Interview mit Isabel Abedi

"Meine Leidenschaft ist das Bücher schreiben und damit bin ich auch mehr als ausgelastet."

Mit Booksection im Gespräch: Jugend -und Kinderbuchautorin Isabel Abedi

Sie schreiben mit „Ihrer“ „Lola“ bekannte und berühmte Kinderbücher und mit „Whisper“ und „Imago“ tolle Jugendliteratur. Welche Art Bücher schreiben Sie lieber? Jedes auf seine Weise gleich gerne. Das sind zwei unterschiedliche Qualitäten und je nach Stimmung. Ich freue mich natürlich nach einem Kinderroman auf einen Jugendroman und nach einem Jugendroman auf einen Kinderroman.
Sie feiern mit „Lola“ große Erfolge. Jetzt wird eines Ihrer Bücher sogar verfilmt. Wie aufgeregt sind Sie? Ich freue mich, aber da es noch nicht ganz konkret ist, warte ich noch ab. Ich glaube an Unterschriften und wenn ich es schwarz auf weiß sehe, dann steigert sich sicherlich noch mal die Aufregung. Ich mag ganz gern im Jetzt und Hier leben und die Verfilmung ist für mich erstmal noch Zukunftsmusik, die ich sehr gern klingen höre und wenn das zustande kommt, von dem ich hoffe, das es zustande kommt, dann bin ich sehr freudig aufgeregt, weil ich mir das toll vorstelle.

Nicht jedes erfolgreiches Buch bekommt auch einen erfolgreichen und gut umgesetzten Film. Und gerade in jüngster Zeit sind so einige „große“ Verfilmungen in die Hose gegangen. Wenn man eine Serie schreibt, an der man auch noch vor hat weiterzuschreiben ist das dann auch noch mal was anderes, als wenn man zum Beispiel einen Einzeltitel, wie „Whisper“ hat. Der ist fertig! Würde es mir dann persönlich nicht gefallen, wäre es blöd, aber eben damit auch beendet. Wenn mir das Ergebnis mit „Lola“ jetzt sehr gut gefällt, was ich jetzt einfach hoffe, dann würde es mich bestimmt inspirieren und bereichern und würde bestimmt einen guten Einfluss auf weitere Bände nehmen. Wenn das Gegenteil der Fall ist, muss man sich fragen, inwieweit mich das im negativen Sinne beeinflussen würde. In jedem Fall ist das alles sehr spannend.
Schreiben Sie das Drehbuch selbst? Könnte ich, möchte ich aber nicht. Meine Leidenschaft ist das Bücher schreiben und damit bin ich auch mehr als ausgelastet. Deshalb ist es auch wichtig dass man mit einer Produktion zusammenkommt, bei der man das Gefühl hat, das man das in Hände geben kann, wo erstmal dieses berühmte Bauchgefühl stimmt. Ich bin ein ganzer großer Fan vom Bauch. Wenn da das Gefühl stimmt, dann sind das sehr, sehr gute Voraussetzungen. Es gibt eine Sache, die für mich am allerwichtigsten ist: Das ist, das man mein Mann, Eduardo Macedo, die Musik macht. Wenn er nicht wäre, gäbe es keine Lola. Bei allem anderen, glaube ich, muss man loslassen können.
...was ja für einen Autor bestimmt schwierig ist. Kommen wir zu Ihren Figuren, die, gerade in „Whisper“ mit der Schauspielerin Katharina Thalis und ihrer Tochter Noa unglaublich echt und schlicht großartig beschrieben wurden. Wie machen Sie das? Kommen alle Charaktere direkt und nur aus Ihnen oder haben Ihre Figuren reale Vorbilder? Ich glaube, das meine Figuren auf Ihre Art Cocktails sind. Katharina Thalis hat einige Eigenschaften der Schauspielerin Nina Petri, mit der ich gut befreundet bin. Zum Beispiel ihre Hände, ihr Sinn für Humor, usw., es steckt aber auch etwas von Katharina und etwas von Noa in mir. Bevor ich ein Buch anfange zu schreiben, arbeite ich sehr lange mit den Figuren und lebe auch eine ganze Weile mit ihnen, so dass sie irgendwann in meinem Kopf eine eigene Gestalt annehmen und wenn sie dann mit der Geschichte aufs Papier kommen, dann stellt sich der sogenannte Pinocchio-Effekt ein, dann werden sie richtig lebendig, nehmen die Zügel in die Hand und sagen „Hey, jetzt geht’s nicht da lang, sondern in die andere Richtung!“. Dann entstehen Dinge, mit denen man vorher nicht gerechnet hat. Bei den Figuren Noa und David hatte ich Schauspieler. Das mache ich ganz oft, wenn ich sie finde. Das hat den Vorteil, dass man sie hemmungslos auf DVD mustern kann. Bei David in „Whisper“, jetzt nicht lachen, war es Leonardo DiCaprio in dem Film „Marvins Töchter“. Den hab ich mir in Slowmotion rauf und runter angesehen. Bei Noa war es Juliette Lewis. Ich habe von ihr ein Foto, das auch auf meiner Website zu sehen ist. Da trägt sie nur einen Pullover und Unterwäsche, was ich für eine Szene in „Whisper“ verwendet habe. So entstehen die unterschiedlichen Situationen.
Lässt man Ihnen als erfolgreiche Autorin von Verlagsseite auch die Zeit, ihre Figuren entwickeln zu dürfen? Inzwischen darf ich mir die Zeit nehmen, wobei ich das eigentlich immer durfte. Mich kettet ja keiner an und mich schließt auch niemand ein und lässt mich erst wieder raus, wenn ein Buch fertig ist. Man macht sich selbst oft den Druck, der aber auch sein muss. Der tut auch gut, weil ich sonst meinen Zweifelmonstern zuviel Raum lassen würde. Je mehr Zeit, desto mehr kann ich verändern oder umstellen. Wenn aber zuviel Druck da ist, dann kommt auch nichts mehr dabei raus. Ich vertraue jedoch meinen Verlagen.
Welche Art von Büchern lesen Sie? Am Liebsten Jugendbücher. Gerade habe ich von John Green „Eine wie Alaska“, einer meiner Top-Favorits, gelesen. „Salzwassersommer“ aus dem Arena Verlag ist auch ein toller Roman mit ein wenig Mystery.
Wann kommt der nächste Jugendroman? Ich sitze dran! Ich bin gerade am Entwickeln der Figuren, was immer eine ganze Weile dauert. Im Dezember fange ich an zu schreiben. Wenn ich Ende Juni fertig bin, dann erscheint es genau in einem Jahr.
Sie schreiben also immer ein halbes Jahr an einem Buch? Kommt drauf an. Bei „Lola“ ist es meistens ein bisschen weniger. Bei den Jugendbüchern ist es im Schnitt ein halbes Jahr, wobei das die Entwicklungsphase nicht mit einbezieht. Der Roman, den ich jetzt beginne, trage ich seit 3 Jahren in mir herum. Die Figuren, die ich jetzt, ganz konkret in die Mangel nehme, die habe ich vor zwei Jahren schon entwickelt. Das ist auch das Schöne, das man sich damit ganz viel Zeit lassen kann.
Können Sie schon ein wenig von Ihrem neuen Jugendbuch verraten? Genre: Mehr „Whisper“, als „Isola“. Liebe und Tod.
Klingt spannend - wie immer! Wir bedanken uns für dieses tolle Gespräch.
Das Interview wurde veröffentlicht am: 15.10.2008

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