wenn Du eine Figur in „Drachenkaiser“ sein könntest, wer würdest Du sein?
Markus Heitz: Spannende Frage. Der französische Drache Vouivre gefällt mir sehr gut, den find’ ich sehr lecker, sozusagen. Grigorij wäre auch mal interessant, weil er so ganz anders ist. Er würde mich auch noch reizen, aber ein netter, böser Drache zu sein, der viel Spaß am Leben hat – das wäre doch mal was.

Booksection: Vouivre ist ja nicht einfach nur böse. Er ist hinterlistig, fies und das absolut personifiziertes Kalkül…
Markus Heitz: So haben es die Drachen ja geschafft, so weit zu kommen und die ganzen Strippen zu ziehen. Man muss so sein, um seine Macht überall hin ausbreiten zu können.

Booksection: Wenn Du an einer Deiner Geschichten arbeitest, lebst Du dann auch in dieser ganz eigenen Welt?
Markus Heitz: Wenn ich daran schreibe, natürlich. Ich sehe die Szene dann vor mir, mache Kameraschwenks. In diesem Moment bin ich in dieser Welt und in oder an dieser Figur. Wenn die Szene vorbei ist und das Buch beendet, kehre ich zurück.

Booksection: Channing Pollock hat mal gesagt: „Ein Kritiker ist ein Mann ohne Beine, der Laufen lehrt“.
Markus Heitz: (grinst) Auch schön.

Booksection: Auf Deiner Homepage (www.mahet.de) war zu lesen, wie Du mit einen Rezensenten im Clinch liegst…
Markus Heitz: Nein, gar nicht! Denis Scheck ist der Redakteur von „Druckfrisch“ im Ersten. Er bespricht immer die ersten zehn Titel auf der Bestsellerliste – mal die Sachbücher, mal die Belletristik. Ich hatte mal das Glück, den vierten „Zwerge“-Band auf der Bestsellerliste zu haben (den hat er zerfetzt). Und der erste „Albae“-Titel war ebenfalls auf diese Liste (und auch den hat er zerfetzt). Die Albae würden sich benehmen, wie Wilma Hutschenreuther aus Schwieberdingen. Daraufhin habe ich mich bei Wilma Hutschenreuther entschuldigt, weil er ja bestimmt mich treffen wollte, er aber jetzt Wilma Hutschenreuther aus Schwieberdingen reingerissen hat. Dann hab’ ich mich bei Schwieberdingen entschuldigt, weil Schwieberdingen ja wiederum abwertend benutzt wurde. Daraufhin habe ich beschlossen, dass ich vielleicht einen Roman schreibe mit Wilma Hutschenreuther als Hauptperson und der in Schwieberdingen spielt. Wilma Hutschenreuther wird dann die perverseste und brutalste Serienkillerin, die Deutschland jemals gesehen hat. Weil sie denkt und fühlt wie ein Alb. Heidewitzka!

Booksection: Bei all dem Spaß, sollte man bei Besprechen von Büchern ja auch einen gewissen Respekt für das Buch und die Arbeit des Autors mitbringen. Treffen Dich solche Rezensionen auch?
Markus Heitz: Nein, in diesem Fall nicht. Brutaler wäre es, wenn jemand in meiner direkten Umgebung oder von den Lesern eine Rezension abliefern würde, in der mir stichhaltig vorgelegt wurde, warum er das Buch nicht gut findet und wo die Fehler sind. Das finde ich wesentlich schlimmer.

Booksection: Also sind die Leser für Dich die wirklich wichtigen Kritiker.
Markus Heitz: …die Leser, denen die Reihe gefällt, sind die schlimmsten Kritiker überhaupt. Weil sie sagen: „Das Buch find’ ich gut, aber folgende Punkte haben mir nicht gefallen…!“ Und sie meinen es ja gut. Sie kritisieren ja aus unschuldigem Herzen heraus und geben sich auch viel mehr Mühe. Insofern sind mir die Leser, die mir Rückmeldung geben, schon sehr wichtig. Und die wertvolleren Kritiker.

Booksection: Was bekommen die Kritiker und Deine Fans als nächstes von Dir zu lesen?
Markus Heitz: 2010 ist bei mir Horror-Jahr: Es werden zwei Vampirromane bei Knaur erscheinen. „Judassohn“ heißt der erste Titel. Außerdem gibt es noch eine Dark-Space-Fiction-Geschichte. Mit bösestem Weltall, Titel "Collector". Erst Mitte 2011 folgt ein neuer „Albae“-Band.

Booksection: Vielen Dank für Deine Zeit, Markus und viel Erfolg mit „Drachenkaiser“. Wir lesen weiter!
Markus Heitz: Sehr schön! Und ich schreibe weiter. Das passt doch!



Das Interview wurde am 15.10.2009 durch Thomas Ays geführt. Veröffentlicht und freigegeben vom Autor am 20.10.2009

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