Interview mit...

...Markus Heitz


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"Es wird keinen 5. Zwerge-Band geben!"

Mit Booksection im Gespräch: Fantasy-Autor Markus Heitz.

Booksection: Dein Buch „Vampire, Vampire“ ist ein Sachbuch über Vampire, erschienen im Piper Verlag. Wann kommt Dein erster Vampirroman?
Markus Heitz: Der ist schon draußen, allerdings erschienen bei Droemer und heißt „Kinder des Judas“. Hier habe ich mit den historischen Elementen aus „Vampire, Vampire“ gearbeitet, habe sie als Hintergrund benutzt und drum herum die Romanhandlung gebaut. Zusammen mit Sachen, die man aus dem Volksglauben über Vampire kennt. Für einige, nicht für alle Leser wird wahrscheinlich neu sein, was Vampire alles können und nicht können und welche Einschränkungen es gibt.

Booksection: Zum Beispiel?
Markus Heitz: Zum Beispiel gibt es Vampire, denen macht Sonnenlicht gar nichts aus. Manche können sich nur von mittags bis abends frei bewegen. Unsterblich ist keiner. Auch eine sehr wichtige Neuerung (lacht). Im Volksglauben habe ich nichts darüber gefunden, dass Vampire richtig, richtig unsterblich sind. Einige werden sehr alt und zerfallen dann zu Staub, was aber eine Ausnahme darstellt. Es gibt ganz viele Variationen von Vampiren, die man in Romanen so bislang nicht kennt.

Booksection: Wo findet man solche Informationen?
Markus Heitz: Ich bin gelernter Historiker. Ich weiß also, wie ich an Informationen komme. Angefangen hat es damit, dass man schaut: Es gab Vampir-Ereignisse in Medvegia im Jahr 1731/32 und dann schaut man, was es dazu an Sekundärliteratur gibt: Wo finde ich was?! Alles, was in dem Sachbuch steht, basiert auf historischen Aufzeichnungen. Ich sage nicht, dass es Vampire gibt. Ich sage aber, dass die Menschen im 18. Jahrhundert und den Jahrhunderten davor daran geglaubt haben. Für sie waren Vampire real. Natürlich gab es da Diskussionen. Bei Ärzten, Theologen, Philosophen, wie so etwas wie Vampire und Untote existieren kann. Manche haben zusammenfassend gesagt: „Alles Quatsch.“ Andere wagten sich an für die damalige Zeit ernsthafte Erklärungsversuche. Ein echtes Phänomen.

Booksection: ... das ja auch nicht ausstirbt. Das Thema Dracula ja eventuell schon. Aber das Thema Vampir wird ja im Moment in vielen Romanen wieder behandelt. „Krieg der Vampire“ zum Beispiel von David Wellington, oder „Untot mit Biss“, ebenfalls von Piper…
Markus Heitz: Durch den Vampirroman von Stephanie Mayers „Biss zum Morgenrauen“ rollte die Vampirwelle, die romantische Vampirwelle wieder richtig groß los, so dass ihre Vampirromane einer nach dem andern auf den Bestsellerlisten nach oben stiegen. Eine richtig große Leserschicht hat sich für romantisierende Vampirgeschichten entschieden. Vampire waren an sich schon immer ein Thema, liefen aber mit den anderen Romanen mit. Aber dass es jetzt einen richtigen Hype gibt, ist schon relativ unvorbereitet.

Booksection: Du gehörst mit Christoph Marzi und Michael Peinkofer zu der neuen Fantasygeneration.
Markus Heitz: Die Jüngeren, ja. Das Lustige ist, das viele von uns früher Rollenspieler waren. Mit mir kommen unter anderem auch Bernhard Hennen, Christoph Hardebusch und Thomas Finn aus dieser Ecke. Viele, die früher in den heißen Phasen des Rollenspiels, so Anfang der 80er bis Mitte der 90er, unterwegs waren, sind heute im Schriftstellerbereich gelandet.

Booksection: Wie hoch ist der Druck seitens der Verlage, wenn ein Buch wie zum Beispiel „Die Zwerge“ richtig erfolgreich ist und es eine große Fanbase gibt?
Markus Heitz: Die Verlage wünschen sich natürlich, dass manche Bücher eine Fortsetzung haben, weil diese richtig, richtig erfolgreich sind. Kommerziell gesehen. Ich könnte jetzt von Zwergen schreiben bis zum Abwinken, wenn es mir nur ums Geld ginge. Ich wüsste zwar, dass die Leute irgendwann weniger nach diesen Büchern greifen würden, aber die nächsten 8 Bände, denke ich, liefen. Nicht mehr so gewaltig gut wie die anderen, aber sie würden sich verkaufen. Für einen Autor ist das schlicht und ergreifend totlangweilig, nur über eine Sache zu schreiben. Vergleichbar ist es mit einer ganzen Woche Pizza, von morgens bis abends: Die ersten beiden Tage ist das noch richtig lecker, aber dann sagt man so ein Schnitzel oder ein Salat wären auch mal etwas Schönes. Ich werde nicht die nächsten Jahre damit verbringen „Die Zwerge“ tot zu schreiben. Ich bleibe zwar in dieser Welt, doch der nächste Roman handelt von den Albae, den bösen Verwandten aus den Zwerge-Büchern. Aber auch diese Schiene werde ich nicht bis zur Unendlichkeit hinausziehen.

Booksection: “Die Zwerge“ haben ja sicherlich ein eher jugendliches Leserpublikum, das sich dann an Dich wendet und eine Fortsetzung erfleht. In wie weit lässt Du Dich überhaupt auf so etwas ein?
Markus Heitz:
Es gibt viele Leser, die mir Mails schicken. Es gibt auch Wünsche. Aber da ich überall vehement darauf hinweise, dass es keinen 5. Band geben wird, lässt es allmählich nach. Ich weiß, es würde die Fans freuen, aber ich weiß nicht, ob es der Serie gut tun würde, denn: Mir fällt momentan nicht ein, was noch zu den Zwergen erzählen könnte. Das ist für mich ein absolutes Ausschlusskriterium. Denke ich aber an die Albae, schießen mir viele Ideen durch den Kopf. Tolle Ideen für Stoffe, aus denen sich noch einiges machen lässt. Es gibt noch eine andere Serie „Ulldart“, 9 Bände, da wird in den nächsten 5-6 Jahren sicherlich auch nichts passieren.

Booksection: Kann man denn nach 5 Jahren wiederkommen und sagen so, jetzt habe ich 5 Jahre Pause gemacht, jetzt mach ich Band 10 und das läuft dann gut?
Markus Heitz: Könnte sein. Für mich wäre das zwar die Rückkehr in etwas Bekanntes, aber auch etwas völlig Neues, weil ich nach 5 Jahren die Dinge sicherlich anders sehen werde als derzeit. Es ist also doppelt spannend für mich: einlesen, alle Bände noch einmal zu Gemüte führen, um in die Welt zu finden, aber dann wird es woanders weiter gehen.  „Ulldart“ wird nicht dort fortgesetzt, wo der 9. Band geendet hat. Ich suche mir einen anderen Ansatzpunkt.

Booksection: Wird es von „Die Mächte des Feuers“ weitere Bände geben? Zu dieser Geschichte hatten wir schon einmal mit Dir ein Interview geführt.
Markus Heitz: So ein Zufall (lacht). Zu „Die Mächte des Feuers“, Teil 2, wird es im Herbst 2009 einen neuen Band geben. Auch hier ist es so, wie ich schon beschrieben habe. Ich werde den ersten Band noch einmal lesen, werde meine ganzen Unterlagen noch einmal durchstöbern müssen und mich wieder in diese Welt einfinden. Aber es gibt schon einige interessanten Ideen hierzu.

Booksection: Beim Lesen von „Die Mächte des Feuers“ starb, die von mir ausgemachte Hauptfigur bereits nach ein paar Kapiteln. Das gleiche Schicksal ereilte weiter „Hauptfiguren“. Für mich war dieser Stil etwas völlig Neues und man konnte sich so besser auf die einzelnen Geschichten einlassen und es fesselte mehr. Nicht so klassisch erzählt. Das Buch blieb mir im Gedächtnis. Besonders die Drachen waren richtig plastisch. Wie schwer ist es, so etwas zu beschreiben wie zum Beispiel das interessante Thema Drachen. Ist es einfach, weil man die Fantasie dazu schon im Kopf hat?
Markus Heitz: Ja. Es ist so. Bei vielen anderen Autoren ist das wahrscheinlich ähnlich: Man sieht die Szene im Kopf. Es ist also nicht so, dass ich etwas für mich Abstraktes beschreibe, sondern ich sehe die Szene wie andere Filme sehen. Inklusive Kameraschwenks mit allem Drum und Dran. Zoomansicht, Großansicht. Alles, was ich schreibe, sehe ich im Grunde so. Dann besteht der Trick oder die Kunst nur noch darin, es so gut aufzuschreiben, dass der Leser es hoffentlich ähnlich beim Lesen erlebt.

Booksection: Obwohl mich „Die Mächte des Feuers“ begeistert haben, fand ich zu „Die Zwerge“ keinen Zugang.
Markus Heitz: Es gibt unterschiedliche Typen von Lesern, auch in meinem Fall. Es gibt solche, die wirklich alles von mir lesen. Es gibt Leser, die nur die Horrorschiene lesen und zu allem anderen nicht zu bewegen sind. Das finde ich völlig in Ordnung so.



Booksection: Was liest Du privat?
Markus Heitz: Ich lese privat kaum mehr. Außer der Zeitschrift Spiegel, höchstens mal Science-Fiction-Kurzgeschichten, oder etwas von anderen zeitgenössischen Kollegen, wenn ich gebeten werde, ein Statement für den Klappentext zu schreiben. Erstens: keine Zeit dazu. Zweitens: schütze ich mich damit selber. Ich weiß, dass es „Die Elfen“ und „Die Trolle“ gibt, aber was genau drin steht, weiß ich nicht. So kann ich ganz entspannt meine Zwerge, meine Albae schreiben, unbeeinflusst von diesen aktuellen Büchern. Früher habe ich natürlich Fantasy gelesen. Wenn es in meinen Büchern Einflüsse geben sollte, dann nicht aktiv. Aber ich glaube, ich habe immer alles umgangen, was ich bisher gelesen hatte.

Booksection: Was hast Du früher gelesen?
Markus Heitz: Alles!  Na gut, so ziemlich alles.

Booksection: Hast Du ein Lieblingsbuch?
Markus Heitz: Ich habe viele Sachen gerne gelesen. H.P. Lovecraft war immer beeindruckend, wobei das mit reiner Fantasy gar nichts zu tun hat. Ansonsten was es so an Fantasy gibt. Egal ob das nun ein Conan oder Elric war oder, oder, oder.

Booksection: Harry Potter?
Markus Heitz: Nein, aber ich war in den Filmen. Meine Frau hat die Bücher gelesen und mir dann in den Filmen erzählt, was alles fehlt. Ich saß immer ganz entspannt im Kino und dachte: „Nett gemacht“. Meine Frau: „Das fehlt und jenes fehlt.“ Das ist in dem Fall der Vorteil des Nichtlesers. So wird es dann eventuell auch Zuschauern ergehen, die irgendwann einmal vielleicht verfilmte Sachen von mir sehen. Nichtleser sagen: „Cool“. Leser sagen: „Das hat gefehlt, das war anders.“ Aber so ist das immer. Solange die Eingriffe nicht zu gravierend sind, muss ich das als Autor akzeptieren.

Booksection: Du hast erzählt, dass Du Deine eigenen Bücher liest. Wie kritisch bist Du denn Dir gegenüber, wenn Du zum Beispiel nach 5 Jahren einmal wieder „Die Zwerge“ oder „Ulldart“ liest?
Markus Heitz: „Ulldart“ ist ja heute auch schon wieder 8 Jahre alt. Wenn ich den ersten Band heute wieder lesen würde, läse ich ihn  logischerweise mit anderen Augen. Für die damalige Zeit war das voll und ganz in Ordnung. Die Frage "Was hätte ich anders machen können?" stelle ich mir nicht.

Booksection: Ist es immer noch komisch, wenn man Bücher von sich im Laden stehe sieht, oder ist es schon normal?
Markus Heitz: Nein, es ist immer noch merkwürdig. Im positiven Sinne merkwürdig. Zumal ich das Buch ja nur als Manuskript kenne. Ich habe zu Hause mein Laptop und ein Bildschirmbuch. Wenn ich dann das Buch mit Cover sehe, kommt im ersten Moment Befremden auf: "Ach, das ist mein Buch?" Natürlich ist es mein Buch, aber in einer Art und Weise, wie ich es nicht kenne. Schwer zu erklären.

Booksection: Hast Du Einfluss auf die Cover?
Markus Heitz: Ich habe ein Mitspracherecht. Das Thema werde ich zukünftig auch verstärkt angehen. Wenn der Autor direkt mit dem Zeichner redet, sind die Cover sicherlich noch einen Tick besser, direkter am Stoff, als wenn ich nach der ersten Präsentation sagen kann, was mir nicht gefällt.

Booksection: Wobei das Cover zu „Die Mächte des Feuers“ wirklich sehr gut ist.
Markus Heitz: Stimmt. Es verrät nicht zuviel und macht Lust auf die Geschichte.

Booksection: So muss das schließlich auch sein. Vielen Dank für das nette Gespräch.



Das Interview wurde veröffentlicht am: 17.10.2008

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