Interview mit...

...Jenny-Mai Nuyen


...zu "Rabendmond - Der magische Bund"

"Die Angst missverstanden zu werden ist wahnsinnig groß"

Mit Booksection im Gespräch: Jugenbuchautorin Jenny-Mai Nuyen über ihr neues Buch "Rabenmond - Der magische Bund"

Booksection: In Deinem neuen Buch, „Rabenmond“ gibt es weder Widmung, noch Danksagung. Warum?
Jenny-Mai Nuyen: Leider, leider hatte ich wenig Zeit am Ende des Buches. Ich hab wirklich gerade so den letzten Punkt geschafft. Es tut mir auch wahnsinnig leid, weil ich mich normalerweise freue, wenn ich noch eine Danksagung reinschieben kann.

Booksection: Bereits „Nocturna“ war kein dünnes Buch und auch „Rabenmond“ hätte durchaus ein Mehrteiler werden können. Warum schreibst Du, entgegen dem Trend einer Trilogie, nur abgeschlossene Geschichten?
Jenny-Mai Nuyen: Ich mag es, Dinge zu Ende zu bringen. Ich habe eigentlich nichts gegen Mehrteiler, ich denke nur, es muss zur Geschichte passen. Wenn man eine Geschichte gut aufteilen kann, wenn jeder Teil in sich geschlossen ist und der Spannungsbogen stimmt, dann ist das gut. Aber einfach nur eine Geschichte in der Mitte durchzuhacken, um zu sagen: „Jetzt machen wir drei dicke Bücher draus, das verkauft sich besser!“, finde ich nicht gut.

Booksection: Auch eine Karte findet man in „Rabenmond“ nicht…
Jenny-Mai Nuyen: Ich mag Karten und so was, aber es hätte zu „Rabenmond“ nicht gepasst. „Nijura“ und „Das Drachentor“ waren klassische Geschichten, die Helden sind auf dem Weg und treffen auf verschiedene Orte. Da möchte man wissen, wie sie sich bewegen. Auch in „Rabenmond“ sind sie unterwegs, das ist aber eher zweitrangig. Die Konflikte, die im Vordergrund stehen, sind emotionaler und die Distanz und die Orte spielen da eigentlich kaum eine Rolle.

Booksection: Wie schwer ist es für Dich gute Fantasy zu schreiben und neue Wege zu gehen?
Jenny-Mai Nuyen: Ich glaube es ist wichtig, dass man sich mit anderen nicht vergleicht. Man darf überhaupt nicht darauf schauen, was andere schreiben oder ob es eine Idee schon mal gab. 1. gab es natürlich schon alles und 2. ist es wichtig, wie Du eine Geschichte schreibst, Du als eine bestimmte Person mit bestimmten Erfahrungen oder Erlebnissen.
Es ist meiner Meinung nach am allerwichtigsten, das man das schreibt, was man schreiben möchte und selber gerne lesen würde und gar nicht drauf schaut, was gerade erfolgreich ist.

Booksection: In „Rabenmond“ kommen die Beziehungen zwischen den einzelnen Figuren herausragend gut heraus…
Jenny-Mai Nuyen: Es ist auch das erste Mal, das ich mich wirklich getraut habe, viele Dinge zu sagen, anzusprechen, wo ich früher dachte, dass ich mich lieber zurückhalte. Zum Beispiel diese Beziehung zwischen Mion und Jagu, die ja eigentlich in der Form schon in allen anderen meiner Geschichten auftaucht, aber viel versteckter, verborgener und weniger im Fokus der Handlung. Das sind so psychologische Sachen, an die man sich erst trauen muss, heranzugehen, weil es viel mit einem selbst zu tun hat. Man muss einfach offener werden und dem Leser mehr vertrauen. Die Angst missverstanden zu werden ist wahnsinnig groß.

Booksection: Du hast, wenn man mit Dir spricht, einen wunderbaren Humor. Man möchte auch in deinen Büchern öfter lachen. Wann wirst Du mal richtig komisch?
Jenny-Mai Nuyen: „Nocturna“ ist noch ein wenig mehr in diese satirische Richtung gerutscht und vielen Lesern gefiel das nicht. Vielleicht ist das auch ein Grund, warum ich bei „Rabenmond“ unbewusst wieder zurückgegangen bin. Man muss dazu sagen, dass „Rabenmond“ auch am Schwierigsten zu schreiben war, schwieriger als alle anderen Geschichten. All diese Dinge, die vorher intuitiv passiert sind, die hab ich jetzt bewusster wahrgenommen. Die Geschichte hat dadurch profitiert, aber es war einfach beim Schreiben viel mehr Arbeit.

Booksection: Deine herrschenden Figuren heißen Drachen, obwohl sie keine fliegenden Echsen  oder Drachen im klassischen Sinn sind.
Jenny-Mai Nuyen: Eigentlich wollte ich nach dem „Drachentor“ nichts mehr mit Drachen zu tun haben. Als ich die Geschichte geschrieben habe, wollte ich ihnen erst Phantasienamen geben, aber es ging eben nicht. Sie brauchen einen Namen, den man kennt. Wenn man an das Fabelwesen Drachen denkt und einfach mal die ganzen Bücher vergisst, die momentan ihr Bild prägen, dann passen sie sehr gut auf Wesen, die sich verwandeln und Tiergestalten annehmen.

Booksection: Du studierst Film in den USA, schreibst erfolgreiche Bücher. Wohin willst Du?
Jenny-Mai Nuyen: Ich weiß es noch nicht. Was sich ergibt. Ich finde Animationsfilme total ästhetisch. Ich mag Filme, die sich nicht nur trauen, komisch zu sein, sondern auch diese Ästhetik ganz auszuschöpfen und ein Kunstwerk zu sein.

Booksection: Es macht immer Spaß mit Dir zu sprechen! Vielen Dank für das Interview.



Das Interview wurde veröffentlicht am: 16.10.2008

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