Aktuelle Autoren
Aktuelle Buchkritiken
- Dez.
- Alle Rache will Ewigkeit
- Dez.
- City of Fallen Angels
- Dez.
- Judaswiege
- Jan.
- Aleph
- Jan.
- Blauer Montag
- Jan.
- Das Skript
- Jan.
- Immortal Beloved 2
- Jan.
- Offenes Grab
- Feb.
- Das Alphabet Haus
- Feb.
- Heldenwinter
- Feb.
- London Killing
Kommende Buchkritiken
- Dez.
- Die Kriminalromane
- Dez.
- Wasserland
- Jan.
- Cassia & Ky 2
- Jan.
- Der Anschlag
- Jan.
- Die Königsmörder-Chronik 3
- Feb.
- Die Bestie von Sanok
- Feb.
- Die Feuerkämpferin 3
- Feb.
- Die Geschichte des Wassers
- Feb.
- Die Hunt-Chroniken 2
- Feb.
- Die sterblich Verliebten
- Feb.
- Entführt
- Feb.
- Garp und wie er die Welt sah
- Feb.
- Hyddenworld
- Feb.
- Vergeltung
- Feb.
- Schwarze Blumen
- Feb.
- Sie und er
- Zur Vorschau
Booksection.de unterstützt PETA
Interview mit...
...Isabel Abedi
...zur
Buchkritik von "Lucian"
"...und das Unglück bricht in einen perfekten Tag und eine perfekte Konstellation hinein."
Mit Booksection im Gespräch: Die erfolgreiche Kinder- und Jugendbuchautorin Isabel Abedi.
Booksection: In „Lucian“ wird erneut ein Mutter-Tochter-Konflikt
thematisiert...
Isabel Abedi: Ja, ich mag das Thema. Und ich glaube auch,
dass das etwas ist, was zu der Sinnfrage von Jugend gehört: die Auseinandersetzung
mit der Mutter, wobei ichden Konflikt in „Whisper“ viel klassischer
fand. Cat ist ja keine “normale” Mutter, die einfach, wie in anderen
Büchern, Schwierigkeiten mit ihren Kindern hat. Ich habe immer das Gefühl,
dass in meinen Romanen die Mütter die “Speziellen” und die
Kinder die “Normalen” sind. Bei „Lucian“ war es so,
dass die Beziehung zwischen Mutter und Tochter für mich ganz lange der
größte innerliche Schwerpunkt war. Ich habe ganz lange gebraucht,
auch mithilfe meiner Lektorin, mich von diesem Punkt zu lösen und mich
beim Planen des Romans auf den Liebesteil und auf Lucian zu konzentrieren. Janne,
Spatz und Rebecca sind eine absolut glückliche Familie und das Unglück
bricht in einen perfekten Tag und eine perfekte Konstellation hinein. An diesem
Punkt habe ich von einer Mutter erzählt, die ihr Kind beschützen will
und aus diesem Grund eigentlich genau das Falsche tut. Das war ein großer
Reiz für mich, das zu erzählen. Da kann man auch nicht anders, als
privat zu werden. Ich weiß, wie stark Mutterliebe ist und wie gefährlich
es ist, zu denken, dass ich mein Kind vor allem Schlimmen bewahren kann. In
„Lucian“ wird es ja klar, dass das nicht geht.
Booksection: „Lucian“ strahlt aus, ein Kraftakt
gewesen zu sein…
Isabel Abedi: Deswegen hat mich Deine Rezension auch so berührt.
Denn: Das war so. „Lucian“ ist das Buch, was mich am meisten Kraft
gekostet hat. Das hat auch meine Lektorin gemerkt, die mich sehr stark begleitet
hat und auch sehr viel stärker hinter die Kulissen geblickt hat.Sie hat
mir an bestimmten Punkten, an denen ich erschöpft war und nicht weiter
konnte, Kraft gegeben. Da gibt es für mich ein Paradebeispiel: In der Szene,
als Rebecca in der Praxis ihrer Mutter etwas Entscheidendes entdeckt und auch
sonst alles aus dem Ruder läuft - an diesem Punkt hat sie ja schon eine
ganze Weile gelitten. In der ersten Fassung verlässt sie die Praxis und
es geht ihr dreckig und sie kann nicht mehr. Das war dann eine Stelle, an der
meine Lektorin gesagt hat, dass es eben nicht reicht, dass sie verzweifelt ist.
Sie muss irgendwas tun. Verzweifelt ist sie schon zu oft gewesen. Dann musste
ich überlegen: Was macht jemand, der einfach nicht mehr kann? Das was sie
dann tut, ist zwar lustig geschrieben, war es aber überhaupt nicht. Man
muss an dieser Stelle tief in einen Menschen hineingehen und die Gefühle
mitmachen. Es gab einfach Szenen, da hab’ ich während des Schreibens
geweint und es gab vor allem Tage, da hatte ich nicht die Kraft, mich damit
zu beschäftigen.
Booksection: Das kam an. Auch ein beeindruckendes und stimmiges
Erzählmittel sind die Emails, die Rebecca bekommt…
Isabel Abedi: Ich wollte diesen kompletten Zusammenbruch nicht
beschreiben müssen, wie sie sich quält. Nicht im Sinne von: „Ich
möchte es mir nicht antun!“, sondern um einfach keine Klischees zu
bedienen. Ich überlegte, wie ich begreifbar machen kann, ohne zu beschreiben,
wie sie sich plagt. Erst dann kam ich auf die Idee mit den Emails, die gleichzeitig
eine Brücke waren und gezeigt haben, dass ihre Freunde zwar in ihrer alten
Heimat, aber immer noch da sind.
Booksection: Die Figurenzeichnung ist ja sowieso Deine Stärke.
Auch in „Lucian“ ist wieder keine Figur blass oder belanglos. Eine
sticht jedoch hervor: Tyger.
Isabel Abedi: (lacht) Ja, Tyger.
Booksection: In den ersten Kapiteln kann man sich über
die Englischstunden wunderbar amüsieren. Gab es für ihn ein Vorbild?
Isabel Abedi: Das ist eine ganz lustige Geschichte hinter den
Kulissen. Ich habe mir am Anfang Gedanken über die Figuren gemacht und
ich wollte eben, dass es zwei Figuren gibt, die eine besondere Bedeutung haben.
In “Isola” hatte ich zwölf Charaktere, die ich aber eigentlich
nicht in der Form ausarbeiten konnte, in der ich es gerne getan hätte,
weil es ja dieses „10-Kleine-Negerlein“-Prinzip war. Eine meiner
Lieblingsfiguren war Moon und da dachte ich: „Hey! Die nehm´ ich
mit in das neue Buch!“ Daraus ist später Faye geworden. Tyger war
für mich am Anfang ein junger Typ, der Base-Jumping und überhaupt
Extremsportarten liebt. Als ich dann daran ging und es umgesetzt habe, wurde
mir klar, dass es nicht funktioniert. Dann kam mir die Idee mit der Lehrerfunktion.
Ich weiß gar nicht mehr genau, wie ich auf Tyger gekommen bin. (lacht).
Er war aber in jedem Fall eine der Lieblingsfiguren meiner Lektorin und mir
hat es wahnsinnigen Spaß gemacht, diese bösartige, ironische Seite
zu schreiben und ihn dann später so ein wenig zu entlarven.
Booksection: Im Buch gibt es eine Stelle mit folgendem Text:
„Wie viele Bars gibt es in Hamburg? Hunderte? Tausende? Und du betrittst
zweimal hintereinander ausgerechnet die, in der Lucian arbeitet?“ Suse
kicherte. „Der Schriftsteller, der eine solche Szene in sein Buch schreiben
würde, wäre ein gefundenes Fressen für jeden Literaturkritiker.“
Wie kam es denn dazu? So kann man es natürlich auch machen…
Isabel Abedi: (grinst) Ich hab das selbst entdeckt. Wenn ich
ein Buch schreibe, dann sitzen irgendwo in einem Raum in meinem Kopf in großen
Sesseln Monster und essen Chips. Während ich schreibe, schauen sie zu und
meckern und geben ihre Kommentare ab. Das sind so meine inneren Literaturkritiker
(lacht). Zuerst hatten sie keine Chips, da waren sie dann richtig sauer. Dann
hab ich ihnen welche gegeben, weil ich dachte, es würde sie etwas besänftigen.
Die sind aber immer da und in dieser Szene hat eben auch einer gesagt: „Das
kannst Du nicht bringen!“ Ich habe aber auch liebe Monster und die haben
gesagt: „Schreib´s doch einfach rein!“
Booksection: Großartig! Und sehr lustig…
Hast Du jemals das Gefühl, ein Buch wirklich beendet zu haben?
Isabel Abedi: Ja, irgendwann schon. Bei „Lucian“
war auch das am schwersten. Ich würde sagen, das „Lucian“ nicht
mehr an meiner Nabelschnur hängt, aber ich stille noch. Er ist wirklich
noch bei mir.
Booksection: Einen Kritikpunkt gibt es jedoch auch bei „Lucian“.
Der Schluss kommt sehr abrupt…
Isabel Abedi: Es gab in der ersten Fassung einen Prolog und
einen Epilog. Der Prolog ist ziemlich schnell rausgeflogen. Der Epilog sollte
ursprünglich weiter drin bleiben. Dreimal hab’ ich ihn neu geschrieben.
In dem Epilog erfährt man, was danach mit Rebecca geschieht. Nachdem das
Script fertig war, beschlossen meine Lektorin und ich, es noch zwei anderen
Lektorinnen zu geben, weil wir beide zu dicht an der Geschichte waren. Eine
der beiden kam, nachdem sie es gelesen hatte, in das Büro meiner Lektorin
und war begeistert, sagte aber auch: „Der Epilog! Das geht gar nicht!
Ich will doch nicht wissen, wie das weitergeht! Ich will das doch nicht geschrieben
sehen!“ Mit dieser Stimme im Kopf hab’ ich mich dennoch schwer getan,
ihn raus zu nehmen. Die Stimmen, wie Deine, sind mir lieber, wie die, die sagen:
„Das hätte ich mir lieber selber ausgedacht!“ Als ich den letzten
Satz dann geschrieben habe, wusste ich auch irgendwie, dass das der letzte Satz
ist. Mit diesem Gefühl konnte ich mich dann auch vom Epilog trennen.
Booksection: Vor einem Jahr saßen wir auch schon bei
einem Interview zusammen. Damals war eine Frage an Dich, ob Du Dich auf die
kommende Verfilmung von „Lola“ freust. Deine Antwort lautete, Du
würdest an Verträge und Unterschriften glauben und solange das noch
nicht unter Dach und Fach ist, freust Du Dich nicht. Jetzt kommt 2010 der erste
„Lola“-Film in die Kinos. Jetzt die Frage: Freust Du Dich?
Isabel Abedi: (grinst) Total!
Booksection: Mit Meira Durand wurde ein Mädchen gewonnen,
das in “Hier kommt Lola” ihr Debüt gibt. Bist Du mit dieser
Wahl einverstanden?
Isabel Abedi: Ich bin superzufrieden! Ich hab’ sie auch
privat kennengelernt und bin wirklich zufrieden. Tolles Mädchen und bewundernswert,
wie sie schauspielerisch arbeitet, wie professionell sie ist und wie sie dabei
aber eben doch Kind bleibt.
Booksection: Vielen Dank für das tolle Interview und wirklich
alles erdenklich Gute für „Lucian“!
Das Interview wurde am 15.10.2009 durch Thomas Ays geführt. Veröffentlicht und freigegeben vom Autor am 31.10.2009