Interview mit...

...Lukas Hartmann


...zu "Bis ans Ende der Meere"

"Cook war einer der Helden meiner Jugend!"

Mit Booksection im Gespräch: Lukas Hartmann.

Booksection: Herr Hartmann, in Ihrem Buch „Bis ans Ende der Meere“ befassen Sie sich mit dem großen britischen Entdecker und Weltumsegler James Cook. Wie kamen Sie auf die Idee zu diesem Buch und wie entstand der Gedanke, die letzte Fahrt Cooks aus Sicht des Malers John Webber zu schildern?
Lukas Hartmann: John Webber, der als Johann Wäber in Bern aufwuchs, war mir schon lange vertraut. Ich kannte die Sammlung der ethnologischen Objekte, die er seiner Vaterstadt vermacht hatte. Und Cook war einer der Helden meiner Jugend, zu einer Zeit, als ich fast nur Seefahrerromane las. „Die See“ war für mich, ebenso wie die afrikanische Savanne, eine Gegenwelt zur kleinbürgerlichen Enge der Fünfzigerjahre; das ist mir nachträglich bewusst geworden. Irgendwann merkte ich, dass es ja zwischen Webber und Cook eine Verbindung gab; und vor etwa drei Jahren beschloss ich, hier mit einer Recherche zu beginnen: Wer waren die beiden? Was brachte sie zusammen? Was erlebten sie auf dieser vierjährigen Weltumsegelung?

Booksection: Die Leser bekommen hier ja nun eine etwas andere Sichtweise der Geschehnisse um Cooks letzte Fahrt präsentiert. Welche Motivation hatten Sie, dem Mythos James Cook etwas von seinem Heldentum zu nehmen?
Lukas Hartmann: Ich ging mit grosser Wissbegier an diese Figur heran. Ich las Cooks Journale und  lernte, die Leistungen dieses Mannes als Kartograph und Navigator zu bewundern; gleichzeitig entdeckte ich einen widersprüchlichen Menschen, der auch seine dunklen Seiten hatte. Cook wurde für mich zur Verkörperung des frühen Globalisierers, der den Fremden das „Gute“ bringen will, aber oft genug den Weg für verhängnisvolle Entwicklungen ebnet. Gerade diese Vielschichtigkeit machte die Figur für mich spannend und lebendig.

Booksection: Am Ende des Buches bekommt der Leser einen kleinen Einblick in die aufwändige Recherchearbeit, die diesem Roman vorausgegangen ist. Wie viel Zeit hat die in Anspruch genommen?
Lukas Hartmann: Etwa zweieinhalb Jahre. Ein volles Jahr habe ich der Recherche gewidmet. Ich bin gereist, habe mit Experten gesprochen, Museen besucht und eine halbe Bibliothek durchgelesen. Das Schwierige ist dann, bei der Niederschrift dies alles zu einer einheitlichen Vorstellung zu verschmelzen und im Grunde genommen die einzelnen Wissenselemente zu vergessen.

Booksection: Erleben Sie bei den Vorbereitungen zu einem Roman große Bereitschaft, Sie zu unterstützen und mit Informationen zu versorgen?
Lukas Hartmann: Ja. Überall, wo ich nachfragte, bekam ich gründliche Auskunft. Historiker waren zwar manchmal etwas skeptisch (oder auch ein bisschen neidisch?), weil sie den Erfindungen, die der Romanautor ins Faktennetz webt, nicht übermässig trauen, Aber dann merkten sie, wie neugierig ich war, und redeten stundenlang über Schiffstypen, Takelage, die Besiedlung der polynesischen Inseln usw. Sehr schön für mich.

Booksection: Gerade bei den Schilderungen von Webbers Zeichnungen und Skizzen bekommt man den Eindruck, dass Sie selber sich sehr gut mit der Malerei auskennen. Ist das ein persönliches Steckenpferd?
Lukas Hartmann: Ich habe als Junge sehr viel gemalt. Als ich zwölf war, bekam ich einen Malkasten und eine Staffelei geschenkt. Ich kopierte die Bilder der Niederländer, die ich liebte, malte auch in der Natur und brachte mir selber die Maltechniken bei. Wären meine Eltern vermögend genug gewesen, mir Malstunden zu ermöglichen, wäre ich vielleicht Maler geworden. Aber diese Vergangenheit brachte mich John Webber sofort sehr nahe. Heute skizziere und male ich während meiner Recherchen. Ich habe immer ein Notizbuch dabei, das am Schluss voller Bilder ist.

Booksection: Empfinden Sie es als sehr schwierig, sich in die damalige Zeit hineinzuversetzen und auch die Sprache des Buches an diese anzupassen?
Lukas Hartmann: Das achtzehnte Jahrhundert liebe ich sehr, ich habe es auch in anderen Büchern (z. B. in „Die Mohrin“) aufleben lassen. Den Sprachgestus der Zeit nehme ich aber nur behutsam auf, sonst wird der Verfremdungseffekt zu gross.

Booksection: Schreiben Sie bereits an einem neuen Roman und wenn ja, verraten Sie uns etwas darüber?
Lukas Hartmann: Ja, ich schreibe an einem Roman mit dem Arbeitstitel „Finsteres Glück“. Es wird eine Familiengeschichte, aber keine historische; sie beginnt im August 1999, am Tag der totalen Sonnenfinsternis.

Booksection: Herr Hartmann, wie danken Ihnen für die Beantwortung unserer Fragen.



Das Interview wurde veröffentlicht am: 01.03.2009

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