Interview mit...

...Gehard Gemke


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"Es ergibt sich manchmal beim Schreiben, dass man von Hölzchen auf Stöckchen kommt. "

Mit Booksection im Gespräch: Schriftsteller Gerhard Gemke.

Booksection: Hauptberuflich machen Sie Musik bzw. unterrichten Klavier. Wie sind Sie zum Schreiben gekommen?
Gehard Gemke: Natürlich kommt jetzt die Antwort: Geschrieben habe ich schon immer (lacht). Das stimmt aber tatsächlich. Ich bin in einem Umfeld aufgewachsen, wo viele Leute Kabarett gemacht und selber geschrieben haben, oder Musiker waren, die mit eigenen Sachen auf die Bühne gingen. Das hat sich häufig vermischt. Ich habe dann selbst auch Lied- und Kabarett-Texte geschrieben. Hauptberuflich bin ich aber zunächst Musiker geworden, habe Musik studiert und bin jetzt am Theater und an der Musikschule gelandet. Irgendwann hat es mich dann noch mal gepackt, und als meine Kinder so um acht, neun Jahre alt waren, habe ich mich wieder auf das Schreiben gestürzt.

Booksection: Was sind Ihre Inspirationsquellen für Bresel?
Gehard Gemke: Bresel hat sich entwickelt. Ich fand zuerst die leicht spießigen, skurrilen und schrägen Figuren spannend. Das ist so ein bisschen auch meine Sicht auf die Welt und die Zweibeiner, da tut ein wenig ironische Distanz häufig gut. Und wenn man das Gefühl hat: Doch, das könnte so gewesen sein, darf man die Ernsthaftigkeit ruhig etwas brechen und überzeichnen. So wünsche ich mir, dass es bei den Lesern ankommt bzw. sie sich auch so wieder finden. Dieser Aspekt hat mich sehr gereizt, und der Rest hat sich beim Schreiben fast von selbst ergeben.

Booksection: Man kann sich viele Figuren aus Bresel gut vorstellen. Gab es „echte“ Vorbilder?
Gehard Gemke: Ganz konkrete Vorbilder gab es nicht. Ich glaube aber schon, dass jeder so einige Typen wiedererkennt. Wenn ich durch die Welt laufe und mir die Leute anschaue, denke ich dann: das könnte ich jetzt verwenden und wenn ich das überspitze, wird das eine Elfriede Sievers.

Booksection: Altersmäßig gehöre ich persönlich ja nun nicht wirklich zur Zielgruppe. Dennoch habe ich mich herrlich amüsiert. War es den von Beginn an die Intention ein Jugendbuch zu machen? Oder haben Sie einfach „drauflos“ geschrieben und alles Weitere hat sich dann ergeben?
Gehard Gemke: In erster Linie habe ich „Bresel“ für meine Kinder geschrieben. Dennoch haben mich einzelne ältere Figuren dann so gereizt, dass ich manchmal die kindliche Perspektive verlassen habe und in eine erwachsene Sicht gewechselt bin. Deshalb sagen wahrscheinlich auch viele Erwachsene, dass sie etwas damit anfangen können.

Booksection: Die ironische Ebene gerade mit den Stadthonoratioren fand ich gut getroffen. Man kann sich gut vorstellen, dass es in mancher Kleinstadt genau so zugeht. Wird es weitere Abenteuer aus Bresel geben?
Gehard Gemke: Gerne! Ich habe schon neue Geschichten in der Schublade. Jetzt muss der Verlag aber natürlich erstmal schauen wie es läuft. Dann werden wir sehen, ob es noch einen weiteren Band gibt.

Booksection: Können Sie sich auch vorstellen „Bresel“ für ein neues Buch völlig hinter sich zu lassen?
Gehard Gemke: Darüber habe ich schon nachgedacht und ich hätte große Lust einen Erwachsenenkrimi zu schreiben. Ideen dafür gibt’s, aber auch schlicht zeitliche Probleme. In den nächsten Monaten muss ich mich um Musik für Theaterstücke kümmern, die dann zwar erst 2010 Premiere haben, aber natürlich jetzt vorbereit werden müssen. Daher habe ich im Moment eine kleine schreiberische Durststrecke, aber ich hoffe, dass ich mich bald wieder darauf stürzen kann.

Booksection: Aber Krimi wäre schon das Genre, wo Sie sich auch in der Erwachsenenliteratur sehen würden?
Gehard Gemke: Ja, ich glaube schon. Auch wenn ich selbst lese, bin ich ein großer Krimi-Fan. Im Moment liebe ich die skandinavischen Krimis von Jo Nesbø und Hakan Nesser. Fantasy zum Beispiel ist weniger mein Ding. Ich mag Geschichte, die mit einem Bein in der Realität stehen und die ich dann ein wenig überdrehe.

Booksection: Auf ihrer Homepage www.gerhardgemke.de erzählen Sie, seit wann sie Musiker sind. Ein richtig mitreißendes Plädoyer für die Musik. Sind Sie auch mit dem gleichen Herzblut Autor?
Gehard Gemke: Absolut! Wenn ich mich hinsetze und mir etwas ausdenke, etwas schreibe, dann stürze ich mich mit Haut und Haar darauf. Das kann dann ein Musikstück sein, wo ich mich über Wochen verkrieche – meine Familie möge mir das verzeihen – bis es fertig ist. Genau so geht es mir mit einem Buch. Von der ersten Idee über das Konzept, welches ich meist sehr detailliert ausarbeite, bis es dann endlich fertig ist.

Booksection: Wie machen Sie das beim Schreiben – fangen Sie mit der Lösung an und arbeiten sich dann von hinten nach vorne?
Gehard Gemke: Ich habe gern von Anfang an einen roten Faden und weiß wo der endet. Ich beginne meistens so, dass ich eine Geschichte hinter der Geschichte erfinde. Also: Was muss alles passiert sein, damit überhaupt diese Situation entsteht. So habe ich ein logisches Fundament und dann fange ich an, mir den roten Faden der eigentlichen Geschichte zu spinnen. Ob der dann hinterher auch wirklich so eingehalten wird, ist eine zweite Frage. Es ergibt sich manchmal beim Schreiben, dass man von Hölzchen auf Stöckchen kommt und dann ganz wo anders herauskommt, als man geplant hat. Dann gilt es wie bei einem großes Puzzle den Überblick zu behalten, bis jedes Steinchen schließlich an seinen vorgesehen Platz liegt.

Booksection: Ich finde es erstaunlich, dass es Autoren gibt, die einfach beginnen und dann schauen, wohin sie die Geschichte trägt.
Gehard Gemke: Ich könnte nicht einfach so ins Blaue schreiben. Ich hätte viel zu viel Sorge mich zu verfransen und mitten drin zu merken: Jetzt hänge ich in diesem Strang, aber der passt gar nicht mehr zum Beginn. Es gibt da eine schöne alte Theaterregel, die ich herrlich finde: Wenn zu Beginn eines Stückes eine Pistole an der Wand hängt, dann muss auch bis zum Schluss des Stückes einer damit erschossen worden sein.

Booksection: Haben Sie eine Lieblingsfigur aus Bresel?
Gehard Gemke: Schwer zu sagen. Bei den vier Protagonisten, den vier Kindern, ist es glaube ich inzwischen Lisa. Ansonsten liebe ich natürlich Oma Sievers. Auch die beiden Dick und Doof, also Carlo und Ede, die durch die Geschichte stolpern und sie, ohne das sie es wollen, dadurch vorantreiben und unfreiwillig Bresel retten.

Booksection: Ich freue mich in jedem Fall auf weitere Geschichten aus Bresel und sage Danke für das sehr nette Gespräch, Herr Gemke.



Das Interview wurde am 14.10.2009 durch Melanie Frommholz geführt. Veröffentlicht und freigegeben vom Autor am 23.10.2009

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