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Kritik von "Finsteres Glück"
Der Schweizer Autor Lukas Hartmann lädt zusammen mit dem Diogenes-Verlag am 31. Oktober 2010 zu seiner Lesung zum neuen Roman „Finsteres Glück“ in Zürich ein.
Im beinahe vollbesetzten und sehr stimmungsvollen Saal des Theater Neumarkt
wird das gespannte Publikum von Esther Schneider, der Kulturredakteurin des
Radiosenders DRS1 begrüßt. Frau Schneider stellt den Autor Lukas
Hartmann vor und fasst kurz den Inhalt von „Finsteres Glück“
für das Publikum zusammen. Auf ihre Frage, wie denn „finster“
und „Glück“ überhaupt zusammenpassen könnten, erklärt
Hartmann, dass Glück ja durchaus finstere Ränder haben könne,
aber umso heller könnten wir dafür die Glücksmomente wahrnehmen.
Die Sonnenfinsternis sei dabei für ihn gleichsam ein Symbol für das
Licht, das am Ende des Tunnels gesehen werden könne.
Als Lukas Hartmann sich an den Tisch setzt und mit der Lesung beginnt, wird
die Beleuchtung im Saal deutlich dunkler, was beinahe schon symbolisch für
den Buchtitel zu sein scheint. Mit seiner wohl tönenden und angenehmen
Stimme gibt der Autor eine kurze Einführung in seinen Roman und stellt
die Ich-Erzählerin Eliane vor. Er erklärt dem Publikum, dass eine
Frau als Erzählerin für ihn einfach am stimmigsten gewesen sei. Hartmann
beginnt mit dem ersten Kapitel und stoppt, als Eliane im Krankenhaus bei dem
verletzten Yves ankommt. Dann erzählt er von den Umständen des Unfalls
und fährt an der Stelle fort zu lesen, als Eliane zu Yves ins Krankenzimmer
geht.
Es folgt ein Gespräch mit Esther Schneider, in dem Herr Hartmann erzählt,
dass ihm die Idee zu dem Roman kam, als er in einer französischen Zeitung
eine Notiz über einen solchen Unfall, wie er in „Finsteres Glück“
beschrieben ist, gelesen habe. Bereits 2003 habe er eine Fassung geschrieben,
die er allerdings dann wieder verwarf. Doch das Thema habe ihn einfach nicht
mehr losgelassen. Die Sonnenfinsternis sei dabei auch ein Symbol für die
Frage, was Glück und was Unglück sei. Er selber habe als Kind einen
sehr einschneidenden Verlust erlebt, als der Bauernhof seines Großvaters
abgerissen werden musste. „In der Versenkung des Schreibens können
solche Erfahrungen wieder lebendig werden.“, sagt der Autor dazu. Für
ihn sei klar gewesen, dass die Erzählerin weiblich sein müsse und
um glaubwürdig zu klingen, habe er sein Manuskript auch einigen „Fachfrauen“
gezeigt. Auf Frau Schneiders Frage, woher er seine Inspirationen nehme, antwortet
Hartmann, dass das alles Mögliche sein könne, das sei für ihn
nicht voraussehbar. Nach einer ersten Recherche würde er sehr schnell merken,
ob er ein Thema weiterführen wolle.

Es folgt eine weitere Sequenz aus dem Roman und Lukas Hartmann liest weiter, nachdem Yves seine erste Nacht im Krankenhaus verbracht hat und Eliane wieder in sein Zimmer kommt. Beim anschließenden Gespräch geht Frau Schneider auf die zwei unterschiedlichen Familienmodelle ein, die in diesem Roman aufeinander treffen - zum einen Elianes Patchwork-Familie und auf der anderen Seite die zerrüttete Familie, aus der Yves kommt. Auf ihre Frage, ob er große Unterschiede zwischen einer Patchwork-Familie und einer „normalen“ Familie sehe, antwortet Hartmann, dass er die Erfahrung gemacht habe, dass beide Modelle funktionieren können. Er habe selber zwei Töchter und schreibe deshalb aus Erfahrung – was den Töchtern natürlich nicht entgangen sei, meint er lachend. Lukas Hartmann verdeutlicht, dass Eliane so vieles falsch und es am Ende eben doch richtig mache. „Keine noch so gute Ausbildung ist die Garantie für ein glückliches Leben.“, sagt er dazu.
Der Autor liest einen Abschnitt aus der Zeit, in der Yves vorübergehend bei Eliane zu Hause lebt. Anschließend erklärt er dazu: „Eliane will sich selbst mit diesem Jungen heilen.“ Ihm sei es auch wichtig gewesen, die Grenzen der heutigen Therapien aufzuzeigen und deutlich zu machen, dass die Therapien oftmals die frühere tiefe Bedeutung der Religiosität ersetzen. „Der Isenheimer Altar ist ein Element in der Mitte des Romans, in dem in einer ganz anderen Sprache die Entstehung dieses Altars beschrieben wird.“, so Lukas Hartmann. Das Kreuzigungsbild zeige eine Sonnenfinsternis und der Altar sei früher als therapeutisches Mittel eingesetzt worden – so schließe sich auch der Kreis in seinem Roman wieder.

Esther Schneider spricht am Ende noch an, dass ja Lukas Hartmanns Ehefrau seit einigen Tagen Bundesrätin sei und fragt ihn, wie er sich als „Bundesrätinnengatte“ fühle. Hartmann erklärt lachend, dass er jetzt schon Geheimnisträger sei. Er und seine Frau hätten aber eine Abmachung, dass nach wie vor die Zeit da sein müsse, dass sie ihm als Beraterin bei seiner Schreibtätigkeit zur Seite stehe.
Herr Hartmann bietet dem gespannten Publikum noch einen kleinen Einblick in sein nächstes Buch, bei dem es sich um ein Kinderbuch mit dem Titel „All die verschwunden Dinge“ handelt. Das im Frühling erscheinende Buch erzähle die Geschichte eines Kindes, das häufig Dinge verliert und die Idee hat, dass all diese Dinge sich an einem einzigen Ort befinden. Daraufhin macht es sich auf, diesen Ort zu suchen. Die Illustrationen stammen von Tatjana Hauptmann.
Zum Schluss liest der sympathische Autor noch einige Seiten aus dem zweiten Teil von „Finsteres Glück“ und steht anschließend dem begeistert klatschenden Publikum zum Signieren seiner Bücher zur Verfügung.
Hier geht's zum Interview, das wir vor der Lesung mit Lukas Hartmann führten.
Stefanie RufleBooksection.de
Bild- und Textmaterial: Booksection.de