John Irving – mit diesem Namen verbinden mittlerweile mehrere Generationen von Lesern Geschichten voller Magie, Humor und unvergessenen Charakteren. Ob nun der Waisenjunge Homer Wells und sein äthersüchtiger Ziehvater, der Abtreibungsarzt Dr. Wilbur Larch aus „Gottes Werk und Teufels Beitrag“, der kleinwüchsige Owen Meany mit der durchdringenden Stimme, der unvergessliche T.S. Garp aus „Garp und wie er die Welt sah“ oder der jüdische Schausteller Freud mit seinem Tanzbären Earl aus „Das Hotel New Hampshire“ – sie alle bevölkern bis heute die imaginäre Welt von Millionen von Lesern weltweit. Immer wieder aufs Neue gelingt John Irving das Kunststück, farbenprächtige, skurrile und faszinierende Welten vor dem inneren Auge seiner Leser erstehen zu lassen, die sie die Welt um sich her vergessen lassen. Doch auch das Kinopublikum durfte schon des Öfteren Zeuge von Irvings grandioser Fabulierkunst werden. Fünf seiner Romane wurden bisher verfilmt, und die Kinobesucher, die noch nie zuvor einen Roman Irvings gelesen hatten, wurden durch ausnahmslos großartige Adaptionen Zeuge vom Ausnahmekönnen des Amerikaners. „Garp und wie er die Welt sah“, „Das Hotel New Hampshire“, „Gottes Werk und Teufels Beitrag“ und „The Door in the Floor“ wurden durch eine herausragende Besetzung und Drehbücher, die teilweise vom Autor selbst verfasst wurden, zu großen Erfolgen an den Kinokassen. Im Jahr 2000 erhielt John Irving einen OSCAR für die beste Drehbuchadaption für „Gottes Werk und Teufels Beitrag“, der von Lasse Hallström verfilmt wurde. Unvergessen daraus ist jener Satz von Dr. Larch an seine Schutzbefohlenen im Waisenhaus:
Gute Nacht, ihr Prinzen von Maine, ihr Könige von Neuengland!

Mittlerweile ist John Irving in die Jahre gekommen – tatsächlich durfte er im März 2012 seinen 70. Geburtstag feiern. Doch still wird es um den charismatischen ehemaligen Ringer keinesfalls. Im Herbst 2012 wird auch in Deutschland sein neuer Roman „In One Person“ erscheinen – ein Ereignis, dem mit Sicherheit Millionen von Lesern entgegenfiebern dürften. Anlässlich seines runden Geburtstags erscheint die 90minütige Kinodokumentation „John Irving und wie er die Welt sieht“. John Irving hat längst seinen Platz im Pantheon amerikanischer Schriftsteller gefunden. Booksection.de und Moviesection.de gratulieren diesem großartigen Autor zu seinem runden Geburtstag – mögen noch viele weitere magische Romane aus seiner Feder fließen!


John Irving - Die Biographie

"Schreiben ist wie Ringen. Man braucht Disziplin und Technik. Man muss auf eine Geschichte zugehen wie auf einen Gegner."(John Irving)
Ob Irving nun ein schreibender Ringer ist oder ein ringender Autor sei einmal dahin gestellt, seine Bücher sind in jedem Fall eine Offenbarung, seine Technik ist genial und seine Geschichten episch, drastisch und von seiner ungewöhnlichen Kindheit geprägt.

Geboren wurde John Winslow Irving am 02. März 1942 in Exeter, New Hampshire als ältestes von vier Kindern - sein ursprünglicher Name war John Wallace Blunt. Seine Eltern ließen sich 1944 scheiden, da war John gerade mal zwei Jahre alt. Seine Mutter verbot seinem leiblichen Vater jeglichen Kontakt zu John - er erfuhr die Wahrheit über ihn erst, als er schon 36 Jahre alt war. Bis seine Mutter in seinem sechsten Lebensjahr Colin Irving heiratete, wuchs John in einem reinen Frauenhaushalt auf. Sein Stiefvater war Professor für russische Geschichte, seine Mutter Krankenschwester - sie war es auch, die ihren Sohn zum Ringen brachte. John war eher ein mittelmäßiger Schüler, seine Legasthenie wurde erst später erkannt. Wegen Charles Dickens, George Eliot und Dostojewski vernachlässigte er die Hausaufgaben in Mathematik und Latein, was für einen Schüler mit Leseschwäche natürlich nicht besonders förderlich war. Mit 14 Jahren begann er dennoch zu schreiben und entdeckte 1967 seine zweite große Leidenschaft – das Ringen. Er stieg in die 60-Kilo-Klasse ein und erhielt hier das beste Training für seine spätere schriftstellerische Laufbahn: Er lernte Geduld, unermüdliches Wiederholen und die Gewissheit, das Tempo selbst bestimmen zu können....zur kompletten Biographie


Eine Mittelgewichts-Ehe

Utsch und ihr Ehemann, der auch gleichzeitig der Erzähler dieses Romans ist, sind mit dem Ehepaar Edith und Severin befreundet. Eines Tages, keiner weiß eigentlich so genau wie es kam, beschließen die vier, es einmal mit Partnertausch zu versuchen. Was zunächst wie ein Spiel beginnt, wird aber immer mehr zum bitteren Ernst. Immer deutlicher tritt zutage, dass hier nicht alle gleich lieben, dass die Grenzen des Erlaubten für jeden wieder andere sind. Die Vorgeschichte, die jeder einzelne für sich hat verhindert, dass das Ganze in einer gewissen Leichtigkeit weitergehen kann.

Einer ist es, der ganz eindeutig den Ton angibt, der die Grenzen aufzeigt und die anderen somit manipuliert. Die Viererbeziehung bröckelt an allen Ecken und Enden, die Methoden werden fast unmerklich unfair und was als leichtes Spiel begann, wird unversehens zum erbarmungslosen Kampf, der seine Opfer einfordert.

Die Kritik zum Buch

Dies ist ein Irving-Roman, der ganz eindeutig von der 68er-Bewegung geprägt ist. Ganz offenherzig wird hier über Lust und Last des Partnertausches gesprochen, wobei der Autor kein noch so pikantes Detail verschweigt. Ganz offenherzig erzählt Irving eine erotische Geschichte, die aber unversehens in einen blutigen Kampf ausufert. Es wird von Eifersucht erzählt, von der Ohnmacht im Angesicht der eigenen Gefühle und Triebe und vom Unvermögen, in einer solchen Viererbeziehung die Eifersucht und Verlustängste ganz außen vor zu lassen.

Ein spannendes Thema, das der Autor auf intelligente und elegante Art und Weise interpretiert - und doch fehlt diesem Roman die für Irving sonst so übliche Leichtigkeit. Manchmal wird die Lektüre zwischendurch regelrecht zur Qual, fragt man sich unwillkürlich, wann dieses Elend denn endlich ein Ende hat. Zu verschlungen und nebulös sind die Motive der Protagonisten, zu wenig echte Emotionen sind hier spürbar. "Eine Mittelgewichtsehe" ist schwere Kost, die nicht wirklich Spaß macht - ein Irving, den man nicht unbedingt gelesen haben muss....zur kompletten Buchseite


Garp und wie er die Welt sah

Dies ist die Geschichte von T.S. Garp, dem 1944 geborenen, unehelichen Sohn der Feministin Jenny Fields, der unter höchst ungewöhnlichen Umständen gezeugt wurde. Seine Mutter, eine Krankenschwester aus Überzeugung und ihrer Zeit weit voraus, ist fest entschlossen, ihren Sohn ohne Mann, dafür aber mit aller der ihr zur Verfügung stehenden Liebe großzuziehen. Um ihm ein geeignetes Umfeld zu verschaffen, nimmt sie eine Stelle an der Steering School, einer Schule für Jungen an, an der Garp die ersten wichtigen Erfahrungen seines jungen Lebens macht. Er schließt Freundschaften, lernt das Ringen, verliebt sich und macht seine ersten sexuellen Erfahrungen.

Als er und Jenny die Steering School schließlich verlassen und auf unbestimmte Zeit nach Wien reisen, beginnen sowohl Garp als auch seine Mutter zu schreiben. Doch während Garps Roman langsam vor sich hindümpelt, legt Jenny mit ihrem ersten Buch ein rasantes Tempo vor und bringt es schon kurz nach dessen Erscheinen zu großem Ruhm. Zurück in der Heimat heiratet Garp, schreibt weiterhin seine irrwitzigen Geschichten, zeugt Kinder und lebt ein besonderes Leben voller Wahnsinn, Kummer, Komik und einer schier überbordenden Liebe zu all jenen, die ihm am Herzen liegen...

Die Kritik zum Buch

„Garp und wie er die Welt sah“ ist der Roman, der John Irving einst zu Weltruhm verhalf – und das nicht ohne Grund! In dieser bereits 1978 erschienen Geschichte vereint sich all das, wofür Fans des Autors John Irving so lieben. Kaum einer ist in der Lage auf so unnachahmliche Weise aberwitzige, vielschichtige und schräge Geschichten zu erzählen, wie John Irving das kann. „Garp und wie er die Welt sah“ ist provokant, weise, abgründig und dabei ebenso traurig wie witzig. Von der ersten Seite an fesselt Irvings Erzählstil, ist man von seinen kuriosen Ideen fasziniert und kann einfach nicht anders, als schallend zu lachen – so etwa angesichts der bizarren Schilderung von Garps Zeugung. Mit dieser Hauptfigur hat der Autor beinahe so etwas wie eine Legende erschaffen, Garp strotzt nur so vor Leben und Skurrilität. Doch auch alle weiteren Figuren dieser grandiosen Geschichte erscheinen einem wie eine Offenbarung, so lebensnah und zugleich fremdartig tauchen sie auf und sind doch irgendwann nicht mehr wegzudenken.

„Garp und wie er die Welt sah“ ist ein Roman, der zutiefst berührt, der seine Leser mitnimmt auf eine aberwitzige und spannende Reise, die er so schnell nicht wieder vergessen wird. Irving überzeugt mit seinem virtuosen und humorvollen Erzählstil, der schillernde Welten vor dem inneren Auge erstehen lässt. Man kann einfach nicht anders, als diesen unvergesslichen Roman als pure Magie zu bezeichnen – möge die fantastische Welt Garps auf ewig das literarische Firmament beleuchten!...zur kompletten Buchseite


Die Kritik zum Film

„Garp und wie er die Welt sah“ strotzt nur so vor engagierten und herausragenden Schauspielern, die man erwähnen muss, wenn man diesen Film zu Ende gesehen hat. Robin Williams ist wieder einmal so großartig, wie nur er sein kann. Glenn Close’ Rolle gehört zu jenen, die nur diese Schauspielerin glaubhaft spielen kann. Sie ist hier nur als Offenbarung zu bezeichnen – Sensationell! Neben diesen beiden Schauspielern sind eine wunderbare Mary Beth Hurt und ein schlicht phänomenaler John Lithgow zu sehen, der als Frau eine beeindruckende Figur macht. Anfangs belächelt man diese Figur, später hat man den Umstand völlig vergessen, dass dieser tolle Charakter eigentlich von einem Mann gespielt wird. Eine wahrhaft herausragende Leistung!
“Garp und wie er die Welt sah“ ist eine tolle Mischung aus Drama, Liebesgeschichte und Komödie und wird jeden begeistern, der dieses Genre liebt. Eine herausragende Romanadaption von John Irving, die man nicht verpassen sollte....zur kompletten Filmseite


Das Hotel New Hampshire

Im Jahr 1939 jobben Mary Bates und Win Berry, die gerade ihren Highschool-Abschluss hinter sich haben, im Hotel Arbuthnot-by-the-Sea an der amerikanischen Ostküste. Obskure Menschen geben sich hier die Klinke in die Hand und vor allem der jüdische Schausteller Freud mit seinem Tanzbären Earl hinterlässt einen bleibenden Eindruck bei den jungen Leuten.

Am Ende dieses Sommers beschließen Mary und Win zu heiraten und ein eigenes Hotel zu eröffnen. Freud, der wieder nach Österreich zurückkehrt, überlässt den beiden seinen Bären als Glücksbringer für ihr zukünftiges Leben. Win studiert, sie gründen eine Familie und tatsächlich gelingt es ihnen auch, ein Hotel zu führen. Doch ganz so wie sie sich das vorgestellt hatten, verläuft ihr Leben nicht.

Als Win eines Tages einen Brief von Freud erhält, in dem dieser ihn bittet, zu ihm nach Wien zu kommen, um mit ihm dort sein Hotel weiterzuführen, setzt dies eine Kette von Ereignissen in Gang, die das Leben der Familie Berry komplett verändert.

Die Kritik zum Buch

Wie immer bei John Irving fällt es äußerst schwer, den Inhalt dieses vor Verkettungen und obskuren Ereignissen prallen Buches in Kürze wiederzugeben. Irving ist schlicht und ergreifend ein Meister seines Fachs - die Geschichten, die er erzählt, sind an Ideenreichtum, obskuren Charakteren und überraschenden Wendungen kaum zu überbieten. Auch "Das Hotel New Hampshire" bildet hierbei keine Ausnahme, bekommt der Leser es doch mit einer absurden, vor Kraft strotzenden und herrlich fetten Geschichte zu tun. Ob nun der skurrile Jude Freud, der liebenswerte Tanzbär Earl oder die Verkettung von verrückten Ereignissen, die die Familie schließlich nach Wien führen - hier wird es nicht eine Sekunde langweilig.

Voller Gefühl, irrwitziger Wendungen und mit einer wunderbar abgestimmten Prise Humor erzählt Irving von Liebe, Zuversicht, großen Träumen und allem voran der unverbrüchlichen Treue einer ganz besonderen Familie. Dieser Roman fesselt und lässt einen hinterher nie mehr wieder völlig los.
"Das Hotel New Hampshire" zählt mit Sicherheit zu den besten Büchern John Irvings, hier schöpft er aus den Vollen und beweist, dass er zu Recht als einer der ganz großen Romanciers der heutigen Zeit gilt....zur kompletten Buchseite


Die Kritik zum Film

Nach dem weltweiten Erfolg der Adaption des John Irving-Romans „Garp und wie er die Welt sah“, trat Regisseur Tony Richardson auf den Plan, um „Das Hotel New Hampshire“ aus der Feder Irvings zu verfilmen. Mit seinem Drehbuch gelang es Richardson, aus „Hotel New Hampshire“ eine ziemlich werksgetreue Verfilmung zu erschaffen, was bei den Romanen Irvings nicht eben eine leichte Aufgabe darstellt. Doch allein schon der großartige Cast, bestehend aus Beau Bridges als Win Berry, Rob Lowe als dessen Sohn John und Jodie Foster als Tochter Frannie, erweist sich als wahrer Glücksgriff, und Nastassja Kinski als Bärenmädchen Susie rundet die gelungene Besetzungsliste ab. Es sind eine ganz besondere Skurrilität der Charaktere und vor Aberwitz strotzende Geschichten, die die Romane Irvings ausmachen. Richardson ist es in „Hotel New Hampshire“ gelungen, genau diese Attribute auf die große Leinwand zu transportieren. Entstanden ist ein temporeicher, dichter und zwischen Tragik und Komik schwankender Film, der von der ersten Sequenz an blendend unterhält und zu Tränen rührt.

Doch bei allem Unterhaltungswert kommen auch die gesellschafts- und zeitkritischen Untertöne, die den Roman auszeichnen, nicht zu kurz. Satirisch, zynisch, bissig und immer wieder herrlich grotesk lässt Richardson seine Charaktere agieren und schreckt auch nicht davor zurück, durchaus vulgäre Szenen in diese oftmals märchenhaft anmutende Geschichte einzubetten. Natürlich wird den Lesern des Romans nicht entgehen, dass Richardson gezwungen war, bei seinem Drehbuch auf viele Details und Nuancen zu verzichten, dennoch ist „Hotel New Hampshire“ eine durch und durch würdige Verfilmung der großartigen Buchvorlage – eine wunderbare Liebeserklärung an das Leben und seine oftmals verstörenden Wendungen. ...zur kompletten Filmseite


Gottes Werk und Teufels Beitrag

Dies ist die Geschichte des Waisenjungen Homer Wells, der in dem Waisenhaus St. Cloud´s aufwächst. Geleitet wird St. Cloud´s von Dr. Wilbur Larch, der Gynäkologe ist und illegale Abtreibungen vornimmt. Er nennt die Schwangerschaft einer Frau "Gottes Werk", die Abtreibung einer solchen hingegen "Teufels Beitrag", wobei Dr. Larchs ganz persönlicher Meinung nach auch eine Abtreibung "Gottes Werk" sein kann.
Homer Wells ist dem Waisenhausvorsteher zwar mehr als alle andere Waisen ans Herz gewachsen, dennoch versucht er auch ihn an adoptionswillige Paare zu vermitteln. Die diversen Versuche misslingen – Homer kehrt immer wieder zurück nach St. Cloud´s, er will dort bleiben und sich nützlich machen.
So wird er schließlich Dr. Larchs Gehilfe – zum "Arzt" und Abtreiber wider Willen, denn anders als Dr. Larch sieht er die Abtreibung nicht als den Willen Gottes an.

Durch einen Zufall verlässt Homer schließlich St. Cloud´s und beginnt in den Apfelgärten von Ocean View sein eigenes Leben zu leben. Dort lernt er auch Freundschaft kennen und die Liebe, aus der schließlich ein Kind entsteht. Aber er muss auch erkennen, dass das Leben durchaus nicht so einfach und unkompliziert ist, wie er es aus St. Cloud´s kennt. Wird es Homer gelingen, seine beiden Leben, die unterschiedlicher nicht sein könnten, doch noch zu vereinen?

Die Kritik zum Buch

Das ist nicht nur eine Geschichte, es ist vielmehr ein Gedicht, ein Gesang auf das Leben und die Menschen. Poetisch und voller Gefühl erzählt John Irving von den einfachen Dingen, von den großen Tragödien, von der Liebe in ihrer ganzen Vielschichtigkeit. So vieles geschieht in diesem Buch, dass es schlicht unmöglich ist, es mit einigen Sätzen zusammenzufassen.

Wieder einmal beweist Irving, dass er ein Meister des Erzählens ist, es gelingt ihm, den Leser zu fesseln, ihm das Gefühl zu geben, er sei selber ein Teil der Handlung. Mehr kann man von einem Buch wohl kaum erwarten – noch Tage später ist alles ganz präsent. Wenn man die Augen schließt, glaubt man, Ocean View zu sehen, St. Cloud´s und den äthersüchtigen Dr. Larch....zur kompletten Buchseite


Die Kritik zum Film

„Gute Nacht, ihr Prinzen von Maine, ihr Könige von Neuengland!“ (Dr. Wilbur Larch)
Es ist ein besonderer Zauber, der die Geschichte des Abreibungsarztes Dr. Wilbur Larch und seines Schützlings Homer Wells umgibt. Die Worte, mit denen Dr. Larch seine Schutzbefohlenen in den Schlaf entlässt, haben beinahe schon eine Schlüsselbedeutung für die Adaption von John Irvings Roman „Gottes Werk und Teufels Beitrag“. Regisseur Lasse Hallström gibt dem von John Irving selbst geschriebenen Drehbuch genügend Zeit, sich zu entfalten. Irving ging beim Schreiben des Drehbuchs liebevoll und achtsam mit der Romanvorlage um und schuf ein auf das wesentliche konzentriertes Skript, ohne dabei wirklich Wichtiges zu streichen oder zu sehr zu kürzen. Entstanden ist dadurch ein atmosphärisch dichter und sehr stimmungsvoller Film, der zwar die vielschichtige Aussage des Romans etwas vereinfacht darstellt, aber dennoch die Ambivalenz zwischen Richtig und Falsch auf den Punkt bringt. Kein Wunder also, dass John Irving den OSCAR für das beste Drehbuch entgegennehmen durfte.

„Gottes Werk und Teufels Beitrag“ kann mit großartigen Schauspielern überzeugen, allen voran Tobey Maguire als Waisenjunge Homer Wells, der die Schwierigkeiten des Erwachsenwerdens und die damit verbundene moralische Verantwortung grandios transportiert. Michael Caine wurde für seine Darstellung des äthersüchtigen Dr. Wilbur Larch mit einem OSCAR ausgezeichnet und das mit Fug und Recht. Er und Maguire verleihen dem Auseinanderdriften der Generationen und dem schwelenden Vater-Sohn-Konflikt ein glaubwürdiges Gesicht. Gerade die Einfachheit und Gradlinigkeit der Geschichte machen ihren besonderen Reiz aus. Dem Zuschauer wird von Anfang an selbst die Entscheidung überlasen, was richtig und was falsch ist, auf Schwarz-Weiß-Malerei wird verzichtet. Eine gelungene Kameraführung, wunderschöne Bilder und eine berührende Musik runden diesen Film zu etwas ganz besonderem ab. „Gottes Werk und Teufels Beitrag“ ist deshalb nicht nur für John Irving-Fans ein unbedingtes Muss. ...zur kompletten Filmseite


Die wilde Geschichte vom Wassertrinker

Dies ist die Geschichte des Fred Bogus Trumper, eines Nichtstuers, eines Schlawiners und Charmeurs, wie er im Buche steht. Von seiner einstigen Babysitterin hat er sich Beschwerden geholt, die ihm das Lieben zur Qual machen. Da hilft nur eines, sagt sein Urologe: Wasser trinken, Wasser trinken und nochmals Wasser trinken. Sein Freund, ein Filmemacher, möchte einen Film drehen über das unmögliche Leben des Bogus Trumper. Über seine gescheiterte Ehe, seine neue Beziehung, die ein erneuter Fehlschlag zu werden droht und über das Scheitern seines Lebens an sich. Und an all diesem Unglück gibt Bogus nur seiner Waffe die Schuld...

Die Kritik zum Buch

„Die wilde Geschichte vom Wassertrinker“ ist eine wahrhaft wilde und rasant erzählte Geschichte voll von skurrilen und liebenswerten Charakteren. Der Schwindler Bogus Trumper wird dem Leser mit jeder Seite sympathischer, und so unglaubwürdig alles erscheinen mag - man kann einfach nicht anders, als John Irving jedes einzelne Wort zu glauben.

Mit einem verzückten Grinsen im Gesicht liest man all die verrückten Dinge, die wirklich nur Bogus passieren können und kann gar nicht genug bekommen von diesem witzigen, humorvollen und doch auch immer wieder sehr ernsthaften Buch. Das Augenzwinkern ist kaum zu übersehen und dennoch kommen auch immer wieder die ernsten Untertöne an die Oberfläche, was „Die wilde Geschichte vom Wassertrinker“ noch umso sympathischer macht.

John Irving ist ein meisterhafter Erzähler, ein Schelm, wie er im Buche steht und ein begnadeter Autor. Er beglückt uns in „Die wilde Geschichte vom Wassertrinker“ mit einer aberwitzigen Geschichte, die immer wieder durchschimmern lässt, dass sie eine ganze Menge mit ihrem Autoren selbst zu tun hat. Hier ist Lesegenuss Programm und man hat als Leser nicht mehr zu tun, als sich mit Wohlbehagen in ein Meer von Humor, Witz, Charme und Ironie gleiten zu lassen, aus dem man am liebsten gar nicht mehr auftauchen möchte....zur kompletten Buchseite


Owen Meany

Owen Meany ist wirklich ein seltsamer Junge: ungewöhnlich kleinwüchsig, mit einer Stimme, die einem das Blut in den Adern gefrieren lässt, wenn sie ertönt. Und doch ist er der beste Freund von John Wheelwright, ja, dieser könnte sich keinen besseren wünschen. Das Leben mit Owen ist alles andere als langweilig, auch wenn er furchtbar altklug ist, manchmal wie ein Engel wirkt und ein andermal wieder zum Fürchten ist. John ist ohne Owen einfach nicht vorstellbar, die beiden halten zusammen wie Pech und Schwefel, selbst als Owen eine Schlüsselrolle beim Tod von Johns Mutter spielt, die er verehrt.

Auch als sie längst den Kinderschuhen entwachsen sind, teilen die beiden Freunde (fast) alles miteinander. Doch Owen wird von einer furchtbaren Vorahnung geplagt, hat eine Vision, die aber niemand so richtig ernst nehmen will. Obwohl er nur 1,50 Meter groß ist, ist er fest entschlossen, zum Militär zu gehen und sich freiwillig für Vietnam zu melden. Vorher muss er aber noch das Leben seines besten Freundes in geregelte Bahnen lenken...

Die Kritik zum Buch

Mit "Owen Meany" ist John Irving ein wahres Meisterwerk gelungen, eine bewegende, berührende Geschichte über eine einzigartige Freundschaft, die keine Grenzen kennt. Außerdem setzt sich der Autor mit der Frage auseinander, wie man in einer chaotischen Welt wie der unseren noch einen tiefen Glauben bewahren kann. Owen ist sein Beispiel für diesen starken Glauben, der sich durch nichts erschüttern lässt, ist quasi der Messias Amerikas, an den die Menschen erst glauben wollen, als es fast zu spät ist.

Gleichzeitig ist "Owen Meany" ein zutiefst gesellschaftskritischer Roman, der die Selbstgefälligkeit und mangelnde politische Bildung des amerikanischen Volkes anprangert. Mit Owen Meany hat Irving einen Helden geschaffen, der sympathisch und gleichzeitig unheimlich schillernd ist, eine Figur, die man nicht mehr so schnell vergessen wird. Dieses Buch stimmt nachdenklich, berührt zutiefst und lässt einen eins ums andere Mal Tränen lachen - einfach nur genial!...zur kompletten Buchseite


Zirkuskind

Dr. Daruwalla sucht das "Zwergen-Gen" und hält sich zu diesem Zwecke besonders gerne im Zirkus-Milieu von Bombay auf. Außerdem betätigt sich der Arzt als Drehbuchautor der "Inspektor Dhar"-Filme, einer von den Indern zutiefst gehassten Kriminalfigur, die von Dr. Daruwallas Ziehsohn John D. dargestellt wird. Als dessen Zwillingsbruder Martin auftaucht, der allerdings nicht ahnt, dass er ein Zwilling ist, läuft dem Autor, der es doch gewohnt ist, die Fäden in der Hand zu halten, so einiges aus dem Ruder...

Dann treibt auch noch ein Golfplatzmörder sein Unwesen, der offensichtlich eine Rechnung mit John D. zu begleichen hat. Ein alter Bekannter Dr. Daruwallas wird verdächtigt, der allerdings nicht so leicht aufzufinden ist, da sich sein Äußeres doch gewaltig gewandelt hat.

Und noch eine alte Bekannte des Arztes spielt in der Geschichte eine Rolle, deren Aussehen sich zwar nicht so spektakulär verändert hat, die aber dennoch erst einmal aus der Reserve gelockt werden muss. Der gute Dr. Daruwalla ist also sehr geplagt von immer wieder neuen unvorhergesehenen Ereignissen und doch gelingt es ihm zum guten Schluss noch einmal, Schicksal zu spielen...

Die Kritik zum Buch

John Irving in Bestform! Wieder einmal gelingt es dem virtuosen Autor, unzählige Handlungsstränge miteinander zu verknüpfen, so dass ein turbulenter, schriller, aufregender und gleichzeitig philosophischer Roman entstanden ist. Jede seiner Figuren lebt buchstäblich, bis ins kleinste Detail inszeniert Irving liebevoll seine Charaktere.

Immer wieder muss man beim Lesen von „Zirkuskind“ lauthals lachen, so skurril sind seine Einfälle, so viel Menschliches kommt hier auf äußerst komische und zugleich tragische Weise daher. Irrwitzig ist, was hier geschieht und doch auch wieder zutiefst glaubwürdig – kein anderer Autor kann solche Geschichten erzählen!...zur kompletten Buchseite


Witwe für ein Jahr

Eddie O´Hare verbringt seine Sommerferien bei der Familie Cole. Ted Cole ist ein mittelmäßig erfolgreicher Kinderbuchautor und Eddie, der selbst Schriftsteller werden möchte, arbeitet für einen Sommer als dessen Assistent. Von Teds Frau Marion allerdings lernt Eddie das, was einen 16jährigen ausschließlich zu beschäftigen scheint: Er und die mehr als 20 Jahre ältere Frau beginnen eine Affäre, die sein ganzes restliche Sexualleben prägen soll – was er zu dem Zeitpunkt natürlich noch nicht weiß.

Das Leben der Familie Cole wird überschattet vom Verlust der beiden Söhne, die bei einem tragischen Autounfall ums Leben kamen. Die kleine Tochter Ruth, nach dem Tod der Söhne gezeugt, kann die Ehe der Eltern nicht zusammenhalten, und so verlässt Marion die Familie, als Ruth erst vier Jahre alt ist.

Dieses Verlassenwerden prägt das Leben Ruths, die eine gefeierte Schriftstellerin wird und doch nie darüber hinwegkommt, dass ihre Mutter einst so sang- und klanglos ging. Als sie bei einer Autorenlesung Eddie wieder trifft, verstrickt sich das Schicksal der beiden noch einmal.

Die Kritik zum Buch

Es fällt schwer, den Inhalt dieses Romans in Kurzform zusammenzufassen und ebenso schwer fällt es, etwas zu diesem grandiosen Autor zu sagen, das ihm einigermaßen gerecht wird. Wow – was für eine Geschichte! Umwerfend komisch, tragisch, skurril, voll üppiger Phantasie. Irving gelingt es, die verschiedenen Handlungsstränge immer wieder so zusammenzuführen, dass eine Harmonie in der Geschichte entsteht, dass man mit einem Augenzwinkern akzeptiert, dass es genauso passiert sein könnte. Selten liegen in einer Erzählung Tragik und Komik so nah zusammen, nimmt ein Buch so umfassend Herz und Verstand des Lesers ein.

Über John Irving wird gesagt: "Ein normaler Leser möchte wissen, wie das Buch endet, der Irving-Leser wünscht, es möge niemals enden." Nach der Lektüre von "Witwe für ein Jahr" kann man einfach nicht anders, als das vehement zu bestätigen - John Irving ist ein Meister seines Fachs!...zur kompletten Buchseite


Die Kritik zum Film

Jeff Bridges beweist in „The Door in the Floor“ wieder einmal sein ausdrucksstarkes Können. Der hoch gelobte Mime ist noch immer ein Garant für ausdrucksstarke Rollen und ebensolche Leistungen. Doch auch Kim Basinger spielt ihren Part schlicht großartig und überzeugt restlos. An der Seite der großen Hollywoodstars sind auch Elle Fanning und Jon Foster zu sehen, die sich authentisch in die Szenerie einfügen.
Die Handlung, die auf John Irvings „Witwe für ein Jahr“ beruht, wurde von Regisseur und Drehbuchautor Tod Williams stimmig und eindrucksvoll umgesetzt. Der Filmemacher scheut nicht davor zurück, konsequent und freizügig seine Geschichte zu inszenieren, was letztlich erheblich zur Glaubwürdigkeit beiträgt.
„The Door in the Floor“ ist ein großartiger Film mit herausragenden Schauspielern geworden. Fans von besonderen Stoffen sollten diese Geschichte nicht verpassen. ...zur kompletten Filmseite


Die vierte Hand

Dem New Yorker Journalisten Patrick Wallingford wird während einer Indienreportage vor laufender Kamera die linke Hand von einem Zirkuslöwen abgebissen. Nicht genug damit, frisst der Löwe die Hand der Journalisten auch noch ohne mit der Wimper zu zucken auf. Millionen von Zuschauer auf der ganzen Welt werden Zeugen dieses Unfalls.
Zeitgleich wartet ein Handchirurg in Boston auf die lang ersehnte Chance, die erste Handtransplantation in Amerika vorzunehmen.
Und in Wisconsin möchte eine junge Frau die linke Hand ihres Ehemannes für den einhändigen Reporter spenden – das Problem ist nur, dass ihr Mann quicklebendig ist und seine Hand eigentlich ganz gerne behalten würde...

So verketten sich die Schicksale dieser drei sich völlig fremden Menschen auf äußerst skurrile Art und Weise miteinander. Für jeden der drei hat die unausweichliche Begegnung, auf die alles zusteuert, ungeahnte Folgen für das weitere Leben.

Die Kritik zum Buch

Was für ein Buch! „Die vierte Hand“ ist ein echter John Irving, voll von bizarren und unfassbaren Ereignissen und Figuren. Welch verrückte Ideen sprudeln aus diesem Mann nur hervor! Kaum zu glauben, aber man muss ihm einfach alles abnehmen, was da so unschuldig aus seiner Feder fließt. Es hätte gar nicht anders passieren können. Wer wagt, daran zu zweifeln, dass diese Geschichte äußerst real ist?

Alles was John Irving schreibt, klingt so plausibel und gleichzeitig so widersinnig, dass man einfach nicht aufhören kann zu lesen, ehe alles ausgestanden ist. "Die vierte Hand" ist ein absolutes Highlight und zweifellos einer von Irvings besten Romanen. Es gelingt ihm scheinbar mühelos und mit einer fast schon unverschämten Leichtigkeit, seine Leser gleichzeitig zum Lachen und zum Weinen zu bringen - und das innerhalb von Sekunden. „Die vierte Hand“ ist ein großartiger, heiterer und vor allem unvergesslicher Roman!...zur kompletten Buchseite


Bis ich dich finde

Die Tätowiererin Alice begibt sich mit ihrem vierjährigen Sohn Jack auf eine Reise durch verschiedene Nord- und Ostseehäfen. Sie befinden sich auf einer nicht enden wollenden Suche nach Jacks Vater, dem Kirchenorganisten und „Tintensüchtigen“ William Burns, dem man nachsagt, dass sein Körper vollständig tätowiert ist und einem einzigen Notenblatt gleicht. Doch egal, wie schnell Alice und Jack bei ihrer obsessiven Suche auch sind, William bleibt für die beiden unauffindbar und Alice` Verhalten wird im Laufe der Jahre immer seltsamer. Vielleicht ist es aber auch einfach so, dass Jack, je älter er wird, vieles mehr zu hinterfragen beginnt und so auf immer neue Ungereimtheiten im Leben seiner Mutter stößt.

Früh in seinem Leben beginnt Jack, sich von älteren Frauen beherrschen zu lassen, eine Eigenschaft, die er in sein Erwachsensein mitnimmt. Eigentlich war ihm schon immer klar, dass er einmal Schauspieler werden wird und genauso kommt es dann auch. Jack Burns feiert in Transvestitenrollen Triumphe, wird ein bekannter Hollywoodstar und doch ist da immer dieses dunkle Geheimnis um seine Kindheit, um seinen Vater und die Rolle, die seine Mutter in Jacks Leben spielt, die ihn nicht zur Ruhe kommen lassen. Der Drang, die Suche, die seine Mutter einst begann, zu beenden, veranlasst Jack Burns schließlich, noch einmal allein nach Europa aufzubrechen um auf den vielen Stationen seiner Kindheit eine Spur seines geheimnisvollen Vaters zu entdecken.

Die Kritik zum Buch

Ein Buch, das so menschlich ist, so realistisch und gleichzeitig völlig obskur und widersinnig, dass man es einfach nicht mehr aus der Hand legen kann. Hier wimmelt es nur so von verkrachten Existenzen, abgewrackten Tätowierern, alternden Prostituierten – dem ganz alltäglichen Wahnsinn eben. Irving erzählt seine Geschichte wie gewohnt auf eine Art und Weise, dass der Leser ihm alles abnimmt. Verrücktheiten, die man nur John Irving glauben kann, bringen einen eins ums andere Mal zum Lachen.
Dieses gewaltige Meisterwerk zeigt vor allem, dass es vordergründig um eines im Leben geht – die Person zu finden, die dem Leben einen Sinn verleiht. Dies ist zweifellos ein sehr persönliches Buch, in dem Irving unübersehbar viele Aspekte seiner eigenen Biographie verarbeitet hat – vielleicht macht gerade das die Eindringlichkeit dieses Romans aus....zur kompletten Buchseite


Letzte Nacht in Twisted River

Es ist in einem Flößer- und Holzfällercamp in den Wäldern von New Hampshire, in dem die Geschichte des Kochs Dominic Baciagalupo und dessen Sohn Daniel im Jahr 1954 ihren Anfang nimmt. Oder vielmehr könnte sie hier schon zu Ende sein, denn auf tragische Art und Weise verwechselt der zwölfjährige Danny die Geliebte seines Vaters mit einem Bären – was für die tödlich endet. Fatalerweise ist das Opfer des bedauerlichen Irrtums nicht nur die Geliebte von Dominic Baciagalupo – sondern auch die des äußerst brutalen und unberechenbaren Hilfssheriffs. Vater und Sohn bleibt keine Wahl, als noch in derselben Nacht zu fliehen und alles, was ihnen lieb und teuer ist, hinter sich zu lassen. Das wäre neben vielem anderen insbesondere der treue und unverwüstliche Ketchum, der beste Freund der beiden – und die Erinnerung an Dannys Mutter, die eines Nachts im Twisted River ertrank.

Es ist eine nicht enden wollende Odyssee, auf die Vater und Sohn sich begeben, immer in dem Wissen, dass der verbitterte Rächer sie suchen wird, solange er lebt. Sie ziehen von einer Küche zur nächsten, zunächst in Boston, danach in Vermont, Iowa und schließlich in Kanada, und mit seinen Kochkünsten und seinem Talent, aus fremden Zutaten wieder etwas Neues zu zaubern, sorgt Dominic stets für ihr Überleben. Menschen und vor allem Frauen jeder Couleur begegnen ihnen, begleiten sie für einige Zeit und müssen sie schließlich wieder loslassen. Nur der treue Ketchum ist immer für die beiden da, fest entschlossen, sie vor dem rachsüchtigen Sheriff zu beschützen. Doch solange der lebt, werden weder Dominic und Danny noch der treue Freund Ketchum je zur Ruhe kommen…

Die Kritik zum Buch

„Letzte Nacht in Twisted River“ liefert den Beweis dafür, dass es mit John Irving ist, wie mit einem guten Wein: Je älter er wird, desto besser, ausgefeilter und harmonischer sind seine Bücher. Vom ersten Satz an ist man von dieser abstrusen Geschichte komplett fasziniert, lässt sich hineinziehen in die Tiefen eines immer grotesker und zugleich facettenreicher werdenden Romans. Irvings Charaktere bestechen einerseits durch ihre Glaubhaftigkeit und wirken andererseits aber auch wieder völlig absurd. Gerade diese Überzeichnung lässt Figuren wie Indianer-Jane oder Sixpack-Pam so lebendig und plastisch wirken. Die Entscheidung darüber, wer nun die eigentliche Hauptfigur dieser Geschichte ist, bleibt dem Leser dann am Ende selber überlassen. Ob nun der sanftmütige Meisterkoch Dominic Baciagalupo, dessen Sohn Daniel, der später der berühmte Schriftsteller Danny Angel werden wird oder der unvergleichliche Ketchum – sie alle haben in jedem Fall das Potential zum Helden.

In „Letzte Nacht in Twisted River“ lässt John Irving sämtliche Facetten seines unglaublichen Könnens spielen. Er erzählt eine verworrene und zugleich poetische Geschichte, die von der Sehnsucht und der Flüchtigkeit des Glücks zu berichten weiß. Tragische Momente wechseln sich mit unglaublich komischen ab und so liegen – wie so oft bei John Irving – Lachen und Weinen ganz nah beieinander. Dominics und Dannys Geschichte ist eine Geschichte voller Höhen und Tiefen, höchstes Glück und tiefster Schmerz gehören ebenso dazu, wie die eine große Liebe und die vielen kleinen. „Letzte Nacht in Twisted River“ beweist erneut, dass John Irving zu den ganz Großen gehört – er schreibt voller Eleganz und Charme, lässt tief hineinblicken in die dunklen und erschreckenden Abgründe seiner Figuren und behandelt sie doch mit großem Respekt. Dabei bleibt er aber immer der John Irving, den wir alle lieben: tolldreist, verrückt und durch und durch bissig....zur kompletten Buchseite